#DigitaleEthik: Digitaler Wandel erfordert deutlich mehr Mut

WP_003023Wie aktuell und bedeutend das Thema Industrie 4.0 ist, zeigen die jüngsten politischen Entwicklungen: Gerade erst verkündete die Bundesregierung eine Partnerschaft mit Frankreich zum gemeinsamen Projekt „Industrie der Zukunft“ und der deutschen „Industrie 4.0“. Damit wird das Thema endlich auf die politische Agenda gesetzt.

Bei der Partnerschaft gehe es um die Förderung von Investitionsprojekten, die Förderung der Mobilität von Arbeitnehmern, aber auch der Harmonisierung des Datenschutzes und Setzung europäischer Normen für neue Technologien. Im Rahmen dessen sollen Projekte im Bereich Cloud Computing und Big Data stärker gefördert sowie die digitale Wirtschaft in ganz Europa durch einheitliche Standards unabhängiger und wettbewerbsfähiger gemacht werden. Aber ist dies der richtige Weg? Kann und sollte digitaler Fortschritt in Standards gepresst werden?

In der Politik, aber auch den Medien geistern immer die Schlagworte „Industrie 4.0“ und das „Internet der Dinge“, die wie leere Worthülsen wirken. Wichtiger ist es deshalb, diesen Begriffen auch Inhalte zu geben und aufzuzeigen, wo denn letztlich die Vorteile der Digitalisierung für die Wirtschaft, aber auch für den einzelnen Verbraucher selbst liegen. Stattdessen wird im Diskurs deutlich, dass es einfach noch viele offene Punkte und ungeklärte Fragen hinsichtlich der Umsetzung gibt – zu komplex und umfassend erscheint das Thema.

Darum hat Blue Yonder vor kurzem führende Köpfe nach München zum Expertengespräch geladen, um gemeinsam einen aktuellen Stand zum Thema Industrie 4.0 zu erarbeiten. Gleichzeitig wollten wir aber auch Beispiele für die Umsetzung aufzuzeigen. Des Weiteren wurden Anwendungsszenarien zum Internet der Dinge kontrovers diskutiert. An dem inspirierenden Austausch haben neben meiner Person noch Josef Stoll (CTO bei der Deutschen Bahn), Joachim Hackmann (Principal Consultant bei Pierre Audoin Consultants – PAC) und Frank Riemensperger (Vorsitzender der Geschäftsführung, Accenture Deutschland) teilgenommen.

In deutschen Unternehmen wachse zwar das Bewusstsein für die Herausforderungen der Digitalisierung, aber selten betten sich Projekte in definierte Digitalstrategien ein – diese These vertrat Joachim Hackmann. Eine wichtige qualitative Basis für seine These lieferte er mit einer Präsentation exklusiver Marktdaten zur digitalen Transformation in Deutschland.

Laut PAC-Schätzung wird sich der Gesamtmarkt für IT-Produkte und -Services für Industrie 4.0 im Jahr 2015 auf knapp 8,4 Milliarden Euro belaufen. Bis zum Jahr 2019 wird ein durchschnittliches Wachstum von 17 Prozent pro Jahr erwartet. Das Geschäft mit IT-bezogenen Leistungen im Umfeld von Industrie 4.0 entwickelt sich demnach zu einem bedeutenden Faktor im deutschen IT-Servicemarkt. Das bestätigt auch die die Entwicklung in den Unternehmen selbst: Bei 33 Prozent von 400 Befragten einer PAC-Umfrage zum Thema zeigte sich, dass die digitale Herausforderung im Zeitraum von 2014 bis 2015 immer mehr Beachtung findet. Oft wird die Digitalisierung jedoch wird es als ein IT-relevantes Thema wahrgenommen.

Dass Digitalisierung auch Einfluss auf bestehende Geschäftsmodelle nimmt, ist vielen Befragten bewusst, mündet aber bislang selten in Initiativen zur Formulierung einer schlüssigen Digitalstrategie. Es gebe eher punktuelle Projekte von Fachbereichen in Kooperation mit IT-Abteilungen, noch zu selten findet Digitalisierung einen Platz in der Unternehmensvision.

Doch wie schaut es denn in der Realität aus? Alles nur blanke Theorie? Hier konnte Josef Stoll, CTO bei der Deutschen Bahn, wertvolle Einblicke geben. Digitalisierung wird bei der Bahn bereits gelebt – derzeit gibt es sechs Initiativen, auch wenn es dem einzelnen Fahrer vielleicht noch nicht so deutlich geworden ist. Zum einen verändert die Digitalisierung bei der Bahn die Berufsbilder, aber auch die Infrastruktur und die Kommunikation.

Einzelne digitale Pilotprojekte sind im Nahverkehr sichtbar, wo Schaffner beispielsweise mobile Terminals testen. Über Tablets können elektronische Fahrkarten eingelesen und der Ticketverkauf im Zug beschleunigt werden. Der DB Navigator ist bereits heute die größte Plattform in Europa, wenn es um Verkehrsinformationen geht. Aber auch die Züge selbst werden mit neuester Technologie Stück für Stück ausgestattet.

So liefern heute Sensoren am und im Zug beispielsweise wichtige Daten zur Streckensicherheit oder auch zum Energieverbrauch. Sei es der freie Zugang zu WiFi oder auch die Steuerung der Züge selbst, es steckt weit mehr Technologie in einem Zug als noch vor 30 Jahren. Darum ist auch der einzelne Mitarbeiter gefordert, sich mit den neuesten Entwicklungen zu beschäftigen, die seinen unmittelbaren Arbeitsplatz betreffen. Und er geht sogar weiter: Digitalisierung beginnt schon im ganz Kleinen – wie häufig werden heute Daten noch schriftlich, statt digital erfasst.

Das ist eine grundlegende Voraussetzung, die von vielen Unternehmen inhouse umgesetzt werden muss. Natürlich wachsen mit dem Angebot von Fernbussen, aber auch Entwicklungen hin zum selbstfahrenden Auto neue Konkurrenten, aber Josef Stoll sieht im Wettbewerb eher einen positiven Impuls. Er vertritt die Ansicht, dass jede Änderung auch eine Chance bedeutet. Und die nutzt die Deutsche Bahn.

Was jedoch seiner Meinung nach in der Diskussion um Industrie 4.0 bisher noch zu kurz kam, ist eine Werte-Debatte. Welchen Werten bleiben wir noch treu? Welche Werte haben heute Gültigkeit?

Was sind heute noch Werte, denen wir folgen sollten? Diese Punkte sind seiner Ansicht nach im bisherigen Diskurs noch gar nicht stark genug berücksichtigt worden.

An diesem Punkt der Werte-Diskussion möchte ich einwenden, dass Prozesse heute ihre Wertigkeit über Algorithmen, weniger über die Daten erlangen. Natürlich bleibt Big Data eine wichtige Voraussetzung der Industrie 4.0, doch erst über Algorithmen können schließlich die Daten ausgewertet und Prozesse intelligent automatisiert gesteuert werden. Also werden Algorithmen letztlich über das Betriebsvermögen des Unternehmens entscheiden.

Sie werden Dreh- und Angelpunkt der zukünftigen digitalen Wirtschaft. Egal, ob es sich um einen Algorithmus für Empfehlungen oder auch im Bereich des Aktienhandels handeln wird, ohne Algorithmen und Predictive Applications ist ein Internet der Dinge nicht gewinnbringend umsetzbar. Sie sind die treibende Kraft in der gesamten Entwicklung. Natürlich könnte Deutschland längst weiter in seiner Digitalisierung sein, aber dafür bedarf es mehr Abenteuergeist und auch eine Brise Risikofreudigkeit bei den Unternehmen.

Uwe Weiss, CEO ist der Visionär bei Blue Yonder.

Uwe Weiss, CEO ist der Visionär bei Blue Yonder.

Autor: Uwe Weiss, CEO Blue Yonder, hat als Ziel ist, die Spitzenklasse in Data Science und Enterprise Software in einem weltweit führenden Anbieter zusammenzubringen. Uwe Weiss ist leidenschaftlicher Software-Unternehmer und war unter anderem Mitgründer von Crossgate AG (von SAP gekauft). Dieser Beitrag erschien erstmals im Blue Yonder-Blog.

 

 

 

 

 

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