#DigitaleGesellschaft: Das Internet als medizinischer Notanker

Die Schirmherrin des DMSG im Landesverband Bayern, Elizabeth Herzogin in Bayern.

Die Schirmherrin des DMSG im Landesverband Bayern, Elizabeth Herzogin in Bayern.

Egal ob Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe oder Depressionen – wer leidet der sucht nach den Ursachen. Häufig beim Cyberdoktor, über Google oder diverse Gesundheitsseiten. Die Gesundheits-Recherche kann aufschlussreich sein.

Doch es gibt auch fehlerhafte Informationen. Deshalb ist etwas Skepsis gefragt und wer Hilfe sucht, sollte sicherlich am besten über die „offiziellen“ Webseiten von eingetragenen Vereinen oder Verbänden gehen. Einer dieser Verbände ist die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) die auch via Internet schon vielen Betroffenen helfen konnte.

Die Schirmherrin des DMSG im Landesverband Bayern, Elizabeth Herzogin in Bayern, erzählt im Interview, wie sie persönlich und die DMSG auf das Internet setzen, welche Grenzen sie sieht und auch wie „Dr. Web“ die Menschen verändert.

 Xethix: Seit 2012 unterstützen Sie die Arbeit des Landesverbandes Bayern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) als Schirmherrin. Inwiefern setzen Sie dabei auch auf die Möglichkeiten des Internets?

Elizabeth Herzogin in Bayern: In erster Linie ziehe ich Informationen aus dem Internet. Das können beispielsweise Informationen über die Krankheit MS, aber auch ganz praktische Dinge wie Adressen oder Telefonnummern von Beratungsstellen sein.

Viel wichtiger ist aber das Internet für viele Betroffene. Neben der schnellen und effizienten Kommunikation bzw. generieren von Informationen kann das Internet ein Fenster zur Erfüllung von vermissten Hobbys oder Interessen sein.

Ein Betroffener, der inzwischen im Rollstuhl sitzt, hat mir einmal erzählt, dass er inzwischen mit der Maus seine geliebten Berge besteigt und dies ihm, obwohl er im Rollstuhl sitzt, große Erfüllung schenkt.

 Xethix: Manchmal wird Google bereits scherzhaft als „Doktor Google“ bezeichnet, denn für viele ist die Suchmaschine mittlerweile erste Anlaufstelle bei Krankheitssymptomen oder Heilverfahren.

Elizabeth Herzogin in Bayern: Sehr viele Menschen nutzen das Netz, um Symptome zu deuten oder Heilverfahren miteinander zu vergleichen. Auch viele MS Betroffene informieren sich über das Internet, welche Möglichkeiten es zum Beispiel zur Behandlung der MS gibt. Insbesondere Therapien können gut miteinander verglichen werden. Jedoch ersetzt nichts das Gespräch mit dem Arzt. Die Mitarbeiter der DMSG können dem Einzelnen dabei helfen, die Flut von Informationen zu kanalisieren und auf die eigenen Bedürfnisse hin zu bündeln.

 Xethix: Sehen Sie einen Wertewandel bzw. einen Gesinnungswandel in der Gesellschaft, da so viele via Internet über ihre Krankheiten berichten? Früher hielt man sich doch oft eher zurück und spielte eigene Krankheiten „herunter“. Heute scheint es für manche ein Befreiungsschlag zu sein, offen und publik, aber dennoch mehr oder weniger anonym über auch ganz tragische Krankheitsbilder in Blogs oder Posts zu berichten.

Elizabeth Herzogin in Bayern: Ich persönlich sehe zwei Trends: Zum einen strebt der Einzelne und mit ihm die Gesellschaft immer mehr zur äußerlichen Makellosigkeit. Sport, Lebenshaltung und- immer stärker werdend- Ernährung dienen dazu, körperlich Perfektion zu erreichen. Dies wird dann in den sozialen Medien verbreitet.

Zum anderen wird das Internet von vielen Betroffenen als Plattform verwendet, sich, seine Krankheit und seine damit einhergehende Lebensweise nicht mehr zu verstecken, sondern diese offen darzustellen.

Ich persönlich finde es mutig und bewundernswert, wenn Menschen offen mit ihrer Krankheit Multiple Sklerose umgehen und somit anderen Menschen helfen, indem sie zeigen, dass diese Krankheit kein Grund ist, sich aus der Gesellschaft zurückzuziehen.

Außerdem kostet es dem Betroffenen unendlich viel Kraft, eine Krankheit wie die MS mit ihren Symptomen zu verschleiern. Diese Kraft braucht er aber eigentlich im täglichen Leben mit seiner Krankheit. Der offene Umgang in den sozialen Medien mit der Krankheit MS ist tatsächlich ein Befreiungsschlag!

 Xethix: Derzeit wird teilweise diskutiert, inwiefern Künstliche Intelligenz medizinische Diagnosen unterstützen kann beziehungsweise diese sogar ersetzen könnte, da jeder Mensch nur auf einen begrenzten Wissensfundus zurückgreifen kann, eine Maschine aber (fast) unbegrenzt mit Informationen gefüttert werden kann, die im Bedarfsfall abgerufen werden können. Multiple Sklerose gilt als die „Krankheit mit den vielen Gesichtern“ und ist deswegen vielleicht auch besonders schwer zu diagnostizieren. Was halten Sie von dieser Art der Unterstützung?

Elizabeth Herzogin in Bayern: Meine persönliche Meinung, inwiefern künstliche Intelligenz dazu beiträgt, zur Diagnostik der Krankheit MS beizutragen, ist nebensächlich, nachdem ich kein Arzt bin und dies nicht beurteilen kann. Jedoch bin ich fest davon überzeugt, dass ein Mensch durch seine Fähigkeit, um die Ecke denken und unorthodoxe Ansätze verfolgen zu können, den Maschinen vielleicht doch noch etwas überlegen ist. Dennoch ist der Wissensfundus des Internets oder von Netzwerken eine große und unglaublich wichtige Hilfe bei der Unterstützung von MS Erkrankten.

Hintergrund

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) ist eine der ältesten Hilfsorganisationen für Menschen mit Multipler Sklerose in Deutschland. Der Landesverband Bayern e.V. betreut seit über 55 Jahren MS-Betroffene in ganz Bayern. Ihm gehören aktuell etwa 7.400 Mitglieder an. Unterstützt wird die Arbeit des Landesverbandes von seiner Schirmherrin Elizabeth Herzogin in Bayern.

Alleine in Bayern wird die Zahl der Betroffenen auf über 15.000 geschätzt. Multiple Sklerose (MS) ist eine unheilbare, neurologische, nicht ansteckende Krankheit. Sie wird nicht vererbt und trifft alle Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten. Ausgelöst wird MS durch chronische Entzündungen in Gehirn und Rückenmark. Abwehrzellen des körpereigenen Immunsystems attackieren dabei die Umhüllung der Nervenfasern und zerstören diese nach und nach.

 

 

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