Schlagwort-Archiv: E-Health

Autonome Maschinen in der Medizin: Chancen und ethische Grenzen

Ein Beitrag im „Ärzteblatt“: Autonome Systeme bergen ein erhebliches Potenzial für die Gesellschaft. Wie die Gesellschaft dies verantwortlich und unter Wahrung ethischer Standards beim Treffen von Entscheidungen nutzen kann, diskutierte der Deutsche Ethikrat jetzt auf seiner Jahrestagung. …mehr

 

Wie sich Krankenhäuser vor WannaCry & Co. schützen können

imagesDie weltweite Angriffsserie der Erpresser-Malware WannaCry hat Unternehmen, Behörden und Anwender gleichermaßen erschüttert. Innerhalb weniger Stunden und Tage infizierte der gefährliche Trojaner mehr als 200.000 Computer in rund 150 Ländern, verschlüsselte wichtige Daten und forderte Lösegeld. Krankenhäuser des britischen Gesundheitssystems National Health Service (NHS) wurden dabei mit am schwersten getroffen. Einmal mehr wird deutlich, dass die IT-Sicherheit in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen der aktuellen Bedrohungslage nicht mehr gewachsen ist.

Eine Sicherheitslücke in Microsoft-Windows und ein verpasstes Sicherheitsupdate wurden rund 45 Kliniken in England und Schottland unlängst zum Verhängnis: Sie infizierten sich mit dem gefährlichen WannaCry-Trojaner und mussten sich daraufhin für viele Stunden von einem normalen Verwaltungs- und Behandlungsablauf verabschieden.

Etliche Erkrankte – darunter auch Krebspatienten –, deren Daten nicht zur Verfügung standen, mussten unbehandelt nach Hause geschickt oder in andere Kliniken umgeleitet werden.

Veraltete Infrastrukturen und verspätete Updates

Dass keine Krankenhäuser im deutschsprachigen Raum von der Ransomware-Welle betroffen waren – zumindest wurden keine Angriffe öffentlich bekannt – ist dabei wohl nur Zufall. Denn auch hierzulande ist es um die IT-Sicherheit im Gesundheitswesen alles andere als gut bestellt. Nimmt man die Krankenhaus-IT einmal genauer unter die Lupe, stößt man in vielen Kliniken auf veraltete Netzwerke, Soft- und Hardware.

Auch in deutschen Kliniken laufen viele PCs aber auch lebenswichtige Medizingeräte noch auf Windows XP, für das es schon lange Zeit keinen offiziellen Support mehr gibt. Der Großteil der Updates wird von den Verantwortlichen, wenn überhaupt, verspätet oder unvollständig ausgeführt. Die Gründe für diese Vernachlässigung sind dabei vielfältig. Fehlendes Budget für neue Software, Security-Experten oder Mitarbeiterschulungen dürften hier jedoch ausschlaggebend sein.

Zur Verteidigung der Krankenhäuser ist jedoch zu sagen: Das zeitnahe Einspielen von Updates ist für Kliniken wie für viele andere Unternehmen und Behörden nicht immer so einfach wie man gerne annehmen möchte und geht mit Abwägungen einher. Was ist, wenn die Softwareaktualisierung Probleme bereitet und es zu Konflikten innerhalb des Systems kommt, die einen kompletten System-Ausfall nach sich ziehen?

Auch dies kann letztlich den Arbeits- und Verwaltungsbetrieb oder aber die lebenswichtige Intensivpflege eines Patienten beeinträchtigen. Kein Wunder also, dass Updates verschoben werden und IT-Verantwortliche notgedrungen hinnehmen, dass sich Sicherheitslücken einschleichen.

Dabei ist diese Fahrlässigkeit in zweifacher Hinsicht fatal: Denn einerseits zählen Gesundheitseinrichtungen zu den kritischen Infrastrukturen des Landes, d.h. zu den Einrichtungen, deren Ausfall Versorgungsengpässe und Störungen der Sicherheit nach sich ziehen. Andererseits sind Gesundheitseinrichtungen für Cyberkriminelle auch ein besonders attraktives Ziel, da sie Unmengen an sensiblen personenbezogenen Daten speichern. Immerhin werden im Dark Web gestohlene Patientendaten mittlerweile höher gehandelt als gestohlene Kreditkarteninformationen. Eine angemessene IT-Sicherheit auf aktuellstem Stand ist für Krankenhäuser und Kliniken also mehr als wichtig.

Endpunktschutz: Nur verhaltensbasierte Lösungen schützen wirklich

Eine Nachlässigkeit, die man IT-Verantwortlichen in Krankenhäusern jedoch nicht verzeihen kann, ist der Einsatz unzureichenden Endpunktschutzes. Noch heute verlassen sich viele Gesundheitseinrichtungen bei der Abwehr von Schadsoftware auf herkömmliche Antivirus-Lösungen, die schadhafte Dateien, URLs oder IP-Adressen mit Hilfe eines signaturbasierten Ansatzes aufspüren und bei der Identifizierung von hochentwickelten und verschleierten Angriffen daher versagen müssen.

Erst im Januar dieses Jahres offenbarte eine Befragung von SentinelOne, dass 30 Prozent der britischen NHS-Einrichtungen bereits Opfer eines Ransomware-Angriffs wurden und das, obwohl fast alle befragten Krankenhäuser Antivirus-Software installiert haben, um ihre Endgeräte vor Malware zu schützen. Dass herkömmliche Sicherheitstechnologien im Kampf gegen bösartige Malware-Formen ohnmächtig sind, steht also außer Frage, nicht aber, warum die IT-Verantwortlichen diese Unzulänglichkeit  hinnehmen und damit Angriffe wie WannaCry Tür und Tor öffnen, anstatt zu handeln.

Tatsache ist: Bereits heute existieren Endpoint Protection-Lösungen, die den signaturbasieren Ansatz hinter sich lassen und bei der Erkennung von Schadcode neue, effektivere Wege gehen. Endpunktschutz der nächsten Generation nutzt innovative Technologien wie maschinelles Lernen und dynamische Verhaltensanalysen, die Einblick in den Modus Operandi der Malware gewähren, ihr Vorgehen aufdecken und schädliche Manipulationen verhindern. Da diese Lösungen in der Lage sind, schadhaften Code anhand seines Laufzeitverhaltens zu erkennen, können auch völlig neuartige und bisher unbekannte Varianten identifiziert werden. Die WannaCry-Angreifer hätten keine Chance gehabt!

Sicherheit hat im Gesundheitswesen in vielerlei Hinsicht oberste Priorität. Bei der Umsetzung einer adäquaten IT-Sicherheit hapert es jedoch nach wie vor. Vor allem aus rechtlicher Sicht begeben sich Kliniken und ihre Geschäftsführer damit jedoch auf dünnes Eis, denn Bundesdatenschutzgesetz, BSI-Gesetz, NIS-Richtlinie und die nahende EU-Datenschutzgrundverordnung stellen an Betreiber kritischer Infrastrukturen mittlerweile hohe Anforderungen.

Um Datenrechtsverletzungen und damit verbundenen Bußgeldern vorzubeugen, müssen Krankenhäuser für eine ausreichende technische Ausstattung sorgen und die entsprechenden organisatorischen Maßnahmen schaffen, um Cyberangriffe bestmöglich abzuwehren und im Krisenfall schnell und rechtssicher agieren zu können.

 Autor: Rainer M. Richter, CEE, SentinelOne

 

 

 

Gütesiegel für Psychotherapie-Angebote im Internet verabschiedet

Beitrag in „Gesundheitsstadt-Berlin“: Im Internet tummeln sich immer mehr Psychotherapie-Angebote. Viele davon können nützlich sein, doch nicht alle erfüllen die notwendigen Qualitätsrichtlinien. Auf der Delegiertenkonferenz des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen wurde nun die Einführung eines Qualitätssiegels für psychologische Angebote im Internet verabschiedet. … mehr

 

#eHealth: Von Daten und Nebenwirkungen

Gesundheitsdaten sind künftig die Währung im Gesundheitswesen. Wer sie hat, entscheidet über Therapie und Bezahlung, resummiert ein Beitrag auf „Heise.de“: Es ist Samstag, meine Tochter, nicht einmal ein Jahr alt, hat hohes Fieber. Sie hat sich erbrochen. In die Notaufnahme? Tausende Betroffene stehen Tag für Tag vor einer ähnlichen Frage. Dieses Mal rufe ich einen neuen telemedizinischen Dienst in Deutschland an, die TeleClinic. Angeblich ermöglicht der Service, zwischen 6 und 23 Uhr binnen 30 Minuten über Videotelefonie mit einem Arzt zu sprechen – auch am Wochenende. Für die ersten dreißig Tage ist das gratis. Danach zahlen alle Patienten, außer die Mitglieder der Barmenia sowie der Brandenburgischen BKK und der BKK Werra-Meissner, 30 Euro je Arztgespräch. … mehr

 

30 Prozent der Bundesbürger würden ihre Gesundheit einem Roboter anvertrauen

Mehr als jeder dritte Bundesbürger würde bei einem ihm unbekannten Arzt eine Video-Sprechstunde besuchen. Fast ebenso viele zeigen sich sogar grundsätzlich offen für die medizinische Behandlung durch einen Roboter. Gleichzeitig legen 90 Prozent der Deutschen aber weiterhin großen Wert auf das ausführliche Gespräch und den persönlichen Vor-Ort-Besuch bei einem Arzt. Das sind Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage der Schwenninger Krankenkasse, für die 1.000 Bundesbürger befragt wurden. … mehr

 

Ernährung – das Topthema bei Google

Wie viel sollte ich pro Tag trinken? Darf ich nach 18 Uhr noch Kohlenhydrate zu mir nehmen? Und den Eiweiß-Shake besser vor oder nach dem Sport? Wenn die Deutschen zu Gesundheitsthemen im Netz recherchieren, geht es meist um Ernährungsfragen. 70 Prozent geben an, sich dazu am häufigsten im Internet zu informieren.

Das zeigt eine repräsentative Befragung des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 1.000 Befragten ab 14 Jahren. Auf dem zweiten Platz liegen Krankheitssymptome, 67 Prozent aller Befragten recherchieren dazu im Netz. Auch Informationen zu Fitness- und Sportthemen (58 Prozent), alternativen Behandlungsmethoden (45 Prozent) und allem rund um das Thema Vorsorge (45 Prozent) holen sich die Verbraucher im Netz, genauso wie Informationen zu Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen (32 Prozent) und Ärzten (25 Prozent).

Gesundheitsrecherche im Netz

„Die Gesundheitsrecherche im Netz ist für viele heute selbstverständlich. Man findet so beispielsweise früher einen passenden Doktor und kann gegenüber dem Arzt selbstbewusster auftreten“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Die Netzrecherche könne außerdem den Erfolg von Therapien steigern. „Wenn ein Patient etwa versteht, wie ihm ein bestimmtes Medikament hilft und warum es auf nüchternen Magen eingenommen werden soll, verbessert das die Therapietreue.“

Zwei Drittel der Befragten (61 Prozent) sagen, dass sie durch die Internetrecherche zu Gesundheitsthemen wertvolle Tipps erhalten. Knapp jeder Zweite (48 Prozent) meint, dass das Internet dabei hilft, souveräner gegenüber dem Arzt aufzutreten. Jeder Dritte (32 Prozent) versteht dadurch seinen Arzt besser. Allerdings sagen auch 38 Prozent, dass es ihnen schwer fällt, bei der Fülle an Informationen die seriösen von den unseriösen Quellen zu unterscheiden.

Die Fülle und die stark schwankende Qualität der Informationen können leicht überfordern

13 Prozent meinen, dass die Netzrecherche schon einmal dazu geführt hat, dass sie sich häufiger als früher Sorgen um ihren Gesundheitszustand machen. Nur für sechs Prozent kann die Internetrecherche den Arztbesuch ersetzen. „Bei der Gesundheitsrecherche im Netz müssen einige Hinweise beachtet werden. Die Fülle und die stark schwankende Qualität der Informationen können leicht überfordern. Wichtig ist, sich immer des Absenders, des Ziels und der Aktualität der Informationen zu vergewissern“, so Rohleder. Auch Ausgewogenheit und Aktualität spielten eine wichtige Rolle.

Zehn Tipps zur Gesundheitsrecherche im Netz gibt der Bitkom hier.

#eHealth: Massenhaft Daten, keine Orientierung

Der Boom von Gesundheits-Apps und –Geräten schafft zahllose neue Informationen. Aber wer kann diese Daten überhaupt noch deuten? Es ist höchste Zeit, dass hier jemand für eine neue Klarheit sorgt. Die Frage ist nur: Wer? Autor Pascal Fraenkler schreibt darüber in „medininside.ch“. … mehr

 

#eHealth: Den digitalen Patienten verstehen

Angenommen, ein sonst kerngesunder 25-jähriger Mann entdeckt eines Morgens seltsame Flecken an seinem Körper, die sich in den folgenden Tagen vermehren. Weil er etwas Ähnliches noch nie gesehen hat, geht er ins Internet und recherchiert. Aufgrund von Bildern, die seinen Symptomen entsprechen, kommt er zur Selbstdiagnose: „Ich leide unter Psoriasis.“ In Patientenforen stösst er auf diverse Voten, mit welchen Mitteln und Medikamenten dieser Hautkrankheit am idealsten beizukommen sei. Ein Bericht der „NZZ“ über das Trendthema eHealth. … mehr

 

Selfapy: Online-Therapie gegen Depressionen

SelfapySechs Monate lang hat das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) eine unabhängige Studie zur Wirksamkeit des Interventionsansatzes des Berliner Start-Ups Selfapy durchgeführt, welches als Deutschlands erstes durch Psychologen begleitetes Online-Programm Hilfe bei Depressionen bietet.

Die Untersuchungsergebnisse des Hamburger Klinikums bestätigen, was zahlreiche internationale Erhebungen bei ähnlichen Angeboten aus den USA und Skandinavien bereits belegten: Das Online Therapie Programm Selfapy kann zur Behandlung von Depressionen die Krankheitssymptome schnell und signifikant reduzieren.

Betroffene, die seit geraumer Zeit vergeblich auf einen Therapieplatz hoffen und händeringend nach überzeugenden Alternativen suchen, kann dies zuversichtlich stimmen. Dank des wissenschaftlichen Belegs für seine Wirksamkeit hat Selfapy nun die Chance, als präventive Übergangslösung die Versorgungssituation für Millionen Betroffene in Deutschland maßgeblich zu revolutionieren.

Menschen mit Depressionen anonyme Hilfe  bieten

Mit der Vision, Menschen mit Depressionen schnelle und anonyme Hilfe zu bieten, gründeten die beiden Psychologinnen Nora Blum und Kati Bermbach Anfang 2016 ihr Start-Up Selfapy. Der Hintergrund damals wie heute: Deutschlandweit leiden rund 20 Millionen Menschen an einer psychischen Erkrankung und müssen im Schnitt drei bis sechs Monate auf einen Therapieplatz warten.

„Ein unerträglicher Zustand. Für viele Betroffene ist es eine große Überwindung, sich professioneller Hilfe zu stellen und wenn sie es einmal geschafft haben, werden sie vertröstet“, sagt Kati Bermbach. Gemeinsam mit ihrer Freundin Nora Blum gründete sie deshalb ein durch Psychologen begleitetes Online-Therapie-Programm, welches auf den Grundsätzen der kognitiven Verhaltenstherapie beruht. Der Erfolg des Unternehmens zeigte sich schnell in Zahlen:

„Mehr als 1.000 Betroffenen konnten wir seit der Gründung mit unserem Online-Therapie-Programm bereits helfen. Durchschnittlich zeigt sich eine Verbesserung der Symptome um 35%. Damit kann unser Online Programm im Netz mit der traditionellen Psychotherapie mithalten.“

Eine Annahme, die es zu testen galt und die das UKE in Hamburg nun wissenschaftlich belegt hat. Die Studie, die von Leiter Prof. Dr. Steffen Moritz und seiner Mitarbeiterin Johanna Schröder durchgeführt wurde, erstreckte sich über 6 Monate. Neun Wochen dauerte die Behandlung durch Selfapys Online Programm: „So lange dauern unsere Online Kurse in der Regel. In dieser Zeit durchlaufen die Betroffenen, basierend auf Erkenntnissen der kognitiven Verhaltenstherapie, verschiedene Übungen und Module. Dazu gehören beispielsweise Trainings zur Selbsterkenntnis, Tagesstruktur oder den sozialen Kontakten. Unsere Psychologen begleiten die Nutzer in diesem Zeitraum per Telefon, Chat oder via Skype mit wöchentlichen Gesprächen“, erklärt Bermbach, ehemalige Mitarbeiterin der Charité in Berlin.

An der klinischen Studie des UKE haben insgesamt 103 Probanden mit depressiven Störungen teilgenommen, die sich in drei Versuchsgruppen unterteilten: Eine Warteliste-Kontrollgruppe, eine Gruppe, die Selfapys Online Kurs ohne die psychologischen Gespräche nutzte und eine Gruppe die das Selfapy Programm erhielt – Online Kurse in Kombination mit wöchentlichen Psychologen-Gesprächen per Telefon oder Chat.

Verglichen wurde dabei Selfapys durch Psychologen begleitetes Online Programm mir der Warteliste-Kontrollgruppe. Hierzu wurde vor und nach der Interventionsperiode von 9 Wochen mit Hilfe standardisierter Fragebögen getestet, ob und inwieweit die Nutzung des Selfapy Programms Krankheitssymptome mindert. Das Ergebnis: Bei einer äußerst geringen Abbrecherquote von nur sieben Prozent zeigte sich eine signifikante Symptom-Reduktion bei gleichzeitiger Erhöhung des Selbstwertgefühls und einer Minderung von Pessimismus und Interessenverlust. „Dank dieser starken Werte kann man nun offiziell sagen, dass unser Angebot wirksam ist. Auch auf die geringe Abbrecherquote sind wir besonders stolz. Sie ist auf unseren persönlichen Kursansatz zurückzuführen, da Nutzer bei uns rund um die Uhr von einem persönlichen Psychologen betreut werden – das unterscheidet uns von vielen anderen Online-Programmen“, erklärt Bermbach.

Das positive Studienergebnis räumt auch letzte Skepsis und Zweifel derjenigen aus, die Online Therapie Programme als unwirksam abstempeln. „Wir kennen diese Bedenken und freuen uns, diese nun mit einer klinischen Studie widerlegen zu können. Online Therapie Programme können zudem sehr hilfreich sein, denn die Hemmschwelle, im Jetzt und Hier mit einer Online-Therapie zu beginnen, ist deutlich niedriger als bei einer traditionellen Psychotherapie. Hinzu kommt, dass wir diejenigen mit unserem Programm abholen, die Angst vor Stigmatisierung haben und aus Schamgefühl keinen Psychotherapeuten aufsuchen wollen“, kommentiert Kati Bermbach.

Dennoch ist die Online-Therapie nicht für jeden gleichermaßen geschaffen. Stark Depressive oder sogar suizidgefährdete Menschen sollten sich direkt an ein professionelles Versorgungsnetz wenden und einen Arzt oder Psychotherapeuten aufsuchen. „Nichtsdestotrotz kann unser Programm eine präventive Lösung sein und verhindern, dass es überhaupt erst zu Suizidgedanken kommt“, erklärt Psychologin Bermbach. „Besonders bei leichten bis mittelschweren Depressionen – sei es vor einer Psychotherapie, begleitend zu einer medikamentösen Behandlung oder im Nachsorgestadium – ist Selfapys Online-Therapie eine wirksame Übergangslösung“, so Bermbach.

Für die Zukunft verfolgt das junge Start-Up bereits weitere, ambitionierte Pläne. Geplant ist eine Studie mit der Charité in Berlin, bei der geprüft wird, inwieweit sportliche Aktivitäten, explizit das Laufen, den positiven Nutzen von Selfapys Online Therapie weiter steigern. Schon jetzt hat das junge Team eine Laufgruppe ins Leben gerufen, der sich Betroffene und Angehörige jeden Mittwoch anschließen können, um ihre Sorgen hinter sich zu lassen.

Über Selfapy

Selfapy ist ein durch Psychologen begleitetes Online-Selbsthilfeportal gegen Depression und Angst, und wurde 2016 von Kati Bermbach, Nora Blum und Farina Schurzfeld in Berlin gegründet. Die Geschäftsidee: Die Versorgungssituation für Millionen Deutsche, die einmal oder mehrfach im Leben von einer Depression betroffen sind, deutlich zu verbessern. In Deutschland leiden 20 Millionen Menschen an einer psychischen Erkrankung wie Burnout, Depression oder Angst. Oftmals müssen Betroffene bis zu sechs Monate auf eine Behandlung warten. Auch die Scham ist immer noch ein Thema, nur jeder Zweite wagt den Schritt nach Außen und sucht sich Hilfe. Bei Selfapy erhalten Betroffene sofort und anonym Hilfe durch Online Kurse und wöchentliche Telefonate mit Psychologen. „Psychische Gesundheit sollte weder vom Geldbeutel, der Versorgungssituation noch Scham und Stigma abhängen“, sagt Kati Bermbach.

Interview: „Wir wollen die Diabetes-Therapie in das digitale Jahrtausend führen.“

2012 in Wien gegründet ist mySugr mit aktuelle über 800.000 Usern die erfolgreichste Diabetes App der Welt. Seit August 2016 gibt es auch ein mySugr Büro in San Diego, Kalifornien. Gründer Frank Westermann über seinen Traum einer US-Gründung, die Unterschiede USA/Europa – und warum das Startup-Business zur sehr durch die rosarote Brille gesehen wird. mySugr Gründer Frank Westermann spricht mit „trendtopics“. … mehr

 

 

Auswirkungen des Internethandels in Europa auf die Arzneimittelkriminalität

Die Öffnung des Versandhandels für Arzneimittel, auch verschreibungspflichtige, spart Verbrauchern einerseits Zeit und Kosten. Andererseits birgt dies ein hohes Missbrauchspotenzial: Besonders der Arzneimittelversand übers Internet wird als Vertriebsweg für illegale Arzneimittel genutzt. Nach der WHO – World Health Organization – befinden sich in der Produktpalette jeder zweiten Internetapotheke, die ihren Unternehmenssitz nicht offenlegt, gefälschte Arzneimittel, so das „Fraunhofer SIT Institut“. … mehr

 

Mobile Health – das sagen die Experten

HerzDie zunehmende Digitalisierung der Gesundheitsbranche lässt viele Fragen aufkommen und führt mitunter zu Unsicherheiten. Öffentliche Diskussionen darüber basieren häufig auf Mythen und Halbwahrheiten, Fakten bleiben dabei nicht selten außer Acht. Daher haben Digitalexperten aus dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. die populärsten Thesen aufgegriffen und im Leitfaden „Mobile Health im Faktencheck“ auf ihren Wahrheitsgehalt hin erörtert.

„Leider wird die Diskussion hierzulande sehr emotional und wenig faktenbasiert geführt“, erklärt Ronny Köhler (wdv Gruppe), Leiter des Labs Mobile Health im BVDW. „Der Faktencheck des BVDW soll mehr Licht in die gesellschaftliche Debatte bringen und dazu beitragen, den Weg für Innovationen im Gesundheitssektor zu ebnen – und damit einen Beitrag zur Optimierung der Gesundheitsversorgung leisten.“ Dazu unterziehen die Experten sechs Behauptungen dem Faktencheck:

 „Apps können Gesundheitsdaten gar nicht richtig messen“

Das stimmt so nicht. Natürlich sind die Sensoren in Smartphones oder Wearables in ihrer Genaugikeit oft noch nicht mit klinischen Gerätschaften vergleichbar, die von ihnen gelieferten Daten sind aber für die damit verbundenen Anwendung vollkommen ausreichend. Dabei werden Bewegungsdaten und Vitalfunktionen wie Herzfrequenz und Körpertemperatur bereits sehr zuverlässig erfasst. In Bereichen, für die eine besonders hohe Präzision erforderlich ist, sollten zusätzliche externe Sensoren die Messungen ergänzen.

 „Der Schutz der Gesundheitsdaten ist nicht gewährleistet“

Personenbezogene Gesundheitsdaten unterliegen dem gesetzlichen Datenschutz. Dabei werden für die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung von Gesundheitsdaten als „Personendaten besonderer Art“ durch Rechtsprechung und Aufsichtsbehörden sogar besonders strenge Maßstäbe angelegt. Darüber hinaus kann die Offenbarung von Gesundheitsdaten etwa durch Ärzte strafbar sein – auch dann, wenn die durch einen Arzt an Patienten ausgegebene Gesundheits-App die Nutzerdaten an einen externen Datenverarbeiter übermittelt. Möchten Anbieter von Mobile-Health-Technologien solche Gesundheitsdaten erheben und verarbeiten, müssen sie dieses hohe Schutzniveau zwingend beachten – und tragen so zu dem Schutz der Gesundheitsdaten aktiv bei.

„Es droht eine Entsolidarisierung“

Das geltende Recht verbietet ausdrücklich, dass die Weigerung eines Versicherten, an „erweiterten Datensammlungen bezüglich seiner Gesundheit und seines Lebenswandels teilzunehmen“, zu Nachteilen beim Versicherungsbeitrag führen darf. Tarifkriterien wie Alter, gesundheitliches Risiko oder auch das Verhalten sind bei der gesetzlichen Krankenversicherung gesetzwidrig. Spezielle Tarife, die an die Übermittlung von Gesundheitsdaten geknüpft sind, sind entsprechend nach geltendem Recht unzulässig. Innerhalb strenger Grenzen sind zwar etwa Teilzuschüsse zu Smartwatches oder Wearables möglich, aber nicht an die Übermittlung von Gesundheitsdaten gebunden. Von einer Entsolidarisierung kann also keine Rede sein.

„Gesundheits-Apps sind nur Spielerei“

Apps können eine gesundheitsbewusste Lebensweise fördern: Sie zählen die Schritte und motivieren, sich mehr zu bewegen, lassen sich als Ernährungs-Tagebuch nutzen, helfen bei der Dokumentation einer Erkrankung, erinnern an die Einnahme von Medikamenten oder an fällige Vorsorge-Untersuchungen. Gerade Personen, die sonst eher nicht auf Prävention achten, können sich durch niedrigschwellige Anreize wie spielerische („Gamification“) und soziale Elemente („Social Proof“) zu einer bewussten Lebensweise motivieren. Keine Spielerei, aber spielend gesund bleiben.

 „Apps können den Arzt nicht ersetzen“

In den letzten Jahrzehnten haben viele Industrie- und Dienstleistungssektoren digitalisiert. Der Gesundheitssektor steht zwar noch am Anfang der digitalen Transformation, wird sich dieser aber ebenso wenig verschließen können. Apps können und sollen den Arzt aber nicht ersetzen. Allerdings gilt es, die Chancen und Vorteile der Digitalisierung offen und konstruktiv zu nutzen, um Probleme des heutigen Gesundheitswesens zu lösen: etwa die Unterversorgung in ländlichen Regionen, die schlechte und im Zweifelsfall teure Erreichbarkeit von Ärzten am Wochenende und nachts oder lange Wartezeiten für Arzttermine. Apps, Web-Services, künstliche Intelligenz (Machine Learning) und die Vielzahl anderer digitaler Dienste und Technologien können die Patientenzufriedenheit entscheidend erhöhen und eine Bereicherung für die Gesundheitsbranche sein.

 „Der deutsche Markt ist für Mobile-Health zu komplex“

Unternehmen haben es in Deutschland in der Tat nicht leicht, sich mit ihren Mobile-Health-Angeboten am Markt zu behaupten. Dieser muss jedoch zweigeteilt betrachtet werden. Im sogenannten ersten Gesund-heitsmarkt werden Gesundheitsprodukte und -leistungen durch die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen oder deren Pflege-versicherungen erstattet. Der Marktzugang ist stark reguliert, jedoch nicht unmöglich. Kollektiv nutzbare Angebote sind zwar noch nicht realisiert, dafür aber zahlreiche Modellprojekte und einzelvertragliche Lösungen. Im zweiten Gesundheitsmarkt finanzieren die Nutzer die Angebote privat. Hier gibt es alle Möglichkeiten für Wellness, Vorsorge, Fitness, Gesundheitstourismus, frei verkäufliche Arzneimittel bis zu ärztlich empfohlenen individuellen Gesundheitsleistungen. Aufgrund der geringeren Regulierung und niedrigerer Eintrittshürden ist dies für viele Anbieter die Chance, belastbare Nachweise für die Zulassung zum ersten Gesundheitsmarkt zu sammeln.

Langsames Tempo bei der Digitalisierung der Krankenhäuser

Entwicklung im Schneckentempo: Nach wie vor verfügt erst jedes vierte Krankenhaus in Deutschland über eine Digital-Strategie. Immerhin: Der Anteil der Kliniken, die sich mit digitalen Einzelprojekten auf den Weg zur „Medizin 4.0″ gemacht haben, ist binnen eines Jahres um 10 Prozent auf 56 Prozent gestiegen. Das sind Ergebnisse der bereits zum zweiten Mal durchgeführten Studie „Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft 2016″, für die im Auftrag der Personalberatung Rochus Mummert Healthcare Consulting 380 Führungskräfte im Mai und Juni an deutschen Krankenhäusern befragt wurden, ist in „pharma-relatioms“ zu lesen. … mehr