Wird Besitz bedeutungslos? Was bringt uns das Zeitalter der„Share Economy“?

Das Stuttgarter Mercedes-Benz Museum

Das Stuttgarter Mercedes-Benz Museum

Rund 250 Zuhörer kamen am 4. Dezember 2014 ins Stuttgarter Mercedes-Benz Museum, um den Vortrag von David M. Woisetschläger über das heraufziehende Zeitalter der „Share Economy“ zu hören. Der Vortrag wurde gehalten im Rahmen der Reihe „Dialog im Museum“, die gemeinsam von der Daimler und Benz Stiftung, der Daimler AG sowie dem Mercedes-Benz Museum veranstaltet wird.

Von der Entwicklung Güter oder Dienstleistungen zu teilen, sind derzeit nahezu sämtliche Branchen betroffen. In den Bereichen Mobilität, Mode, Essen, Waren, Geld, Unterkünfte tauchen völlig neue Internet-Plattformen auf, die durch die Ausweitung und den Vergleich von Angeboten ganz neue Möglichkeiten des Austauschs eröffnen. Um ein Beispiel zu nennen: Der Wert von „Airbnb“, ein Internet-Markplatz für die weltweite Buchung und Vermietung von privaten Unterkünften, wird auf 10 Milliarden Dollar geschätzt. Im Vergleich: Der Reiseanbieter TUI wird auf 3,9 Milliarden Dollar veranschlagt. Auch bei Car-Sharing ist der Aufwärtstrend ungebrochen. Wird Besitz in Zukunft also bedeutungslos?

Die klare Abgrenzung des Teilens von Gütern gegenüber den anderen sozialen Austauschformen wie „schenken“ und „kaufen“ bleibe letztlich schwierig, so Woisetschläger. Oft handle es sich beim Teilen im Sinne von „to share“ doch vielmehr nur um eine „Kurzzeitmiete“. Als einen wesentlichen Treiber der „Share Economy“ identifizierte Woisetschläger das Internet. Logistische Hürden und Begleitkosten würden soweit minimiert, so dass nahezu jeder an dieser Form eines ökonomischen Austauschs teilnehmen könne. Aber auch psychologische Faktoren seien, bei aller Vorsicht gegenüber den erhobenen Daten, wichtig. Vor allem ein zunehmendes Bewusstsein für die ökologische und sozialen Folgen des eigenen Handelns, aber auch eine veränderte Einstellung zu Eigentum und Wohlstand sowie zunehmender Pragmatismus würde die Entwicklung beschleunigen.

Das Auditrium (Bildquelle: Wölffing / Daimler & Benz Stiftung)

Das Auditrium (Bildquelle: Wölffing / Daimler & Benz Stiftung)

Probleme gebe es vor allem in Hinsicht auf die verantwortliche Nutzung kurzzeitig gemieteter Güter. Dies werde beim Car-Sharing deutlich. Immer wieder würden Fahrzeuge vermüllt oder ein einer Weise abgestellt, dass sie nur schwer wieder aufzufinden seien. Hier müssten Anreize zu mehr Verantwortung und Gemeinsinn gefunden werden. Auch wenn derzeit die „Share Economy“ viele Wirtschaftszweige von Grund auf umgestalte, werde dieser Prozess doch an seine Grenzen stoßen: „Die symbolische Bedeutung des Besitzes wird das grenzenlose Wachstum der Share Economy limitieren“, so Woisetschlägers Fazit.

Autor: Prof. Dr. David M. Woisetschläger ist seit 2011 Inhaber des Lehrstuhls für Dienstleistungsmanagement und Vorstand des Instituts für Automobilwirtschaft und Industrielle Produktion an der Technischen Universität Braunschweig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kundenbeziehungs- und Markenmanagement sowie der Entwicklung neuer Dienstleistungen.

Der Link zum Vortrag.

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