Iron Mountain: Ist ‚Big Data‘ im Marketing eine Zeitbombe für den Datenschutz oder eine neue schöne Welt?

Hans-Günter Börgmann, Geschäftsführer von Iron Mountain Deutschland

Hans-Günter Börgmann, Geschäftsführer von Iron Mountain Deutschland

60 Prozent der deutschen Mittelständler sind der Meinung¸ dass die Auswertung von Daten im Marketing am besten aufgehoben ist. Das ergab eine kürzlich von Iron Mountain und PwC durchgeführte Studie. Eine weitere von Iron Mountain beauftragte Studie unter Marketing-Leitern zeigt allerdings ein anderes Bild: Die dafür in Frage kommenden Teams sind weniger zuversichtlich, was den Erfolg zielführender Datenanalysen betrifft.

Ein ähnliches Bild zeigen folgende Untersuchungen: Einer Befragung der Economist Intelligence Unit zufolge glaubt ein Drittel der Führungskräfte, dass die Fähigkeit zur Datenanalyse in Zeiten von Big Data die wichtigste Qualifikation für Marketing-Profis sei. Andererseits gibt knapp die Hälfte zu, dass ihre eigenen Teams nicht dazu in der Lage seien. Dies belegt auch eine IBM-Studie [4], wonach 82 Prozent der Marketing-Leiter nicht ausreichend auf die Datenflut vorbereitet sind, und nur 59 Prozent der Befragten sagen, sie können das Kundenverhalten über alle Kanäle hinweg – zum Beispiel für E-Commerce oder Social Media – analysieren. Und trotz dieser offensichtlichen Qualifikationslücke wird in diesem Jahr laut IDC nur jeder fünfte Marketing-Profi ein Datenanalysetraining erhalten.

Kundendaten in sicheren Händen?

Kurz gesagt, steht die Wahrscheinlichkeit hoch, dass viele Firmen bestimmte Teams mit wichtigen Daten betrauen, die für deren Auswertung schlecht ausgestattet oder ausgebildet sind. Laut der eingangs bereits aufgeführten Studie von Iron Mountain [1], erhalten Marketing-Teams zur Auswertung vermehrt Zugriff zu sensiblen Kundendaten, jedoch ohne sich für die Datensicherheit verantwortlich zu zeigen.

In der Studie stellte sich ferner heraus, dass weniger als ein Prozent der mittelständischen Firmen in Deutschland denkt, man solle dem Marketing die Verantwortung für die Datensicherheit übertragen. Mehr als jedes zweite deutsche Unternehmen (48 Prozent) überträgt die Verantwortung für Informationsrisiken einfach auf den IT-Sicherheitsmanager.

Mehr Gefahren durch Flexibilität

Wenn man bedenkt, dass gerade in Marketing-Abteilungen vermehrt flexible Arbeitsregelungen zum Einsatz kommen, welche die Arbeit im Homeoffice oder von unterwegs aus erlauben, bekommt das Thema Datenschutz und Verantwortlichkeit von Marketing-Mitarbeitern eine zusätzliche Brisanz.

Europäische Marketing-Profis arbeiten im Durchschnitt zwei bis viermal pro Woche von zu Hause aus, mehr als jede andere in der Studie untersuchte Position. Die Iron Mountain- Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt auch: Ein Drittel der befragten Marketing-Mitarbeiter nimmt zudem vertrauliche Arbeitsdokumente mit, um von unterwegs aus daran zu arbeiten; jeder Vierte wirft seine Dokumente in den nächstbesten Mülleimer; fast die Hälfte sendet und empfängt Arbeitsdokumente über den persönlichen E-Mail-Account, zuweilen auch über eine unsichere W-LAN-Verbindung (12 Prozent). Allerdings erhält nur jeder dritte Angestellte eine sichere Remote-Verbindung oder entsprechende Sicherheitsrichtlinien, etwa um im Homeoffice sicher mit sensiblen Daten umgehen zu können.

Alles in allem stellt all dies eine tickende Zeitbombe für Datenschutzverletzungen dar, die jederzeit hochgehen kann.

Gut für Business Intelligence, schlecht für Datenschutz

Kundeninformationen sind zu wertvoll, als dass man zu locker mit ihnen umgehen sollte. Die Möglichkeiten, die Unternehmen heute zur Erfassung, Analyse und Verwendung von Informationen haben, wären vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen: Online-Kundenregistrierung, digitale Kommunikation, Social Media sowie Geo- und Online-Tracking bieten Unternehmen heutzutage ungeahntes Wissen, um Kunden und deren Wünsche besser zu verstehen.

Die Bereitstellung solcher Daten für das ganze Unternehmen ist essentiell, um sie im Rahmen von Business Intelligence auszuwerten und um Kunden im Zeitalter von E-Commerce und Social Media langfristig zu binden. Jedoch müssen Mitarbeiter, die mit diesen Daten zu tun haben, auch wissen, wie man diese schützt. Und viel wichtiger: Man muss sie dabei zum Beispiel durch Schulungsmaßnahmen, Informationskampagnen und dem Bereitstellen von sicheren mobilen Arbeitsumgebungen (VPN-Zugänge) unterstützen.

Informationsmanagement ist jedermanns Sache

Die Zeiten, in denen das Informationsmanagement sowie Datenschutz und Datenspeicherung noch im Backoffice bei der IT-Abteilung oder im Aktenmanagement angesiedelt waren, sind längst vorbei. Heute ist dies ein unternehmenskritischer Prozess, dessen Erfolg auf den Schultern eines jeden Mitarbeiters beruht. Daher ist es umso wichtiger, mögliche Lücken bei der Datensicherheit zu schließen und den Mitarbeitern klar zu machen, dass Datenpannen verheerende Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit, den Umsatz und die Reputation des Unternehmens haben können. Zwischen den Begriffen Freigabe und der Preisgabe liegt nur ein kleiner Unterschied – die Folgen für den Datenschutz könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein.

Autor: Hans-Günter Börgmann ist Geschäftsführer von Iron Mountain Deutschland, einem Dienstleister rund um die Speicherung und das Management von Informationen. Die Archivierungslösungen von Iron Mountain beinhalten sowohl physische Dokumente als auch digitale Daten und decken dabei den gesamten Lebenszyklus – von der sicheren Aufbewahrung bis hin zur Vernichtung – ab, um Unternehmen bei der Compliance-gerechten Aufbewahrung ihrer Dokumente, der Reduzierung ihrer Lagerkosten und der Risikovorsorge zu unterstützten. 1951 gegründet, speichert und sichert Iron Mountain Milliarden von Unternehmensinformationen einschließlich Geschäftsdokumente, Backup-Bänder, elektronische Akten und medizinische Daten.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>