Chris Wickenden im xethix-Diskurs®: Die Macht der Daten – Nutzen oder Schaden, und für wen?

wickenden_chris

Prof. Chris Wickenden ist Leiter von skip. Institut für angewandte digitale Visualisierung an der Hochschule Fresenius in Köln.

Die quantitative und qualitative Veränderung der Technologien verursacht eine Verdichtung der Generationsabstände. 1985 lagen die Generationsabstände bei ca. 15 Jahren. Seit 2000 verdichtet sich dieser Abstand rasant und wir können heute von ca. 3-4 Jahren reden. Das führt dazu, dass unsere gelernte Medienkompetenz auch zunehmend „upgedatet“ werden muss, um mitsprechen zu können und Neues miteinander auszutauschen. Im Umkehrschluss bedeutet das, wer nicht mithält ist raus und verliert den Anschluss – auch im Alltag. Das wiederum verursacht einen immensen Druck auf den Einzelnen.

Diese Besorgnis wird gnadenlos von der Industrie ausgenutzt, so dass immer mehr Technologien keinen identifizierten Mehrwert außer einem spielerischen Charakter (Gamification) zur Freizeitbeschäftigung haben. Darin liegt allerdings auch eine Stärke. Der innovative und pulsierende Geist der Gaming-Industrie triggert neuen Geist und Ideen in der Wirtschaft, im Management und in der Forschung. Bereits heute werden in Unternehmen unterschiedliche Work-Life-Balance Szenarien ausprobiert, um den zukünftigen Arbeitnehmern und Freiberuflern größtmöglichen Flexibilität zu bieten.

Ein gutes Ergebnis zu liefern ist genauso wichtig, wie auch ein gutes Gefühl bei der Arbeit zu haben. Wo auch immer dieser Arbeitsplatz sich befindet – dank digitaler Vernetzung mit hoher Bandbreite steigt die Freiheit und das Bedürfnis, unsere Mobilität und Bequemlichkeit zu steigern. Apple, Google und Facebook sind Vorreiter hierbei.

Und damit sind wir wieder bei der Gewinnung von Medienkompetenz. Der zunehmend spielerische Umgang mit Medien und deren Bedienung korrespondiert vermehrt mit Bildung und Erziehung. Hier sehe ich den Begriff „Navigation“ als entscheidenden Kompetenzfaktor. Was früher im Heft oder im Hirn gespeichert werden musste, ist jetzt im Smartphone, bei Google, Wikipedia oder in der Cloud aufzuspüren und abzurufen. Die Fragen, die sich jetzt bilden sind: Welche Plattform und Taste muss ich touchen und wie ist die korrekte Frage, um auch die richtige Quelle mit der richtigen Antwort zu erhalten? Ich muss also lernen, richtige Wege zu gehen – Navigieren.

Aus diesem Dilemma, dass ich eigentlich jede Antwort zu jeder Frage bekomme und mich nur noch für eine entscheiden muss, wenn ich weiß, was ich eigentlich suche, entsteht ein altbekanntes Problem an den Hochschulen und Universitäten. Qualitative Recherche – mit dem Unterschied, das wir zunehmend nur noch, ich nenne es, „perceived quality“ erbringen – Qualität, die ich für mich als passend empfinde und die auf mich zugeschnitten ist. Und wenn ich mich schon gern in meine maßgeschneiderte Welt zurückziehe und darauf verlasse, dass es mir gut geht, dann kann ich mir auch ein schönes Spiel in Virtual Reality aussuchen und los spielen.

Wenn wir Mobility & Convenience so schätzen, werden wir vermutlich zunehmend Qualität und Wahrheit verdrängen. Medienkompetenz, ob mehr oder weniger davon, wird nicht so sehr ein Problem darstellen. Es wird eher eine Frage, ob ich mich für Qualität oder Convenience entscheide.

Ich wette die Mehrheit entscheidet sich für….

Autor:  Professor Chris Wickenden, 1960 in England geboren, ist Studiendekan für den Studiengang 3D-Design & Management und Angewandte Medien. Er studierte visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Düsseldorf und gründete 1995 seine eigene Werbeagentur für internationale Kunden aus der Automobil-, Optik-, Dienstleistungs- und Modebranche, die unter anderem auch in Kapstadt, Südafrika, ansässig war. 2001 übernahm Prof. Wickenden zusätzlich für drei Jahre die Studienleitung für Design am Institut für Grafik und Design (InGD) in Düsseldorf. Von 2003 bis 2008 war er bei der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners in Bonn als Head of Corporate Design tätig. Parallel setzte Prof. Wickenden seine Aktivität als freier Dozent an der Hochschule Fresenius und als freischaffender Künstler fort bevor er 2013 an die Hochschule Fresenius in Festanstellung als Studiendekan wechselte. 2015 bis 2016 hat er mit dem aufwendigen wissenschaftlichen Projekt „3D Scan des Kölner Doms“ einen Meilenstein in der Scantechnologie geleitet und eine umfassende Grundlage geschaffen, 3D Visualisierung eine neue Dimension zu geben. 

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>