Schlagwort-Archiv: Ethik

Ethik bei Tech-Unternehmen: Das Silicon Valley kauft sich ein Gewissen

Es war keine gute Woche für Google. Letzten Dienstag wurde seinem glücklosen sozialen Netzwerk der Stecker gezogen, und auch die Mail-App „Inbox“ wurde eingestampft. Für etwas gute Nachrichten sorgte allerdings die Gründung eines externen Beratergremiums zur Ethik in Sachen künstlicher Intelligenz. Eine Gruppe von acht Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Philosophie sollte dafür sorgen, dass die Konzerntätigkeiten im KI-Bereich mit den eigenen Werten vereinbar sind. Ethische Fragen seien schon früh in der Entwicklung neuer Systeme zu bedenken, schreibt die „Süddeutsche“. …

 

Bürgerbarometer: Deutsche wünschen sich „Digitalpakt Gesundheit“

20257_181122_soprasteria-infographie-def_deu_800px„Das komplexe Gesundheitssystem in Deutschland mit rund 2.000 Krankenhäusern, 118 gesetzlichen Krankenkassen, zirka 20.000 Apotheken, mehr als 200.000 Haus- und Fachärzten sowie Therapeuten und die 82 Millionen potenziellen Patienten digital optimal zu verbinden, ist keine leichte Aufgabe“, sagt Ronald de Jonge, Leiter Management Consulting Public Sector von Sopra Steria Consulting.

Dazu gehören immer auch wichtige gesetzliche Voraussetzungen wie das vom Bundestag verabschiedete Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sowie ein spezielles Digitalisierungsgesetz, in dem beispielsweise Zugriffsrechte der Patienten zu regeln sind. Eine weitere Aufgabe ist, die vielen IT-Infrastrukturen aufeinander abzustimmen und Abläufe zu vereinfachen. „Dazu kommt, dass Krankenhäuser als kritische Infrastrukturen besondere IT-Sicherheitsvorkehrungen treffen müssen. Mit Abschluss dieser Arbeiten ist es absehbar, dass sich der Online-Leistungskatalog im Gesundheitssektor schnell füllen wird“, sagt Ronald de Jonge von Sopra Steria Consulting.

Die drängendste Digitalbaustelle der Verwaltung ist für die Bürgerinnen und Bürger das Bildungswesen. 41 Prozent wünschen sich eine bessere digitale Ausstattung in Schulen und Hochschulen sowie mehr Online-Angebote für einen einfachen Dialog mit Schul- und Wissenschaftseinrichtungen.

Der Durchbruch beim Digitalpakt zwischen Bund und Ländern und eine Grundgesetzänderung für eine vereinfachte finanzielle Förderung durch den Bund kommen den Erwartungen der Bevölkerung entgegen. Der Pakt ebnet den Weg für eine verbesserte digitale Ausstattung an Schulen, beispielsweise Multimediatafeln, Tablets und schnelles Internet.

Die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich damit für die konkreten Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen in der Breite mehr digitale Inhalte, Infrastruktur und Kompetenzen. Direkt nach konkreten Lebenslagen gefragt verschieben sich allerdings die Prioritäten. Hier wünschen sich 57 Prozent der Befragten vorrangig das digitalisierte Einwohnermeldeamt, mit beispielsweise einfachem Online-Service beim Erneuern von Ausweisdokumenten und bei Umzügen.

37 Prozent der Menschen in Deutschland sind für noch mehr Vereinfachungen im Austausch mit den Finanzämtern. 32 Prozent wollen zügig mehr Online-Hilfe bei der Jobsuche. Internet-Service im Umgang mit Schul- und Hochschulbehörden ist auch wichtig, hat aber keine Priorität. Sechs Prozent der Befragten sind dafür, dass digitale Unterstützung bei der Schulanmeldung Vorrang auf der digitalen Agenda des Bundes haben sollte.

Insgesamt wollen mehr als 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger mehr behördliche Leistungen online nutzen. Bund, Länder und Kommunen schaffen mit dem Portalverbund derzeit die Voraussetzungen, um die digitalen Möglichkeiten auszuschöpfen. Zudem geht es darum, Angebote und Leistungen stärker nach Lebenslagen zu bündeln und die aktuelle organisatorische Trennung nach Zuständigkeiten aufzubrechen.

Über die Studie

Sopra Steria veröffentlicht zum vierten Mal in Folge in Zusammenarbeit mit IPSOS eine Umfrage zur digitalen Transformation des öffentlichen Sektors. Die Umfrage wurde von IPSOS im Auftrag von Sopra Steria im Zeitraum 25. September und bis 3. Oktober 2018 durchgeführt. 5.001 Personen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen und erstmals Spanien wurden nach Geschlecht, Alter, Beruf, Stadt und Region ausgewählt und online befragt.

Links: Zur Studie

 

Bayern: Medienrat erlässt „Leitlinien Digitale Ethik“

Wegen der Digitalisierung der Medienlandschaft hat der Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) „Leitlinien Digitale Ethik“ verabschiedet. In den sieben Punkten geht es unter anderem um künstliche Intelligenz und Forschung, wie die BLM nach einer Sitzung am Donnerstag in München mitteilte. „Ziel muss sein, das Potenzial der neuen Technologien zu nutzen und international mitzuhalten, sich aber gleichzeitig möglicher Problematiken bewusst zu sein und rechtzeitig gegenzusteuern.“ Mehr auf „n.tv“. .. mehr

 

Bedrohtes Selbstbild macht sparsamer

Menschen, deren positives Selbstbild bedroht ist, neigen mehr zum Sparen. Das zeigt eine aktuelle Studie, die Konsumenten in drei verschiedenen Ländern erfasst hat. „Menschen, die bezüglich ihres Lebens und der Welt allgemein verunsichert sind, sparen, um ihre Zukunft angesichts eines möglichen Notfalls zu sichern“, sagt Erstautorin Yael Steinhart, Spezialistin für Konsumentenverhalten an der Tel Aviv University . Mehr dazu auf „Pressetext“… mehr

 

Buchtipp: Darknet – nur in falschen Händen eine Gefahr

DarknetDas Darknet ist nur gefährlich, wenn es die falschen Leute verwenden. Es gibt auch gute Anwendungen dafür. Zu dem Schluss kommt Cornelius Granig bei der Präsentation seines neuen Buches „Darknet: Die Welt im Schatten der Computerkriminalität“. Es sei unmöglich, das Darknet zu überwachen. Außerdem habe es keinen Sinn, es zu verbieten oder abzuschalten, weil Kriminelle dann bloß in andere Bereiche ausweichen würden. Es gebe allerdings Anwendungen, die einen guten Zweck haben: Bei verschlüsselten, anonymen Kanälen können beispielsweise Straftaten in Unternehmen gemeldet werden, ist auf „Pressetext“ zu lesen….mehr

Info: ISBN 978-3-406-71383-5

Facebook will Weltbevölkerung kartieren

Facebook ist seinem Ziel, die Weltbevölkerung auf einer Karte zu erfassen, einen großen Schritt näher gekommen. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) und Datenmaterial der Open Street Map  hat es das Unternehmen geschafft, einen Großteil von Afrika und dessen Bevölkerungsdichte digital abzubilden. Dafür wurden 11,5 Milliarden Satellitenaufnahmen ausgewertet und zu einer hochauflösenden Karte zusammengefasst. Diese soll unter anderem Hilfsorganisationen bei Katastropheneinsätzen unterstützen, ist auf „Pressetext“ zu lesen. … mehr

 

Debatte um Künstliche Intelligenz: „Europa hat die geistige Führung übernommen“

Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz birgt große Chancen – aber auch Risiken. Um Missbrauch zu verhindern, hat die EU-Kommission ein Expertengremium beauftragt, ethische Leitplanken für KI-Systeme zu entwerfen. Der Philosoph Thomas Metzinger wertet das Ergebnis kritisch, aber dennoch als wichtigen Schritt, ist im „Deutschlandfunk“ zu lesen … mehr ….

 

KI-Ethik-Rat: Googles eigene Mitarbeiter wären eine bessere Wahl gewesen

Googles Ateac-Projekt wurde beendet. Es war von Anfang an zum Scheitern verurteilt: Warum beruft das Unternehmen offensichtlich intolerante Menschen ein? Die heftigen Proteste für Gleichberechtigung innerhalb des eigenen Teams zeigen doch, dass dort die eigentlichen Experten gefunden werden können, meint „Golem“. … mehr …

Periodensystem der KI erklärt Künstliche Intelligenz

 

Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz sind deutsche Unternehmen noch sehr zurückhaltend. Das liegt häufig auch daran, dass es Unsicherheiten darüber gibt, was sich genau hinter dem Begriff KI verbirgt und welcher konkrete Nutzen sich daraus ziehen lässt.

Um hier für mehr Übersicht zu sorgen, hat der Digitalverband Bitkom eine neue Webseite gestartet. Dort findet man ein „Periodensystem der Künstlichen Intelligenz“, das die zahlreichen Einsatzszenarien von KI erklärt. „Datenanalyse und Künstliche Intelligenz sind zwei Schlüsseltechnologien, die künftig nicht nur über den Erfolg einzelner Unternehmen, sondern über die Zukunft ganzer Volkswirtschaften entscheiden werden“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „In vielen Unternehmen fehlt es noch an Know-how. Das KI-Periodensystem liefert einen guten Überblick über eine ganze Reihe von KI-Technologien und ihren praktischen Nutzen.“

Insgesamt werden in dem Periodensystem 28 Elemente vorgestellt, die Teil von Künstlicher Intelligenz sind. Die Spannbreite reicht dabei von Spracherkennung bis zum Relationship Learning. Für jedes Element gibt die Website unter anderem eine Antwort darauf, was es leistet, wie es in Unternehmen eingesetzt werden kann, woran man seine wirtschaftliche Bedeutung erkennen kann und auch wer entsprechende Technologien und Lösungen anbietet.

Zugleich werden auch mögliche Hürden beim Einsatz der Technologie im Alltag erläutert. Berg: „Beim Thema Künstliche Intelligenz dürfen wir nicht bei Appellen und Absichtserklärungen stehenbleiben. Wir müssen Künstliche Intelligenz jetzt machen – das heißt, die Technologie hierzulande weiterentwickeln und Anwendungen in die Praxis bringen.“

Das „Periodensystem der Künstlichen Intelligenz“ ist online aufrufbar unter: periodensystem-ki.de

Pressesprecher

EU-Ethikleitlinien für KI: Gesellschaftlichen Diskurs zur Verantwortung Künstlicher Intelligenz vorantreiben

Oliver Süme ist Vorstandsvorsitzender von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.

Oliver Süme ist Vorstandsvorsitzender von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.

Zu den am 8.4.2019 von der EU-Kommission vorgestellten neuen Leitlinien für den ethischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz, sagt eco-Vorstandvorsitzender Oliver Süme: „Wir begrüßen die Botschaft, die heute von der EU mit den neuen Ethik-Leitlinien für das Zukunftsthema KI gesendet wurde: Vertrauenswürdige KI-Anwendungen sollen so entwickelt und eingesetzt werden, dass sie menschliche Autonomie respektieren, dennoch sicher, fair und nachvollziehbar funktionieren.

Digitalunternehmen treiben mit ihren Entwicklungen, Produkten und Diensten den digitalen Wandel an und sind mitverantwortlich für die Beantwortung der damit entstehenden gesellschaftlichen Fragen. Wir nehmen diese Fragestellungen als Verband der Internetwirtschaft sehr ernst und sind der Überzeugung, dass ethische Normen, Handlungsleitlinien und damit Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz digitaler Technologien im engen Schulterschluss zwischen Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft entwickelt werden müssen. eco will den gesellschaftlichen Diskurs zur Verantwortung Künstlicher Intelligenz effektiv vorantreiben!“

Akzeptanz der Künstlichen Intelligenz muss mit Transparenz gefördert werden

Der bewusste Umgang mit Daten, die Beziehung von Mensch und Technologie, die gesamtgesellschaftliche Verantwortung Künstlicher Intelligenz sowie die strategische Förderung der Zukunftstechnologie sind die größten Herausforderungen innerhalb der ethischen Debatte: „Der Schlüssel lautet Transparenz. Bei Systemen der Künstlichen Intelligenz stellt sich immer die Frage nach Transparenz der eingesetzten Technologien, Algorithmen und ihrer Entscheidungen. Nur ein transparenter Umgang mit Künstlicher Intelligenz kann das Vertrauen der Menschen in ein autonom arbeitendes und entscheidendes System stärken“, so Süme.

Um die verschiedenen Diskussionen zu begleiten und in den Kontext der aktuellen technologischen Entwicklungen zu setzen, hat eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. Leitlinien zum Umgang mit KI formuliert.

Mit dem „Kompendium Digitale Ethik“ leistet eco außerdem einen wichtigen Beitrag, um den gesamtgesellschaftlichen Diskurs zum Thema digitale Ethik voranzutreiben. In dem Kompendium finden sich aktuelle Expertenmeinungen und Fachbeiträge zu verschiedenen Fragen im Zusammenhang mit digitaler Ethik, beispielsweise in den Fokusthemen Staat & Rahmenbedingungen, Arbeit, IT Sicherheit oder Bildung.

Internetunternehmen übernehmen Verantwortung: Selbstregulierung funktioniert

Der Verband der Internetwirtschaft betont zudem, dass zahlreiche Unternehmen bereits Verantwortung für ethische Herausforderungen im Zusammenhang mit der digitalen Transformation übernehmen und beispielsweise im Rahmen von Selbstverpflichtungsinitiativen erfolgreich zur Einhaltung ethischer Normen beitragen. Ein prominentes Beispiel ist hier die eco Beschwerdestelle zur Bekämpfung unerwünschter und illegaler Internetinhalte.

Buchtipp: Digitale Ethik (Sarah Spiekermann)

SpiekermannIn ihrem gesellschaftskritischen Sachbuch entwickelt Sarah Spiekermann eine Ethik für die Technologien der Zukunft – und zugleich ein Plädoyer für Freiheit und Selbstbestimmung im Zeitalter der Digitalisierung

Apps, die unaufgefordert Informationen zuschicken; Autos, die von Google-Rechnern gesteuert werden; Sprachassistenten, die Bestellungen für uns vornehmen – immer mehr Menschen fragen: Was macht die Digitalisierung mit mir und meinem Leben?

Sarah Spiekermann kritisiert, dass wir zu passiven Empfängern einer entmündigenden Technik degradiert werden.

Sie fordert deshalb ein radikales Umdenken: Wir brauchen eine Technik, die uns dient, statt uns zu beherrschen. Die Digitalisierung darf nicht länger vom Gewinnstreben der IT-Konzerne getrieben sein, sondern muss Werte wie Freundschaft, Privatheit und Freiheit verwirklichen helfen. Denn nur so werden wir unser Menschsein in einer digitalisierten Lebenswelt sichern können: „Wir müssen versuchen, den Wert zu entdecken, der mit Technik geschaffen werden kann. Und das ist nicht Geld, nicht Effizienz, nicht Gewinnmaximierung. Sondern Zufriedenheit, Freundschaft und Wissen.“

In ihrem Sachbuch „Digitale Ethik“ entwirft die Expertin für ethische Technikentwicklung ein Werte-System für das Zeitalter der Digitalisierung, das auf traditionellen Werten aufbaut.

Sarah Spiekermann, Jahrgang 1973, ist Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre berufliche Karriere begann in Unternehmen des Silicon Valley. Diese Erfahrungen ließen sie zu einer Expertin der IT-Branche werden. Heute beschäftigt sie sich mit ethischen Fragen der Digitalisierung. Sarah Spiekermann ist eine vielgefragte Keynote-Speakerin. Sie hat viele Jahre lang in Gremien der EU-Kommission und der OECD gearbeitet und entwickelt heute mit dem weltweit größten Ingenieursverband IEEE den ersten Ethikstandard für Technikentwicklung.

Cyberkriminelle und ihre psychologischen Tricks: Die häufigsten Social Engineering-Angriffe

WP_001268Social Engineering gilt heute als eine der größten Sicherheitsbedrohungen für Unternehmen. Im Gegensatz zu traditionellen Hacking-Angriffen können Social Engineering-Angriffe auch nicht-technischer Natur sein und müssen nicht zwingend eine Kompromittierung oder das Ausnutzen von Software- oder System-Schwachstellen beinhalten. Im Erfolgsfall ermöglichen viele Social-Engineering-Angriffe einen legitimen, autorisierten Zugriff auf vertrauliche Informationen.

Die Social Engineering-Strategie von Cyberkriminellen fußt auf starker zwischenmenschlicher Interaktion und besteht meist darin, das Opfer dazu zu verleiten, Standard-Sicherheitspraktiken zu missachten. Und so hängt der Erfolg von Social-Engineering von der Fähigkeit des Angreifers ab, sein Opfer so weit zu manipulieren, dass es bestimmte Aktionen ausführt oder vertrauliche Informationen preisgibt. Da Social-Engineering-Angriffe immer zahlreicher und raffinierter werden, sollten Organisationen jeder Größe eine intensive Schulung ihrer Mitarbeiter als erste Verteidigungslinie für die Unternehmenssicherheit betrachten.

 Die Strategie der Cyberkriminellen: Trickbetrüger des digitalen Zeitalters

Social Engineering-Angreifer sind letztlich eine moderne Spielart der klassischen Trickbetrüger. Häufig verlassen sich diese Kriminellen auf die natürliche Hilfsbereitschaft von Menschen: Zum Beispiel rufen sie bei ihrem Opfer an und geben ein dringendes Problem vor, das einen sofortigen Netzwerkzugang erfordert.

Social Engineering-Angreifer nutzen gezielt bestimmte menschliche Schwächen wie Unsicherheit, Eitelkeit oder Gier aus und verwenden Informationen, die sie aus Lauschangriffen oder dem Ausspionieren sozialer Medien gewonnen haben. Dadurch versuchen sie, das Vertrauen autorisierter Benutzer zu gewinnen, damit ihre Opfer sensible Daten preisgeben, mit Malware infizierte E-Mail-Anhänge öffnen, oder sie deren Zugangsdaten für Computernetzwerke oder Datenspeicher stehlen können. Auch durch den Aufbau eines Schreckensszenarios wie einem angeblichen Sicherheitsvorfall können sie ihre Zielperson dazu bewegen, beispielsweise als Antiviren-Software getarnte Malware zu installieren und auszuführen.

 Häufige Social Engineering-Methoden im Überblick

Technologielösungen wie E-Mail-Filter, Firewalls und Netzwerk- oder Daten-Überwachungs-Tools helfen zwar, Social Engineering-Attacken abzuschwächen, doch eine gut geschulte Belegschaft, die in der Lage ist, Social Engineering zu erkennen, ist letztlich die beste Verteidigung gegen diese Art Angriffe. Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter deshalb umfassend über die gängigen Arten von Social-Engineering aufklären.

Im Folgenden daher ein Überblick zu verschiedenen Angriffstechniken, deren Übergänge teilweise fließend sind und von Kriminellen auch in Kombination eingesetzt werden.

 Pretexting: Geschicktes Vortäuschen falscher Tatsachen

Beim Pretexting schützt ein Angreifer geschickt falsche Tatsachen vor, um ein Opfer dazu zu bringen, ihm Zugang zu sensiblen Daten oder geschützten Systemen zu gewähren. Beispielsweise gibt ein Krimineller vor, Bankdaten zu benötigen, um die Identität des Empfängers zu bestätigen. Oder er tarnt sich als Mitarbeiter der IT-Abteilung, um sein Opfer dazu zu verleiten, Login-Daten preiszugeben oder einen Computerzugang zu gewähren.

 Baiting: Der physische Köder

Angreifer führen Köderangriffe durch, indem sie ein mit Malware infiziertes Gerät wie ein USB-Flash-Laufwerk, an einem bestimmten Ort im Unternehmen zurücklassen, an dem es wahrscheinlich gefunden wird. Wenn ein Mitarbeiter den Datenträger mit seinem Computer verbindet, um beispielsweise zu sehen, was sich darauf befindet, wird der Rechner heimlich mit Malware infiziert. Einmal installiert, erlaubt die Malware dem Angreifer, in das System des Opfers einzudringen.

 Tailgating: Den Angreifer im Rücken

Der Begriff Tailgating (Tailgate = Heckklappe) erinnert an Krimiszenen, bei denen der Protagonist bei der Autofahrt einen Verfolger im Rückspiegel entdeckt, der ihm quasi an der Heckklappe klebt. Tailgating ist eine weitere physische Social Engineering-Technik, um an wertvolle, vertrauliche Informationen zu gelangen: Ein Beispiel wäre ein Unbefugter, der autorisierten Personen an einen ansonsten gesicherten Ort folgt, indem er vorgibt, seine Zugangskarte vergessen zu haben. Auch kann der Angreifer sein Opfer darum bitten, ihm kurz dessen Telefon oder Laptop auszuleihen, um eine einfache Aufgabe zu erledigen, und stattdessen Malware auf dem Gerät installiert oder sensible Daten stiehlt.

 Quid pro quo-Angriff: Das Locken mit einer Gegenleistung

Bei einem Quid pro quo (lat.: „dies für das“) -Angriff locken Cyberkriminelle ihre Opfer mit einer Gegenleistung oder Entschädigung, um sensible Informationen zu ergaunern. Beispielsweise erzählen Angreifer am Telefon, eine offizielle Umfrage durchzuführen, und bieten für die Teilnahme Geschenke an. Hier gilt als Faustregel: Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist gesundes Misstrauen geboten.

 Phishing: Von gefälschten Geschäftsemails bis zum vermeintlichen Spendenaufruf

Bei einem Phishing-Angriff tarnen Cyberkriminelle sich als vertrauenswürde Quelle und nehmen eine betrügerische Kommunikation mit ihrem Opfer auf, um es dazu zu verleiten, Malware zu installieren oder persönliche, finanzielle oder geschäftliche Informationen herauszugeben. E-Mail ist der beliebteste Vektor für Phishing-Angriffe, aber Phishing kann auch Chat-Anwendungen, Social Media, Telefonanrufe (auch Vishing oder Voice Phishing genannt) oder gefälschte Websites verwenden. Einige besonders perfide Phishing-Angriffe täuschen gezielt wohltätige Zwecke vor dem Hintergrund aktueller Naturkatastrophen oder anderen tragischen Vorfällen vor. So nutzen sie den guten Willen ihrer Opfer aus, um durch einen Spendenaufruf an persönliche Daten oder Zahlungsinformationen gelangen.

 Watering-Hole-Attacke

Bei einer Watering-Hole-Attacke (Auflauern am Wasserloch) wählt der Angreifer sorgfältig eine bestimmte Website aus, von der er weiß, dass seine Opfer diese häufig besuchen, und infiziert die Homepage mit Malware. Zielpersonen sind meist Mitarbeiter von großen Unternehmen oder Regierungsstellen. Ein Beispiel wäre die Webseite eines lokalen Restaurants, in denen Mitarbeiter ihre Pause verbringen, beispielweise regelmäßig das Tages- oder Wochenangebot abrufen oder den Lieferservice in Anspruch nehmen.

 Spear-Phishing: Gezieltes Ausspähen und Angreifen eines Opfers

Spear-Phishing ist eine sehr gezielte Art von Phishing-Angriff, die sich auf eine bestimmte Person oder Organisation konzentriert. Spear Phishing-Angriffe verwenden persönliche Informationen, die spezifisch auf das Opfer zugeschnitten sind, um Vertrauen zu gewinnen und besonders legitim zu erscheinen. Oftmals werden diese Informationen aus den Social Media-Accounts der Opfer oder anderen Online-Aktivitäten entnommen. Durch die Personalisierung ihrer Phishing-Taktiken haben Spear-Phisher höhere Erfolgsquoten, wenn es darum geht, ihre Opfer dazu zu bringen, Zugang zu Systemen gewähren oder sensible Informationen wie Finanzdaten oder Geschäftsgeheimnisse preiszugeben.

Social Engineering ist eine anhaltende Bedrohung für viele Organisationen. Mitarbeiterschulungen sind deshalb die erste und wichtigste Maßnahme, um zu verhindern, dass Unternehmen Opfer von Angreifern werden, die immer ausgefeiltere Methoden einsetzen, um Zugang zu sensiblen Daten zu erhalten. Durch Sensibilisierung der Mitarbeiter in Kombination mit entsprechenden Security- und Datensicherheitstechnologien kann dieses Risiko erheblich minimiert werden.

Christoph M. Kumpa, Director DACH & EE bei Digital Guardian

Christoph M. Kumpa, Director DACH & EE bei Digital Guardian

Autor: Christoph M. Kumpa ist Director DACH & EE bei Digital Guardian. Digital Guardian bietet eine bedrohungserkennende Datensicherungsplattform, die speziell entwickelt wurde, um Datendiebstahl sowohl durch interne als auch durch externe Angriffe zu verhindern. Die Digital Guardian-Plattform kann für das gesamte Unternehmensnetzwerk, traditionelle und mobile Endgeräte sowie Cloudanwendungen eingesetzt werden. U

Serie zur künstlichen Intelligenz: Der Mensch als Fehler

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein epochaler Technologiesprung, der die Menschheit vor ganz neue Fragen stellt, die keine Disziplin alleine beantworten kann. John Brockman, Agent für Wissenschaftsliteratur und Gründer des Debattenforums edge.org, hat das „Possible Minds“-Projekt ins Leben gerufen, das Natur- und Geisteswissenschaften zusammenführt, um KI und deren wahrscheinliche Ausformungen und Folgen zu ergründen. Das Feuilleton der „SZ“ druckt Texte aus dem Projekt sowie europäische Reaktionen wie diese hier als Serie. …mehr …