Schlagwort-Archiv: Ethik

Digitalcourage fordert acht dauerhafte Maßnahmen zur Stärkung von Grundrechten im Internet

Digitalcourage fordert, dass Regierungen und Unternehmen im Zuge der Corona-Krise dauerhaft Freiheiten im Internet stärken und schlägt acht Maßnahmen vor. Die Grundrechteorganisation argumentiert, dass in Folge der Corona-Krise Millionen Menschen weltweit ihre intimsten Aktivitäten in das Internet verlagern müssen. Dadurch sind mehr Menschen mit ihrem Arbeits-, Liebes- und Privatleben kommerzieller und staatlicher Überwachung ausgeliefert. Gleichzeitig verlieren sie durch Ausgangs- und Versammlungsbeschränkungen physische Freiheiten. Politik und Wirtschaft müssen das mit Freiheiten im Internet ausgleichen. … mehr …

 

Ethischer Umgang mit KI-Daten: Besonders die Finanz­branche steht unter Druck

Sieben von zehn Entscheidern sehen sich von ihren Stakeholdern unter Druck gesetzt, bei der Digitalisierung ethische und moralische Fragen zu berücksichtigen. 53 Prozent der Befragten verspürt „eher starken“ Druck, 18 Prozent sogar „sehr starken“. Das sind Ergebnisse der Studie Talking Tech: Connecting Digital & Law von Clifford Chance. Die Anwaltssozietät hat durch das Marktforschungsinstitut MoWeb Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern zum Thema „Herausforderungen der Digitalisierung“ befragen lassen. Ein Beitrag im „IT-Finanzmagazin“. … mehr …

 

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Sprung ins kalte Wasser: Wie die Corona-Krise die Arbeitswelt verändert

Die Corona-Krise hat immense Auswirkungen auf die Arbeitswelt; viele Menschen haben das bereits zu spüren bekommen. Homeoffice, digitale Vernetzung und Kurzarbeit sind die Stichwörter mit denen sich viele Unternehmen derzeit beschäftigen müssen. Doch wie nachhaltig wird das Arbeitsleben auch nach der Krise verändert?

Hierzu gibt Katharina Lochner, Professorin für Wirtschaftspsychologie und Expertin für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der University of Applied Sciences Europe (UE) einige Prognosen:

Digitale Technik – keine „Rocket Science“

Der Sprung ins kalte Wasser der digitalen Welt verändert die Einstellung vieler Mitarbeiter zu digitalen Tools. Durch die Krise sind viele Menschen gezwungen sich schnell in digitale Kommunikations-Tools einzuarbeiten, was sie vorher irgendwie umgehen konnten. Diese Auseinandersetzung wurde Top 1 auf vielen To-Do-Listen mit der breiten Erkenntnis, dass digital durchaus auch in der Zukunft einen Mehrwert bedeutet und alles einfacher ging als gedacht.

Arbeitgeber verlieren Misstrauen gegenüber flexiblem Arbeiten und Homeoffice

Auch in der Arbeitswelt 2.0 waren viele Arbeitgeber – oftmals in eher traditionell geprägten Unternehmen – gegenüber neuen Formen von Arbeit misstrauisch. In der Krise wurde oft aus der Not heraus eine notwendige Infrastruktur geschaffen, die flexibles Arbeiten auch von zu Hause aus möglich macht. Arbeitgeber die bisher gegenüber Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten skeptisch waren, erfahren nun, dass auch von Zuhause aus gute Arbeitsergebnisse erzielt werden können und dass ihre Mitarbeiter sogar oftmals noch produktiver sind – vorausgesetzt die Kinderbetreuung kann gewährleistet werden.

Diese Erkenntnisse stärken das Vertrauen in die Mitarbeiter und werden sich auch nach der Krise weiter verfestigen, Arbeitgeber in ihrer Auffassung vom flexiblen Arbeiten liberaler werden lassen. Homeoffice wird selbstverständlich. Auch die Mitarbeiter haben noch besser gelernt, sich selbst zu strukturieren und zu organisieren, Ziele zu setzen und ihre Tage eigenständig zu planen. Das gibt ihnen mehr Autonomie, aber vielleicht auch mehr Selbstvertrauen.

Eine gute Mischung von Homeoffice und Präsenz im Büro steigert die Wertschätzung für den Arbeitsplatz

Menschen, die nach der langen, gezwungenen Homeoffice-Zeit wieder „im Büro und mit den Kollegen sein dürfen“ wissen die kollegiale Gemeinschaft wieder mehr zu schätzen. Sie haben festgestellt, wie viel Hilfe, Support, Austausch und Gemeinschaft an ihrem Arbeitsplatz vorhanden ist, und dass sich manche Dinge doch leichter direkt als auf Distanz klären und besprechen lassen. Außerdem gibt der Gang zum Büro auch Struktur im Tag und erleichtert die Abgrenzung von Beruflichem und Privatem. Somit könnte der Arbeitsplatz vor Ort in der Firma nochmal eine ganz andere Wertschätzung erfahren.

Gemeinschaft, Kreativität und Lösungsorientierung werden gefördert

Katharina Lochner, Professorin für Wirtschaftspsychologie und Expertin für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der University of Applied Sciences Europe (UE)

Katharina Lochner, Professorin für Wirtschaftspsychologie und Expertin für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der University of Applied Sciences Europe (UE)

Spontane Improvisation wie sie die Corona-Krise forderte, hat die Teamfähigkeit unter den Kollegen sowie Führungskräften und Mitarbeitern gefordert. Es waren schnelle pragmatische Lösungen gefragt, welche die Mitarbeit aller Kollegen aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen abteilungsübergreifend zusammen-geführt haben.

Unternehmen werden nachhaltiger

Durch die positiven Erfahrungen mit der digitalen Kommunikation werden virtuelle Konferenzen vermehrt genutzt. Somit können Geschäftsreisen reduziert und auf die wichtigsten beschränkt werden. Es wird vermehrt darauf geachtet, welche Reisen tatsächlich notwendig sind und welche Themen auch auf Distanz geklärt werden können. Dieses Umdenken schlägt sich positiv auf die CO2-Bilanz der Unternehmen nieder. Die reduzierte Reisezeit setzt zudem Kapazitäten für andere Aufgaben frei oder erlaubt, die bestehenden mit etwas mehr Ruhe anzugehen.

Alles in Allem bewertet Katharina Lochner die Entwicklungen durchaus positiv: „So schwer die Krise die Gesellschaft und Wirtschaft auch beutelt, sie wird sicherlich die digitale Transformation befeuern, Innovationen beschleunigen und vor allem lenkt sie den Blick auf die Institutionen und Berufe, die wir brauchen, um unsere Gesellschaft am Laufen zu halten.“

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Matthias Horx gründete eine der inzwischen wohl einflussreichsten futuristischen Denkfabriken im deutschsprachigen Raum: das Zukunftsinstitut.

Die Welt nach Corona – „Eine Re-gnose vom Herbst 2020″

Zukunftsforscher Matthias Horx vom Zukunftsinstitut at auf sehr ansprechende Weise zusammengefasst, was er sich von einer Zeit nach Corona erhofft:  

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird”, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt? Versuchen wir es einmal:

Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020

Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona?

Oder sogar besser? Worüber werden wir uns rückblickend wundern?

Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen.

Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.

Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.

Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivia-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.

Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen…

Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.

Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.

Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half.

Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann.

Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört.

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.

Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.

Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas.

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.”

Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.

System reset.

Cool down!

Musik auf den Balkonen!

So geht Zukunft.

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Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.

System reset.

Cool down!

Musik auf den Balkonen!

So geht Zukunft.

Online-Kriminelle nutzen Angst vor Coronavirus aus

Der Coronavirus hat das öffentliche Leben nahezu lahmgelegt. Die Sorge bei der Bevölkerung ist groß. Diese Verunsicherung nutzen derzeit Cyberkriminelle aus und versuchen, als Trittbrettfahrer mit verschiedenen Kampagnen von der weltweiten Pandemie zu profitieren. Die ESET-Forscher beobachten aktuell einen massiven Anstieg krimineller Aktivitäten im Corona-News-Umfeld. Sehr verbreitet sind Spam-Mails mit vermeintlichen Informationen zum Coronavirus von renommierten Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die eine schädliche PDF-Datei als Anhang beinhaltet. Auch die Verbreitung von Fake-News ist derzeit beliebt. Die ESET-Forscher haben Kopien namhafter Nachrichtenportale entdeckt, die Fehlinformationen verbreiten. Darüber hinaus setzen die Betrüger vermeintliche Spendenaufrufe oder Angebote für Atemmasken in Umlauf, um Anwender auf Fake-Shops zu locken oder zu Zahlungen zu verleiten. Auf Welivesecurity berichtet ESET über aktuelle Fälle. Ein Beitrag auf „Pressetext“. … mehr …

 

Warum die Digitalisierung Ethik braucht – ein Wertesytem für das 21. Jahrhundert

Viele Menschen fühlen sich überfordert angesichts der immer schneller werdenden Welt. Sie fragen, was macht die Digitalisierung mit mir und meinem Leben? Menschen suchen Orientierung – sie brauchen Werte, denn genau diese geben Halt und Orientierung. „Fortschritt braucht Weisheit und Mut – Maschinen fehlt beides“, so Prof. Dr. Sarah Spiekermann, Professorin für Wirtschaftsinformatik und Gesellschaft. Sie entwirft ein Bild von einer menschengerechten Zukunft und plädiert für ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert. Denn nur so können wir in einer digitalisierten Welt ein gutes Leben führen. Ein Beitrag im „Digitalen Wirtschaftsclub“. … mehr …

 

Isolierte Italiener mutieren zu Online-Piraten

Die strengen Ausgangsbeschränkungen aufgrund des Coronavirus in Italien sorgen für einen massiven Anstieg der Online-Piraterie. Zuhause festsitzende Italiener streamen doppelt so viel wie vor der Krise, wie Zahlen des US-Cybersecurity-Anbieters Cloudflare  zeigen. Laut „TorrentFreak“ bezieht sich dieses Interesse auch verstärkt auf illegale Plattformen. Ein Beitrag auf „Pressetext“. … mehr

 

Sprachnachrichten: Eine neue Art der Kommunikation?

Problematische HandynutzungDie Frage „Bist du bei Instagram?“ ist das neue „Kriege ich deine Telefonnummer?“.  Jahrelang haben Forscher darüber gesprochen, wie das Schreiben die Kommunikation beeinflusst. Inzwischen sieht man in den Innenstädten aber wieder vermehrt Menschen, die in ihre Telefone sprechen, berichtet „detektor“.fm. … mehr …

 

E-Scooter sind leichtes Ziel für Hacker

E-Scooter sind äußerst anfällig für Angriffe von Hackern, die es auf den Diebstahl von wichtigen Daten abgesehen haben. Nutzer der populären Roller können so nicht nur überwacht, sondern auch auf ihrem Weg in die Irre geführt werden. Das ergibt eine Studie der University of Texas in San Antonio  . Ein Beitrag in „Pressetext“. .. mehr

 

Glanz oder Elend der Zukunft – wohin führt uns KI?

Wer Fragen über die Zukunft stellt, bekommt schon seit jeher zwei Arten von Antworten: verklärende, utopische einerseits und verstörende, dystopische anderereits. Gerade das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) bietet besonders viel Stoff für Überlegungen beider Art. Einen sachlich fundierten Überblick versprach das Stuttgarter Zukunftssymposium 2019. Es widmete sich konsequent der Frage, wohin unsere Reise mit der KI gehen wird oder wohin sie gehen sollte. Im Fokus stand dabei die Arbeitswelt, in der die Menschen derzeit wohl die konkretesten Auswirkungen von KI für sich erwarten. Ein Beitrag im „Humanistischen Pressedienst“. … mehr