Kinder, wie die Zeit vergeht oder was bringt die Zukunft?

In letzter Zeit passiert mir das immer häufiger: Ich denke über die rasant zunehmende Geschwindigkeit der Veränderung in allen Lebensbereichen nach. Fax, Handy, Internet, Social Media oder Smartphones – aus dem täglichen Umfeld sind diese Kommunikationsmittel oder „-tools“ nicht mehr wegzudenken oder vielleicht schneller abgelöst oder verändert, als man sich das heute vorstellen kann. Nehmen wir doch einmal das „Telephon“: Es ist ja nun – historisch gesehen – wirklich nicht lange her, dass Johann Philipp Reis mit dem Satz „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ am 26. Oktober 1861 die erste Fernsprechverbindung herstellte. Und die Erfindung des iPhones, des ersten echten Smartphones, durch Steve Jobs und seine Truppe ist gerade erst knapp sieben Jahre her. Und schon wieder macht sich ein neuer Kulturwandel bemerkbar. Smartphones laufen nicht nur den normalen Handys und Telefonen den Rang ab.

Mittlerweile setzt der Normalbürger auch immer mehr auf sein Smartphon oder Tablet, wenn er ins Internet zu gehen wünscht und lässt den heimischen Desktop im stillen Kämmerlein. So weit so gut, mag da der eine oder andere Marketingverantwortliche denken, dann gehen sie halt mobil ins Internet, die Kunden – soll uns auch recht sein. Doch ganz so einfach ist die Lage nicht, denn die Besucherzahlen auf den Webseiten der großen Marken sanken, während 2013 die Benutzung von Apps entsprechender Marken stieg. Und damit werden die potenziellen und bestehenden Kunden auch kaum noch über digitales Direktmarketing, wie zum Beispiel E-Mail-Marketing erreichbar. Und das bedeutet zweierlei: 1. Jede/r Marketingverantwortliche muss prüfen, wann es Zeit ist,  zügig auf diesen Zug aufzuspringen,  um den mobilen Trend nicht zu verpassen und 2. Es wird nicht ganz so einfach wie man vielleicht glauben möchte. Mal eben eine App in Auftrag geben und dann läuft das schon.

Wer so denkt, der hat die Rechnung ohne den deutschen Anwender gemacht. 66 Prozent der Bundesbürger sind nämlich nicht bereit, für eine App zu bezahlen. Ich muss immer schmunzeln, wenn ich im App-Store die Referenzen wie diese lese: Diese – hochspezialisierte App wohlgemerkt – sei doch mit 2,99 Euro wohl ein bisschen zu teuer. Verkehrte Welt, denn in der Regel sind die Rezensenten doch durchaus bereit für ein Xbox- oder PS4-Spiel um die 50 Euro zu bezahlen. Allerdings nutzt der Deutsche in der Regel auch nur 18 seiner durchschnittlich 33 installierten Apps, wie eine Erhebung von mobilbranche.de belegt. „Mobile Marketing“ ist aber natürlich nicht nur das Beschäftigen mit Apps und oder Spielen. Mobile Payment und Augmented Reality oder gar Mobile-Werbung sind die wirklich wichtigen Trends der nächsten Monate und Jahre. Und hier geht es jetzt darum, auf intelligentem Weg den Kunden zu erreichen und das geht immer seltener per E-Mail. Wenn man etwa bedenkt, dass allein mit mobiler Werbung die Kaufbereitschaft von Kunden um 37 Prozent gesteigert werden kann, dann ist es wirklich klar, wo die Reise hingehen wird. Ich bin gespannt, wie der Markt in etwa fünf Jahren aussehen wird: Vielleicht lesen wir kaum noch E-Mails und ein Smartphone ist dann auch schon wieder Schnee von gestern – verdrängt durch die „iWatch“ oder Google Glasses…

Autor: Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer ist Direktor des Institutes of Electronic Business und Professor für Electronic Business/Marketing an der UdK Berlin sowie Direktor des Alexander von Humboldt Institutes für Internet und Gesellschaft. Außerdem ist er wissenschaftlicher Direktor bei der Unternehmensberatung iDeers Consulting.

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