Raus aus dem Stau: Welche Chancen bietet autonomes Fahren

Das Ende der Sommerferien in vielen Bundesländern wird wieder für Stillstand auf den Autobahnen sorgen. Doch solche voraussehbaren Staus könnten bald der Vergangenheit angehören. „Vernetztes Fahren wird den Verkehr in wenigen Jahren auch zu Spitzenzeiten besser fließen lassen“, ist Klaus Landefeld, Vorstand des eco – Verbands der Internetwirtschaft e. V., überzeugt.

Immer mehr Autos sind über das Internet miteinander und mit ihrer Umgebung verbunden, sie können autonom fahren und ermöglichen effiziente und sichere Verkehrsflüsse. „Das Ziel ist ein von Künstlicher Intelligenz gestütztes Verkehrs-Ökosystem, in dem sich die Fahrzeuge permanent flüssig bewegen“, so Landefeld.

Klaus Landefeld, Vorstand des eco – Verbands der Internetwirtschaft e. V..

Klaus Landefeld, Vorstand des eco – Verbands der Internetwirtschaft e. V..

Bis dahin gibt es jedoch noch technische Hürden zu überwinden: „Damit Connected Cars ihr ganzes Potenzial entfalten, brauchen wir Netzwerke, die sich grundsätzlich von denen unterscheiden, die wir zurzeit nutzen“, sagt Landefeld. Das mobile Internet sei aktuell noch nicht flächendeckend geeignet, Fahrzeuge zuverlässig und schnell zu verbinden, damit sie miteinander sowie mit den Verkehrswegen kommunizieren können. Über das Internetprotokoll werden sich die Fahrzeuge potenziell auch mit Ampeln, Straßenschildern und der Straße selbst austauschen – etwa über die Straßenverhältnisse, die aktuelle Verkehrssituation oder vorhandene Baustellen.

Edge-Computing – Rechenpower am Straßenrand

Eine weitere Herausforderung betrifft die Reaktionszeiten: Autonom fahrende Autos zu koordinieren und den Verkehrsfluss zu steuern bedarf hoher Rechenpower, die schnell und zuverlässig zur Verfügung stehen muss. „Alle Daten erst in ein entferntes Cloud-Rechenzentrum zu übertragen, dort auszuwerten und die Ergebnisse zurück zu übertragen, dauert viel zu lang. Es zählt jede Hundertstelsekunde“, sagt Landefeld.

Die Lösung sind Rechenzentren in der Nähe oder entlang der Straße, welche die Berechnungen übernehmen. Als Edge-Computing bezeichnen Experten diese dezentrale Datenverarbeitung mit Speichermöglichkeiten und Rechenpower am Rand des Netzwerks.

„Das autonome Fahren braucht die Möglichkeit, Arbeitslast und Backend-Verarbeitung an den Ort des Geschehens zu verlagern – daher ist Edge Computing eine Schlüsseltechnologie für das autonome Fahren“, sagt Landefeld und ergänzt: „Optimal wäre es, wenn die Verarbeitung nie mehr als 50 Kilometer vom aktuellen Standort stattfindet – allein entlang der deutschen Autobahnen brauchen wir also eine beträchtliche Anzahl kleiner Rechenzentren für die dezentrale Verarbeitung der Verkehrsdaten, die dann idealerweise auch noch anbieterübergreifend vernetzt sind.“

Sensoren im Asphalt

Neben den Autos müssten auch die Straßen im Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) vernetzt sein. Hierzu sind bauliche Veränderungen notwendig, wie Sensoren im Asphalt, damit die Verkehrswege selbst mit den Autos kommunizieren können. „Es ist möglich, die Sensoren über ein schmalbandiges Weitverkehrsnetz ins Internet der Dinge (IoT) zu integrieren – dort arbeiten diese bis zu 10 oder 15 Jahre, ohne dass ein Batteriewechsel erforderlich ist.“

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