Schlagwort-Archiv: Vertrauen

Tempted to use a tracking app on your partner? Read this first

Article in „The Guardian“ by Andrew Martin: Should you be considering installing spywear on their phone, bear this in mind: you might find out more than you want to. ‘ Daily Mirror carries an interview with a schoolteacher called Catharine Higginson, who discovered that her husband had installed a tracking device in her phone that allowed him to follow her every move and read all her text messages. … read more…

Überwachung: Was der BND wirklich will

Warum wünscht sich der Bundesnachrichtendienst noch bessere Instrumente zur Totalüberwachung? Angeblich um kriminelle und politisch motivierte Cyber-Angriffe besser zu bekämpfen. Es gibt aber keinen einzigen Grund, das zu glauben, meinen die „FAZ“-Autoren Frank Rieger und Constanze Kurz. … mehr … http://tinyurl.com/n4fek95

Online-Bewertungen: Ein schmaler Grad zwischen Wunsch und Wirklichkeit

WP_001874Kundenbewertungen im Internet spielen auch beim Kauf von Büchern eine wichtige Rolle – speziell bei Fachbüchern. Deshalb versuchen viele Buchautoren, den Verkauf ihrer Werke zum Beispiel durch positive Besprechungen bei Amazon zu puschen. Also sollte man als potenzieller Käufer ein Gespür dafür haben: Welche Besprechung ist vermutlich „echt“ und welche „gefakt“?

„Trommeln gehört zum Handwerk.“ Dieses Credo haben (nicht nur) viele bücherschreibende Unternehmensberater verinnerlicht. Sie wissen zudem: Gerade bei Fachbüchern orientiert sich die Kaufentscheidung der potenziellen Käufer stark daran, wie diese unter anderem bei Amazon von Lesern bewertet werden. Denn weil die meisten Fachbücher in den Buchhandlungen nicht vorrätig sind, kann man dort auch nicht in ihnen schmökern. Also arbeiten die Buchautoren darauf hin, dass nach dem Erscheinen ihrer Bücher möglichst viele Top-Bewertungen, also 5-Sterne-Bewertungen von diesen bei Amazon erscheinen – von Bekannten und Verwandten sowie PR-Beratern, die sie engagiert haben, in der berechtigten Erwartung: Dann kaufen oder bestellen potenzielle Interessenten eher mein Buch.

Entsprechend wichtig ist es, die „echten“ von den „un-echten“, weil von den Autoren initiierten Kundenrezensionen unterscheiden zu können, um sich ein Urteil darüber zu bilden: Ist das Buch x oder y für mich interessant, und lohnt es sich lesen? Vorsicht ist zum Beispiel angesagt, wenn bereits wenige Tage, nachdem ein Buch lieferbar ist, ein halbes Dutzend 5-Sterne-Bewertungen im Netz stehen. Denn dann wurde das Buch bei den tatsächlichen Bestellern meist noch gar nicht ausgeliefert. Und wenn doch? Dann hätten sie das Buch nach Erhalt sofort in einem Rutsch durchlesen müssen, um danach sogleich eine Rezension zu schreiben. Das ist bei einem Fachbuch unwahrscheinlich. Deshalb sind diese Besprechungen meist „gefakt“.

Sehr viele Top-Bewertungen sind verdächtig

Dasselbe gilt, wenn – wie bei einem Mitte September erschienenen Buch eines Vertriebsberaters – bereits einen Monat nach dem Bucherscheinen mehr als 50 zumeist 5-Sterne-Besprechungen bei Amazon stehen. Auch dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch: Der Autor aktivierte seinen gesamten Freundes- und Bekanntenkreis, positive Buchrezensionen zu publizieren. Denn eine so große Zahl von Buchbesprechungen lösen selbst Neuerscheinungen solcher Star-Autoren wie Ken Follet und Joanne K. Rowling in so kurzer Zeit nicht aus, obwohl deren Bücher in deutlich höheren Stückzahlen verkauft werden. Deshalb Vorsicht bei allen Büchern, bei denen schon kurz nach Erscheinen sehr viele Besprechungen auf der Amazon-Webseite stehen. Bei ihnen vermitteln meist die wenigen 1- bis 4-Sterne-Besprechungen ein realistischeres Bild von der Qualität des Buchs. Denn die „bestellten“ Rezensenten bewerten die Bücher fast ausnahmelos mit 5 Sternen.

Ebenfalls ein recht realistisches Bild von der Qualität eines Buchs erhält man, wenn man sich bei Lektüre der Besprechungen auf die beschränkt, unter denen der Vermerk „Verifizierter Kauf“ steht. Denn diese Rezensenten kauften das Buch tatsächlich bei Amazon – und deshalb lasen sie es vermutlich auch, was bei meisten anderen Rezensenten zweifelhaft ist. Dasselbe gilt für Rezensionen von Fachbüchern, die erst ein oder zwei Jahre nach Erscheinen des Buchs ins Netz gestellt wurden: Sie sind meist „echt“. Denn zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Autoren (sowie deren Verlage) die PR für ihr Buch schon eingestellt – entweder weil dieses sich aufgrund der Mundpropaganda auch ohne diese gut verkauft oder weil es trotz aller PR wie Blei in den Regalen liegt.

Vorsicht bei Top-Rezensenten

Ein gutes Bild, inwieweit man dem Urteil eines Amazon-Rezensenten vertrauen kann, erhält man auch, wenn man dessen Namen anklickt. Denn dann werden alle Bücher und sonstigen Produkte angezeigt, die er schon bewertet hat. Zeigt sich dann, dass zum Beispiel der Rezensent eines Fachbuchs für Führungskräfte zuvor nur Liebesromane und solche Produkte wie Kaffeemaschinen besprach, dann kann man nahezu sicher sein: Der Rezensent zählt nicht zur Kernzielgruppe des Buchs. Und vom Thema Mitarbeiterführung hat er vermutlich null Ahnung.

Besonders fragwürdig sind erstaunlicherweise oft gerade die Besprechungen der Rezensenten, deren Name mit einem Zusatz wie „Top 10…“ oder „Top 500 Rezensent“ versehen ist. Denn schaut man, wofür sie alles eine Bewertung abgaben, dann zeigt sich meist: Hierbei handelt es sich nicht nur um ein buntes Sammelsurium von Büchern, sondern auch allen möglichen anderen Produkten. Deshalb liegt bei vielen Top-Rezensenten der Verdacht nahe: Sie sind faktisch Schnäppchenjäger.

Das heißt: Sie lassen sich von Unternehmen kostenlos Produkte schicken und versprechen ihnen hierfür im Gegenzug eine Rezension. Entsprechend sind ihre Rezensionen. In der Regel bewerten sie die Produkte mit 5 Sternen und nur vereinzelt mit 4 Sternen. Schlechter sind die von ihnen bezogenen Produkte offensichtlich fast nie. Und entsprechend sind die Besprechungen inhaltlich meist auch: sehr oberflächlich. Im besten Fall wird nochmals das Inhaltsverzeichnis oder der Klappentext des Buchs in modifizierter Form wiedergegeben.

Zu viel Lob und Begeisterung stinkt

Ähnliches gilt übrigens für die meisten gefakten Besprechungen. Ist man zum Beispiel beruflich genötigt, häufiger solche Buch-Besprechungen zu lesen, dann entwickelt man schnell ein Gespür dafür, welche „gefakt“ und „echt“ sind. Platzt ein Rezensent bei der Beschreibung eines Fachbuchs zum Beispiel fast vor Begeisterung – „das tollste Buch, das ich je las“, „mein ständiger Wegbegleiter“, „der Kauf ist ein absolutes Muss für jeden …“ – dann könnte man fast jede Wette abschließen: Die Besprechung ist gefakt. Dasselbe gilt, wenn solche Begriffe wie „Insider-“ oder „Geheimwissen“ verwendet werden oder der Autor mit Komplimenten überhäuft wird wie „ein absoluter Meister seines Fachs“, „ein neuer Stern am …-Himmel“. Dann weiß man: Hier war ein Kumpel oder PR-Unterstützer des Buchautors am Werk. Also sollte man das Buch nicht kaufen oder zumindest diese Rezension nicht beachten.

Und wenn Sie trotzdem einmal, verführt von den vielen positiven Besprechungen, ein Buch bestellen, das sich als Flop erweist? Dann ist das kein Problem. Denn für alle Online-Bestellungen gilt: Zwei Wochen lang kann man die bestellte Ware zurücksenden.

Portraitaufnahmen für gewerbliche ZweckeAutor: Bernhard Kuntz ist Geschäftsführer der PRofilBerater GmbH in Darmstadt, die unter anderem Fachbuchautoren bei der Vermarktung ihrer Bücher unterstützt. Er ist u.a. Autor der Marketing- und PR-Ratgeber „Die Katze im Sack verkaufen“, „Fette Beute für Trainer und Berater“ sowie „Warum kennt den jeder?“

Pharma-Unternehmen mischen mit bei Internetmedizin

Dazu trägt bei, dass viele Gesundheitsportale je nach Interesse ihrer Betreiber bestimmte Präparate oder Therapien in den Vordergrund stellen. „Konkurrenzprodukte oder Behandlungsalternativen werden da gern mal verschwiegen“, sagt Corinna Schaefer vom ÄZQ laut einem Beitrag auf „Focus“ online. „Und oft ist kaum erkennbar: Wer hat die Information geschrieben? Wer hat sie bezahlt?“ Selbst bei unabhängigen Foren sei Vorsicht geboten, da Unternehmen dort gezielt Beiträge platzierten, in denen etwa bestimmte Produkte gelobt würden. … mehr … http://tinyurl.com/ma6tzpc

Share Caring – Die Zukunft der Medizin

DR-GutFehlendes Vertrauen, mangelhafte Kommunikation und schlechte Arbeitsbedingungen: Die Vorbehalte gegenüber dem heutigen Gesundheitssystem sind groß. Das Zukunftsinstitut berichtet in seinem Monatsmagazin Trend Update in der Oktober-Ausgabe „Dr. gut.“ über neue Wege der Medizin hin zu mehr Transparenz, Kooperation und einer neuen Arbeitskultur.

Die Zukunft der Medizin liegt in einem produktiven Miteinander. Patienten werden zukünftig als gleichberechtigte Mitwirkende verstanden. Ärzte leisten künftig auch im Internet einen professionellen Beitrag zu einer neuen Art der Kommunikation über Gesundheit. Das Verleihen von teuren medizinischen Geräten wird sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich zur Normalität. Dasselbe gilt für den Medizintourismus: Er wird nicht mehr als Schimpfwort, sondern zunehmend als konsequente Nutzung des internationalen Fachkräftemarkts verstanden. Um das qualitative Potenzial von Ärzten ausschöpfen zu können, steht zudem eine Veränderung des medizinischen Arbeitsumfelds und -klimas bevor: Flache Hierarchien, Freiräume für Weiterbildungen und diagnoseorientierter Austausch von Fachkräften in Spezialkliniken sind das Erfolgskonzept der Medizin von morgen.

Patient und Arzt begegnen sich im Netz

Die Netzgemeinde ist kommunikativ und teilt gerne. Sich in Internetforen statt beim Arzt Gesundheitstipps und Diagnosen einzuholen, ist für viele schon zur Normalität geworden. Für Ärzte war das bislang ein Ärgernis, führte es doch nicht selten zu einem Vertrauensverlust der Patienten. In Zukunft aber werden Mediziner das Internet immer mehr als Chance begreifen, die Nähe zum Patienten wiederherzustellen und ihn selbst mit professionellen Informationen zu versorgen. Damit wird der Patient als gleichwertiger Kooperationspartner in puncto Gesundheit akzeptiert.

Medizinische Versorgung als Gemeinschaftsprojekt

Die Kultur des Teilens – die Shareconomy – erreicht die Gesundheitsbranche. Nicht nur Wissen und Informationen, sondern auch medizinische Geräte werden in Zukunft selbstverständlich weitergereicht und ausgeliehen. Und das sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich. Das entspricht einer neuen Mentalität des effizienteren Umgangs mit Ressourcen. Internetplattformen sind auch hier das Medium, das die Kommunikation und die Austauschmöglichkeiten leicht macht. Getauscht werden hierüber sogar schon erste Fürsorge-Dienste auf ehrenamtlicher Basis.

Die Gesundheitswelt wird international

Eine neue Branche entsteht: Der Medizintourismus verliert seinen Billig-Charme und wird zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor. Rundum-sorglos-Pakete mit Reiseorganisation, Hotelbuchung und Betreuung werden zum Standard. Dabei geht es längst nicht allen primär um eine Kostenverringerung: Kürzere Wartezeiten oder tatsächlich den allerbesten Arzt aus dem internationalen Pool zu bekommen – das spielt für Menschen in Zukunft eine ebenso große Rolle. Aus diesem Grund ist auch Deutschland ein beliebtes Ziel für Medizintouristen geworden. Anschließen wird sich an diesen Trend ein professioneller Pflegetourismus: Holte man sich früher billige Pflegekräfte ins Land, gehen immer mehr Patienten im Alter ins Ausland, um dort eine optimale Versorgung und Infrastruktur vorzufinden.

Teilzeit arbeiten, ganzheitlich behandeln

Nicht nur der Patient, sondern auch der Arzt leidet unter den zu kurzen Behandlungszeiten, die das auf Sparkurs ausgerichtete Gesundheitssystem produziert. Eine neue Arbeitskultur für Mediziner wird den Arztberuf wieder attraktiv und für Patienten wieder vertrauenswürdiger machen: Alte Machtstrukturen werden beseitigt, Konkurrenz wird durch Kooperation ersetzt, Gesundheitszentren für einzelne Erkrankungen fördern fachspezifische Zusammenarbeit – so wie es die USA bereits vormachen. Neue Arbeitsmodelle räumen Zeit für Weiterbildung und Forschung ein und machen Teilzeitarbeit zu einer akzeptierten Berufsform auch für Ärzte.

Tausche meine Daten gegen guten Service

KUndendaten_SilverpopDie Deutschen gelten als äußerst vorsichtig und zurückhaltend beim Thema Daten. Schnell werden Missbrauch und Datenklau befürchtet. Die Studie „Datengetriebenes Marketing – Marketing-Realität vs. Kundenwunsch“ des Marketingtechnologie-Anbieters Silverpop zeigt jedoch: Wenn Unternehmen Vertrauen aufbauen und herausragenden Service bieten, sind überraschend viele Verbraucher bereit, mehr über sich preiszugeben.

Ohne Service keine Daten

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung vom datenscheuen Deutschen sind rund drei Viertel (67 Prozent) der Verbraucher in Deutschland bereit, persönliche Daten herauszugeben, wenn sie exklusiver Service erwartet und sie mit dem Unternehmen eine gute und langjährige Kundenbeziehung verbindet. Das ist das Ergebnis der Silverpop Studie „Datengetriebenes Marketing – Marketing-Realität vs. Kundenwunsch“.

Sebastian Hölzl, Director Marketing Europe bei Silverpop, überrascht dieses Ergebnis nicht: „Die Zukunft des Marketings liegt darin, echte Beziehungen zu einzelnen Kunden aufzubauen. Marketer müssen verstehen, was der Einzelne will, um dann schnell mit persönlich zugeschnittenem Content reagieren zu können. Das funktioniert aber nur, wenn Unternehmen das notwendige Vertrauen schaffen, damit solche Beziehungen wachsen können“.

Wer nicht transparent ist, verliert

Wie aber schafft man Vertrauen, damit Kunden etwas über sich erzählen? Auch hier gibt die Studie Auskunft: 71 Prozent der befragten Verbraucher wünschen sich Offenheit und Transparenz im Hinblick darauf, wie und für was ihre Daten genutzt werden. Sobald nicht nachvollziehbar ist, wozu Daten erhoben werden und wie sich ihre weitere Verwendung gestaltet, lehnen 93 Prozent der Kunden die Auskunft ab. Außerdem möchten sie selbst auf die von ihnen erhobenen Daten zugreifen können. Technisch ist dies bereits möglich. Doch noch kaum ein Unternehmen nutzt diese Möglichkeit. Tatsächlich informieren nur 19 Prozent der Marketer über die zukünftige Verwendung der Daten und machen sie den Kunden zugänglich.

Angesichts dieser Zahlen mahnt Sebastian Hölzl zum Umdenken: „Für außergewöhnliche Kundenerlebnisse und zeitgemäßes Marketing sind Unternehmen auf persönliche Informationen der Kunden angewiesen. Deshalb ist es höchste Zeit, für mehr Transparenz und Aufklärung im Bezug in diesem Bereich zu sorgen. Die Kunden sollen verstehen, dass die Preisgabe von Daten besseren Service sowie persönlichere und relevantere Kommunikation bedeuten. Vorausgesetzt natürlich, die Unternehmen gehen verantwortungsvoll mit den Daten um.“

Über die Studie

Im Rahmen der Studie wurden 100 Marketingverantwortliche in deutschen Unternehmen ab 250 Mitarbeitern befragt. Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen erzielt einen Umsatz von 500 Millionen Euro und mehr. Auf Verbraucherseite wurden 1.000 in Privathaushalten lebende deutschsprachige Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt. Durchgeführt wurde die Umfrage von forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH im August 2013.

Datenschutz: Gehackte Gene

Autor Michael Stang macht sich im „Deutschlandfunk“ online Gedanken darüber, ob die Datenbanken mit genetischen Fingerabdrücken ausreichend geschützt sind? Denn der genetische Code ist für jeden Menschen er einzigartig. Und er verrät viel: Herkunft, Geschlecht, Aussehen, Krankheitsrisiken. Was aber, wenn diese Daten in falsche Hände geraten? … mehr … http://tinyurl.com/lyw3evk

Ideologisch, ängstlich, antimodern: Das Dogma der neuen Netz-Konservativen

Autor Alexander Pschera sinniert auf “Cicero” über das antimoderne, fantasielose Dogma der Internetkritiker: Enzensberger wütet gegen Smartphones, Grass wird ordinär, wenn es um Facebook geht und das Feuilleton der FAZ polemisiert gegen die Allianz der Netzkonzerne: Die Auseinandersetzung um das Netz gleicht mittlerweile einer weltanschaulichen Endschlacht. Hier entsteht eine neue konservative Ideologie der Vereinfachung, die die Gesellschaft spaltet. … mehr … http://tinyurl.com/njxvmut

Studie: Deutsche haben Angst vor Datendiebstahl und Betrug

Studie tns_Bitdefender_Smarte GeräteAuf der IFA 2014 wurden zahlreiche intelligente Heimgeräte wie Überwachungs- und Automatisierungssysteme oder Küchengeräte gezeigt, doch die deutschen Nutzer verbinden diese nur selten mit dem Internet. Selbst bei Smart TVs liegt dieser Anteil nur bei 41 Prozent. Diese überraschende Erkenntnis hat eine aktuelle repräsentative Studie von TNS Infratest im Auftrag des Sicherheitsanbieters Bitdefender ergeben. Der Hauptgrund dafür ist die Sorge vor einem Betrug durch Diebstahl von privaten Informationen.

Während bereits die Hälfte der Deutschen ein Smartphone besitzt und etwa jeder Vierte ein Tablet, werden smarte Heimgeräte derzeit erst von 19 Prozent genutzt. Jeder Zehnte hat einen Smart TV.

Generell gilt: Je jünger die Befragten sind, desto eher verwenden sie smarte Geräte. 73 Prozent fürchten jedoch Cyber-Attacken, die private Daten zusammenführen, demgegenüber nur vier Prozent den Kontrollverlust über die Systeme. Entsprechend werden lediglich 14 Prozent der Überwachungssysteme, 6 Prozent der Automatisierungssysteme und gar nur 1 Prozent der smarten Küchengeräte tatsächlich mit dem Internet verbunden.

Die Sorgen bei IT-Angriffen auf PC, Laptop oder Smartphone sind ähnlich und betreffen in erster Linie den Zugriff auf private Informationen oder sensible Transaktionen wie Bankgeschäfte. Bei Smartphones kommt die Angst vor einer Fremdsteuerung, etwa der Kamera oder des Mikrofons, hinzu. Generell sind hier die Bedenken bei jüngeren Befragten stärker ausgeprägt, einerseits weil sie die Gefahren vermutlich besser kennen und andererseits weil sie aufgrund ihrer höheren Technikaffinität wohl auch häufiger sensible Transaktionen durchführen.

„Viele Menschen haben Angst vor einem Diebstahl auf ihrem Bankkonto, da Kreditkartennummern und andere Angaben heute fast überall digital gespeichert sind“, sagt Catalin Cosoi, Chief Security Strategist bei Bitdefender. „Mit den neuen Mobilgeräten wird auch das Abhören privater Gespräche oder der Diebstahl persönlicher Bilder immer einfacher. Durch neue sicherheitszentrierte Technologie und entsprechende Richtlinien lassen sich diese Gefahren jedoch weitgehend vermeiden.“

Angst vor Cyber-Kriminalität wächst stärker als Sorge um Leib und Leben

Immer mehr Menschen befürchten, Opfer von Internetkriminalität zu werden. Für jeden Zweiten stellen Cyber-Gefahren inzwischen eine persönliche Bedrohung dar. Fasst man die vier Risiken „Datenbetrug“, „Datenmissbrauch durch Unternehmen“, „Computerviren“ und „Datenmissbrauch durch andere Nutzer in sozialen Netzwerken“ zusammen, so gehen 91 Prozent der Deutschen davon aus, dass diese zunehmen werden. Das ergab eine Befragung des Instituts Allensbach im Auftrag der Telekom. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag der Wert bei rund 80 Prozent. Der Sorgenkatalog der Deutschen verzeichnet damit den deutlichsten Anstieg bei der Cyber-Gefahren, während die Sorgen um Leib und Leben eher stagnieren oder sogar sinken.

74 Prozent der Befragten glauben, dass die Gefahr vor Datenbetrug im Internet zunehmen wird. Damit liegt der Datenklau im Ranking der wachsenden Gefahren auf Platz drei, direkt nach Pflegebedürftigkeit im Alter (77 Prozent) und Altersarmut (81 Prozent). Ebenso gehen mehr Menschen davon aus, künftig durch andere Staaten überwacht zu werden. Während 2013 noch 46 Prozent der Bürger erwarteten, dass die Datenspionage zunehme, sind es 2014 schon 52 Prozent.

„Die NSA-Debatte verunsichert weiterhin – vor allem mittelständische Unternehmen“, so Telekom-Vorstandsmitglied Reinhard Clemens. „Aber wer nicht digitalisiert, ist weg vom Fenster. Deshalb ist es wichtig, dass wir verlorenes Vertrauen wiederherstellen und umfassend aufklären. Unsere Aufgabe sehe ich darin, Unternehmen bei der IT-Umstellung zu begleiten.“

Die Gefahr von Arbeitslosigkeit, Gesundheitsgefahren durch Krankheiten oder Terroranschlägen schätzen die Befragten hingegen für die Zukunft als gleichbleibend oder sogar geringer ein. 27 Prozent glauben beispielsweise, dass das Risiko, den Job zu verlieren, künftig sinken werde.

Der Sicherheitsreport 2014 stützt sich auf 1.503 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung im Alter ab 16 Jahren. Die Studie beleuchtet den „Sorgenkatalog“ der Bundesbürger im Allgemeinen.

Lasst die Trolle verhungern: Gegen Saboteure im Netz hilft Gelassenheit und Diskussion

In diesen Tagen sind viele Nachrufe zu lesen: auf die freie Rede im Internet. Das ist wohl stark übertrieben, meint Autor Jochen Wegner in der „Zeit“. Doch eine der wichtigsten Errungenschaften des Netzes könnte tatsächlich bald verschwinden, wenn wir nicht für sie kämpfen. Für die demokratische Meinungsbildung ist das Netz so wichtig wie nie zuvor. Nun aber droht der digitale Diskurs am eigenen Erfolg zu ersticken: „Die Web-Trolle gewinnen, während die Grobheit zunimmt“, titelt etwa die New York Times. … mehr … http://tinyurl.com/mttddxx

Sicherheitsreport: Digitale Schizophrenie in Deutschland

3 AffenImmer mehr Bundesbürger sorgen sich um den Schutz und die Sicherheit ihrer Daten, aber kaum einer tut etwas dafür. Das ergibt sich aus dem Sicherheitsreport 2014, den das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Deutschen Telekom erstellt hat. Demnach sieht jeder Dritte (31 Prozent) Datenbetrug im Internet als großes persönliches Risiko. Fast 90 Prozent der Befragten glauben, dass die meisten Unternehmen persönliche Daten an andere Firmen weitergeben. Jedem Dritten bereitet das große Sorgen. Aber: Nur jeder Zweite liest Datenschutzbestimmungen von Online-Shops „ab und zu“ oder „in der Regel“. Die Mehrheit liest sie selten oder sogar nie.

Als Hauptgrund hierfür sagten die Befragten, die Bestimmungen seien zu ausführlich und damit zu mühsam zu lesen. Gut ein Drittel hingegen vertraut auf ausreichende gesetzliche Regelungen zum Datenschutz. Auch mit dem Schutz vor Cyber-Attacken nehmen es Deutsche laut einer Umfrage nicht so genau – vor allem Ältere sind nachlässig: Ein Drittel der über 60-Jährigen verzichtet gänzlich auf digitale Schutzmaßnahmen.

Dieser Widerspruch zwischen Angst einerseits und Unvorsichtigkeit andererseits sei auch damit zu erklären, dass die technische Komplexität des Internets einfach zu groß sei, als dass man das Gefühl habe, etwas gegen die Gefahren ausrichten zu können, so der Hirnforscher Prof. Dr. Christian Elger in einem Gespräch mit der Telekom. Diese Überforderung führe wiederum zur einer Verdrängung der Gefahren.

„Unternehmen müssen ihre Kunden in Sachen Datenschutz mehr unterstützen. Wir brauchen mehr Transparenz, und Datenschutzregelungen müssen für jedermann verständlich formuliert sein“, erklärte Thomas Kremer, Telekom-Vorstand für Datenschutz, Recht und Compliance. Mit der zunehmenden Globalisierung und einem ständig wachsenden Online-Handel würden verbindliche, länderübergreifende Richtlinien immer wichtiger, fügte Kremer hinzu. Es dürfe nicht sein, dass der Datenschutz innerhalb Europas von Land zu Land unterschiedlich geregelt sei und Schlupflöcher für ausländische Unternehmen biete. „Deshalb brauchen wir eine europäische Datenschutzgrundverordnung, die den Bürgern in Europa einen einheitlichen und verlässlichen Schutz im digitalen Umfeld bietet“, so Kremer.

Die Telekom hat sich und ihren Tochterunternehmen weltweit einheitliche Datenschutzrichtlinien gegeben, die unlängst von der Bundesdatenschutzbeauftragten bestätigt wurden. Wie aus dem Sicherheitsreport ebenfalls hervorgeht, wissen die Menschen die Anstrengungen der Telekom offenbar zu würdigen. Denn ihr wurde von den Befragten mit Abstand die größte Vertrauenswürdigkeit im Umgang mit persönlichen Daten zugeschrieben.

Der Sicherheitsreport 2014 stützt sich auf 1.503 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung im Alter ab 16 Jahren. Die Studie beleuchtet den „Sorgenkatalog“ der Bundesbürger im Allgemeinen.

Mehr Infos zum Thema

Hier finden Sie den vollständigen Sicherheitsreport 2014.

Tipps zum sicheren Surfen sind im Datenschutzratgeber der Telekom zusammengefasst.

Sicheres Surfen : die besten Tipps

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Cyberpsychologie-Studie gibt Einblicke in die Köpfe von Gamern

 

 

Privatsphäre im Auto: Dashcam verstößt gegen Datenschutz

Die digitale Aufrüstung macht auch vor dem Auto nicht halt. Der Straßenatlas hat ausgedient, kaum ein Kraftfahrzeug bei dem das Navi nicht fest installiert oder zumindest per Saugnapf an der Windschutzscheibe hängt. Immer öfter kommt es in letzter Zeit vor, dass auf dem Armaturenbrett oder an der Windschutzscheibe auch noch eine Digitalkamera prangt. Die datenschutzrechtliche Zulässigkeit der sogenannten Dashcams sowie die Verwendbarkeit der Aufzeichnungen als Beweismittel in Zivil- oder Strafprozessen sind laut den Versicherungsexperten der Arag umstritten.

Was ist eine Dashcam?

Als Dashcam wird eine Videokamera auf dem Armaturenbrett (englisch: dash board ) oder an der Windschutzscheibe von Fahrzeugen bezeichnet, welche die Fahrt fortwährend aufzeichnet und in einer Schleife speichert. Nach Ablauf einer programmierbaren Zeit oder bei Erreichen des Speicherlimits des Speichermediums werden ältere Aufnahmen überschrieben. Autofahrer installieren diese Kameras überwiegend, um Verkehrsabläufe zu dokumentieren und so bei Verkehrsunfällen die Schuldfrage eindeutig beweisen zu können. Es kommt auch immer öfter vor, dass Autofahrer das Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer zur Anzeige bringen oder eventuelle Polizeikontrollen dokumentieren wollen.

Was sagen Datenschützer?

Ein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz liegt dann vor, wenn mit einer Dashcam Aufnahmen in der Absicht gemacht werden, sie später ins Internet zu stellen, auf Youtube und Facebook hochzuladen oder Dritten zu übermitteln. Letzteres gilt laut ARAG Experten auch, wenn die Aufnahmen an die Polizei weitergegeben werden.

Ein aktuelles Urteil

In dem aktuellen Fall hatte die zuständige Behörde einem Autofahrer untersagt, eine Dashcam zur Aufzeichnung von Verkehrsverstößen anderer Verkehrsteilnehmer einzusetzen. Die Anwältin des Mannes führte vor Gericht aus, ihr Mandant fühle sich häufig von anderen Autofahrern genötigt, so dass er sich zum Einsatz der Kamera gezwungen gesehen habe, um Beweismittel zu sichern.

Das angerufene Gericht befand allerdings, der Autofahrer habe mit seinen Videoaufnahmen den persönlichen oder familiären Bereich verlassen, weil der Mann ihn behindernde oder nötigende Autofahrer mit den Aufnahmen bei der Polizei habe überführen wollen. Damit finde das Bundesdatenschutzgesetz Anwendung. Schließlich ließen sich die mit seiner Dashcam in der Öffentlichkeit gefilmten Personen und Nummernschilder ohne weiteres identifizieren. Das Gericht führte aus, dass das Bundesdatenschutzgesetz „heimliche Aufnahmen unbeteiligter Dritter grundsätzlich nicht zulässt und solche Aufnahmen einen erheblichen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht auf informationelle Selbstbestimmung der von den Filmaufnahmen betroffenen Personen darstellen“.

Die Datenschutzinteressen der heimlich Gefilmten sind demnach höher zu bewerten als das Interesse des Autofahrers an einem Videobeweis etwa für den Fall eines Unfalls. Trotzdem musste im vorliegenden Fall das Gericht das Verbot wegen eines Formfehlers aufheben. Die Berufung ließ es wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Sachverhalts allerdings zu und machte vor dem Prozess schon klar, dass hier der Gesetzgeber gefragt ist (VG Ansbach, Az. AN 4 K 13.01634).

Dashcams im Ausland

Andere Länder, andere Sitten! Das gilt auch für Dashcams. In Österreich und der Schweiz gelten ähnlich strenge Datenschutzbestimmungen wie in Deutschland. In Russland ist der Einsatz von Dashcams hingegen sehr weit verbreitet. Daraus resultierende teils skurrile, teils drastische Aufzeichnungen wurden vielfach im Internet veröffentlicht. In Großbritannien bieten verschiedene Kfz-Versicherungen sogar Rabatte an, wenn der Versicherungsnehmer eine Dashcam installiert hat.

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Briten und Deutsche: Sehr unterschiedliches Privatsphäre-Verhalten bei der Mobiltelefonie

Eine Umfrage unter 1000 englischen und 1000 deutschen Angestellten hatte zum Ergebnis, dass in den beiden Ländern sehr unterschiedliche Einstellungen hinsichtlich der Privatsphäre bestehen. Während englische Angestellte in einem höheren Maße befürchten, dass ihre Mobilkommunikation abgehört wird, sind sie weit weniger als die deutschen Angestellten bereit, Geld für die Privatsphäre auszugeben.

Die Umfrage wurde im zweiten Quartal 2014 von Silent Circle bei OnePoll in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse zeigen, dass 88 Prozent der englischen Angestellten glauben, dass ihre Telefonate und Textbotschaften abgehört beziehungsweise mitgelesen werden. In Deutschland sind nur 72 Prozent dieser Meinung. Allerdings würden 33 Prozent der Deutschen ein Mobilgerät oder einen Service kaufen, um ein „Lauschen“ zu unterbinden. Überraschenderweise sind nur 23 Prozent der Briten einer solchen Investition aufgeschlossen.

Vic Hyder, Chief of Revenue bei Silent Circle, kommentiert: „Die Ergebnisse bestätigen: viele Anwender verstehen, dass mobile Kommunikation nicht mehr privat ist. Sie zeigen auch, dass fast ein Viertel der Briten und ein Drittel der Deutschen ihre Privatsphäre für so wichtig einschätzen, dass sie Hilfe in Anspruch nehmen. Wir erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Täglich fragen uns Anwender nach Lösungen, um die Kontrolle über die enormen Datenmengen, die ständig via Apps mit angeblich freien Services abfließen, wieder zu erlangen. Es ist das Ziel von Silent Circle über ein sicheres Kommunikationssystem echte Privatsphäre für Unternehmen und Einzelpersonen zu bieten.”

Silent Circle ist ein Dienstleister für globale vertrauliche Kommunikation mit Hauptsitz in der Schweiz. Silent Circle ist eine gemeinsame Gründung von Mike Janke, dem früheren Navy SEAL und Sicherheits-Spezialisten; Phil Zimmermann, dem weltberühmten Urheber der Internet-Verschlüsselung für Sprache und Daten, der 2012 in die Internet Hall of Fame aufgenommen wurde; sowie Jon Callas, dem Schöpfer von Apples Plattengesamtverschlüsselung und Mitbegründer der PGP Corporation.

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Deutschland braucht einen Digitalen Kodex: Die Suche nach einem Rettungsanker im Strudel der Digitalisierung

Matthias Kammer ist Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI).

Matthias Kammer ist Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI).

Gut Ding will bekanntlich Weile haben. Diese Erkenntnis besteht bereits seit Zeiten, in denen niemand von Begriffen wie Internet, Digitalisierung oder Datenschutz auch nur träumte. Und doch hat sich am inhaltlichen Kern der Aussage bis heute nichts geändert.

Deshalb ist es völlig okay, wenn DIVSI jetzt bereits über ein Jahr an dem Projekt eines Digitalen Kodex für Deutschland arbeitet. Unterstützt von hochkarätigen Experten aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, getragen von einer mittlerweile bundesweiten Diskussion und mit Ideen angereichert, die wir in München, Hamburg und Berlin bei öffentlichen Veranstaltungen gesammelt haben.

Was anfangs als wertfreie Frage im Raum stand, kann mittlerweile beantwortet werden: Ja, Deutschland braucht einen Digitalen Kodex. Warum?

Ein solcher Kodex könnte der Rettungsring im Strudel der Digitalisierung sein. Wir brauchen ihn, um ein gemeinsames Grundverständnis von Fairness zu entwickeln. Er wäre die sichere Basis für alle, die sich in welcher Form auch immer am Netz beteiligen. Bei solchen allgemein anerkannten und tatsächlich gelebten Richtlinien würde das Vertrauen ins Internet auf festem Fundament stehen.

Dabei sind wir mit den Experten einig: Ein Digitaler Kodex kann nicht alle offenen Fragen des Verhaltens von Institutionen und Personen im Netz klären, er wird nicht allumfassend sein können. Er muss sich jeweils auf konkrete Probleme beziehen und entsprechend in einer jeweils geeigneten Form erstellt werden.

Was gab in der ersten Hälfte 2013 den Anstoß für das aufwändige Projekt?

Letztlich hat der frühere Bundespräsident und DIVSI-Schirmherr Roman Herzog den Grundgedanken hierfür ins Spiel gebracht. Er sagte, dass „in unserem digitalen Zeitalter Fragen der Ethik einen zunehmend größer werdenden Raum einnehmen“ würden. In die Diskussion brachte Herzog „Leitplanken, die uns auf dem richtigen Weg halten. Ein digitaler Kodex, von allen Verantwortlichen getragen, könnte ein Weg dahin sein“.

Welche grundsätzliche Überlegung steckt hinter der ursprünglichen Fragestellung?

Neue Geschäftsmodelle in der digitalen Welt boomen wie kaum in anderen Branchen. Oft jedoch mit bösen Überraschungen für die Nutzer. Die Macher schieben die Verantwortung dafür den Verbrauchern zu. Die wiederum sehen häufig den Staat in der Pflicht, für ihren Schutz zu sorgen. Doch der Gesetzgeber kennt auch keine Patentlösung. Ein Kreislauf, den es zu stoppen gilt.

Hinter allem steckt die womöglich entscheidende Frage: Wirtschaft, Politik, Nutzer – wer übernimmt die Verantwortung im Netz? Für dieses Problem will DIVSI Lösungsansätze finden und hat deshalb nach dem Digitalen Kodex gefragt.

Vor jetzt 25 Jahren entwickelten Tim Berners-Lee und Robert Cailliau am europäischen Forschungszentrum Cern das World Wide Web. Seitdem verändert die Digitalisierung unseren Alltag. Viele, besonders die Jüngeren, sind ständig online. Die Technik also funktioniert und wird ohne Wenn und Aber angenommen.

Dafür blieb nicht nur die Frage nach der Verantwortung offen, sondern auch eine Vielzahl anderer – wie so oft, wenn eine Gesellschaft von einer neuen Errungenschaft überrollt wird:

Wie entstehen in diesem rasanten Änderungsprozess anerkannte, verbindliche Spielregeln? Welche Regeln gelten überhaupt? Wer kümmert sich jenseits des sich oft hilflos ausgeliefert fühlenden Verbrauchers darum, dass mit dessen Daten nicht Schindluder getrieben wird? Wer schützt uns Nutzer? Der Staat, das Grundgesetz? National vielleicht. Doch das Internet ist international. Unternehmen mit Sitz im Ausland sind nationalen Regulierungen im digitalen Raum kaum zugänglich

Gefahren drohen längst nicht nur durch Geheimdienste, die Überwachung und Beobachtung stets als ihren Job begriffen haben und immer die jeweils modernsten Techniken genutzt haben. Gefahren drohen auch durch Unternehmen, die personenbezogene Daten inzwischen in großem Stil verwenden und digitale Profile erstellen, deren Existenz den Betroffenen meist unbekannt ist. Für unsere Gesellschaft kann diese Tendenz zu Intransparenz und Ohnmacht der Beginn einer folgenschweren Entwicklung sein

Was macht die Aufgabe bei der Entwicklung eines Digitalen Kodex so schwierig?

Die hohe Geschwindigkeit, mit der das Netz unser Leben verändert, führt dazu, dass sich verbindliche Verhaltensregeln für alle Beteiligten – Wirtschaft, Staat und die einzelnen Nutzer im privaten und beruflichen Umfeld – noch nicht etabliert haben bzw. schnell wieder überholt sind. Der Wandel ist umfassend und deutlich: Etablierte „analoge“ Institutionen werden verdrängt (Beispiel Onlinehandel), grundsätzlich neue Verhaltens- und Lebensweisen entstehen (z.B. das Phänomen „always online“) und das Netz erobert neue Bereiche, die bisher nur in geringem Umfang mit Kommunikationsinfrastruktur versehen waren (z.B. mobiler Zugriff mit Hilfe von Apps).

Diese digitale Umwälzung wird unaufhaltbar fortschreiten und permanent technische Weiterentwicklungen mit sich bringen. Als aktiver Teil des Netzes werden wir viele dieser Angebote nutzen und immer wieder feststellen: Das Internet revolutioniert unsere Arbeit und unsere Freizeit, unser Denken und unsere Kommunikation. Es ist eine Kulturleistung der Menschheit von historischer Bedeutung.

Doch wir sollten nicht blind folgen. Es gilt, das Gute des Netzes weiterzuentwi-ckeln, aber gleichzeitig im Herzog’schen Sinne Leitplanken zu installieren.

Das Netz ist längst zum sozialen, wirtschaftlichen und auch politischen Raum geworden, in dem neue Rahmenbedingungen gelten. Individuelle und institutionelle Kommunikation laufen in Echtzeit mit globaler Reichweite ab. Die Historien von Kommunikations- und Interaktionssträngen werden gespeichert und durch Datenverarbeitungsprozesse ausgewertet und monetarisiert.

Solche Netzwerkeffekte fördern die Ausbildung von Monopolen und Oligopolen. Auch deshalb ist eine neue, eine andere Form des Miteinanders im Internet erforderlich. In diesem Kommunikationsraum gibt es keine physische Präsenz. Menschliches Handeln ist hier nach neuen Maßstäben zu messen. Es liegt an uns, diese festzulegen.

Ein digitaler Kodex könnte hierfür das passende Instrument sein, da er nicht durch staatliche Regulierung in die Welt kommt, sondern durch Diskurs und Aushandlung der Betroffenen. Wobei sich zeigt, dass die Interessenlagen von Unternehmen, Internetnutzern und Staaten sehr heterogen sind.

Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass noch ein breiter Verständigungsprozess in der Gesellschaft stattfinden muss, damit einem digitalen Kodex breite Akzeptanz und Wirkkraft zuwächst. Und es wartet viel Arbeit, denn zahlreiche Themenfelder bräuchten übergeordnete Spielregeln:

  • Wie gehen wir künftig seriöser mit persönlichen Daten in sozialen Netzwerken um?
  • Wie lässt sich verhindern, dass im Schutz der Anonymität im Internet Ag-gressionen ausgelebt werden, die sich vis-à-vis kaum entfalten würden?
  • Wie lassen sich Benimmregeln entwickeln, auch um Cybermobbing zu ver-hindern?
  • Wie ist zu gewährleisten, dass Daten überforderter Verbraucher, die das Kleingedruckte weder verstehen noch lesen, sondern rasch weiterklicken, nicht länger schonungslos als Handelsware genutzt werden?
  • Was ist zu beachten, um Transparenz zu schaffen und gleichzeitig Daten-schutz zu gewährleisten?
  • Wie soll mit dem „Hausrecht“ – oder auch der Zensur – auf privaten Platt-formen umgegangen werden?

Mit den Ergebnissen unserer ersten Untersuchungsphase – der Berliner Think Tank iRights.Lab ist hier intensiv involviert – haben wir insbesondere in den Bereichen “Verantwortung im Netz” und “Rolle von Plattformanbietern“ zwischenzeitlich die Basis für die nächsten Schritte gelegt. Dabei wurde bewusst der Schwerpunkt auf grundsätzliche Fragestellungen gelegt. Diese ruhige und konzentrierte Herangehensweise hat sich für das Vorhaben als Erfolgsfaktor erwiesen. Aktuell laufen die Planungen für die nächsten Schritte. Drei strategische Kernpunkte werden im Mittelpunkt stehen:

  1. Überführung der Idee eines Digitalen Kodex in die inhaltliche Praxis: An-hand von spezifischen Themen wollen wir abklopfen, welche Erfolgs- oder Misserfolgsfaktoren dafür elementar sind und wie ein Regelungsmodell für konkrete Streitfragen und strategische Gestaltungsoptionen aussehen kann.
  2. Aktivierung der Verantwortlichen: Uns ist wichtig, alle Beteiligten in die Diskussion einzubeziehen. So liegen nicht nur originäre geschäftliche und strategische Interessen offener auf dem Tisch, sondern gerade an dieser Stelle können Kompromisslinien und realistische Modelle besser ausgelotet werden.
  3. Auslösen einer gesellschaftlichen Debatte: Nutzer von digitalen Angeboten im Internet sind nicht nur die verhältnismäßig Wenigen, die digital sehr aktiv sind. Es ist nahezu die gesamte Bevölkerung, die sich beispielsweise mit ihren Smartphones im digitalen Raum aufhält – bewusst oder unbewusst. Es ist dringend, in eine gesellschaftliche Debatte neben den “digitalen Eliten” auch weitere Bevölkerungskreise einzubeziehen.

Diese drei übergeordneten Leitmotive bilden den Ausgangspunkt für die nächste Phase. Das Projekt zum “Digitalen Kodex” versteht sich dabei unverändert als Antrieb und Katalysator für Politik und Verwaltung wie auch für Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen. Es geht uns um neue Ideen und Denkmodelle, neue Formen der Auseinandersetzung und um die Schaffung von Regelungsmodellen für das alltägliche digitale Leben.

Im Endergebnis sehe ich den Digitalen Kodex als einen wichtigen Baustein für den gemeinsamen zukünftigen Umgang im Netz. Schon unsere im Februar 2013 vorgelegte Entscheider-Studie hat beispielsweise offen gelegt, dass die Internet-Macher den Nutzer in der Verantwortung sehen. Ihm wird der Schwarze Peter zugeschoben. Dabei räumen die Entscheider gleichzeitig ein, dass dem Nutzer meist die Kompetenz für verantwortliches Handeln fehlt. Allein dieser Widerspruch macht eutlich, dass es irgendwo hakt. DIVSI will deshalb dazu beitragen, Blickwinkel für ein besseres Miteinander aufzuzeigen.

Träumen DIVSI und alle Mitstreiter mit dem Digitalen Kodex einen unrealisti-schen Traum? Ich glaube nicht. Zwar scheint die Entwicklung der digitalen Welt hin zum globalen Kulturraum bereits sehr weit fortgeschritten zu sein; viele Nutzer fühlen sich deshalb ohnmächtig anonymen Mächten ausgeliefert. Tatsächlich befinden wir uns erst in der höchstenfalls dritten Dekade einer historischen Entwicklung. Das Internet ist jung, es lässt sich noch eine Menge positiv gestalten.

Und wo steht geschrieben, dass die Masse der Nutzer durch ihr Verhalten nicht auch mächtige Internet-Giganten dazu bringen kann, einen Kodex zu akzeptieren und einzuhalten?

Autor: Matthias Kammer ist seit November 2011 Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg und Hamburg. Zwischen 1985 und 1994 leitete er mehrere IT-Projekte (u. a. neues Meldewesen für Hamburg oder PROSA – Projekt Sozialhilfe Automation). 1994 bis 1996 war er Leiter des Amtes für Informations- und Kommunikationstechnik der Hamburger Finanzbehörde, ab 1996 Leiter des Amtes für Organisation und zentrale Dienste der Hamburger Verwaltung.
Von 2002 an war Kammer verantwortlich für das Projekt zur Gründung des gemeinsamen IT-Dienstleisters Dataport für die Verwaltungen Hamburgs und Schleswig-Holsteins, dessen Vorstandsvorsitzender er von Januar 2004 bis Oktober 2011 war. Im Dezember 2005 übernahm Kammer den Vorsitz von VITAKO, der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler IT-Dienstleister. Von November 2008 bis zum Oktober 2011 war er dort stellvertretender Vorsitzender. Außerdem ist er seit September 2008 Vorsitzender des Forschungsverbundes ISPRAT e.V.
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