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Managementkultur 4.0: Wandel durch Handel

wp_003177Als Dieter Zetsche im Frühjahr 2016 die Geschäftszahlen von Daimler präsentierte, standen nicht der profitable Umsatz und die zukünftigen Marktchancen des Milliardenkonzerns im Fokus des öffentlichen Interesses, sondern die Tatsache, dass der Vorstandsvorsitzende doch tatsächlich ohne Krawatte vor die Presse trat.

Dabei ist kaum bekannt, dass auch die Oberen bei anderen namhaften Konzernen wie Bosch oder Siemens den Schlips mittlerweile in den Kleiderschrank verbannt haben. Hält hier nur ein lockerer Dresscode in Deutschlands Chefetagen Einzug oder handelt es um einen strategischen Wandel? Und was sind die Ursachen?

 

„Es gibt nicht genügend Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt!“ Darin sind sich Manager und Arbeitgeber einig. Doch nicht nur Studien, sondern auch immer mehr Recruiter zeichnen ein differenziertes Bild für potentielle Nachwuchskräfte.

Eines gleich vorweg: Es gibt natürlich einen Fachkräftemangel, allerdings nicht so, wie er in der Öffentlichkeit gemeinhin präsentiert wird. Erst gegen Ende 2016 veröffentlichte die Agentur für Arbeit eine Fachkräfteengpassanalyse. Daraus ging eindeutig hervor, dass es keinen flächendeckenden Fachkräftemangel gibt, sondern lediglich Schwankungen zwischen Branchen und Regionen. Das ist aber nicht neu, denn schon immer – und nicht nur in Deutschland – herrscht eine Landflucht, besonders bei jungen Leuten, die es in die IT-Branche und den Maschinenbau zieht.

Dennoch fällt es deutschen Unternehmen trotz – oder gerade aufgrund – einer guten Konjunktur relativ schwer, junge Talente und High Performer an ihre Organisation zu binden. Die hochqualifizierten Fachkräfte gibt es also schon, sie bewerben sich bloß bei anderen Firmen.

So erhalten natürlich viele Personalchefs rasch den Eindruck, dass die übrigen Kandidaten einen Querschnitt der jungen Uniabgänger darstellen. Doch mittlerweile scheinen Studien wie der Bericht der Arbeitsagentur oder die Ausblicke der HR-Experten das Management wachgerüttelt zu haben. Es gilt, die Zeichen der Zeit zu erkennen: Digitalisierung, Industrie 4.0 und Learning sind nicht einfach nur Werkzeuge moderner Organisationen, sondern strategische Steuerungselemente für einen langfristigen Unternehmenserfolg.

 Weg mit der Krawatte! Niedergang eines Machtsymbols

Unternehmen fangen langsam an zu lernen, dass sie sich auf die Kandidaten von morgen einstellen müssen. Denn für diese neue Generation der Mitarbeiter stellen digitale Tools und Personalförderungsmaßnahmen keine Betriebsgratifikationen mehr dar, sondern sind längst eine Grundvoraussetzung.

Auch flache Hierarchien und eine offene Unternehmenskultur werden immer mehr gefordert. Zwar jonglieren bereits einige Firmen mit diesen schönen Begriffen, wissen aber nicht so wirklich mit ihnen umzugehen. Und nur wenige Unternehmen wollen das Versprechen von einer neuen Kultur am Arbeitsplatz tatsächlich auch mit einer eigenen Agenda praxisnah umsetzen.

Der Wegfall der Krawatte – einst ehrfurchtsvoll als Respektbalken gewürdigt – ist nur eines der vielen äußeren Merkmale, die diesen Wandel unterstreichen sollen. Doch es hört nicht bei ehemaligen Symbolen auf. So verzichtet neuerdings auch der Vorstand von VW auf das Vorrecht mit dem Fahrstuhl direkt per Sonderfahrt bis in die Chefetage hochfahren zu können.

Auch Sonderbehandlungen in der Kantine für hohe Bosse gehören bei einigen Unternehmen längst nicht mehr zum guten Ton. Denn in den Chefetagen ist man sich sehr wohl der Außenwirkung überkommener Managementvorrechte bewusst – und darauf zahlte der neue Auftritt von Dieter Zetsche ein. Doch bleibt es lediglich bei jenen kosmetischen Überpinselungen oder kann sich dieser Wandel in der Managementkultur auch in allen Büros der Hierarchiepyramide hinab verankern?

Das Ziel muss es letztendlich sein, Mitarbeiter wie Kunden zu behandeln. Schließlich sind auch sie Touchpoints des Unternehmens. Und selbst Bewerber werden zu Markenbotschaftern, wenn sie den Recruitingprozess durchlaufen. Immerhin werden sie im Freundes- und Familienkreis Kunde darüber ablegen, wie die Abläufe während des Bewerbungsprozesses von statten gingen. Da kann das Urteil von negativer Schelte bis hin zu großem Lob reichen.

Umso wichtiger wird es für Unternehmen, die bestehende Belegschaft richtig einzubinden und ihnen gleichzeitig Freiräume zu schaffen. Die Zeiten von Fließbandarbeit, bei der der Mensch auf seine reine Funktion reduziert wurde, sind endgültig vorbei. Rückwirkend sind auch Ego, Dominanz und Härte nicht mehr die wichtigsten Kriterien bei Führungspositionen.

Wer seine Mitarbeiter nicht auch wie seine Kunden behandelt, wird sich als Arbeitgeber in die lange Schlange der anderen Unternehmen einreihen dürfen, die darüber klagen, dass es keine hochqualifizierten Fachkräfte gibt – die Wahrheit sieht aber so aus, dass es sie in der Tat gibt, bloß wollen sie nicht bei einer Firma anheuern, die viele Skills verlangt, aber nichts zurück gibt: Speziell ausgerichtetes Learning, transparente Feedbackkultur, ausgewogene Work-Life-Balance….alles heutzutage immer noch keine Standards in vielen Firmen – häufig bei jenen Organisationen, die immer noch Hierarchiemodellen und Arbeitsabläufen aus den 80er Jahren hinterherjagen. Doch solch ein Paradigmenwechsel will erst richtig im Unternehmen etabliert und gelebt werden – der Wegfall der Krawatte als Statusobjekt ist nur das Sahnehäubchen.

 Von Coworking und Surfleadership

Doch immer noch werden Mitarbeiter gegängelt. Wie soll es auch anders laufen, wenn bei der Besetzung von Führungspositionen dominantes Auftreten und Bärbeißigkeit ausschlaggebende Kriterien sind. Dabei ist bekannt, dass ein zu starkes Ego aus der Angst vor Machtverlust getrieben ist.

Das fehlende Puzzlestück zum modernen Leadership ist jedoch nicht Konkurrenz, sondern Kooperation. Wer seit jeher natürlich mit den gleichen hierarchischen Methoden zu tun hat, nur verkrustete Strukturen und das alte Silo-Denken gewohnt ist, für den mag eine tiefgreifende Änderung dieser Führungsmethoden zunächst durchaus bedrohlich erscheinen. Entscheider sollten sich jedoch diesem Wandel aber dennoch sukzessive öffnen. Sonst verlieren sie zuerst den Anschluss an die Zukunft und darauf folgend ihre besten Leute.

Unter Slogans wie Surfleadership und Coworking fallen gängige Hierarchien weg, wie sie in den meisten Unternehmen vorherrschen. Stattdessen helfen die Kollegen sich untereinander, um ihre Ziele zu erreichen und arbeiten an selbstständigen Projekten – und das mit Erfolg. Eine Art Limbo der Arbeitsdisziplin konnte bisher in solchen Unternehmen nicht festgestellt werden. Denn eine offene Kommunikation ist der Schlüssel, um aus dem Team eine Einheit zu machen.

Für diese Vorgehensweise sprechen aber nicht nur schwammige Erklärungen aus der Soziologie, sondern auch höchst ökonomische Gründe, die kein Manager außer Acht lassen sollte. Denn einen Mitarbeiter in ein enges Korsett zu stecken und ohne viel Eigenverantwortung, lässt ihn am Ende zu einer fleischgewordenen Maschine mutieren.

Das ist aber nichts Anderes als Ressourcenverschwendung, denn damit arbeitet der Mitarbeiter weit unter seinen Möglichkeiten und kommt das Personalmanagement teuer zu stehen – sprichwörtlich: Möchte man als Entscheider ernsthaft einen teuren Multifunktionsdrucker kaufen, um ihn am Ende doch nur als fossiles Faxgerät zu benutzen?

Coworking wurde als Arbeitspraxis jedoch lange Zeit verpönt und nur hippiehaften Digital-Nomaden zugeschrieben. Doch langsam zeigt sich, dass diese Methodik den Inbegriff des flexiblen Arbeitens im digitalen Zeitalter darstellt. Arbeitnehmer können in ihren Coworking Spaces unabhängig voneinander agieren und in unterschiedlichen Firmen und Projekten aktiv sein, oder auch gemeinsam Projekte verwirklichen.

Coworking Spaces stellen die Neugliederung der Arbeitsplätze dar, da diese in der Regel zeitlich befristet zur Verfügung stehen (beispielsweise ein geleaster 3D-Drucker für einen Auftrag in der Werbetechnik). Auf diese Weise fallen nicht nur starre Hierarchien weg, sondern es können sich auch Gemeinschaften herausbilden, welche mittels gemeinsamer Veranstaltungen, Workshops und weiterer Aktivitäten gestärkt werden können.

 Kommunikative Kanäle statt verknöcherte Denkstrukturen

Dieser Entwicklung steht im Grunde nur eins im Weg – die immer noch konservative Haltung vieler Manager und Geschäftsführer, die solch ein Unterfangen als zu wagemutig und unkontrollierbar empfinden. Coworking heißt jedoch nicht, dass ein Manager seine Mitarbeiter in der freien Wildbahn für vogelfrei erklärt, sondern er schafft lediglich Freiräume. Unter dem Gesichtspunkt der Surfleadership entsteht durch diesen Freiraum erst die oben heraufbeschworene Feedbackkultur: Hier spricht man von Liquid Feedback, einer Verflüssigung der starren Hierarchieebene. Da der Manager nur noch orchestriert und die Mitarbeiter alle selbst zu Leitern ihrer eigenen Projekte avancieren, entwickelt sich eine ungeheure Eigendynamik.

Kurz gesagt: Es funktioniert wie in der BWL-Vorlesung. Coworking und Surfleadership entsprechen dem kapitalistischen Ansatz von Adam Smith mit der „unsichtbaren Hand“, die alles selbst regelt sowie dem Nachtwächterstaat, der darüber wacht und nur eingreift, wenn es doch mal Probleme gibt.

Wer eine offene und ehrlich gelebte Unternehmenskultur hingegen als Vagabundenspiel betrachtet, der ist ideologisch doch eher bei Karl Marx beheimatet. Er will nämlich von oben herab jeden Schritt kontrollieren und jede Kennziffer vorgeben. Alles nach Plan, ein eng gestecktes Muster aus dem niemand ausbrechen kann und darf.

Das Motto vieler Manager und Entscheider lautet daher immer noch: „Gib her, wir regeln das für Dich und sagen Dir nur, was Du bis dahin zu tun hast!“ Stattdessen sollte es eher so klingen: „Hier nimm. Du kannst es und schaffst das. Wir helfen Dir dabei!“ Dann darf man auch beruhigt mal den Schlips weglassen.

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Geoffroy de Lestrange

Autor: Geoffroy de Lestrange ist Product Marketing Manager bei Cornerstone OnDemand, einem Anbieter Cloud-basierter Software für Human Capital Management und Learning. Er besitzt 20 Jahre Erfahrung in Marketingpositionen von technisch-industriellen Sektoren verteilt über ganz Europa. Zu seinen Themengebieten gehören der technologische Einfluss auf die HR und die modernen Arbeitspraktiken.

Bereits jeder zweite Deutsche Opfer von Cybercrime

Jeder zweite deutsche Internetnutzer ist in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Cybercrime geworden, wie eine Befragung von 1.017 Usern ab 14 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben hat. Mit Abstand häufigstes Delikt ist dabei die Infizierung des Computers mit Schadprogrammen wie Viren. 43 Prozent der Internetnutzer wurden Opfer eines solchen Angriffs, berichtet „Pressetext“. … mehr

 

 

Digitale Ethik – kaum jemand kennt diesen Begriff

3-affenDie digitale Transformation ist das zentrale Thema unserer Zeit. Dialego, der Marktforscher für die digitale Welt, befragte im Juli 2017 1.000 Menschen – bevölkerungsrepräsentativ für den Bundesdurchschnitt – zum Thema digitale Ethik. Dialego fand heraus, dass drei von vier Bundesbürgern den Begriff „Digitale Ethik“ in der Form noch nie gehört hatten.

 

Was ist Digitale Ethik?

Der Begriff Ethik löst eindeutige Assoziationen aus: Die Moral der Menschen im Miteinander sowie die Frage, welche menschlichen Verhaltensweisen ethisch sind oder welche „der Norm“ entsprechen. Dabei ist die Frage der „Digitalen Ethik“ komplizierter. Viele Menschen sagen, dass ihnen sowohl das Wissen über die digitale Welt als auch zur konkreten Frage der Ethik in den digitalen Medien fehle. Als gemeinsame Basis findet sich an dieser Stelle das Verhalten, der Umgang im Miteinander.

 Internet und Moral

Dialego hat hinterfragt: Wie ist die Haltung der Deutschen konkret zu einigen ethischen Faktoren? Dabei stimmte beispielsweise jeder Zweite zu, dass die Anonymität im Internet negative Auswirkungen auf die Moral der Menschen habe.

Die Mehrheit der Menschen wünscht sich entsprechend auch einen Kodex für ethischmoralisches Verhalten im Internet. Dabei fällt auf, dass die Generation der Digital Natives (hier: bis 29 Jahre) unterproportional zustimmt (43 %). Stattdessen ist der Wert von zwei Dritteln durch die ältere Generation (50+) geprägt. Bei den Silver Surfern stimmen ganze 80 % der Aussage zu, dass ein Kodex nötig sei.

Dass es einen solchen Kodex bereits gibt, wissen allerdings auch die Wenigsten. Das Institut für digitale Ethik hat Leitlinien entwickelt, die helfen, die Würde des Einzelnen, seine Selbstbestimmung und Handlungsfreiheit wertzuschätzen.

Digital-Kompetenz

Eindeutig ist die Haltung der Menschen, wann man mit der Vermittlung digitaler Kompetenzen beginnen solle: in der Schule. Hier stimmten 72 % aller Befragten zu, nur 3 % sind konsequent dagegen.

Ranking der Ethik-Anforderungen

Dialego hat die zehn Empfehlungen des Ethik-Institutes von allen 1.000 Befragten bewerten und in eine Rangordnung bringen lassen. Dabei gibt es einen klaren Rang eins: Respektiere die Würde des Menschen. Analog zum Artikel eins unseres Grundgesetzes steht und fällt alles mit der Menschenwürde.

Auf Rang zwei positionierten die Befragten eine gewisse Skepsis: man solle nicht alles glauben, was man online sieht, sondern verschiedene Quellen heranziehen.Die Glaubwürdigkeit der Online-Informationen ist im Zuge der Fakenews-Diskussionen ein elementarer Aspekt. Oftmals entstehen und transportieren sich Fakenews, weil nur Überschriften gelesen, geteilt und kommentiert werden.

In eine ähnliche Richtung geht der dritte Rang: Vertraue nicht jedem, mit dem Du online Kontakt hast. Auch hier könnte es sich um „Fake-Persönlichkeiten“ handeln. Diese Priorisierung ethischer Anforderungen﹣sofern diese also konkret vorgegeben werden ﹣ lässt darauf schließen, dass die Menschen sich durchaus bereits Gedanken gemacht haben und bereit sind, Stellung zu beziehen. Nun muss die Zukunft zeigen, inwieweit Leitlinien als gesellschaftlicher Konsens akzeptiert und gegebenenfalls gar verschriftlicht werden. Auch wir bei Dialego erwarten hier analog zur digitalen Transformation eine Weiterentwicklung im gesellschaftlichen Bewusstsein.

Hintergrund: Die komplette Rangfolge der Digital-Ethik Empfehlungen

  1. Respektiere die Würde anderer Menschen.
  2. Glaube nicht alles, was Du online siehst und informiere Dich aus verschiedenen Quellen.
  3. Vertraue nicht jedem, mit dem Du online Kontakt hast.
  4. Lasse nicht zu, dass jemand verletzt und gemobbt wird.
  5. Akzeptiere nicht, dass Du beobachtest wirst und Deine Daten gesammelt werden.
  6. Erzähle und zeige möglichst wenig von Dir.
  7. Schalte hin und wieder ab und gönne dir auch mal eine Auszeit.
  8. Messe Deinen Wert nicht an Likes und Posts.
  9. Schütze Dich und andere vor drastischen Inhalten.
  10. Bewerte Dich und Deinen Körper nicht anhand von Zahlen und Statistiken

Interview über die Digitalisierung und ihre Gefahren : „Oft wird nur einseitig gewarnt“

Da schnell Mails checken, hier ein kurzes Telefonat führen und abends wird im Internet gesurft oder gezockt: Digitale Medien sind aus dem Leben von heute nicht mehr wegzudenken. Doch welche Auswirkungen auf die seelische Gesundheit kann die Digitalisierung haben? Dieser Frage gingen die Volkshochschule Hochschwarzwald und der Kooperationskreis Sozialpsychatrische Hilfen im Landkreis bei einem Vortrag nach. Autorin Tanja Bury von der „Badischen Zeitung“ hat sich im Vorfeld mit dem Referenten Florian Heusinger von Waldegge von der Universität Tübingen unterhalten. … mehr

 

ARD-Doku über Killer-Roboter: Delegierte Tötungsentscheidung

Was noch vor wenigen Jahren wie ein Science-Fiction-Szenario aussah, könnte bald Wirklichkeit werden“, ist zu Beginn dieser ARD-Dokumentation als Kommentar aus dem Off zu hören. Das impliziert etwas Surreales, etwas Bedrohliches auch. Nein, es geht dabei nicht um das neue Sequel von George Lucas´ „Star-Wars“-Reihe, um die neuesten galaktischen Sternenkriegerraumschiffe, schreibt der „Tagesspiegel“. …mehr

 

Big Data und die Welt der Algorithmen und Analysen

Big Data ist en vogue. Vor allem die Wirtschaft trommelt seit Jahren für einen stärkeren Einsatz neuer Analysemethoden. Der Glaube: alles zu jeder Zeit im Blick haben und vorausschauend bestimmen zu können. Doch es ist Vorsicht geboten. Denn neben den vermeintlichen Chancen der Big-Data-Welt lauern auch Risiken. Über beide Seiten der Medaille sprach die gis.Business mit zwei Experten, die es wissen müssen: Ernest McCutcheon vom Unternehmen DDS in Karlsruhe sowie Frank Romeike vom Portal „RiskNET“. …mehr…

 

 

 

Gesichtserkennung und Privatsphäre sind kein Widerspruch – sagt Apple

Apple-Manager Phil Schiller präsentierte das iPhone X am 12. September erstmals öffentlich. Face ID scannt Gesichter der Nutzer, um das Handy zu entsperren. Jetzt erklärt Apple, wie Face ID funktioniert und Nutzerdaten schützt. Experten bleiben aber skeptisch, schreibt die „Süddeutsche“. … mehr

 

Datenschutz bei Tinder: „Meine Geheimnisse sind im Netz nicht sicher“

Welche Daten speichert Tinder über seine Nutzer? Judith Duportail von der „Süddeutschen“ hat nachgefragt und 800 Seiten über ihr Liebes- und Sexleben erhalten. 920 Mal hat Judith Duportail die Dating-App Tinder geöffnet, 870 Männer kennengelernt und 1700 Nachrichten geschrieben. Duportail hat nicht akribisch mitgezählt oder jedes Ereignis aufgeschrieben. Das hat Tinder für sie getan. Duportail hat das Unternehmen nach ihren Daten gefragt, die sie in den letzten vier Jahren produziert hat. Tinder hat ihr 800 Seiten geschickt….mehr

 

Darwins Ausblicke in die digitale Zukunft

Ein Beitrag in der „Wiener Zeitung“: Digitalisierung ist das Schlagwort der Stunde. Kein Bereich des (Wirtschafts-)Lebens kommt um Technologie, Innovation und damit verbunden, neue Arbeitsabläufe und Herausforderungen herum. Doch wie sieht die digitale Zukunft aus, welche Möglichkeiten eröffnen sich durch neuen Technologien und wie profitieren die Menschen von klugen Haushaltsgeräten, allwissenden Algorithmen, riesigen Datenmengen und künstlicher Intelligenz? Und welchen Veränderungen sind Unternehmen dabei ausgesetzt? … mehr

 

„Geo“-Chef: „Ethik wird sich durch lernende Maschinen verändern“

Mensch und künstliche Intelligenz sollen eine pädagogische Beziehung zueinander aufbauen. Zumindest findet das Christoph Kucklick, Chefredakteur des Magazins „Geo“ und Soziologe. Am Samstag, den 23. September, hielt der in Berlin und Hamburg lebende Sachbuchautor im Rahmen der Globart Academy einen Vortrag zum Thema „Warum wir eine (andere) Diskussion über Algorithmen brauchen“ in Krems. Der STANDARD hat vor der Veranstaltung mit dem Digitalisierungsexperten gesprochen. .. mehr

 

 

Kann Deutschland digital?

Die digitale Transformation revolutioniert nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft auf bahnbrechende Weise. Welchen spezifischen Pfad Deutschland bei diesen tiefgreifenden Veränderungsprozessen einschlagen sollte, diskutierten rund 700 Wissenschaftler, Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Medien sowie Vertreter von Gewerkschaften und Verbänden auf der Konferenz „Digitale Transformation – Gibt es einen eigenen Weg für Deutschland?“ des MÜNCHNER KREIS, der Technischen Universität München, der Initiative MINT Zukunft schaffen und dem Zentrum Digitalisierung.Bayern.

In Keynotes und Paneldiskussionen erörterten sie vier zentrale Spannungsfelder: Industrielles Denken versus Smart-Service-Denken, Mitbestimmung 1.0 versus Arbeitswelt 4.0, Disruptive versus evolutionäre Innovation sowie Digitale Revolution und sozialer Zusammenhalt. Die Bundesministerin der Verteidigung, Frau Dr. Ursula von der Leyen, erklärte eingangs, dass die digitale Transformation auch innerhalb der Bundeswehr ein zentrales Thema sei, das jede Verwaltung vor immense Herausforderungen stelle.

Heute entscheidet die Soft- und nicht mehr die Hardware Schlachten, denn, so brachte es die Ministerin auf den Punkt: „Alles, was fliegt, ist Software mit Metall drum herum.“ Die eigenen Kompetenzen in der Cyber-Abwehr stärkt das Verteidigungsministerium mit massiven Investitionen u.a. in den Aufbau eines Cyberclusters an der Bundeswehrhochschule München und mithilfe eines Cyber Innovations Hub, über den der direkte Kontakt zu agilen digitalen Start-ups gesucht wird.

4.500 Angriffen auf deutsche Netze täglich steht mittlerweile bereits eine 13.500 Mann starke Cyber-Truppe gegenüber. Algorithmen sind laut von der Leyen das Bindeglied zwischen Big Data und Digitalisierung. Sie zu verstehen, ist Aufgabe der Führungskräfte. Damit die Politik im Ringen um die Informationshoheit in Zeiten von Fake News die Oberhand behält, müssen wir verstehen, was man mit Daten alles machen kann und wie diese effizient kombiniert und nutzbar gemacht werden können. Hier muss ein Wandel vom „Need to know“ zum „Need to share“ erfolgen.

„No Need“ für den Mittelstand

Dagegen sieht der deutsche Mittelstand bisher selten den „Need“ für den großen Schritt in Richtung digitaler Wandel. „Den mittelständischen Unternehmen geht es derzeit noch zu gut“, stellte Prof. Dr. Michael Dowling, Vorstandsvorsitzender des MÜNCHNER KREIS fest. „Sie sehen daher überhaupt keinen Zwang, die Digitalisierung im Unternehmen voranzutreiben.“ Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy vom Zentrum Digitalisierung.Bayern hält fest: „In Deutschland gibt es einen anderen Ausgangspunkt für die Digitalisierung, nämlich die sehr starke traditionelle Wirtschaft, die uns einen anderen Weg abverlangt als beispielsweise der amerikanischen Wirtschaft, die sehr dienstleistungsorientiert ist.“

Digitale Transformation ist Kopfsache und Teamaufgabe

„Die Digitalisierung ist keine Frage der besten Technologie, sondern einer veränderten Denkweise und einem tiefgreifenden Verständnis für die Kultur und Organisation des Unternehmens“, betonte Prof. Dr. Isabell M. Welpe, Lehrstuhl für Strategie und Organisation, TUM. Claudia Nemat, Mitglied des Vorstands Deutsche Telekom, verwies auf Albert Einstein, der gesagt hat, dass Probleme nicht mit den Mitteln gelöst werden können, mit denen sie geschaffen wurden.

In deutschen Unternehmen würden dementsprechend nur Teams die Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich meistern können, die sich aus Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten zusammensetzen. Um im Rennen um die Vorherrschaft im digitalen Bereich bestehen zu können, gilt es zu erkennen, was andere noch nicht erkannt haben, und Disruption zu wagen. Wer eigene Geschäftsmodelle nicht kritisch hinterfragt, kann leicht den Anschluss verlieren.

So geschehen bei der Deutschen Telekom, die am Auslaufmodell der altbewährten SMS festhielt und dann letztendlich vom Messenger WhatsApp abgehängt wurde. Industrielles und Smart-Service-Denken müssen zukünftig vereinbart werden, indem Unternehmen ihre Prozesse einfach halten, ein Verständnis für effizientes Datenhandling erreichen, klassische Strukturen durch agile ersetzen und Ängste vor Neuem abbauen.

Vorbild Silicon Valley

„Plattformen beherrschen die Welt“, lautete die Ausgangsthese der Keynote von Christoph Keese, Executive Vice President Axel Springer. Ob Facebook, Google, oder Airbnb, Business-to-Consumer-Plattformen verzeichnen enorme Erfolge, obwohl sie selbst gar nicht die Leistung erbringen, die sie verkaufen.

Für Deutschland sieht Keese großes Potential im Bereich von Business-to-Business-Plattformen – dem nächsten logischen Schritt in der digitalen Transformation nach der Vernetzung von Unternehmen und Kunden.

Die Industrienation Deutschland ist als Experte für Produktionsprozesse dafür prädestiniert, die „Wertschöpfungskette zu digitalisieren“. Darüber hinaus sollte die Bundesrepublik die Chance nutzen und die Vorreiterrolle in den drei wegweisenden Technologien der Zukunft einnehmen: Internet of Things, Künstliche Intelligenz und Blockchain. Dafür müssten die besten Kräfte gebündelt werden – bestes Beispiel dafür sei das 2015 ins Leben gerufene Zentrum Digitalisierung.Bayern, ergänzte der Präsident der Technischen Universität München Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang A. Herrmann.

Dr. Frederik Pferdt, Chief Innovation Evangelist Google Inc. betonte, wie wichtig Kreativität für eine erfolgreiche digitale Transformation sei: „Technologie bringt uns in die Zukunft, aber die Kreativität der Menschen entscheidet letztlich, wie sie aussieht.“

Es sei die Aufgabe von Führungskräften, Raum für radikale Ideen zu schaffen und Mitarbeiter zu ermutigen, bestehende Prozesse infrage zu stellen. Viel öfter sollte die Frage „Was wäre, wenn…“ gestellt werden und die Antwort darauf nicht „Ja, aber…“, sondern „Ja, und…“ lauten – der Idee muss eine Chance gegeben und Weiterspinnen erlaubt sein. Denn aus „gescheiterten“ Einfällen lassen sich Lehren für die Zukunft ziehen; „Lernbereitschaft“, „Erfindergeist“ und „kreatives Selbstvertrauen“ sind die Basis einer erfolgreichen unternehmerischen Weiterentwicklung.

Mitbestimmung 1.0 reicht nicht aus für die Arbeitswelt 4.0

Mit Blick auf die Auswirkungen der digitalen Transformation auf die in Deutschland erfolgreich etablierte Sozialpartnerschaft waren sich die Teilnehmer einig: Überbordende gesetzliche Regelungen erschweren zunehmend den Diskurs zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, ein hohes Maß an Bürokratie verschreckt Unternehmen wie Arbeitnehmer.

Das Ziel muss sein, die Mitarbeiter zu „befähigen und zu berechtigen“, ihnen „Leitplanken“ und Rahmenbedingungen an die Hand zu geben. Mitbestimmung 1.0 reicht in einer Arbeitswelt 4.0 nicht aus, es ist mehr Agilität beim Mitspracherecht gefordert. All das unter Berücksichtigung der Tatsache, dass in den Fertigungshallen eine andere Mitarbeiterstruktur vorherrscht als in Start-ups, IT-Unternehmen oder der Managementebene. Um einer drohenden Spaltung zwischen der digital-affinen und der analogen Belegschaft vorzubeugen, ist der Auf- und Ausbau digitaler Kompetenzen in jedem Alter eine zentrale Aufgabe für Politik und Gesellschaft.

Technische und soziale Innovationen sind Zwillinge

Zum Abschluss der Veranstaltung erklärte Dr. h.c. Thomas Sattelberger, Initiative MINT Zukunft schaffen: „Wenn wir die digitale Transformation nicht packen, wird die Debatte über den sozialen Zusammenhalt zur Luxusdebatte.“

Digitale Transformation, Demographie und Bildung als zentrale Themen der nächsten Dekade könne man nur mit einer „Digitalen Sozialen Marktwirtschaft“ begegnen. Hierbei könne Europa eine Vorreiterrolle einnehmen, erklärte Prof. Dr. Stephan Jansen von der Karlshochschule, da die Europäer Vielfalt gewohnt und in der Suche nach sozialen Innovationslösungen besonders geschult seien.

Über den MÜNCHNER KREIS

Der MÜNCHNER KREIS möchte die digitalisierte Wissens- und Informationsgesellschaft durch seine Arbeit aktiv mitgestalten. Als gemeinnützige, internationale Vereinigung an der Nahtstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft bietet der MÜNCHNER KREIS eine unabhängige Plattform, die gleichermaßen Hersteller, Dienstleister und alle Anwenderbranchen wie Automotive, Energie etc. anspricht. Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten setzt er sich konstruktiv mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung auseinander, um Orientierung in der digitalen Transformation zu geben.