Die Zukunft der Geschlechterrollen in Wirtschaft und Gesellschaft

Cover_Studie_Gendershift_gedrehtDas Geschlecht verliert an gesellschaftlicher Verbindlichkeit. Ob ein Kind als Junge oder als Mädchen geboren wird, legt nicht mehr fest, wie seine Biografie verlaufen wird und was seine Ziele im Leben sind. Dieser Trend hat weitreichende Folgen in Wirtschaft und Gesellschaft – und ermöglicht es immer mehr Individuen, auf ihre eigene Art und Weise glücklich zu werden.

Der globale Megatrend

Der Gender Shift findet auf der ganzen Welt statt. Er ist ein „Global Shift“, der nicht auf die westliche Welt beschränkt ist: Bloggerinnen aus Saudi-Arabien posten gesellschaftskritische Sketche auf Instagram; Shinzo Abe kämpft – schon aus ökonomischen Gründen – mit dem retraditionalisierten Selbstbild der japanischen Frauen; und afrikanische Unternehmerinnen halten ihre Familien und Dorfgemeinschaften wirtschaftlich über Wasser. In der Türkei gehen Männer in Röcken auf die Straße, um für Frauenrechte zu demonstrieren; die Äußerung eines kanadischen Polizisten löste die weltweit stattfindenden „Slutwalks“ aus; während in russischen Medien gegen Schwule und Lesben gehetzt wird. Und in Deutschland beginnt eine Diskussion darüber, was eigentlich einen guten Vater ausmacht, und wie Männer Kind und Karriere miteinander vereinbaren können. Lebenswelten und Arbeitswelten transformieren sich, neue Chancen für das Individuum tun sich auf, neue Märkte für die Wirtschaft. Überall auf der Welt.

Der Megatrend Gender Shift schafft neue Märkte – und erschüttert die Gesellschaft. Es ist eine Entwicklung, die keineswegs nur Frauen betrifft, sondern mindestens ebenso stark die Männer – und andere Menschen, die aus dem Männchen-Weibchen-Schema ganz herausfallen. Deswegen hat das Zukunftsinstitut in seiner neuesten Analyse den Megatrend, der bisher unter dem Namen Female Shift beschrieben wurde, in „Gender Shift“ umbenannt. Denn der Modetrend zum Vollbart oder gesellschaftliche Entwicklungen wie der Trend zur Regenbogenfamilie gehören eindeutig zu diesem Themenkomplex – aber sie sind keine „Frauenthemen“.

Die sechs Themenschwerpunkte zum Megatrend Gender Shift

1) Sex-Design: In Zukunft ist das Geschlecht nicht angeboren, sondern eine individuelle Entscheidung

2) Emannzipation: Wie Männer in Zukunft aus ihrer stereotypen Geschlechterrolle ausbrechen werden

3) Ungendering Work: Wie der Wandel der Geschlechterrollen das Arbeitsleben revolutioniert

4) Die Sexualität der Dinge: Die Zukunft des Marketings jenseits von Geschlechterklischees

5) Netzfeminismus:Von der Hackerin zum Cyborg: Wie das Internet Geschlechterrollen verändert

6) Global Shift: Ein Megatrend geht durch alle Kulturräume

Gerade von jungen und gebildeten Menschen wird ihre Geschlechtsidentität zunehmend als Spielfeld wahrgenommen, auf dem man sich ausprobieren kann und soll, um seinen eigenen Weg zu finden. Die Angst, als „schwul“ zu gelten, schwindet. In einer Befragung des Neon Magazins im Jahr 2008 unter 20- bis 35Jährigen nach ihrer sexuellen Orientierung gaben zwei Prozent an, homosexuell zu sein, aber heterosexuelle Erfahrungen gesammelt zu haben. Umgekehrt bezeichnet bezeichneten sich sieben Prozent als heterosexuell mit homosexuellen Erfahrungen, und drei Prozent gaben an, bisexuell zu sein. Ingesamt ließen sich 14 Prozent nicht klar dem hetero- oder homosexuellen Spektrum zuordnen.

Die Lust am Spiel mit der Geschlechtsidentität wird in Zukunft zunehmen. Besonders junge, hoch gebildete Menschen verstehen Gender schon jetzt als Spielfeld, auf dem man frei experimentieren kann. Geschlecht wird in Zukunft kein Schicksal mehr sein, das bei Geburt schon festgelegt ist, sondern ein weites Feld für individuelle Vorlieben und unterschiedliche Lebensphasen.

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