„Flaschen“pfand für Althandys: Zukunftslotse ist für Rücknahmeregelung mit Nutzervorteil

Fast in jedem Haushalt dasselbe: Elektronikschrott in der Schublade (Foto: InnoMedia)

Fast in jedem Haushalt dasselbe: Elektronikschrott in der Schublade (Foto: InnoMedia)

Ausgediente Handys, Notebooks & Co. als unerschlossene Rohstoffquellen sollten durch ein Sammelsystem mit Rückgabebonus in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden. Dafür regt der Münchner Zukunftslotse und Nachhaltigkeitsexperte Thomas Strobel eine attraktive „Pfandregelung“ an. In Deutschland, mit aktuell über 63 Mio. Handyverträgen, liegen nach konservativen Schätzungen seit Jahren bis zu 100 Mio. ausgediente Geräte in Schränken und Schubladen. In den USA, wo es bereits spezielle Rücknahmeautomaten mit Wertgutscheinen gibt, sollen es sogar eine Milliarde Uralt-Mobiles sein.

„Rohstofflager Schublade“ erschließen

Laut Strobel sind „tote“ Handys und andere Elektrogeräte mit Edelmetallen (Gold, Silber, Platin, Palladium), strategischen Metallen (Kobald, Indium, Tantal) und seltenen Erden eine sofort verfügbare Rohstoffquelle. „Deutsche Haushalte haben im ‚Rohstofflager Schublade‘ enorme Schätze, die es angesichts zunehmender Rohstoffverknappung systematisch zu heben gilt“, fordert Strobel. Laut Bayerischem Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz enthalten 40 Handys oder Smartphones so viel Gold wie eine Tonne Golderz aus der Mine. Schon heute gibt es Überlegungen, mit „Urban Mining“ alte Mülldeponien zur Gewinnung von Rohstoffen zu nutzen. Laut Strobel wäre die Abkürzung dieses Wegs über die Schublade ein klarer Effizienzgewinn auf dem Weg zu besseren Recyclingkreisläufen.

Neue Geschäftsmodelle mit Produktleasing

In seinem Nachhaltigkeitsansatz geht der als besonders industrienah geltende Zukunftslotse, der mit Insiderteams für die Industriebereiche Textil und Papier die Umsatz- und Verwertungshorizonte für die jeweiligen Materialien und Werkstoffe samt dem notwendigen Forschungsbedarf analysiert, noch weiter. Hersteller und Anbieter sollten Kurs auf neue Geschäftsmodelle nehmen, bei denen Produktleasing vor Verkauf steht. „Der Nutzer müsste dann eine Nutzungsgebühr an das Leasingunternehmen zahlen und zugleich einen Pfandbetrag hinterlegen, der nach Rückgabe des Gerätes gutgeschrieben oder ausbezahlt wird.“ Vorteil: Der Hersteller bleibt Eigentümer und hat ein Interesse am geschlossenen Produktkreislauf. Außerdem kann dadurch die Lebensdauer von Geräten verlängert werden, weil aufgearbeitete, mit neuen Akkus und aktueller Software bestückte Geräte ein zweites oder drittes Mal in den Leasingkreislauf aufgenommen werden können.

Zudem sollte bereits im Herstellungsprozess von Consumer Electronics das Produktdesign so verändert werden, dass die Produktlebensdauer durch Software-Updates verlängert werden kann, betont der Maschinenbauingenieur. Beispiel Handy: Früher waren Display, Tastatur, Geräte-Software und Gehäuseform Designelemente des Herstellers. Heute sind die Mobiltelefone nur noch „Display“, die Tastatur wird eingeblendet, die Apps werden nach persönlichem Bedarf heruntergeladen.

Nichtnachhaltigkeitssteuer angeregt

Aus Gründen der Nachhaltigkeit sollte ferner das Gestaltungsprinzip Design-to-Recycle etabliert werden. Folge: Wer ein Produkt entwickelt, muss auch den Nachweis antreten, wie gut es repariert und am Ende der Lebensdauer demontiert werden kann. Dazu gehörten Angaben darüber, welche Komponenten direkt weiter verwendet bzw. welche Rohstoffe wieder nutzbar gemacht werden können. „Je besser dieses Konzept umgesetzt wird, desto geringer ist der ‚Recyclingindex‘ für ein Produkt und desto niedriger ist die zukünftige ‚Nichtnachhaltigkeitssteuer‘ für den Hersteller“, formuliert Strobel als Denkansatz für weitere Nachhaltigkeitsideen.

München auf dem besten Weg

Eine Vorreiterrolle auf kommunaler Ebene hat München übernommen. Die Stadt lässt zunächst 200 spezielle Container für Elektrokleingeräte an bereits bestehenden Wertstoffinseln aufstellen, um den Bewohnern der bayerischen Hauptstadt die umweltkonforme Entsorgung ihres Elektroschrotts zu erleichtern. Durch die anschließende fachgerechte Demontage der Altgeräte können enthaltene Edelmetalle und seltene Erden direkt in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden.

Mehr Infos unter www.fenwis.de

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