„Digitale Ethik 4.0“ – Dr. Thilo Hagendorff setzt sich mit den Folgen der Anonymität im Internet auseinander

Dr. Thilo Hagendorff, Mitarbeiter im „Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften"

Dr. Thilo Hagendorff, Mitarbeiter im „Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften“

Wenn über Anonymität im Internet gesprochen wird, geht es zumeist um technische Maßnahmen zur Verschleierung der eigenen Identität. Im Sinne des Datenschutzes wird Anonymität als ein wichtiges Gut in der computervermittelten Kommunikation betrachtet. Medienethische Analysen hingegen weisen auf die Ambivalenz von Anonymität hin.

In den meisten Fällen verläuft die textbasierte elektronische Kommunikation, anders als die Face-to-Face-Kommunikation im „realen“ Leben, über Profile, Accounts, Nicknames oder Avatare, welche nicht die dahinter agierende Person repräsentieren müssen. Hierdurch wird die Adressierung von Einzelpersonen – insbesondere als Reaktion auf möglicherweise normverletzendes Verhalten – signifikant erschwert wenn nicht gar unmöglich. Anonyme Kommunikationssituationen bedingen so, dass es zu einer Verminderung der Beobachtung und der Kontrolle des eigenen Verhaltens kommt.

Die Folgen: Die Selbstaufmerksamkeit sinkt und eine verringerte Bewertungsangst durch Dritte bewirkt, dass verstärkt normverletzendes Verhalten gezeigt werden kann. Die verringerte Bewertungsangst ist gleichsam eine verringerte Sanktionsangst, welche aus der Verunmöglichung der Haftbarmachung der anonym kommunizierenden Person resultiert.

Verhalten orientiert sich an Gruppennormen

Aus der medienwissenschaftlichen Forschung ist bekannt, dass anonyme Kommunikationssituationen im Internet nicht automatisch zu normverletzendem Verhalten führen. Tatsächlich orientiert sich das Verhalten des Einzelnen in solchen Situationen stärker an Gruppennormen. Es kommt zu einer „Deindividuation“ von Personen. Die Gruppenorientierung kann dann negative oder positive Konsequenzen haben. Die Kommunikation kann auf der einen Seite geprägt sein von der Einhaltung taktvoller Verhaltensetiketten oder auf der anderen Seite von enthemmtem Hate Speech.

Problematisch sind Dynamiken, welche sich etwa in Form von Cybermobbings, Shit-Storms, Trolling, Cybercrime, Cyberstalking oder Cybergrooming manifestieren. Denn die Konsequenzen gewaltförmiger Kommunikationsformen im Internet bleiben nicht auf den Kontext einzelner Foren, Kommentarbereiche oder Chatrooms beschränkt, sondern wirken schädigend bis in sensible Bereiche der Lebenswelt betroffener Personen hinein. Kann dem entgegengesteuert werden? Ja – auf verschiedenen Ebenen: Problemlösungen können technisch, juristisch oder ethisch beziehungsweise pädagogisch motiviert sein.

Mit dieser und weiteren Fragestellungen hat sich Dr. Thilo Hagendorff, Mitarbeiter im „Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften“ in seinem Vortrag „In der Anonymität stellt man auch gerne mal Fremde an den Pranger – wo kann das hinführen?“ auf dem Syposium „Digitale Ethik 4.0″ befasst.

Zur  Präsentation – Anonymität

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