Schlagwort-Archiv: Ethik

Was haben Blockchain mit Humanismus zu tun?

Kann Datenschutz und Anonymität ein Menschenrecht sein? Und wie gefährlich ist das Maas’sche Netzwerkdurchsuchungsgesetz? Diese und viele andere Fragen wurden am vergangenen Wochenende bei einem Workshop diskutiert, zu dem der hpd und die Giordano Bruno Stiftung (gbs) eingeladen hatten. … mehr

 

 

Gesichtserkennung bei der Bundespolizei: Jede achte Abfrage ein Treffer

Seit 2008 nutzen deutsche Polizeien ein System zur Gesichtserkennung, um damit Personen zu identifizieren. Die jährlichen Abfragen steigen stetig, jetzt soll die Software verbessert werden. Nach Forschungsprojekten wie am Berliner Bahnhof Südkreuz könnten die biometrischen Fotos automatisiert in Echtzeit durchsucht werden, berichtet „Netzpolitik.org“…. mehr

 

Die Ideologie der Digitalisierung ist der Informationskapitalismus

3-affenBeitrag auf dem Blog der Telekom: Auf die Frage, was denn »Digitalisierung« sei, können im Sommer 2015 mehr als die Hälfte der deutschen Beschäftigten (56 Prozent) keine Antwort geben. Ein Drittel hat noch nie von dem Begriff gehört. Auch das »Internet der Dinge«, das gaben 88 Prozent der Befragten an, sei ihnen kein Begriff. Bei »Big Data« waren es sogar 92 Prozent.

Die Digitalisierung baut unsere Welt in einen Mega-Computer um.

Dabei sind die Zusammenhänge schnell erklärt: Die Digitalisierung baut unsere Welt in einen Mega-Computer um. Alles wird vernetzt. Alles wird gemessen, gespeichert, analysiert und prognostiziert, um optimiert und – möglichst vollautomatisch – gesteuert zu werden. Davon ist der Mensch nicht ausgenommen. »Globale Konsumentensteuerung« nennen das die Technologiegiganten.

Inzwischen sind die Probleme der Digitalisierung nicht mehr zu übersehen und werden auf breiter Basis debattiert. Die computerisierte Massendatenanalyse und die algorithmische Steuerung der Gesellschaft führten in eine Blackbox-Gesellschaft. Die vollständige elektronische Überwachung der Konsumenten – eigentlich Eigenschaft totalitärer Staaten – durch private Unternehmen sei illegitim und verletze Grundrechte.

Immer mehr Berufsbilder würden verschwinden und durch (intelligente) Rechner ersetzt. Was, fragen sich viele, geht hier eigentlich vor? Ist die Digitalisierung nur süße Medizin mit schwerwiegenden Nebenwirkungen? Es ist der Blick in die Geschichte, der hilft, die Gegenwart besser zu verstehen.

 »Sich die Erde untertan machen«, ist uraltes theologisches Motiv und gleichzeitig europäische Leitkategorie.

»Sich die Erde untertan machen«, ist uraltes theologisches Motiv und gleichzeitig europäische Leitkategorie. Der Mensch hat den Auftrag, die schroffe, oft lebensfeindliche Natur zu beugen und sie zu überwinden, um für sich selbst ein menschenfreundliches, ein besseres Leben zu gestalten. Genau das ist es, was wir als »Kulturleistung« bezeichnen.

Der Auftrag zur Gestaltung rechtfertigt jeden technologischen Fortschritt, von der Entdeckung des Feuers über die Erfindung des Rades bis hin zur massenhaften Einführung der Universaltechnologien des 19. und 20. Jahrhunderts – darunter Elektrizität, Funk, Wasserdampf und Computer. Je weiter die Menschheitsgeschichte voranschreitet und je mehr Kultur wir schaffen, desto weiter entfernen wir uns von der Natur.

Dass die Kultur der Digitalisierung tatsächlich schon sehr »un-«natürlich ist, wird schon sprachlich deutlich: an Begriffen wie »Künstliche Intelligenz«, »virtuelle Realität« oder »synthetische Biologie«. Die Digitalisierung setzt nur den Weg fort, auf dem jeder Fortschritt die Menschen ein Stück mehr von der Natur abtrennt.

Die Frage, ob wir Digitalisierung wollen oder nicht, stellt sich daher nicht. Die digitale Transformation wird sich vollziehen, und sie ist philosophisch begründbar. Der Mensch vollzieht kulturelle Leistungen, weil er zur Vernunft begabt ist, im Falle der Digitalisierung zur wissenschaftlichen Vernunft. Deshalb ist die Digitalisierung, wie sie sich gerade entwickelt, nicht gottgegeben. Sie fällt nicht vom Himmel. Wir selbst gestalten sie. Wir wollen das so. Aber warum nur?

Die Antwort ist für manchen nicht ganz naheliegend: Wir brauchen Wirtschaftswachstum. Lässt das Wirtschaftswachstum nach, büßen wir Lebensstandard ein. Wirtschaftswachstum heißt: »Geld verdienen«. Ein anderer Begriff für diese zugegebenermaßen sehr verkürzte Erklärung ist Kapitalismus.

Schon im 20. Jahrhundert hat der österreichisch-ungarische Ökonom Karl Polanyi die drei fiktiven Güter des Kapitalismus definiert, von denen jedes Kind schon in der Schule hört: Arbeit, Boden (Natur) und Kapital. Doch schon in den Zehnerjahren unsrer Zeit galten sie als aufgezehrt. Ein neues fiktives Gut des Kapitalismus muss her – unverbraucht und so innovativ, dass es viele Investitionen auf sich ziehen kann: die Information.

Innovation, das stellte schon ein Zeitgenosse Karl Polanyis, der österreichische Wirtschaftswissenschaftler und kurzzeitige Finanzminister des Jahres 1919, Joseph Schumpeter, fest, ist der Treiber des Kapitalismus. Und die Digitalisierung hat zweifellos zu einem Innovationsschub geführt. Finanzinvestoren haben digitale Technologiegiganten zu den teuersten Firmen der Welt gemacht. Apple, Google und Microsoft belegen die Plätze eins bis drei. Sie bilden ein Oligopol vergleichbar den frühen Wirtschaftsmagnaten der Industriellen Revolution: J.P. Morgan (Strom), Carnegie (Stahl) und Rockefeller (Öl).

Die wirtschaftliche Ausdehnung auf das neue fiktive Gut der Information

Die wirtschaftliche Ausdehnung auf das neue fiktive Gut der Information, mit dem sich seit dem 21. Jahrhundert wieder Geld verdienen lässt, hat keine politische Quelle. Ganz ähnlich den Entwicklungen der Ersten Industrialisierung entstammt auch sie dem Reich der Spekulation, wo rational handelnde Wirtschaftsakteure und ihre Finanzinvestoren investieren, um zu wachsen und zu expandieren.

Das erklärt auch, warum sich die Digitalisierung ohne gesellschaftliche Debatte und ohne politische A-priori-Mitgestaltung vollzieht. Wirtschaftswachstum und Expansion sind keine politischen Aufgaben. Sie beruhen nur auf den Gesetzen der Ökonomie und des Marktes – weder sind sie politisch motiviert noch haben sie einen politischen Ursprung. Wirtschaftsakteure preschen vor, die Politik sieht dem »Neuland« staunend zu.

Deshalb ist richtig, was Ranga Yogeshwar in einem anderen Beitrag zu dieser Reihe ausspricht: »Die Politik ist zu träge, die Strukturen sind zu langsam… Was wir im Moment erleben, ist, dass oft Dinge gemacht werden…, bevor wir eigentlich den Dialog geführt haben.« Die Politik ist dem Markt noch lange nicht in denselben Raum – den digitalen, den virtuellen, den nicht-stofflichen Raum von Daten und Information – gefolgt, wohin sich die Wirtschaft längst ausgedehnt hat. Doch inzwischen zwingt uns die Informationsökonomie, auch in digitalen Zeiten politisch zu werden.

Die Digitalisierung hat einen neuen, ungeregelten Markt geschaffen. Libertäre Märkte, auch das ist gängige Währung unter großen deutschen Philosophen, tendieren dazu, inhuman zu sein und den Menschen nichts als den Weg ins Prekariat zu weisen. Glaubt man dem erwähnten McKinsey-Bericht, scheint sich dies heute so zu bewahrheiten wie in den ungeregelten Anfängen der Industriellen Revolution, in der Kinderarbeit, 60-Stunden-Woche und unhygienische Arbeitsverhältnisse allgemein üblich waren.

In den Nachkriegsjahren des 20. Jahrhunderts hatte der Kapitalismus nur deshalb große Akzeptanz erfahren, weil er sich sozial bändigen ließ, sich unter Ludwig Erhard als sozial-liberal erwies. An der libertären Version von Reaganomics und Thatcherism, den deregulierten (Finanz-)Märkten, die nicht nur Wachstum, sondern auch nie dagewesene Crashs produzierten, leiden wir Europäer noch heute ausnahmslos.

Erst in jüngster Zeit stehen der Informationsökonomie die Ambitionen der Politik auf gesellschaftliche Gestaltung und Marktregulierung gegenüber.

Erst in jüngster Zeit stehen der Informationsökonomie die Ambitionen der Politik auf gesellschaftliche Gestaltung und Marktregulierung gegenüber. Doch die Politik ist im Konflikt mit sich selbst: Soll sie die Informationsökonomie möglichst unangetastet lassen und womöglich große gesellschaftliche Kollateralschäden in Kauf nehmen? Oder soll sie regulieren und sich so zum Bremser des so hochnotwendigen Wirtschaftswachstums machen?

Die Antwort lautet: Regulierung schließt Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsvorteile nicht aus. Mit der Regulierung der Informationsökonomie stehen wir heute dort, wo wir in den Achtzigerjahren beim Umweltschutz standen – ganz am Anfang. Auch damals übertönten die Stimmen der Wirtschaft die ersten grünen Ökos: Umweltschutz schade der Wirtschaft. Heute steht das Gegenteil fest. Hohe europäische Umweltstandards haben sich zum Wettbewerbsvorteil entwickelt und gleichzeitig Mensch und Natur genützt. Vor dem Auftrag, die digitale Ära ähnlich erfolgreich zu humanisieren, stehen wir heute. Es gilt, eine sozial-liberale Informationsökonomie zu schaffen, die jungen Generationen ein gutes Leben mit glanzvollen Technologien ermöglicht.

 Wenn Sie die vollständige Fassung des Statements lesen möchten, klicken Sie bitte hier.

 

Weltverbesserer: Er entwickelt Leitlinien für künstliche Intelligenz

Klug, klüger, Berlin: In der Hauptstadt arbeiten Tausende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, Grundlegendes zu erklären und die Welt zu verbessern. Jede Woche stellen wir eine oder einen von ihnen vor. Diesmal: Rechtswissenschaftler Christian Djeffal (34) vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin, ist in der „Berliner Zeitung“ zu lesen. .. mehr

 

 

Ungewisse Zukunft: Wie verändern Roboter unser Leben?

Sie sprechen viele verschiedene Sprachen, können Daten auswerten, stabile Prognosen aufstellen, Emotionen simulieren und diese auch in Menschen erwecken – humanoide Roboter. Ob als Assistenten bei der Kindererziehung, der Altenpflege, dem Hotelempfang oder einfach als Alltag-Simplifizierer, sie scheinen allmählich Einzug in unser Leben zu nehmen. Werden humanoide Roboter in Zukunft nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sein? Ein Beitrag in „Politik Digital“ . … mehr

 

 

Ethik und künstliche Intelligenz: Was ist der Mensch uns wert?

Verständnis-Ethik-260x300Menschliche Intelligenz ist das mächtigste Phänomen im uns bekannten Universum. Ohne Intelligenz würden die Dinge einfach nur ohne Zweck ablaufen. Doch mit Intelligenz werden Dinge kreativ und bewusst geschaffen. Kein anderes Phänomen besitzt diese immense Kraft. Neue Ideen in die Welt bringen, Dinge planen, konstruieren und ihnen Bedeutung verleihen. Systeme und Zivilisationen erschaffen. Die Welt nach eigenen Vorstellungen gestalten. Ohne Intelligenz wäre das alles unmöglich.

 Künstliche Intelligenz übernimmt menschliche Kompetenzbereiche

Lange Zeit galt dieses mächtige Werkzeug als einzigartig, die Prozesse unseres Gehirns als nicht kopierbar. Doch dieses Bild gerät zunehmend ins Wanken. Waren frühere künstliche Intelligenzen lediglich in der Lage, exakte Befehle auszuführen, gehen neue Machine- und Deep Learning-Algorithmen an die Substanz unseres Menschseins: Sie sind kreativ, lernen von alleine, führen zu neuen Erkenntnissen und übernehmen zunehmend komplexere kognitive Tätigkeiten.

Jan Pechmann  studierte Medienwissenschaften, Kommunikationsforschung und Sozialpsychologie in Hannover. Dort gründete er, noch aus dem Studium heraus, die Strategieagentur diffferent.

Jan Pechmann studierte Medienwissenschaften, Kommunikationsforschung und Sozialpsychologie in Hannover. Dort gründete er, noch aus dem Studium heraus, die Strategieagentur diffferent.

Dieser extreme Kompetenz-Gewinn von künstlicher Intelligenz (KI) wird Unternehmen jeder Größe substantiell verändern, denn KI stößt mit enormer Geschwindigkeit in Bereiche vor, die bisher exklusiv dem Menschen vorbehalten waren. Und es sind nicht mehr nur noch die monotonen physischen Routine-Arbeiten, die schleichend von Maschinen übernommen werden.

 Automatisiert wird, was automatisiert werden kann

Die Jobs, die durch die KI-Evolution zunehmend in Gefahr geraten, sind die soliden, gut bezahlten „White Collar“-Jobs in den Büros dieser Welt: Accounting, Daten-Auswertung, Wissens-Management, Finanz-Kalkulationen. Obwohl diese neue Stufe der KI-Evolution noch frisch und jung ist, ist der Pool an Exklusiv-Fähigkeiten des Menschen bereits bemerkenswert geschrumpft.

Aus Wettbewerbs-Perspektive mag das verlockend sein: Personalkosten werden gespart, Prozesse gestreamlined, Firmen schlanker und agiler. Künstliche Intelligenz verspricht zu Recht eine Fülle ungeahnter Möglichkeiten. Dieser Transformationsprozess ist spannend und kann Marken in völlig neue Sphären katapultieren. Die Marschrichtung ist eindeutig: Alles, was automatisiert werden kann, wird automatisiert.

Unternehmen in der ethischen Verantwortung

Aus menschlicher und sozialer Perspektive wird die Notwendigkeit mit jedem KI-bedingt wegrationalisiertem Mitarbeiter aber größer, eine Position zu finden, die kluge und weitsichtige Antworten auf die Schattenseite künstlicher Intelligenz findet. Denn der Bereich, in dem sich Mitarbeiter in ihren Kompetenzen noch sicher wähnen können, wird immer kleiner. Das ist die kalte Logik künstlicher Intelligenz.

Die Herausforderung ist am Ende systemischer Natur. Doch jedes Unternehmen ist ein Teil des Systems und muss daher Teil der Antwort sein. KI-Strategien müssen frühzeitig und vollkommen organisch diese Dimension mitdenken und an Antworten arbeiten. Es geht darum, die Menschen für die Prozesse einzusetzen, die noch lange nicht von Maschinen übernommen werden können. Das sind genau die Bereiche, die ein hohes Maß an kreativer Intelligenz benötigen. Das eigene Personal jetzt schon auf diese Tätigkeiten zu schulen, ist eine schwierige, teure und zeitaufwendige Aufgabe.

Bei aller Tech-Euphorie dürfen Unternehmen aber nicht die Augen vor der Frage verschließen, die sich früher oder später jedem stellen wird, die KI zu einem natürlichen Teil ihres Geschäftsmodells macht:

Was ist der Mensch uns wert?

Autor: Jan Pechmann, Jahrgang 1974, studierte Medienwissenschaften, Kommunikationsforschung und Sozialpsychologie in Hannover. Dort gründete er, noch aus dem Studium heraus, die Strategieagentur diffferent. Er leitet die Agentur mit ca. 80 Mitarbeitern an den Standorten Berlin und München zusammen mit seinen Geschäftspartnern Alexander Kiock und Dirk Jehmlich. Mit seiner Strategieberatung ist Pechmann darauf spezialisiert, für seine Kunden überraschende  Lösungen im Spannungsfeld zwischen Marken-, Kommunikations- und Innovationsstrategie zu entwickeln.

„Techlash“: Der Aufstand gegen die Tech-Giganten hat begonnen

2018 entwickelt sich zum Jahr des Techlash. Die Wortschöpfung aus Technologie und „Backlash“ (Gegenreaktion), umfasst drei Phänomene: die Kritik an der Marktmacht von Internet-Konzernen wie Google, Amazon und Facebook. Das Unbehagen über die sozialen Folgen von Smartphone-Dauernutzung und den ruppigen Ton im Netz. Und die Furcht vor Zukunftstechnologien wie KI und filigrane Robotik, berichtet die „Süddeutsche“. …mehr