Kommentar: Ist Digitalisierung der Schlüssel für eine bessere Welt?

 Doris Albiez ist Senior Vice President & General Manager bei Dell Technologies Deutschland.

Doris Albiez ist Senior Vice President & General Manager bei Dell Technologies Deutschland.

Die Notwendigkeit, die permanent wachsenden Städte nachhaltiger, aber auch sozial gerechter zu gestalten, ist sichtbarer denn je. Verstopfte Straßen, klimaschädliche Abgase und ein Sozial- und Gesundheitssystem, das eigentlich jetzt schon an seine Grenzen gestoßen ist, stellen die Gesellschaft vor zahlreiche Herausforderungen.

Smart Cities, in denen Digitalisierung das Leben prägt, sollen und können helfen. Das bringt viele Chancen mit sich wie auch das eine oder andere Risiko. Ein gutes Beispiel ist der Health-Care-Sektor: Der demographische Wandel mit einer drohenden Überalterung der Gesellschaft und einem jetzt schon bestehenden Pflegenotstand zwingt Industrienationen wie Deutschland zum Handeln.

Hier kann Künstliche Intelligenz helfen: KI ist zuerst einmal in der Lage, aus gesammelten Daten wie Bildern, sensorischen Messungen oder elektronischen Patientenakten zu lernen und damit die Fachkräfte bei der Erkennung, Diagnose und medizinischen Entscheidungsfindung zu unterstützen. Neben der revolutionierten Diagnostik auf Basis Algorithmen-gestützter Korrelationen sind in der Chirurgie schon heute Operationsroboter im Einsatz, deren Schnitte viel präziser ausgeführt werden, da eine aufwendige Steuerung jedes noch so kleine Zittern des Arztes ausgleicht.

Roboter, die Medikamente ausliefern, Demenzpatienten begleiten und Bewohnern von Seniorenheimen zur Hand gehen, könnten künftig zur Entlastung der Pflegekräfte beitragen. Während die Dienste solch technoider Betreuer hierzulande noch als Pilotprojekt gefeiert werden, sind sie in Japan längst gängige Praxis.

Löst KI nun den Fachkräftemangel? Nein. Ersetzen Roboter menschliches Fachpersonal? Auch das nicht. Als ergänzende Hilfe können sie dem Personal allerdings viele kleinere Handgriffe abnehmen und damit Freiräume schaffen, in denen Zeit für wichtigere Aufgaben bleibt.

Wirft man einen Blick auf unsere Straßen, erkennt man sofort, wie viel Potenzial es für smarte Technologien gibt. Die Herausforderungen liegen hier in weniger Verkehr und damit weniger Lärmbelastung, weniger Umweltverschmutzung, weniger Verkehrstoten oder anders formuliert einer lebenswerteren Stadt. In der Logistik beispielsweise ist es sinnvoll, die vorhandenen Daten nach Mustern zu durchsuchen und so Fahrten effizienter zu gestalten.

Durch weniger Leerfahrten würde der Verkehr deutlich entlastet werden. Schon heute ist in Autos intelligente Technik verbaut, die hilft, Unfälle zu vermeiden. Fahren Autos irgendwann völlig autonom, lassen sie sich zu Kolonnen verbinden und sind damit effizienter. Ein autonomes Auto könnte zudem selbstständig zum nächsten Passagier fahren und ihn aufsammeln. Vor dem Hintergrund, dass sich in Deutschland ein Fahrzeug durchschnittlich über 23 Stunden am Tag die Reifen plattsteht, klingt das nach einer guten Alternative.

So viel Potenzial in der Technik auch stecken mag, so zwickt es doch noch an der einen oder anderen Stelle: Um gewisse Situationen richtig einzuschätzen, fehlt computergesteuerten Autos der gesunde Menschenverstand. Deshalb müssen zunächst einmal wichtige Fragen geklärt werden: Was bedeutet es eigentlich, wenn Maschinen statt Menschen lenken? Wer haftet, wenn ein Softwarefehler einen Unfall verursacht?

Neben Mobilität ist die Energieversorgung gerade angesichts des Klimawandels eine zentrale Herausforderung in einer Smart City. Intelligente Technologien können helfen, das Energiemanagement in Gebäuden zu verbessern – indem sie beispielsweise Wetterprognosen sowie aktuelle Energiepreise berücksichtigen und in Echtzeit Heizung, Kühlung und Lüftung optimieren.

Ein anderes Beispiel ist die Straßenbeleuchtung: Anstatt nur, wie in einer EU-Richtlinie gefordert, die bisherige Beleuchtung durch LED-Technik auszutauschen, setzen manche Städte inzwischen auf intelligente Lösungen. Dabei lässt sich jede Laterne individuell steuern und dimmen, wodurch sich die Energiekosten spürbar reduzieren lassen. Effizienz ist die eine Seite der Medaille, Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer die andere. Mittels Sensoren kann die Straßenbeleuchtung witterungsabhängig gesteuert werden, so dass bei schlechter Sicht die Wege heller ausgeleuchtet werden und das Unfallrisiko sinkt.

Es gibt viele gute Ideen, und Deutschland steht erst am Anfang. Damit die Entwicklung nicht gleich wieder ins Stocken gerät, müssen noch so manche Hürden genommen werden. Etwa die deutschen Datenschutzbestimmungen, die teils deutlich strenger ausgelegt werden als die europäische DSGVO. In vielen spanischen Regionen sind die städtischen Services intelligent miteinander verbunden. So konnte beispielsweise die Todesrate nach einem Herzinfarkt gesenkt werden.

Wie das geht? Beginnend mit dem Ausrücken des Krankenwagens und während des gesamten Einsatzes reduzieren digitale Technologien die Zeit und den Aufwand, die für Entsendung des Krankenwagens, Anfahrt und Krankenhausabwicklung erforderlich sind. Während der Fahrt erhalten die Sanitäter die digitale Patientenakte und haben so die notwendigen Informationen. In Deutschland ein Ding der Unmöglichkeit, denn bei uns dürfen aus Datenschutzgründen personenbezogene Informationen nicht übermittelt werden. Den Aspekt Datenschutz könnte ich verstehen, wenn meine Krankenakte einfach so an Versicherungen geschickt würde, in diesem Fall aber nicht.

Smarte Technologien sind eine, wenn auch nicht die einzige Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen. Wir müssen manche Bedenken über Bord werfen, gleichzeitig die Ängste des Einzelnen vor Datenmissbrauch ernst nehmen und gemeinsam an Lösungen und Infrastrukturen arbeiten. Denn eine digitalisierte Welt kann definitiv eine bessere Welt sein.

Autor: Doris Albiez ist Senior Vice President & General Manager bei Dell Technologies Deutschland

 

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