Wie weit lässt sich Ethik zertifizieren?Wie weit lässt sich Ethik zertifizieren?

Nach fünfjährigem Prozess wurde im September 2010 die ISO-Norm 26000 „Guidance on Social Responsibility“ verabschiedet. Die nicht zertifizierungsfähige Norm stellt eine Leitlinie dar, um das Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung zu schärfen und eine einheitliche Terminologie zu fördern. Der Leitfaden bindet bereits vorhandene Ansätze für ökologische und soziale Verantwortung (ILO-Kernarbeitsnormen, GRI (Global Reporting Initiative), Global Compact etc.) ein und enthält viele Beispiele guter CSR-Praxis (Best Practices.

Der Weg zur ISO 26000

Im März 2005 hatte dazu die ISO-Arbeitsgruppe “Social Responsibility” mit einer ersten Sitzung in Brasilien ihre Arbeit aufgenommen. Mit der Annahme wurde das weltweite Abstimmungsergebnis über die ISO-Norm zur Social Responsibility festgestellt: 66 Ländern stimmten für die Norm, fünf Länder stimmten dagegen (darunter die USA), elf Länder enthielten sich ihrer Stimme (darunter Deutschland und Österreich).

ISO 26000 ist nun eine umfassende internationale Norm, die eine Reihe von Empfehlungen bereitstellt für alle Organisationsarten. Sie ist aber keine technische Norm und auch kein Management System Standard. Sie soll die Organisationen dabei unterstützen, ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Auch das Thema der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen – die Corporate Social Responsibility (CSR) – wird mit der ISO 26000 erstmals standardisiert und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ziel der internationalen Norm ISO 26000 („Guidance Document on Social Responsibility“) ist es, allen Arten von Organisationen – unabhängig von ihrer Größe und ihren Tätigkeiten in entwickelten oder sich entwickelnden Teilen der Welt – einen Orientierungsrahmen zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen zu bieten und somit einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung zu leisten. ISO 26000 ist dabei als Leitfaden angelegt, der die strategische Planung und Umsetzung von gesellschaftlicher Verantwortung erleichtern soll.

Corporate Social Responsibility (CSR) soll nun Unternehmen viele Vorteile bringen. Studien beweisen, dass Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, ihr positives Image stärken. Sie sind wettbewerbsfähiger, steigern ihre Produktivität und ihren wirtschaftlichen Erfolg. Doch ist dem wirklich so?

Im Juni vergangenen Jahres hatte das Institut für Unternehmensethik (IFU) an der EBS Business School zum 9. Business Roundtable nach Oestrich-Winkel geladen. Thema der Veranstaltung war, ob sich der ISO 26000-Standard bei Organisationen und Unternehmen als Leitlinie für gesellschaftliche Verantwortung auch wirklich durchsetzen wird. Doch in der Theorie lässt sich vieles diskutieren – was meinen eigentlich die Unternehmen dazu?

4 Gedanken zu „Wie weit lässt sich Ethik zertifizieren?Wie weit lässt sich Ethik zertifizieren?

  1. Jacqueline Althaller

    Ich begrüße als Unternehmerin die Einführung der ISO-Norm 26000 sehr. Zertifizierungen geben Orientierung und belegen, dass ein Unternehmen in einer bestimmten Art und Weise denkt und arbeitet. Das macht die Anbahnung von neuen Geschäftsbeziehungen, sei es mit Kunden oder mit Kooperationspartnern, leichter. Vorausgesetzt, die Zertifizierung wird am Markt auch wahrgenommen. Es bleibt auf der einen Seite abzuwarten, wie viel Wertschätzung die neue ISO-Norm erfährt. Auf der anderen Seite ist es Aufgabe der Unternehmen, die Zertifizierung nach außen sichtbar mit Leben zu füllen. Die Darstellung des „Stempels“ allein wird keinen Mehrwert bringen. Als Kommunikationsagentur haben wir gute Erfahrungen mit TRACE International gemacht. Seit 2005 werden wir jährlich für unsere transparenten Geschäftsprozesse zertifiziert, was nicht nur bestehende Kunden zu schätzen wissen. Auch in der Ansprache von Neukunden ist das „Gütesiegel“ von Vorteil.

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  2. Guido Gürtler

    Obiger Beitrag unterliegt einem großen Missverständnis: ISO26000 ist ja gerade NICHT zertifizierbar. Es gilt die Eigenaussage zur Anwendung dieses Leitfadens, begleitet von einer nachvollziehbaren Dokumentation.
    Ethik lässt sich nicht zertifizieren!
    Viele weitere Argumente gibt es unter http://www.26k-estimation.com

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    1. dk

      Vielen Dank für Ihren Kommentar, Herr Gürtler. Die von Ihnen genannte Seite finde ich sehr spannend! Viele Unternehmen fühlen sich aber auf der „sicheren Seite“, wenn sie ihre Ethik-Ambitionen in eine Zertifizierung gießen können. Was würden Sie denn als machbares Prozedere vorschlagen?

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      1. Guido Gürtler

        Das machbare Prozedere? 1. Eine Selbstanalys und -aussage zur Nutzung von ISO 26000, 2, 2. mit begleitender Dokumentation und 3. Einstehen zur eigenen Verantwortung. Zertifikate sind viel zu leicht erzeilbar/fälschbar und entlasten in Streitfällen nicht.
        Armes Unternehmertum, das mehr auf ein Zertifikat vertraut als auf sich selbst!

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