Schlagwort-Archiv: Thesen zur Ethik

Mehr Likes, mehr Aufmerksamkeit! Die Ethik vom Teilen im Social Web

Autor Jürgen Geuter kommentiert in „Wired“: Liken, teilen, twittern, klicken. Das soziale Netz ist auf möglichst explosives Wachstum ausgelegt und gleicht dabei nicht zufällig unserer Wirtschaftsordnung. Unter dem Begriff der „Aufmerksamkeitsökonomie“ wird eine der wenigen beschränkten Ressourcen im Netz zur Ware: die menschliche Aufmerksamkeit. Doch wie ethisch ist das ständige Teilen? Bringen wir mit einem Share jemanden vielleicht sogar in Gefahr? … mehr

Die digitale Revolution ist in vollem Gange: Was bedeutet das für die Gesellschaft

WP_003068Die digitale Revolution ist in vollem Gange und bleibt auch 2015 ein wichtiges Thema. Produkte, Services, aber auch das tägliche Arbeitsleben und die Kommunikation werden zunehmend digitaler – die Digitalisierung wird zu einem gesellschaftlichen Trend. Müssen wir diese Entwicklung automatisch gut finden? Die Antwort lautet „nein“.

Jeder muss für sich selbst entscheiden, inwieweit er den Trend verfolgt und lebt. Fest steht aber: Wir kommen nicht drum herum. „Adapt or die“ hat Karl-Heinz Land, digitaler Darwinist und Evangelist, den Trend kürzlich sehr treffend kommentiert. Und damit trifft er in’s Schwarze. Als Verbraucher hat man noch die Wahl, ob man beispielsweise Online-Banking macht oder in die Filiale um die Ecke geht oder ob man im Internet einen Flug oder Zug bucht oder das nächste Reisebüro besucht. Noch! Zwar wird es auch weiterhin möglich sein, Produkte und Services offline in Anspruch zu nehmen, aber die rasant steigende Nutzung von Smartphones und mobilen Apps zeigt ganz klar, dass der Konsument, der Endkunde die Digitale Transformation vorantreibt.

In der Kommunikation von Unternehmen ist die Digitale Transformation bereits angekommen: Emails, Collaboration-Tools, Social Media sind längst Bestandteil der täglichen Arbeit. Machine-2-Machine wird immer bedeutender. Kritische Stimmen sind der Meinung, dass gerade durch die Industrie 4.0, der Vernetzung von Produktionsabläufen, M2M-Kommunikation und deren Automatisierung, Arbeitsplätze verloren gehen. Ich sehe das anders: Die Arbeitskultur und die Wirtschaft wandeln sich. Bestimmte Jobs fallen vielleicht weg, dafür werden sie durch neue Aufgaben ersetzt, die erst durch die Digitalisierung möglich werden.

Die digitale Revolution bietet aus meiner Sicht reichlich Chancen und Potenziale, noch innovativer zu sein, noch bessere Produkte zu produzieren, Kunden einen noch besseren Service zu bieten und damit auch die Wirtschaft anzukurbeln – gerade der Mittelstand kann von dieser Transformation profitieren. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage, viele Geschäftsmodelle verlagern sich in den digtialen, mobilen Bereich. Unternehmen, die sich nicht digital transformieren, werden dann schlichtweg bei diesem Business nicht dabei sein.

Deshalb, unsere Botschaft an die Unternehmen: Scheut Euch nicht und macht mit bei der Digitalen Transformation! Dabei ist es wichtig, dass nicht nur Teile des Unternehmens transformiert werden, sondern ein ganzheitlicher strategischer und individueller Ansatz gefahren wird. Digitale Transformation ist keine Thema für eine Abteilung, die sich das als Mission vornimmt. Der CEO muss dahinter stehen und den kulturellen Wandel mitvorantreiben. Die Technologie zur Digitalen Transformation gibt es bequem aus der Cloud, so dass sich die Unternehmen auf die inhaltlichen Aspekte konzentrieren können.

Der Kunde steht im Zentrum

Die digitale Transformation schreitet aber nicht nur in der Industrie voran, sondern findet ihren Weg vermehrt in das Alltagsleben der Menschen. Von Smart Home, über Wearables bis hin zu Connected Cars – um nur einige Beispiele zu nennen – wird der Siegeszug des „Internet of Things“ auch in 2015 weiter anhalten.

Wir bei Salesforce gehen da noch einen Schritt weiter: Denn hinter jedem Gerät, jeder App, jeder Aktivität steht eine Person – wir nennen daher dieses Phänomen das „Internet of Customers“. Personalisierte und individuelle Services und Kundenansprache werden daher eine immer größere Rolle spielen, da die Erwartungen der Verbraucher noch weiter steigen werden. Schließlich sollen die „digitalen Helfer“ das Leben der Verbraucher einfacher machen.

Für Unternehmen geht es vor allem um die Frage: Wie gelingt es, eine tiefere Beziehung zu den Verbrauchern aufzubauen, die alle Bereiche vom Marketing bis hin zum Service umfasst? Das ist eine große Herausforderung, denn der Konsument will – wann und wie immer er mit einer Marke in Berührung komm t- etwas erhalten, das ihn inspiriert. Der Marke wiederum kommt diese Inspiration zugute: Der Verbraucher interagiert mit der Marke und teilt sein Feedback über bestimmt Produkte – dies ist wiederum für andere Konsumenten wertvoll.

Wie wäre es also mit etwas, das uns den Weihnachtsstress abnimmt? Zum Beispiel könnte man in Zukunft eine App für Weihnachtsgeschenke erstellen, die nicht nur anzeigt, was wir wem in den letzten Jahren geschenkt haben, sondern auch Vorschläge macht für ein passendes Geschenk in diesem Jahr. Bestellen könnte man direkt über die App, die auch mit dem Kalender vernetzt ist und automatisch anzeigt, wann man spätestens bestellen muss, damit das Geschenk noch rechtzeitig ankommt. Gleichzeitig wird aufbauend auf dem eigenen persönlichen Profil eine Wunschliste erstellt, die man mit anderen z.B. auch über soziale Netzwerke direkt aus der App heraus teilen kann.

Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, müssen sich Unternehmen neu ausrichten und ihre Kunden ins Zentrum ihrer Aktivitäten stellen. Dies bedeutet wiederum für die IT, wichtige Informationen jederzeit und von jedem Gerät aus zur Verfügung zu stellen. Hier bietet die Cloud entscheidende Vorteile und individuell skalierbare Modelle. Doch auch um den Zugriff auf die Daten und deren Management müssen sich Unternehmen vermehrt Gedanken machen. Dies bringt uns direkt zum nächsten Punkt: dem Thema Datenschutz.

Reform der EU-Datenschutzgesetze

Nach der NSA-Affäre sind viele EU-Bürger und Unternehmen für das Thema Datenschutz sensibilisiert: Was passiert mit meine Daten und wie kann ich mich vor Missbrauch schützen? Dies setzt auch die Politik vermehrt unter Druck und das Europäische Parlament bemüht sich seit einiger Zeit, den Datenschutz innerhalb der EU neu zu regeln und zu vereinheitlichen. Dazu haben die EU-Abgeordneten am 12. März 2014 einen Entwurf zur Reform der EU-Datenschutzgesetze verabschiedet.

Mit den neuen Vorschriften soll der Schutz persönlicher Daten für EU-Bürger verbessert und ihnen mehr Kontrolle über ihre Daten gegeben werden. Zugleich sollen die Strafen bei Zuwiderhandlung von Unternehmen verschärft werden. Ein zentraler Punkt der neuen Regelungen ist, dass jedes Unternehmen – Suchmaschine, soziales Netzwerk oder Cloud-Service-Provider – eine vorherige Genehmigung einer nationalen Datenschutzbehörde benötigt, um persönliche Daten eines EU-Bürgers einem Drittland zu übermitteln. Darüber hinaus sollen Unternehmen auch dazu verpflichtet werden, ihre internen Datenschutzrichtlinien zu erweitern und entsprechende Compliance-Nachweise zu erbringen.

Der Entwurf wird momentan durch den Rat der EU aufgehalten, der vor den Trilog-Verhandlungen mit Kommission und Parlament erst eine gemeinsame Position der 28 Mitgliedsstaaten finden muss. Als Ziel für den Abschluss der Verhandlungen ist zwar immer noch 2015 gesetzt – es bleibt allerdings abzuwarten, wann und in welcher Form die EU-Reform in Kraft tritt. Dennoch sollten sich Unternehmen in der EU schon jetzt mit dem Thema befassen und die Entwicklung der Reform verfolgen.

Wearables – mehr als nur Fitnessbänder

Wearables sind nicht nur für Verbraucher interessant zur Überwachung des Fitnesszustands – sie können auch für Mitarbeiter im Unternehmen eingesetzt werden. Mitarbeiter im Außeneinsatz müssen oftmals mehrere körperliche Aufgaben gleichzeitig erledigen. Das heißt in der Praxis, dass ein Gerät beispielsweise ihre Sicherheit kontrolliert oder in Echtzeit Hinweise liefert, die auf dem Input eines Wearable-Geräts basieren. Somit können Mitarbeiter effizienter eingesetzt werden und schneller Rückmeldung an das Unternehmen durchgeben.

Die Wearables sind oft leichter, schneller und intuitiver zu bedienen und können den Arbeitsalltag der Mitarbeiter maßgeblich erleichtern – mit der Cloud im Hintergrund ist auch die Datenerfassung und -auswertung leicht umsetzbar. Dabei sind den Einsatzmöglichkeiten von Wearables nahezu keine Grenzen gesetzt: Das Armband Nymi zum Beispiel erkennt seinen Besitzer an der Herzfrequenz und kann als Erkennungs-Interface für Türen, Autos oder mobile Geräte verwendet werden. Sogar als Bezahlfunktion ist das Armband in Zukunft einsetzbar. Interaktionen über Wearables werden weiterhin stark zunehmen und sind ein wichtiger Faktor für die zunehmende Digitalisierung innerhalb der Unternehmen.

Analytics – Durchblick durch den Datendschungel

Das „Internet of Things“ und vielmehr noch das „Internet of Customers“, das jede Interaktion über die verschiedensten Kanäle berücksichtigt – ob mobil, sozial oder klassisch per Telefon oder Mail –, trägt erheblich dazu bei, das Datenvolumen stetig zu vergrößern. Dabei müssen die Daten nicht nur gesammelt, sondern auch sinnvoll ausgewertet werden, damit sie die nötigen Rückschlüsse für die Entscheider im Unternehmen zulassen. Hier werden Analytics-Tools immer gefragter und der Anspruch an die Lösungen wächst.

Wichtig bei der Erstellung der Tools ist aber auch eine einfache Handhabung und vor allem Kosteneffizienz. Auch für kleine Unternehmen ist es essenziell, Daten schnell, einfach und kostengünstig analysieren und aufbereiten zu können – nur so lassen sich Wachstumspotenziale ideal erkennen. Mit unserer Analytics-Plattform „Wave“ haben wir dieser Entwicklung bereits Rechnung getragen und ein Tool geschaffen, mit dem Unternehmen schneller als jemals zuvor Daten analysieren, neue Einblicke gewinnen und direkt von jedem Gerät aus reagieren können. Entscheidungen können somit schneller und intelligenter getroffen werden – ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für Unternehmen.

Joachim Schreiner SalesforceAutor: Joachim Schreiner ist Senior Vice President Central Europe bei Salesforce und verantwortlich für die Geschäftsentwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Salesforce ist ein internationaler Anbieter von Cloud Computing Lösungen für Unternehmen (Geschäftsanwendungen für Unternehmen zur Miete über das Internet). Vor seinem Wechsel zu Salesforce war Schreiner seit 2002 für das Geschäftskunden-Segment der Veritas Software GmbH verantwortlich. Nach der Übernahme durch Symantec war er als Sales Director Enterprise für das Unternehmen tätig. Zuvor sammelte Schreiner Erfahrung unter anderem bei European Software Company, Boole & Babbage Deutschland sowie BMC Software GmbH. Schreiner begann seine Karriere bei der Versicherungsgesellschaft Colonia in Köln, wo er zehn Jahre verschiedene Positionen als System-Ingenieur innehatte.

Warum Philosophische Salons heute eine Renaissance erleben

Bisher wurden Philosophie-Clubs eher als etwas Elitäres, ziemlich Abgehobenes wahrgenommen. Philosophie für jedermann bedeutet aber, die Themen anzusprechen, die alle Menschen angehen. Und das in einer Weise, die alle gleichermaßen anspricht. Das ist die so genannte „Street Philosophy“. hierzulande ein neuer Trend, der sich in Großbritannien längst etabliert hat, meint Dr. Alexandra Hildebrandt, Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin, in der „HuffingtonPost“. … mehr … http://tinyurl.com/n9223dz

Digitalisierung: Vier Thesen zum digitalen Wandel

Von der Digitalisierung sind alle Unternehmensbereiche betroffen, nicht nur das Marketing. Die Digitalagentur Denkwerk zeigt in einem Whitepaper auf „acquisa“, wie Unternehmen und Marken den digitalen Wandel meistern können, welche Probleme dabei auftauchen und wie der Change-Prozess gelingen kann. … mehr … http://tinyurl.com/nxlflaw

 

Die Ethik der Informatiker nach Snowden

Weltweit haben die Enthüllungen von Edward Snowden zur Kritik an westlichen Geheimdienstpraktiken geführt, auch in Kreisen deutscher Fachinformatiker, berichtet die „Welt“ online. So hat der Vorstand der Gesellschaft für Informatik (GI) anlässlich des einjährigen Jahrestages der ersten Snowden-Enthüllungen in einem offenen Brief seine Mitglieder dazu aufgefordert, Maßnahmen gegen die möglicherweise flächendeckende Überwachung jeglicher Internetkommunikation zu ergreifen. Mit den ethischen Grundsätzen der GI … mehr … http://tinyurl.com/k3b9bs8

Deutschland braucht einen Digitalen Kodex: Die Suche nach einem Rettungsanker im Strudel der Digitalisierung

Matthias Kammer ist Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI).

Matthias Kammer ist Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI).

Gut Ding will bekanntlich Weile haben. Diese Erkenntnis besteht bereits seit Zeiten, in denen niemand von Begriffen wie Internet, Digitalisierung oder Datenschutz auch nur träumte. Und doch hat sich am inhaltlichen Kern der Aussage bis heute nichts geändert.

Deshalb ist es völlig okay, wenn DIVSI jetzt bereits über ein Jahr an dem Projekt eines Digitalen Kodex für Deutschland arbeitet. Unterstützt von hochkarätigen Experten aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, getragen von einer mittlerweile bundesweiten Diskussion und mit Ideen angereichert, die wir in München, Hamburg und Berlin bei öffentlichen Veranstaltungen gesammelt haben.

Was anfangs als wertfreie Frage im Raum stand, kann mittlerweile beantwortet werden: Ja, Deutschland braucht einen Digitalen Kodex. Warum?

Ein solcher Kodex könnte der Rettungsring im Strudel der Digitalisierung sein. Wir brauchen ihn, um ein gemeinsames Grundverständnis von Fairness zu entwickeln. Er wäre die sichere Basis für alle, die sich in welcher Form auch immer am Netz beteiligen. Bei solchen allgemein anerkannten und tatsächlich gelebten Richtlinien würde das Vertrauen ins Internet auf festem Fundament stehen.

Dabei sind wir mit den Experten einig: Ein Digitaler Kodex kann nicht alle offenen Fragen des Verhaltens von Institutionen und Personen im Netz klären, er wird nicht allumfassend sein können. Er muss sich jeweils auf konkrete Probleme beziehen und entsprechend in einer jeweils geeigneten Form erstellt werden.

Was gab in der ersten Hälfte 2013 den Anstoß für das aufwändige Projekt?

Letztlich hat der frühere Bundespräsident und DIVSI-Schirmherr Roman Herzog den Grundgedanken hierfür ins Spiel gebracht. Er sagte, dass „in unserem digitalen Zeitalter Fragen der Ethik einen zunehmend größer werdenden Raum einnehmen“ würden. In die Diskussion brachte Herzog „Leitplanken, die uns auf dem richtigen Weg halten. Ein digitaler Kodex, von allen Verantwortlichen getragen, könnte ein Weg dahin sein“.

Welche grundsätzliche Überlegung steckt hinter der ursprünglichen Fragestellung?

Neue Geschäftsmodelle in der digitalen Welt boomen wie kaum in anderen Branchen. Oft jedoch mit bösen Überraschungen für die Nutzer. Die Macher schieben die Verantwortung dafür den Verbrauchern zu. Die wiederum sehen häufig den Staat in der Pflicht, für ihren Schutz zu sorgen. Doch der Gesetzgeber kennt auch keine Patentlösung. Ein Kreislauf, den es zu stoppen gilt.

Hinter allem steckt die womöglich entscheidende Frage: Wirtschaft, Politik, Nutzer – wer übernimmt die Verantwortung im Netz? Für dieses Problem will DIVSI Lösungsansätze finden und hat deshalb nach dem Digitalen Kodex gefragt.

Vor jetzt 25 Jahren entwickelten Tim Berners-Lee und Robert Cailliau am europäischen Forschungszentrum Cern das World Wide Web. Seitdem verändert die Digitalisierung unseren Alltag. Viele, besonders die Jüngeren, sind ständig online. Die Technik also funktioniert und wird ohne Wenn und Aber angenommen.

Dafür blieb nicht nur die Frage nach der Verantwortung offen, sondern auch eine Vielzahl anderer – wie so oft, wenn eine Gesellschaft von einer neuen Errungenschaft überrollt wird:

Wie entstehen in diesem rasanten Änderungsprozess anerkannte, verbindliche Spielregeln? Welche Regeln gelten überhaupt? Wer kümmert sich jenseits des sich oft hilflos ausgeliefert fühlenden Verbrauchers darum, dass mit dessen Daten nicht Schindluder getrieben wird? Wer schützt uns Nutzer? Der Staat, das Grundgesetz? National vielleicht. Doch das Internet ist international. Unternehmen mit Sitz im Ausland sind nationalen Regulierungen im digitalen Raum kaum zugänglich

Gefahren drohen längst nicht nur durch Geheimdienste, die Überwachung und Beobachtung stets als ihren Job begriffen haben und immer die jeweils modernsten Techniken genutzt haben. Gefahren drohen auch durch Unternehmen, die personenbezogene Daten inzwischen in großem Stil verwenden und digitale Profile erstellen, deren Existenz den Betroffenen meist unbekannt ist. Für unsere Gesellschaft kann diese Tendenz zu Intransparenz und Ohnmacht der Beginn einer folgenschweren Entwicklung sein

Was macht die Aufgabe bei der Entwicklung eines Digitalen Kodex so schwierig?

Die hohe Geschwindigkeit, mit der das Netz unser Leben verändert, führt dazu, dass sich verbindliche Verhaltensregeln für alle Beteiligten – Wirtschaft, Staat und die einzelnen Nutzer im privaten und beruflichen Umfeld – noch nicht etabliert haben bzw. schnell wieder überholt sind. Der Wandel ist umfassend und deutlich: Etablierte „analoge“ Institutionen werden verdrängt (Beispiel Onlinehandel), grundsätzlich neue Verhaltens- und Lebensweisen entstehen (z.B. das Phänomen „always online“) und das Netz erobert neue Bereiche, die bisher nur in geringem Umfang mit Kommunikationsinfrastruktur versehen waren (z.B. mobiler Zugriff mit Hilfe von Apps).

Diese digitale Umwälzung wird unaufhaltbar fortschreiten und permanent technische Weiterentwicklungen mit sich bringen. Als aktiver Teil des Netzes werden wir viele dieser Angebote nutzen und immer wieder feststellen: Das Internet revolutioniert unsere Arbeit und unsere Freizeit, unser Denken und unsere Kommunikation. Es ist eine Kulturleistung der Menschheit von historischer Bedeutung.

Doch wir sollten nicht blind folgen. Es gilt, das Gute des Netzes weiterzuentwi-ckeln, aber gleichzeitig im Herzog’schen Sinne Leitplanken zu installieren.

Das Netz ist längst zum sozialen, wirtschaftlichen und auch politischen Raum geworden, in dem neue Rahmenbedingungen gelten. Individuelle und institutionelle Kommunikation laufen in Echtzeit mit globaler Reichweite ab. Die Historien von Kommunikations- und Interaktionssträngen werden gespeichert und durch Datenverarbeitungsprozesse ausgewertet und monetarisiert.

Solche Netzwerkeffekte fördern die Ausbildung von Monopolen und Oligopolen. Auch deshalb ist eine neue, eine andere Form des Miteinanders im Internet erforderlich. In diesem Kommunikationsraum gibt es keine physische Präsenz. Menschliches Handeln ist hier nach neuen Maßstäben zu messen. Es liegt an uns, diese festzulegen.

Ein digitaler Kodex könnte hierfür das passende Instrument sein, da er nicht durch staatliche Regulierung in die Welt kommt, sondern durch Diskurs und Aushandlung der Betroffenen. Wobei sich zeigt, dass die Interessenlagen von Unternehmen, Internetnutzern und Staaten sehr heterogen sind.

Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass noch ein breiter Verständigungsprozess in der Gesellschaft stattfinden muss, damit einem digitalen Kodex breite Akzeptanz und Wirkkraft zuwächst. Und es wartet viel Arbeit, denn zahlreiche Themenfelder bräuchten übergeordnete Spielregeln:

  • Wie gehen wir künftig seriöser mit persönlichen Daten in sozialen Netzwerken um?
  • Wie lässt sich verhindern, dass im Schutz der Anonymität im Internet Ag-gressionen ausgelebt werden, die sich vis-à-vis kaum entfalten würden?
  • Wie lassen sich Benimmregeln entwickeln, auch um Cybermobbing zu ver-hindern?
  • Wie ist zu gewährleisten, dass Daten überforderter Verbraucher, die das Kleingedruckte weder verstehen noch lesen, sondern rasch weiterklicken, nicht länger schonungslos als Handelsware genutzt werden?
  • Was ist zu beachten, um Transparenz zu schaffen und gleichzeitig Daten-schutz zu gewährleisten?
  • Wie soll mit dem „Hausrecht“ – oder auch der Zensur – auf privaten Platt-formen umgegangen werden?

Mit den Ergebnissen unserer ersten Untersuchungsphase – der Berliner Think Tank iRights.Lab ist hier intensiv involviert – haben wir insbesondere in den Bereichen “Verantwortung im Netz” und “Rolle von Plattformanbietern“ zwischenzeitlich die Basis für die nächsten Schritte gelegt. Dabei wurde bewusst der Schwerpunkt auf grundsätzliche Fragestellungen gelegt. Diese ruhige und konzentrierte Herangehensweise hat sich für das Vorhaben als Erfolgsfaktor erwiesen. Aktuell laufen die Planungen für die nächsten Schritte. Drei strategische Kernpunkte werden im Mittelpunkt stehen:

  1. Überführung der Idee eines Digitalen Kodex in die inhaltliche Praxis: An-hand von spezifischen Themen wollen wir abklopfen, welche Erfolgs- oder Misserfolgsfaktoren dafür elementar sind und wie ein Regelungsmodell für konkrete Streitfragen und strategische Gestaltungsoptionen aussehen kann.
  2. Aktivierung der Verantwortlichen: Uns ist wichtig, alle Beteiligten in die Diskussion einzubeziehen. So liegen nicht nur originäre geschäftliche und strategische Interessen offener auf dem Tisch, sondern gerade an dieser Stelle können Kompromisslinien und realistische Modelle besser ausgelotet werden.
  3. Auslösen einer gesellschaftlichen Debatte: Nutzer von digitalen Angeboten im Internet sind nicht nur die verhältnismäßig Wenigen, die digital sehr aktiv sind. Es ist nahezu die gesamte Bevölkerung, die sich beispielsweise mit ihren Smartphones im digitalen Raum aufhält – bewusst oder unbewusst. Es ist dringend, in eine gesellschaftliche Debatte neben den “digitalen Eliten” auch weitere Bevölkerungskreise einzubeziehen.

Diese drei übergeordneten Leitmotive bilden den Ausgangspunkt für die nächste Phase. Das Projekt zum “Digitalen Kodex” versteht sich dabei unverändert als Antrieb und Katalysator für Politik und Verwaltung wie auch für Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen. Es geht uns um neue Ideen und Denkmodelle, neue Formen der Auseinandersetzung und um die Schaffung von Regelungsmodellen für das alltägliche digitale Leben.

Im Endergebnis sehe ich den Digitalen Kodex als einen wichtigen Baustein für den gemeinsamen zukünftigen Umgang im Netz. Schon unsere im Februar 2013 vorgelegte Entscheider-Studie hat beispielsweise offen gelegt, dass die Internet-Macher den Nutzer in der Verantwortung sehen. Ihm wird der Schwarze Peter zugeschoben. Dabei räumen die Entscheider gleichzeitig ein, dass dem Nutzer meist die Kompetenz für verantwortliches Handeln fehlt. Allein dieser Widerspruch macht eutlich, dass es irgendwo hakt. DIVSI will deshalb dazu beitragen, Blickwinkel für ein besseres Miteinander aufzuzeigen.

Träumen DIVSI und alle Mitstreiter mit dem Digitalen Kodex einen unrealisti-schen Traum? Ich glaube nicht. Zwar scheint die Entwicklung der digitalen Welt hin zum globalen Kulturraum bereits sehr weit fortgeschritten zu sein; viele Nutzer fühlen sich deshalb ohnmächtig anonymen Mächten ausgeliefert. Tatsächlich befinden wir uns erst in der höchstenfalls dritten Dekade einer historischen Entwicklung. Das Internet ist jung, es lässt sich noch eine Menge positiv gestalten.

Und wo steht geschrieben, dass die Masse der Nutzer durch ihr Verhalten nicht auch mächtige Internet-Giganten dazu bringen kann, einen Kodex zu akzeptieren und einzuhalten?

Autor: Matthias Kammer ist seit November 2011 Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg und Hamburg. Zwischen 1985 und 1994 leitete er mehrere IT-Projekte (u. a. neues Meldewesen für Hamburg oder PROSA – Projekt Sozialhilfe Automation). 1994 bis 1996 war er Leiter des Amtes für Informations- und Kommunikationstechnik der Hamburger Finanzbehörde, ab 1996 Leiter des Amtes für Organisation und zentrale Dienste der Hamburger Verwaltung.
Von 2002 an war Kammer verantwortlich für das Projekt zur Gründung des gemeinsamen IT-Dienstleisters Dataport für die Verwaltungen Hamburgs und Schleswig-Holsteins, dessen Vorstandsvorsitzender er von Januar 2004 bis Oktober 2011 war. Im Dezember 2005 übernahm Kammer den Vorsitz von VITAKO, der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler IT-Dienstleister. Von November 2008 bis zum Oktober 2011 war er dort stellvertretender Vorsitzender. Außerdem ist er seit September 2008 Vorsitzender des Forschungsverbundes ISPRAT e.V.
Deutsches Institut

 

Social Media: Arbeitgeber fürchten sich vor unpassenden Postings ihrer Angestellten

Wie das österreichische Newsportal „Pressetext“ schreibt, befürchten Unternehmen in Irland und Nordirland, dass ihre Angestellten Social Media während der Arbeitszeit falsch gebrauchen. Einer von zehn irischen Unternehmern und ein Viertel der nordirischen Arbeitgeber haben diese Befürchtung, so eine Studie von Close Brothers Commercial Finance .  … mehr … http://tinyurl.com/kefqqvg

Arbeitsrechtsstreit um Seitensprung-Fake-Profile

Die kanadische Firma Ashley Madison hat ein Geschäft daraus gemacht, auf der ganzen Welt online Seitensprünge zu vermitteln. Jetzt wurde die Firma von einer Ex-Mitarbeiterin verklagt, berichtet der Blog „Meedia“. Die Klägerin gibt an, arbeitsunfähig geworden zu sein, weil sie zu viele falsche Profile eintippen musste. Schmerzen im Handgelenk! Mit den falschen sexy Profilen hätten zahlungs- und paarungswillige Männer angelockt werden sollen …mehr … http://tinyurl.com/qesg7pg

KPMG-Umfrage: Digitalisierung und Vernetzung verschärfen Wettbewerb

Digitalisierung und Vernetzung stellen etablierte Geschäftsmodelle zunehmend auf den Prüfstand und zwingen die Unternehmen zum Handeln. So rechnet über die Hälfte der Unternehmen in Deutschland aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung bis zum Jahr 2020 mit neuer Konkurrenz aus einer anderen Branche (61 Prozent). Das hat eine KPMG-Umfrage unter 350 Vorständen und Geschäftsführern von Unternehmen in Deutschland ergeben. Vor allem der Handel gerät zunehmend ins Visier branchenfremder Unternehmen: Über die Hälfte der Unternehmen der Telekommunikations- und Medienbranche sieht bis 2020 in diesem Segment ein neues Betätigungsfeld. Unter den Banken und Versicherungen sowie den Energieversorgern gehen jeweils 42 Prozent davon aus, im Handel zusätzliche Umsätze realisieren zu können.
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Es gibt keinen Wertewandel in der Gesellschaft. Es gibt nur ein neues Konstrukt, das wie Wertewandel aussieht.“

Das Schweizer Portal Persoenlich.com stellt in seinem Nachbericht der „Publisuisse“ eine interessante These zum Thema „Wertewandel in der Medien“ vor. Denn auf der Veranstaltung vertrat der deutsche Philosoph Richard David Precht die Meinung: „Es gibt keinen Wertewandel in der Gesellschaft. Es gibt nur ein neues strukturelles Konstrukt, das wie ein Wertewandel aussieht.“ … mehr … http://tinyurl.com/bvwpqw2

EU: 170 Lobbys versuchen Datenschutz zu verwässern

Mit einer riesigen Lobby-Kampagne wollen Facebook, Microsoft und Versicherungskonzerne EU-Parlamentarier auf ihren Kurs bringen.   Jan Philipp Albrecht ist als einer der jüngsten EU-Parlamentarier aus Deutschland bereits Berichterstatter über die neue EU-Verordnung zum Datenschutz. Die EU will ein einheitliches Niveau des Datenschutzes in allen 27 Mitgliedstaaten. Die Schweiz kann nicht mitreden. …mehr…http://tinyurl.com/d2u4q7t

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Studie: Deutsche Arbeitnehmer lästern am häufigsten in Sozialen Netzwerken

Beleidigungen, Lästereien und romantische Avancen über Social Media Kanäle sind in Unternehmen heutzutage an der Tagesordnung: Die aktuelle Digital Diaries-Studie von IT-Security Anbieter AVG zeigt, dass weltweit fast zehn Prozent aller Befragten bereits von einem Kollegen via E-Mail, Instant Messaging, Social Media oder SMS beleidigt wurde. Dies gilt auch für Deutschland: 14 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer sind bereits auf geheime Diskussionen über sich in sozialen Netzwerken gestoßen. Damit sind die Deutschen Spitzenreiter im Lästern.

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Kommentar: „Nachhaltiger Dialog im Social Web – alles nur Bluff“

Nach wie vor schwirren Meldungen im Internet herum, wonach 90 Prozent aller CIOs den Einsatz von Facebook und Co. im Unternehmen unterbinden. „Völliger Quatsch“, meint Computerwoche-Autor Dietmar Müller in einem Beitrag, der im vergangenen Jahr erschien. „Mittlerweile nutzen fast alle Angestellten in der einen oder anderen Form Social Media. Die Uni St. Gallen – eine der Eliteinstitute

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“Stop Corporate Takeover of Internet Names Petition“ launched

„We believe this is an abuse of the New gTLD Program and it poses great risk of harm to consumers, business, and internet users globally.“ declares Tom Gilles, NewgTLDsite.com TLD-vangelist and petition organizer. „These generic category top level domain names such as .app, .book, .music, and others should be open for the general public, not monopolized and

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Das Web deckt (fast) alles auf: Brüskierte Google-Fans kapern Twitter-Hashtag

Microsoft ist mit dem Versuch, via Twitter negative Erfahrungsberichte von Android-Usern zu sammlen, kläglich gescheitert. Unter dem Hashtag #DroidRage hat der Konzern aus Redmond eine Negativ-Kampagne gegen das Google-Betriebssystem gestartet, wie das eZine „Cnet“ berichtet. Anstelle von Einträgen zu Problemen mit Android-Malware erhielt die Marketing-Abteilung von Microsoft jedoch tonnenweise kritische Meldungen zu den eigenen Produkten. Jetzt verbreitet sich auch unter #WindowsRage massenhaft Häme für Microsoft beim Kurznachrichtendienst. … mehr