Mitarbeiter im Homeoffice: Droht die digitale Isolation?

dell_future-workWir stecken schon mitten in der Digitalen Transformation. Das Kommunizieren, die Geschäftsprozesse und Geschäfts­modelle verändern sich massiv. Natürlich ist davon auch die Arbeitswelt betroffen; vernetzte, selbstlernende Systeme sind in der Lage, Arbeitsprozesse umfassend zu automatisieren, so dass – anders als bei früheren Umwälzungen – der durch die Digitalisierung ausgelöste Wandel mehr oder weniger stark alle Branchen und alle Berufsgruppen betrifft. Auch hochqualifizierte Tätigkeiten wie die von Lehrern, Ärzten oder Anwälten sind davon nicht ausgenommen.

Auf dieser Grundlage entstehen auch neue Formen und Modelle des Arbeitens. In vielen Bereichen wird die Art und Weise, in der man bisher gearbeitet beziehungsweise einen Beruf ausgefüllt hat, zurückgedrängt und durch neue ersetzt.

Es gibt virtuelle Teams, die nur für bestimmte Projekte ad hoc zusammengestellt werden, und in „Smart Offices“ haben die Beschäftigten keine festen Plätze mehr, sondern „floaten“ durch ein volatiles Büro. Andere arbeiten im Homeoffice, wieder andere von unterwegs an wechselnden Einsatzorten, zum Beispiel in Hotels, an Flughäfen, manchmal auch in der freien Natur.

Im Zuge dieser Entwicklung sind „Remote-Arbeitsplätze“, also Arbeitsplätze außerhalb der Unternehmen, zwar noch lange nicht zum StandardArbeitsplatz geworden, aber doch zu einer etablierten und weit verbreiteten Form des Arbeitens.

Viele Beschäftige sehen keinen Sinn darin, täglich mehrere Stunden in Bahnen und Bussen oder auf verstopften Straßen zu verbringen, andere schätzen die Flexibilität des Homeoffice, weil man hier die Verteilung der Arbeitszeit zum Beispiel an familiäre „Nebenbedingungen“ anpassen kann, also etwa mittags die Kinder abholt, sich um Angehörige kümmert oder einfach nur mal mit dem Hund rausgeht.

Flexibilität ist nicht durch die Digitalisierung entstanden

Der Bedarf an derartiger Flexibilität ist nicht durch die Digitalisierung entstanden, denn viele Beschäftigte haben von solchen Freiräumen schon immer geträumt. Doch hat die Digitalisierung dafür die technischen Voraussetzungen geschaffen: Die Computerisierung in den 80er- und 90er-Jah­ren hat die meisten Arbeitsprozesse auf IT umgestellt; die Digitalisierung integriert die Ressourcen der IT nun in das Internet und macht sie damit unabhängig von bestimmten Orten. So stehen die zentralen Unternehmensdaten und -anwendungen nun auch im Homeoffice oder im ICE zur Verfügung, und folglich kann man hier seiner Arbeit nachgehen. Das war bisher nicht so einfach möglich.

Diese neue Art zu arbeiten wirft eine Reihe von arbeitsrechtlichen und betriebsorganisatorischen Fragen auf: Wer muss zum Beispiel für die nötigen technischen Arbeitsmittel sorgen, welche Arbeitszeiten gelten, lassen sich Arbeit und Freizeit überhaupt noch sinnvoll auseinanderhalten, oder – vielleicht trivialer – wer haftet, wenn etwas passiert?

Ein anderer, bisher unterschätzter Aspekt betrifft die sozialpsychologische Ebene: Mitarbeiter an Remote-Arbeitsplätzen sind ja normalerweise nicht unmittelbar im Unternehmen anwesend und damit stehen Ihnen wichtige Kommunikations- und Interaktionskanäle des Unternehmens nicht zur Verfügung. Natürlich lassen sich die wesentlichen betrieblichen Informationen heute digital austauschen, das ist ja auch die Grundlage dieser Art des Arbeitens.

 „Flurfunk“ funktionieren nur in direkter Kommunikation

Aber die oft kaum weniger wichtigen informellen Beziehungen und Kontakte lassen sich digital nur sehr schwer abbilden. Das Gespräch mit Kollegen in der Teeküche, der direkte Austausch beim Mittagessen oder der „Flurfunk“ funktionieren eben nur in direkter Kommunikation, von Angesicht zu Angesicht – ein Lächeln oder ein Stirnrunzeln ist nun mal durch kein Smiley der Welt darstellbar. Natürlich laufen die Arbeitsprozesse auch ohne diese Dinge, aber doch anders. Kollegen im Homeoffice sind von dieser Ebene der Kommunikation zunächst einmal abgeschnitten – und nicht wenige fühlen sich dadurch tatsächlich ausgegrenzt und isoliert. Und es heißt ja ohnehin: richtig Karriere macht man nicht im Homeoffice.

Nicht ohne Grund wird neuerdings sogar beobachtet, dass die Zustimmung zu Arbeitsplätzen im Homeoffice rückläufig ist. Fürchten die Beschäftigten also die digitale Isolation? Und das ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da die Unternehmen mehr und mehr ihre Vorbehalte gegen derartige neue Formen des Arbeitens aufgeben und auf Remote-Arbeits­plätze setzen, weil sie deren Produktivität und Flexibilität schätzen? Und es ist gerade in diesem Zusammenhang keineswegs egal, ob sich Mitarbeiter isoliert fühlen – Isolation heißt auch schwache Bindung, die betreffenden fühlen sich weniger „dazugehörig“ und sind früher oder später dann auch leichter auf dem Sprung. In einer Zeit, in der Unternehmen im Wettbewerb um die Köpfe stehen, ist das auch ein unternehmerisches Risiko.

In der Studie „Future Workforce“ haben Dell und Intel die Stellung der Mitarbeiter zu ihrer Arbeit vor dem Hintergrund der Digitalen Transformation untersucht. Auch hier haben die Beschäftigen der direkten Kommunikation am Arbeitsplatz eine sehr hohe Bedeutung zugemessen, und das gute Arbeitsklima hat für die meisten einen höheren Stellenwert als Karrierechancen und sogar als das Gehalt.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Im Fall einer drohenden digitalen Isolation gilt aber die alte Devise: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Mehr und mehr Unternehmen begreifen ja die Digitalisierung nicht bloß als technische Herausforderung, sondern haben verstanden, dass diese Entwicklung durch eine „Mission Mitarbeiter“ abgerundet werden muss, also durch die Neuausrichtung von Prozessen auf die Träger – „Owner“ – der Digitalen Transformation.

Vor diesem Hintergrund müssen die „Remote-Worker“, die Kollegen im Homeoffice und auf Achse, eben auch in die informellen Kommunikationsstrukturen eingebunden werden. Sie müssen nicht nur zu Arbeitstreffen ins Unternehmen eingeladen werden, sondern auch Gelegenheit erhalten, mit den Kollegen informell zu interagieren. Mit anderen Worten; man muss dafür sorgen, dass der Flurfunk auch diese Mitarbeiter erreicht; und zwar nicht nur anlässlich der Weihnachtsfeier.

Autorin Ute Riester ist Field Product Manager Client Solutions bei Dell Deutschland.

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