Nutzen statt Haben: Studie der Saar-Uni beschäftigt sich mit der Shareconomy

Sharing, eine moderne Variante des Mietens, steht im Mittelpunkt der Studie „Neue Mietkonzepte: Nutzen statt Haben – Potenziale und Herausforderungen für Unternehmen“, die das Institut für Handel & Internationales Marketing (H.I.MA.) der Universität des Saarlandes veröffentlicht hat. Zur Untersuchung von Mietkonzepten und deren Auswirkungen auf Unternehmen wurden in der empirischen Studie rund 500 Konsumenten in fünf deutschen Großstädten befragt.

Vom Auto über Spielzeug und Möbel bis hin zu Hamstern und Tannenbäumen: Die Bandbreite moderner Mietkonzepte scheint schier grenzenlos. Während sich die Möglichkeiten zur zeitlich befristeten Nutzung gegen Entgelt früher auf einige wenige Produktbereiche beschränkten, sind sie heute um ein Vielfaches größer. „Das Innovative an neuen Mietkonzepten bezieht sich jedoch nicht nur auf die Angebotsbreite, vielmehr sind die Konzepte viel flexibler geworden und Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels“, erläutert Joachim Zentes, BWL-Professor an der Saar-Uni und Direktor des Instituts für Handel & Internationales Marketing. In ihrer Studie haben Joachim Zentes und seine Mitarbeiter Tatjana Freer und Frank Beham nicht nur die Akzeptanz verschiedener Mietkonzepte durch Nutzer aller Altersgruppen unter die Lupe genommen, sondern daraus auch die Potenziale und Risiken für Unternehmen abgeleitet.

Die Bedeutung von Eigentum nimmt ab, dagegen wird es Konsumenten immer wichtiger, Gegenstände im Bedarfsfall flexibel nutzen zu können, haben die Wissenschaftler herausgefunden. „Konsumenten möchten Gegenstände orts- und zeitungebunden nutzen und auch nur die Kosten für den Zeitraum des tatsächlichen Gebrauchs tragen“, erläutert Zentes. Diese Entwicklung werde auch durch das zunehmende Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gefördert. Allerdings wollen die Nutzer keine persönlichen Einschränkungen in Kauf nehmen und beispielsweise auf ein Auto verzichten. Die neuen Konzepte konnten sich vielmehr vor allem durch das Internet und mobile Endgeräte entwickeln, die den Nutzern einen einfachen Zugang zu den unterschiedlichsten Gegenständen ermöglichen.

Etabliert sind traditionelle Mietkonzepte, bei denen die Konsumenten für einen vereinbarten Zeitraum und zu einem bestimmten Entgeld auf Gegenstände wie Autos, Bücher oder Werkzeug zugreifen können. Dies bietet zahlreiche Vorteile: Wer im Bedarfsfall beispielsweise ein Gartengerät anmietet, spart die Kosten für Anschaffung und Reparaturen und umgeht das Risiko, eine falsche Kaufentscheidung zu treffen. Allerdings gibt es auch zahlreiche „Barrieren“, die gegen derartige Mietkonzepte sprechen, haben die Saarbrücker Forscher beobachtet. Gerade bei sehr persönlichen Gegenständen, wie Kleidung oder Spielsachen, hätten Konsumenten große hygienische Bedenken. Das gilt insbesondere für Konzepte, bei denen Gegenstände von anderen Privatpersonen über eine von einem Unternehmen betriebene Online-Plattform gemietet werden können. „Unternehmen müssen daher je nachdem, welche Produkte sie anbieten, auf produktspezifische Bedenken reagieren. So sollten sie zusätzliche Dienstleistungen wie beispielsweise einen Reinigungs- oder Beratungsservice in ihr Konzept integrieren, um dadurch neue Potenziale abzuschöpfen“, sagt Prof. Joachim Zentes.

„Moderne Varianten des Mietens eröffnen Unternehmen vielfältige Chancen“, betont der Wirtschaftswissenschaftler. Auf veränderte Kundenanforderungen könnten sie reagieren, indem sie ihr Geschäftsfeld entsprechend erweitern. Den Trend zur Nachhaltigkeiten hätten Automobilhersteller beispielsweise aufgegriffen, die Autos nicht mehr nur zum Kauf, sondern über Carsharing-Konzepte auch zur temporären Nutzung anbieten. Und: Bei neuartigen Kundenanforderungen sei es meist notwendig, das Geschäftsmodell zu substituieren, also Produkte beispielsweise durch andere zu ersetzen. So führe der Trend zur Nachricht in digitaler Form im Verlagswesen dazu, dass Print-Ausgaben zunehmend von Online-Veröffentlichungen abgelöst werden.

„Im Ergebnis müssen sich Unternehmen auf eine neue Wirtschafts- und Gesellschaftsform einstellen, die bereits heute unter dem Stichwort ‚Shareconomy’ zusammengefasst wird und bei der das Eigentum zu Gunsten des Mietaspekts zurücktritt“, erläutert Prof. Zentes.

Mehr Infos beim Institut für Handel & Internationales Marketing (H.I.MA.)

www.hima.uni-saarland.de

2 Gedanken zu „Nutzen statt Haben: Studie der Saar-Uni beschäftigt sich mit der Shareconomy

  1. Yunyun

    Hi Dunja,

    toller Artikel übrigens, habe ihn sofort auf Facebook geteilt.

    Immer mehr Leute – sowohl Privatpersonen als auch viele Unternehmen – beschäftigen sich zunehmend mit dem Shareconomy-Konzept. Es hat sich in diesem Bereich, zu meinem Erstaunen, schon sehr viel getan. Hier eine Infografik: https://www.friendsurance.de/blog/a/infografik-shareconomy-landschaft/
    Ich denke, dass die Shareconomy mehr als nur einen Trend sein wird, da das Konzept sehr nachhaltig und kostensparend ist.

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