Ich “like”, also bin ich – Charakter-Analyse via Facebook

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Richard Gutjahr erklärt Wissenswertes zur „Like-Analyse“

Do Not Track ist eine internationale Web-Doku-Serie zum Thema Online-Überwachung und Datenhandel. In der dritten Episode beschäftigt sich der bekannte Blogger und BR TV-Moderator Richard Gutjahr damit, was man selbst aus scheinbar harmlosen Facebook-Likes alles herauslesen kann. Das Besondere: Wie bei allen Folgen von Do Not Track kann der Nutzer dies dann selbst anhand seiner eigenen Daten ausprobieren. Do Not Track besteht aus sieben Folgen, die bis zum 9. Juni 2015 im Abstand von zwei Wochen auf donottrack-doc.com/de veröffentlicht werden.

Ein „Like“ auf Facebook für den Sportverein, eine tolle Klamottenmarke oder die Lieblingsserie – was soll da schon dabei sein? Dass Firmen durch genau diese „Gefällt Mir“-Angaben Rückschlüsse auf den Charakter eines Menschen ziehen könnten, damit beschäftigt sich die dritte Folge der interaktiven Web-Doku Do Not Track, ab sofort verfügbar unter: episode3.donottrack-doc.com. Nutzer können hier ihr eigenes Facebook-Profil auswerten lassen und so checken, wie Firmen ihre digitale Identität interpretieren könnten.

Episode 3: Ich „like“, also bin ich

„Eine Analyse von 250 Likes kann Ihren Charakter treffsicherer bestimmen, als Ihr Ehepartner das kann“, sagt Michal Kosinski, Wissenschaftler an den Universitäten Cambridge und Stanford. Auf seinen Studien baut die Firma Illuminus (illuminus.io), die sich auf die Auswertung sozialer Nutzerdaten spezialisiert hat, ihre Services auf. Der Nutzer von Do Not Track kann sich nun bei Illuminus anmelden und bekommt eine Auswertung seines Facebook-Profils.

Aus den „Gefällt Mir“ Angaben des Nutzers werden Rückschlusse auf seine Persönlichkeitsmerkmale gezogen, also etwa wie extrovertiert, gewissenhaft oder neurotisch er ist. Doch Illuminus geht einen Schritt weiter, denn wissenschaftliche Studien legen nahe, dass aus dem Persönlichkeitsbild weitreichende Schlussfolgerungen gezogen werden können. Illuminus bewertet daher auch die Karrierechancen, die Aussichten auf den Abschluss einer Krankenversicherung oder die Kreditwürdigkeit des Kunden. Nicht immer positiv: „Sie haben einen sehr offenen (0.56) und extrovertierten (0.55) Charakter. Das lässt auf eine signifikant hohe finanzielle Risikobereitschaft schließen, z.B. Spielsucht oder riskante Investments“, heißt es da etwa. Kredit abgelehnt. Ob alles wirklich stimmt? Für Firmen wie Illuminus nicht von Interesse – was zählt sind die Wahrscheinlichkeiten.

All das präsentiert Do Not Track mit Augenzwinkern. Denn Illuminus gibt es in Wirklichkeit nicht. Die Firma wurde von Do Not Track erfunden, um aufzuzeigen, wie die Zukunft auch für deutsche Internetnutzer aussehen könnte. Denn zumindest im internationalen Raum existieren bereits tatsächlich Unternehmen mit ähnlichen Geschäftsmodellen. Lenddo beispielsweise, ein Start-Up für Onlinekredite, das ebenfalls Facebook-Profile zur Bewertung von Charaktereigenschaften heranzieht. „Wir untersuchen die Freunde eines Antragstellers, seine Freundesfreunde und sogar deren Freunde und können so Angaben dazu machen, ob jemand häufig seine sexuellen Partner wechselt, einen Hang zu Übergewicht hat, gerne raucht oder lieber damit aufhören will und mit welcher Wahrscheinlichkeit er wählen geht“, verrät Geschäftsführer Jeffrey Stewart im Film. „Damit können wir dann Korrelationen herstellen und beurteilen, wie sich ein Nutzer verhält, wie sich andere ihm gegenüber verhalten und wie wahrscheinlich es ist, dass er einen Kredit zurückzahlen wird.“

Doch nicht nur Facebook ist für Unternehmen eine Datengoldgrube. Auch unser Handy ist für Datenbroker nicht viel mehr als ein Spion in unserer Hosentasche – sogar unsere Taschenlampen-App möchte am liebsten alles über uns wissen. Dazu mehr in der nächsten Folge von Do Not Track, die ab dem 12. Mai 2015 abrufbar ist.

Das Projekt Do Not Track ist – wie das Thema – international und wird von der französischen Produktionsfirma Upian in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk, ARTE und dem National Filmboard of Canada (NFB) umgesetzt. Regisseur ist der kanadische Internetspezialist Brett Gaylor. Unterstützung bekommt er von Netzpersönlichkeiten aus Deutschland, Frankreich und Nordamerika, unter anderem dem bekannten Blogger und BR TV-Moderator Richard Gutjahr. Noch bis zum 15. Juni werden auf donottrack-doc.com/de personalisierte Filme veröffentlicht. Dazu gibt es in einer täglich aktualisierten, Kontinent-übergreifenden Diskussion aktuelle Berichte, Forschungsergebnisse und Experten-Chats zum Thema Online-Überwachung und dem Multi-Milliardengeschäft mit unseren Daten.

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