Haben die Deutschen Angst vor der Technik?

Wolfram Jost, CTO der Software AG, plädiert für mehr Offenheit in Deutschland gegenüber technischen Innovationen. (Bild: Software AG)

Wolfram Jost, CTO der Software AG, plädiert für mehr Offenheit in Deutschland gegenüber technischen Innovationen. (Bild: Software AG)

Kommunizieren, arbeiten, einkaufen und bezahlen: Ein wachsender Teil unseres privaten und beruflichen Alltags spielt sich digital ab. Wie mithilfe von digitalen Plattformen schnell gute Geschäfte zu machen sind, haben neue Firmen wie Alibaba, Airbnb oder Uber bereits gezeigt. Das ist kein Hexenwerk, erfordert jedoch mutige Entscheidungen und die konsequente Verfolgung des Ziels, ein durch und durch digitales Unternehmen aufzubauen.

Technikskepsis wird in der Wirtschaft schnell zum Nachteil

Technikskepsis wird in der Wirtschaft schnell zum Nachteil, denn die Digitalisierung schreitet voran und hängt diejenigen ab, die zu lange zögern. Alle Unternehmen müssen mittelfristig zu digitalen Unternehmen werden. Nur so können sie – egal in welcher Branche – auf lange Sicht erfolgreich am Markt agieren, weil sie verstanden haben, wie grundlegend sich die Kommunikation und die Abläufe verändern.

Wie man einen Technologie-Rückstand in einen Vorsprung verwandelt, können wir bei Schwellenländern beobachten. In vielen Ländern Afrikas und Asiens beispielsweise wurde der Aufbau einer teuren Festnetzinfrastruktur übersprungen, und eine junge Bevölkerung begrüßt die Annehmlichkeiten der mobilen Kommunikation mit offenen Armen.

Annehmlichkeiten der mobilen Kommunikation

Aus dieser besonderen Situation entsteht eine mobile Kultur, die eine Vielfalt an Innovationen hervorbringt: Via Smartphone können in Indonesien Mitfahrgelegenheiten auf Motorrädern und Rollern gebucht werden, und das Konzept findet großen Anklang, denn das „Uber für Zweiräder“ weist mittlerweile über 11.000 Fahrer aus. Ein weiteres Beispiel: Awamo, ein Start-up-Unternehmen aus Frankfurt am Main, ermöglicht es Nutzern aus Afrika, per Smartphone Mikrokredite zu organisieren. Der gesamte Vorgang, vom Kreditangebot bis zur Rückzahlung, erfolgt digital. Die Infrastruktur gibt den möglichen Rahmen vor, und das bedeutet: so einfach, schnell und unkompliziert wie möglich. In den meisten Fällen also mobil.

Was lernen wir daraus, um unsere wirtschaftliche Pole Position international nicht zu verlieren? Offenheit gegenüber Innovationen war und ist ein Erfolgsprinzip. Neue Innovationen zu nutzen bedeutet jedoch auch, bewährte, aber veraltete Technologien hinter sich zu lassen oder mit neuen Methoden zu experimentieren – ein Schritt, dem viele hierzulande skeptisch gegenüberstehen. Erschwerend hinzu kommt, dass der digitale Wandel schwer vorhersehbar ist. Diese Ungewissheit ist gegenläufig zu unserem hohen deutschen Planungs- und Sicherheitsbedürfnis.

Die Herausforderung für Industrieländer ist es, einen gesunden Mittelweg zu finden

Die Herausforderung für Industrieländer ist es, einen gesunden Mittelweg zu finden: Es ist ratsam, Digitalisierungsprojekte stufenweise aufzusetzen und flexible Technologie-Plattformen einzurichten. Dabei steht die Sicherheit neuer Technologien an erster Stelle und Risiken müssen kritisch hinterfragt werden. Übertriebene Technikskepsis darf jedoch nicht dazu führen, dass die Chance verspielt wird, eine mobile Kultur aktiv mitzugestalten und zu leben. Denn die Digitalisierung kommt ganz sicher und technologisch ist sie bereits hier. Nun muss ihr eine digitale Mentalität folgen.

Autor: Dr. Wolfram Jost ist seit August 2010 Mitglied des Vorstandes der Software AG, einem Anbiete für Softwarelösungen für Unternehmen und verbundene Dienstleistungen. Als Chief Technology Officer (CTO) ist er verantwortlich für Forschung & Entwicklung sowie Produktmanagement und Produktmarketing.

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