Der Phoenix des Datenschutzes

Phönix (Bildquelle: skylarvision @pixabay)

Phönix (Bildquelle: skylarvision @pixabay)

Datenschutz ist ein vermintes Gelände: Zwischen gesetzlichen Anforderungen und GAFA-Hybris ist nur schwer zu wandeln. Christian Bennefeld bemüht sich genau darum: Zunächst mit eTracker, einem datenschutzkonformen Tracking-Tool, dann mit eBlocker, einer Lösung gegen zu weitreichende Tracking-Tools nun nach dessen Insolvenz im Juni 2019 mit einer Opensource-Lösung.

Während im Mediendschungel Anfang Dezember vor allem über die umsatzstarke Cyberweek und die damit einhergehenden Unmengen an Konsumentendaten berichtet wurde, fand in den Hamburger Gerichtssälen zeitgleich  eine kleiner Sensationssieg entgegengesetzter Natur statt: Christian Bennefeld, Gründer des im Juni 2019 insolvent gegangenen Startups eBlocker und seit vielen Jahren engagierter Verfechter für Datenschutz und Datensparsamkeit, wurden im Rahmen des Insolvenzverfahrend erneut die Rechte an Namen und Technologie der Anti-Blocking-Box eBlocker zugesprochen.

Etwaige Interessen von Konkurrenten und Mitbewerbern hatten kein besseres Gebot abgegeben und so Bennefeld die Möglichkeit gegeben, „seine“ Lösung künftig  als OpenSource-Variante weiter zur Verfügung stellen zu können oder wie es Bennefeld formuliert: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Privatsphäre. Sie bildet mit den sich daraus ergebenden Rechten wie Brief- und Wahlgeheimnis und der informationellen Selbstbestimmung die Grundpfeiler unserer Demokratie. Und eBlocker wird weiter eine Möglichkeiten sein, die Privatsphäre zu schützen.“

 Website-Tracking – ein Milliardengeschäft

Doch der Reihe nach: Für alle, die etwas verkaufen wollen, sind Daten wertvoll. Deshalb sind Daten heute ein Milliardengeschäft – besonders die unbewusst preisgegebenen. Mithilfe des Tracking lässt sich nämlich für Händler beispielsweise herausfinden, über welche Webseiten ein Besucher auf die Seite gekommen ist. Gerade für Online-Shops ist damit das Usertracking von enormer Bedeutung: Damit lassen sich Bestellungen und Käuferverhalten erfassen, lassen sich Produkte mit höchstem und niedrigstem Absatz erkennen.

Der Mathematiker Christian Bennefeld hat sich mit dem Startup eBlocker der Privatsphäre im Internet gewidmet.

Der Mathematiker Christian Bennefeld hat sich mit dem Startup eBlocker der Privatsphäre im Internet gewidmet.

Christian Bennefeld hat bei diesem Geschäft viele Jahre gut mitverdient. Der Hamburger hatte 2000 die Firma eTracker gegründet, die genau diese Daten im Auftrag anderer Firmen erhebt. Wie andere Tools zur Website-Analyse (etwa Google Analytics) sammelt auch eTracker Daten über die Benutzung von Websites und wertet diese aus. Doch eines war dem Diplom-Mathematiker und Informatiker Christian Bennefeld immer wichtig: Datenschutz. Das mag seltsam anmuten, wenn genau die Generierung von Daten das eigene Geschäftsziel ist, doch eTracker gab nach eigener Aussage keine Daten an Dritte weiter und verwendet die erhobenen Auftragsdaten nicht für eigene Zwecke: Die erhobenen Analysedaten gehören den Kunden, also den Website-Betreibern. Doch auch mit dieser recht hoch angelegten Messlatte war Bennefeld nicht zufrieden und schuf 2014 mit eBlocker ein Gegenmodell: Ein Anti-Tracking Gerät zur digitalen Selbstverteidigung für jedermann.

Datenschutz-Guerilla

eBlocker ist ein kleiner Computer, auf dem einem eigens entwickelten Betriebssystem läuft, das eBlockerOS. Er wird einfach an den Router angeschlossen und schützt sofort alle Geräte im Netzwerk: vom PC über das Smartphone und Tablet bis zum Smart TV. Wer nun diese Neugründung Bennefelds als doppelzüngig sieht – immerhin hält er weiterhin mittelbar noch 50 Prozent am alten Unternehmen eTracker – für den hat Bennefeld auch eine Antwort parat: „Schon mit eTracker habe ich mich für ein datenschutzrechtlich einwandfreies Tracking stark gemacht. Da die meisten Unternehmen aber leider nicht so sauber mit Tracking-Daten umgehen, setze ich mit eBlocker mein Engagement für den Datenschutz im Sinne der Nutzer fort. Ich profitiere bei eBlocker von eTracker, weil mir eTracker hilft, einen Einblick in die Branche zu behalten. Im Moment findet ja ein Wettrüsten zwischen Tracking- und Antitracking-Herstellern statt. Am Ende des Tages ist es sogar so, dass eTracker dem eBlocker die Miete zahlt.“

Doch vielleicht war die Zeit noch nicht reif für einen solch engagierten Ansatz im Datenschutz: „Aus meiner Sicht ist es ein Unding, dass eine Privatsphäre im Internet heute nicht mehr existiert. Sie ist einer Vollüberwachung gewichen, die man sonst nur aus totalitären Staaten kennt“, formulierte Bennefeld einst in einem Interview drastisch. Denn das Start-up scheiterte jedoch nach fünf erfolgreichen Jahren zuletzt an einer Finanzierungsrunde, ein zunächst sehr interessierter Investor hatte kurz vor der notariellen Finanzierungsbeurkundung einen Rückzieher gemacht.

Das Tragische: Am Tag bevor der Insolvenzverwalter allen Mitarbeitern kündigen musste,  hat eBlocker noch den begehrten ersten Preis der Smart Home Initiative, gewonnen. Doch Bennefeld wäre nicht er selbst, wenn er nicht weiter kämpfte und siegte:  Mit der Option als Opensource Lösung…

„Die Fortsetzungsgeschichte ist die neue eBlocker Open Source UG, die wir nun als Non Profit mit dem Open Source Gedanken schon gegründet haben. Aktuell benötigen wir Spenden für den Betrieb und den Software-Umbau auf Open Source“, so Christian bennefeld.

Wer sich engagieren möchten: www.eBlocker.org

 

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