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Matthias Horx gründete eine der inzwischen wohl einflussreichsten futuristischen Denkfabriken im deutschsprachigen Raum: das Zukunftsinstitut.

Die Welt nach Corona – „Eine Re-gnose vom Herbst 2020″

Zukunftsforscher Matthias Horx vom Zukunftsinstitut at auf sehr ansprechende Weise zusammengefasst, was er sich von einer Zeit nach Corona erhofft:  

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird”, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt? Versuchen wir es einmal:

Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020

Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona?

Oder sogar besser? Worüber werden wir uns rückblickend wundern?

Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen.

Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.

Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.

Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivia-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.

Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen…

Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.

Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.

Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half.

Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann.

Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört.

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.

Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.

Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas.

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.”

Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.

System reset.

Cool down!

Musik auf den Balkonen!

So geht Zukunft.

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Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.

System reset.

Cool down!

Musik auf den Balkonen!

So geht Zukunft.

Interview: How to make the interaction between Humans and Machines easier

Tugberk Duman, Head of Innovation at Futurice. In 2016, Tugberk launched Futurice’s biometrics business unit to help shape the future of human-machine interaction. The following year, he stepped up to his current role leading the company’s innovation unit. His latest work includes face recognition payment in the financial service sector and developing walk-pace identification technology with Finavia and Finnair.

Tugberk Duman, Head of Innovation at Futurice. In 2016, Tugberk launched Futurice’s biometrics business unit to help shape the future of human-machine interaction. The following year, he stepped up to his current role leading the company’s innovation unit. His latest work includes face recognition payment in the financial service sector and developing walk-pace identification technology with Finavia and Finnair.

Futurice is an international Digital Innovation Company for technology trends. xethix spoke with Tugberk Duman, Head of Innovation, about how biometrics and artificial intelligence will shape our future.

xethix: One of your goals at Futurice is to make the interaction between humans and machines easier. Could you explain this a bit?

Tugberk Duman: At Futurice, we create digital products and services for many different industries – and our work includes very often the process of simplifying the interaction between humans and machines, indeed. Using technology should be a satisfying experience that helps customers reach their goal in an intuitive way.

However, many companies start with their internal goals in mind when creating new digital solutions – the result can be complex solutions that are difficult to use and push themselves into the foreground instead of really making lives of customers easier.

The payment process is a good example: Many mobile payment solutions require customers to open a separate app on their phone, remember passwords and generally make an easy process – like paying at the checkout – more complex than it needs to be. When looking at the user experience as a starting point, however, you realize that a smooth and frictionless process is most important from the customer’s perspective. Implementing a way for customers to pay via a biometrics-based service has a lot of advantages like a better customer experience, faster processing and – above all – an uncomplicated, intuitive handling.

xethix: Making the interaction between Humans and Machines easier, you see the „Zero User Interface“ concept as the future – what does this mean exactly?

 Tugberk Duman:  Zero UI is all about this easier interaction between humans and machines. This approach enables consumers to interact with digital products and services in a  frictionless and very intuitive way. Technology-wise this includes for example voice control, face recognition or behavioral biometrics. Implementing technologies like these for Zero UI solutions allows to create invisible and minimal interfaces that dissolve into the environment but react to a user’s presence proactively.

Where earlier we had to alter our behavior to interact with machines, digital solutions based on Zero UI understand our natural modes of communication, from speech to gestures and even facial expressions or emotions.

 xethix:  When using biometrics, there are three main aspects to consider: cost, security and convenience. How do you order their importance?

  Tugberk Duman: We at Futurice believe that security – or more exactly protecting consumers’ privacy and data – must be the top priority. Ideally, biometrics solutions e.g. based on face recognition should be services that consumers opt-in to voluntarily, because they make everything so much easier.

But this will only be possible if both, security and privacy are taken more serious and users are informed proactively and transparently about any use of their data. At Futurice, we are acting based on fundamental principles when creating biometrics-based services: Consumers participating in the services – whether pilot or fully launched – must provide informed consent. For us it’s extremely important to guarantee complete transparency in how we use consumer data – which will of course not be used beyond the biometrics project.

It’s key to support and adhere to a consumers‘ data rights, especially the right to be forgotten. Additionally, we always guarantee secure storage and handling of consumer data.

The next priority should always be convenience, or maybe better, a customer-centric experience. You should never use biometrics just for the sake of it or because it is a new and exciting technology. Our most relevant point is optimizing and enhancing the customers interaction with technology.

Cost is of course important as well and should be considered throughout the project – a possible approach to reduce costs are solutions that make use of personal smartphones, tablets and laptops for signing up to biometric services and logging biometric data.

 xethix:  You said once, „technology solutions should not be rolled out without looking at potential social impacts of the technology“. How can that work in a good way?

  Tugberk Duman: The most important step is to carefully choose the starting point for any digital project. A digital project is never purely about technology – it rather is about the best way to achieve a certain objective, be it a smoother process, winning customer loyalty or expanding a company’s product line to enter new markets.

When you start service creation with those underlying objectives and with the customer needs at heart and center, you factor in the impact of technology from the beginning.

 About: Futurice ist ein international agierendes Unternehmen, das innovative digitale Lösungen entwickelt und Unternehmen und Organisationen dabei unterstützt, die Digitale Transformation mit Erfolg zu bewältigen. In multidisziplinären Teams arbeiten Designer, Entwickler und Business Advisors an der Entwicklung von digitalen Services, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Kunden optimal zugeschnitten sind. Die 2000 in Finnland gegründete Digitalberatung hat heute über 600 Mitarbeiter in Helsinki, Tampere, Stockholm, London, Berlin, Stuttgart, Oslo und München.

Der Phoenix des Datenschutzes

Phönix (Bildquelle: skylarvision @pixabay)

Phönix (Bildquelle: skylarvision @pixabay)

Datenschutz ist ein vermintes Gelände: Zwischen gesetzlichen Anforderungen und GAFA-Hybris ist nur schwer zu wandeln. Christian Bennefeld bemüht sich genau darum: Zunächst mit eTracker, einem datenschutzkonformen Tracking-Tool, dann mit eBlocker, einer Lösung gegen zu weitreichende Tracking-Tools nun nach dessen Insolvenz im Juni 2019 mit einer Opensource-Lösung.

Während im Mediendschungel Anfang Dezember vor allem über die umsatzstarke Cyberweek und die damit einhergehenden Unmengen an Konsumentendaten berichtet wurde, fand in den Hamburger Gerichtssälen zeitgleich  eine kleiner Sensationssieg entgegengesetzter Natur statt: Christian Bennefeld, Gründer des im Juni 2019 insolvent gegangenen Startups eBlocker und seit vielen Jahren engagierter Verfechter für Datenschutz und Datensparsamkeit, wurden im Rahmen des Insolvenzverfahrend erneut die Rechte an Namen und Technologie der Anti-Blocking-Box eBlocker zugesprochen.

Etwaige Interessen von Konkurrenten und Mitbewerbern hatten kein besseres Gebot abgegeben und so Bennefeld die Möglichkeit gegeben, „seine“ Lösung künftig  als OpenSource-Variante weiter zur Verfügung stellen zu können oder wie es Bennefeld formuliert: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Privatsphäre. Sie bildet mit den sich daraus ergebenden Rechten wie Brief- und Wahlgeheimnis und der informationellen Selbstbestimmung die Grundpfeiler unserer Demokratie. Und eBlocker wird weiter eine Möglichkeiten sein, die Privatsphäre zu schützen.“

 Website-Tracking – ein Milliardengeschäft

Doch der Reihe nach: Für alle, die etwas verkaufen wollen, sind Daten wertvoll. Deshalb sind Daten heute ein Milliardengeschäft – besonders die unbewusst preisgegebenen. Mithilfe des Tracking lässt sich nämlich für Händler beispielsweise herausfinden, über welche Webseiten ein Besucher auf die Seite gekommen ist. Gerade für Online-Shops ist damit das Usertracking von enormer Bedeutung: Damit lassen sich Bestellungen und Käuferverhalten erfassen, lassen sich Produkte mit höchstem und niedrigstem Absatz erkennen.

Der Mathematiker Christian Bennefeld hat sich mit dem Startup eBlocker der Privatsphäre im Internet gewidmet.

Der Mathematiker Christian Bennefeld hat sich mit dem Startup eBlocker der Privatsphäre im Internet gewidmet.

Christian Bennefeld hat bei diesem Geschäft viele Jahre gut mitverdient. Der Hamburger hatte 2000 die Firma eTracker gegründet, die genau diese Daten im Auftrag anderer Firmen erhebt. Wie andere Tools zur Website-Analyse (etwa Google Analytics) sammelt auch eTracker Daten über die Benutzung von Websites und wertet diese aus. Doch eines war dem Diplom-Mathematiker und Informatiker Christian Bennefeld immer wichtig: Datenschutz. Das mag seltsam anmuten, wenn genau die Generierung von Daten das eigene Geschäftsziel ist, doch eTracker gab nach eigener Aussage keine Daten an Dritte weiter und verwendet die erhobenen Auftragsdaten nicht für eigene Zwecke: Die erhobenen Analysedaten gehören den Kunden, also den Website-Betreibern. Doch auch mit dieser recht hoch angelegten Messlatte war Bennefeld nicht zufrieden und schuf 2014 mit eBlocker ein Gegenmodell: Ein Anti-Tracking Gerät zur digitalen Selbstverteidigung für jedermann.

Datenschutz-Guerilla

eBlocker ist ein kleiner Computer, auf dem einem eigens entwickelten Betriebssystem läuft, das eBlockerOS. Er wird einfach an den Router angeschlossen und schützt sofort alle Geräte im Netzwerk: vom PC über das Smartphone und Tablet bis zum Smart TV. Wer nun diese Neugründung Bennefelds als doppelzüngig sieht – immerhin hält er weiterhin mittelbar noch 50 Prozent am alten Unternehmen eTracker – für den hat Bennefeld auch eine Antwort parat: „Schon mit eTracker habe ich mich für ein datenschutzrechtlich einwandfreies Tracking stark gemacht. Da die meisten Unternehmen aber leider nicht so sauber mit Tracking-Daten umgehen, setze ich mit eBlocker mein Engagement für den Datenschutz im Sinne der Nutzer fort. Ich profitiere bei eBlocker von eTracker, weil mir eTracker hilft, einen Einblick in die Branche zu behalten. Im Moment findet ja ein Wettrüsten zwischen Tracking- und Antitracking-Herstellern statt. Am Ende des Tages ist es sogar so, dass eTracker dem eBlocker die Miete zahlt.“

Doch vielleicht war die Zeit noch nicht reif für einen solch engagierten Ansatz im Datenschutz: „Aus meiner Sicht ist es ein Unding, dass eine Privatsphäre im Internet heute nicht mehr existiert. Sie ist einer Vollüberwachung gewichen, die man sonst nur aus totalitären Staaten kennt“, formulierte Bennefeld einst in einem Interview drastisch. Denn das Start-up scheiterte jedoch nach fünf erfolgreichen Jahren zuletzt an einer Finanzierungsrunde, ein zunächst sehr interessierter Investor hatte kurz vor der notariellen Finanzierungsbeurkundung einen Rückzieher gemacht.

Das Tragische: Am Tag bevor der Insolvenzverwalter allen Mitarbeitern kündigen musste,  hat eBlocker noch den begehrten ersten Preis der Smart Home Initiative, gewonnen. Doch Bennefeld wäre nicht er selbst, wenn er nicht weiter kämpfte und siegte:  Mit der Option als Opensource Lösung…

„Die Fortsetzungsgeschichte ist die neue eBlocker Open Source UG, die wir nun als Non Profit mit dem Open Source Gedanken schon gegründet haben. Aktuell benötigen wir Spenden für den Betrieb und den Software-Umbau auf Open Source“, so Christian bennefeld.

Wer sich engagieren möchten: www.eBlocker.org

 

Die schlechten Vorsätze fürs neue Jahr: Was Cyberkriminelle 2020 bewegt

Weihnachtsmann8

The same procedure as last year? The same procedure as every year! Auch im ersten Jahr nach Inkrafttreten der DSGVO ist der Schutz persönlicher Daten eine große Herausforderung. Der Mensch bleibt das schwächste Glied in der IT-Sicherheitskette, das Cyberkriminelle mit immer ausgefeilteren Methoden angreifen. Ihnen bieten sich durch Digitalisierung, 5G-Netzausbau und den wachsenden (Stellen-) Wert von Daten weitere Ansatzpunkte.

 

Es ist längst nicht mehr, ob digitalisiert wird, sondern wie. Unternehmen aus sämtlichen Wirtschaftsbranchen befinden sich seit geraumer Zeit bereits „mittendrin“ in der Digitalisierung. Sie bietet viele Chancen und bleibt die treibende Kraft hinter zahlreichen Entwicklungen – aber nur ein umsichtiger Umgang damit macht aus einer vernetzten auch eine bessere Welt.

 

Digitalisierung: Geänderte Bedrohungslandschaft

Durch eine erfolgreiche Digitalisierung winken Unternehmen Effizienzsteigerungen und Kostenersparnisse, wichtige Faktoren im täglichen Wettbewerb. Begleitet wird der Wandel durch eine sich kontinuierlich verändernde Bedrohungslandschaft, durch sich weiterentwickelnde Cyberkriminelle, Hacker und Wirtschaftsspione: Auch die Angreifer haben zwischenzeitlich komplexe digitale Wertschöpfungsketten aufgebaut, um Daten erfolgreich infiltrierter Unternehmen im großen Stil zu verwerten.

Dabei werden erbeutete personenbezogene Daten von Kunden und Mitarbeitern – oder entwendetes geistiges Eigentum – ebenso als Ressourcen genutzt wie die Lösegelder, die durch Krypto-Trojaner erpresst werden. Ein Teil dieser Gelder, ebenso wie die erbeuteten Informationen, fließt in die kontinuierliche Verbesserung der Angriffstechniken.

 

IT-Sicherheit kann hier eine aktive Rolle einnehmen und als „Enabler“ dienen, als Treiber und Möglichmacher für die Digitalisierung. Hierfür ist es jedoch elementar wichtig, dass Unternehmen in ihren Digitalisierungsprozessen nicht nur das Verhalten ihrer Mitarbeiter entsprechend ins Auge fassen, sondern auch die eigenen Strukturen hinterfragen und auf der Systemebene angehen, um Fortschritte machen zu können.

 

Dieser Aspekt wird zukünftig noch entscheidender dafür werden, ob Unternehmen in der Lage sind, von der Digitalisierung vollumfänglich zu profitieren.

 

Ausbau des 5G-Netzes: Auswirkungen auf Transfer-Sicherheit

5G wird für die Datenübertragung der Zukunft neue Maßstäbe setzen: Höhere Übertragungsgeschwindigkeiten für Daten, die das Internet in Echtzeit reagieren lassen, eröffnen zahlreiche weitere Anwendungsfelder – und werden letztlich zu einer Explosion des Datenwachstums führen. Womit wiederum die Speicherkapazität für Daten schließlich an physische Grenzen stoßen wird – zumindest, wenn sie mit der Datenübertragung Schritt halten will.

 

Die Veränderungen, wie sie der neue Übertragungsstandard mit sich bringen wird, stellen auch große Herausforderungen für die IT-Sicherheit dar. All die Daten, die übertragen und gespeichert werden, erfordern schließlich auch einen wirksamen Schutz.

 

Die Datenübertragung mit 5G wird Auswirkungen auf die Sicherheit von Transfers mit sich bringen. Zum einen wird die höhere Übertragungsgeschwindigkeit – und der damit einhergehende Anstieg der Datentransfers – mehr Angriffsziele bieten. Wenn zum anderen die Datenübertragung in Echtzeit abläuft, ist dies zusätzlich problematisch: Andere Angriffsarten sind möglich, und bei erfolgreichen Attacken können Cyberkriminelle große Datenmengen extrem schnell von ihren Opfern abziehen.

 

Daten: Das „Gold“ des digitalen Zeitalters

Wie wertvoll Daten heutzutage sind, lässt sich daran ablesen, dass sie auch als das „Gold“ des digitalen Zeitalters bezeichnet werden. Besonders wertvoll sind sie nicht nur für ihre Besitzer – sondern vor allem auch für jene, die diese Daten gerne hätten und hierfür auf illegale Mittel zurückgreifen.

 

Nahezu alle Daten, die geschaffen werden, sind für den Gebrauch durch andere bestimmt und müssen folglich auch an die entsprechenden Empfänger übertragen werden. Nur dann können diese Empfänger mit den Daten arbeiten, kann ihr wahrer Wert auch zur Geltung kommen und ist eine Wertschöpfung im Internet möglich. Zumal die Welt durch die „Datafizierung“ zunehmend maschinenlesbar wird.

 

Hierfür müssen diese Daten auf ihrem Transportweg jedoch wirksam geschützt werden. Das Kommunikationsmedium E-Mail bietet beispielsweise eine sehr große Angriffsfläche, da die Nachrichten von A nach B einen Weg gehen können, den weder Absender noch Empfänger unter Kontrolle haben. Es empfiehlt sich daher, für schutzbedürftige Daten einen direkteren Kommunikationsweg zu wählen, der die Angriffsfläche so weit wie möglich verringert und dadurch die Arbeit der Cyberkriminellen erheblich erschwert.

 

Faktor Mensch: The same procedure as every year!

The same procedure as last year? The same procedure as every year! Es ist und bleibt das Dauerbrenner-Thema: Der Mensch wird auch in absehbarer Zukunft das schwächste Glied in der IT-Sicherheitskette bleiben. An über 95 Prozent der Datenschutzverstöße sind Mitarbeiter beteiligt.

 

Oft reichen einfache Trojaner, um die firmeneigene IT-Sicherheit zu durchbrechen. Wie sich auch an dieser Stelle zeigen lässt, nutzen Cyberkriminelle mittlerweile auch immer ausgefeiltere Methoden, um ihre Opfer auszumachen: So starten sie beispielsweise eine erste Angriffswelle breit gefächert an alle Mitarbeitenden eines Unternehmens, nur um abzuklopfen, wer falsch reagiert – und schon haben sie „erfolgsversprechende Ziele“ für den eigentlichen Angriff ausgemacht.

 

Oder sie schlüpfen in die Rolle eines Vorgesetzten oder wichtigen Kollegen und senden Social-Engineering-Mails direkt an ihr vorher identifiziertes Opfer, um es zu einer Überweisung zu veranlassen. Ziel der „Business E-Mail Compromise“ (auch „Chefmasche“, „Chefbetrug“ oder „CEO Fraud“) genannten Methode ist es, ein Unternehmen – genauer gesagt: einen Mitarbeiter – so hereinzulegen, dass Geld auf das Konto der Angreifer fließt.

 

Genau an diesem Punkt stehen auch wir Anbieter von Kommunikationslösungen in der Pflicht: Wir müssen einerseits den Sicherheitsaspekten Rechnung tragen und andererseits dafür sorgen, dass Sicherheit benutzerfreundlich ist und nicht an zu komplexer oder komplizierter Anwendung scheitert. Dafür, dass gerade bei diesem Aspekt an vielen Stellen noch dringendes Verbesserungspotenzial besteht, ist die E-Mail-Verschlüsselung das beste Beispiel: Nur vier bis fünf Prozent des E-Mail-Verkehrs sind derzeit verschlüsselt – was nicht zuletzt daran liegt, dass Lösungen wie S/MIME und PGP zu schwierig in der Handhabung sind.

 

 

 

Autor: Matthias Kess ist CTO der Cryptshare AG mit Sitz in Freiburg im Breisgau, die Kommunikationslösungen für Unternehmen entwickelt und vertreibt. 

Deloitte: Was 2020 in Technologie, Medien und Telekommunikation wichtig wird

2020Statt zurück blickt Deloitte zum Jahresende traditionell nach vorne: Seit fast zwei Jahrzehnten analysieren Experten die wichtigsten Trends aus Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) für das kommende Jahr. Drei übergreifende Entwicklungen werden die TMT-Branche 2020 maßgeblich beeinflussen.

  1. Aktuelle TMT-Trends dürfen nicht länger isoliert betrachtet werden. Die jüngsten Entwicklungen greifen wie Zahnräder ineinander und verstärken sich gegenseitig.
  2. Einen Großteil der TMT-Umsätze generieren inzwischen fünf Ökosysteme: Smartphones, Computer, TV, Rechenzentren, Software und IoT. Die aktuelle Ausgabe der TMT Predictions zeigt, dass diese „Big Five“ zunehmend miteinander verwoben werden.
  3. Branchentrends, die seit Jahren in den Startlöchern stehen, schaffen 2020 endlich den Durchbruch.

„In der TMT-Industrie wachsen gerade bislang isolierte Marktsegmente zu einem einheitlichen Ökosystem zusammen“, erklärt Dr. Andreas Gentner, Partner und Leiter Technology, Media & Telecommunications EMEA bei Deloitte. „Die aktuelle Entwicklung lässt sich am besten mit dem Bild eines Waldes beschreiben: Der besteht aus tausenden Bäumen mit jeweils eigenen Organismen. Die Stämme stehen zwar Meter voneinander entfernt, ihre Äste wachsen jedoch mit der Zeit zusammen und bilden irgendwann ein übergreifendes Blätterdach – und genau das verdeutlichen unsere TMT-Predictions für das kommende Jahr.“

Die fünf spannendsten TMT-Trends 2020 im Überblick

Chips treiben die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz

Deloitte prognostiziert, dass 2020 weltweit über 750 Millionen Edge AI-Chips, die Machine Learning on-device ermöglichen, verkauft werden. Vor kurzem kosteten diese Chips noch vierstellige Beträge und verbrauchten enorm viel Energie. In den vergangenen zwei Jahren sind Kosten und Energieverbrauch drastisch gesunken, was den Verkauf der Chips und somit auch die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ankurbelt. Bis 2024 wird sich die Stückzahl voraussichtlich verdoppeln.

Private 5G-Campus-Netze in den Startlöchern

Bis Ende 2020 werden weltweit bereits über 100 Unternehmen damit begonnen haben, private 5G-Netze zu testen. In den Folgejahren steigen Ausgaben für entsprechende Hardware und Dienste stark an und erreichen ab 2024 jährlich eine zweistellige Milliarden-Dollar-Größenordnung.

Internet aus dem All hebt ab

Ende 2020 werden über 700 Satelliten im Low Earth Orbit (LEO) Breitband-Internet aus dem All ermöglichen. 2019 waren es erst rund 200. Damit können in unterversorgten Gebieten Milliarden neuer Kunden an das Internet angebunden werden.

Zubehör wird Smartphone-Wachstumstreiber

Der Markt für Smartphone-Zubehör, Apps und Zusatzgeräte wächst stark und erreicht 2020 weltweit eine Größenordnung von 459 Milliarden US-Dollar. Damit ist er fast so groß wie der Smartphone-Markt selbst und wird diesen absehbar bald überholen.

Der Aufstieg von Hörbüchern und Podcasting

Hörbücher und Podcasts haben ihre Nische endgültig verlassen. Deloitte prognostiziert, dass der weltweite Markt für Hörbücher 2020 um 25 Prozent auf fünf Milliarden US-Dollar wachsen wird. Mit Podcasts werden im kommenden Jahr 1,1 Milliarden US-Dollar erlöst, das entspricht einem Zuwachs von 30 Prozent innerhalb eines Jahres.

„Unsere Predictions illustrieren die starken Interdependenzen zwischen den einzelnen Subsegmenten: So nutzen über die Hälfte der Konsumenten Hörbücher per Smartphone, im B2B Bereich agieren und navigieren mit KI-Chips ausgestattete Roboter autonom innerhalb von 5G-Campus-Netzen.“, so Dr. Andreas Gentner. „Diese Trends haben sich zunächst isoliert entwickelt. Nun aber ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die Entwicklungen zusammenwachsen. Ein gutes Beispiel sind AI-Chips. Diese sind inzwischen wesentlicher Enabler für die unterschiedlichsten Typen von Hardware und Diensten.“

Inhaltlich verantwortlich für die Studie ist Dr. Andreas Gentner, Partner und Leiter Technology, Media & Telecommunications EMEA bei Deloitte. Weitere Informationen sowie die vollständige Studie zum Download finden Sie auf der Website.

Der Faktor Mensch: Die Vorteile persönlicher Zusammenarbeit in Zeiten digitaler Kollaborationstools

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Faktor Mensch – die persönliche Zusammenarbeit in Zeiten digitaler Kollaborationstools bietet Vorteile. Es gilt eine Arbeitsumgebung zu schaffen für mehr Produktivität und Motivation der Mitarbeiter. (Bildquelle: Ergotron)

Unternehmen investieren bereits seit Jahren massiv in Technologien, wie Kollaborationstools, für die digitale Zusammenarbeit. So erlauben zum Beispiel G-Suite-Apps Teammitgliedern auf der ganzen Welt dasselbe Dokument zu bearbeiten, während der Instant-Messenger-Dienst Slack interne Silos beseitigt und mit seiner Suchfunktion Informationen für andere Abteilungen und Teams leicht zugänglich macht.

Und dies sind nur zwei der zahlreichen Kollaborationstools auf dem Markt. Im Bemühen, alles und jeden auf sämtlichen Geräten möglichst schnell und umfangreich miteinander zu verbinden, wurde jedoch ein wichtiger Aspekt der Kollaboration vergessen: die persönliche Zusammenarbeit von Angesicht zu Angesicht.

Produktivität und Wohlbefinden durch persönlichen Kontakt

Während alle damit beschäftigt sind, digital zu kollaborieren, entgehen Unternehmen oft die Vorteile der persönlichen Zusammenarbeit – Vorteile, die sich direkt auf die Produktivität und die Zufriedenheit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz auswirken. Menschen sind soziale Wesen, und es gibt keine bessere Möglichkeit für den Aufbau guter Beziehungen als von Angesicht zu Angesicht. Unternehmen wie Google und Apple sind sich dessen bewusst und investieren viel in Arbeitsumgebungen, die Kommunikation und Kollaboration gezielt fördern – ganz nach dem Motto: wenn die Mitarbeiter ins Gespräch kommen, sprudeln die Ideen.

Im Gegensatz dazu, resultieren individuelle Aufgaben häufig in Isolation und können dazu führen, dass Mitarbeiter ihre Ideen mit allen Mitteln gegen Kritik verteidigen. Der Austausch im Team ermöglicht dagegen verschiedene Perspektiven, Meinungen und Vorschläge und damit sachlichere Ergebnisse.

Wie eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos unter 4.000 Angestellten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA gezeigt hat, waren für die zufriedensten Mitarbeiter „Möglichkeiten, in einem kooperativen Team zu arbeiten“ der beste Weg, ihre Karriere voranzubringen. Mehr als die Hälfte dieser Mitarbeiter arbeitete jeden Tag in Gruppen von mindestens fünf Personen.

Die Vorteile der persönlichen Zusammenarbeit sind zudem nicht nur rational. Ärzte von der School of Medicine der Universität Stanford fanden heraus, dass unser Körper beim persönlichen Umgang das „Liebeshormon“ Oxytocin produziert. Infolgedessen wird Serotonin freigesetzt, das dafür sorgt, dass wir uns glücklich fühlen. Je mehr persönlichen Kontakt wir also mit anderen pflegen, desto wohler fühlen wir uns in der Regel.

Neueste Technologien sind daher nicht die alleinige Antwort für eine effiziente Zusammenarbeit innerhalb von Unternehmen. Es sollten sämtliche verfügbaren Möglichkeiten, von neuer Software bis hin zu vielseitigen Arbeitsplätzen, ausgeschöpft werden, um eine optimale Umgebung für Produktivität und kreative Entfaltung zu schaffen.

Produktive Arbeitsumgebungen bereits mit kleinen Hilfsmitteln

Die persönliche Zusammenarbeit ist gut für Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Doch wie viel sollte man investieren und welche Veränderungen sind notwendig? Konferenzfahrräder mit sieben Sitzplätzen mögen für Konzerne wie Google funktionieren. Für die meisten Unternehmen geht es jedoch darum, Mitarbeiter und Technologien effektiver zusammenzubringen.

Im Mittelpunkt steht dabei zum Beispiel häufig der Einsatz von Bildschirmen. Präsentationen, Ideensuche, Planung und Problemlösung sind Tätigkeiten, bei der Informationen für alle zugänglich sein müssen, um zusammenarbeiten zu können. Dies ist bereits mit wenigen, kleinen Hilfsmitteln umsetzbar.

Nicht immer muss es der große Konferenzraum und das aufwendig geplante Meeting sein. Gerade bei spontanen Besprechungen im kleinen Kollegenkreis erleichtert zum Beispiel ein verstellbarer Monitorarm mit der Option für mehrere Bildschirme die Kollaboration. Ein Mitarbeiter, der eine Präsentation vor einem kleinen Team hält, kann dann einen Bildschirm zum Beispiel so einstellen, dass dieser in Richtung seiner Kollegen zeigt, während er einen weiteren Bildschirm für sich selbst nutzt. Auf diese Weise ist eine unkomplizierte und schnelle Zusammenarbeit möglich.

Darüber hinaus erhöhen Monitorarme den Arbeitskomfort: Flexibles Arbeiten wahlweise im Stehen oder Sitzen sowie eine ergonomische Anpassung des Bildschirms fördern die Gesundheit der Mitarbeiter. Um noch mehr Bewegung in den Arbeitstag zu bringen, unterstützen auch Walking-Meetings an der frischen Luft die Zusammenarbeit. Hier können besonders im Eins-zu-Eins kniffligere Problemstellungen besprochen und kleine Brainstormings abgehalten werden. Der Ortswechsel und der gemeinsame Spaziergang hilft, den Kopf für neue Ideen freizubekommen und fördert zugleich das Teambuilding.

Bereits wenige und sehr einfache Veränderungen schaffen damit eine Arbeitsumgebung, die die persönliche Zusammenarbeit positiv unterstützt. Die Grundlage für die effektive Kollaboration von Mitarbeitern ist eine Kombination aus zwischenmenschlichem Kontakt, der passenden Arbeitsplatzgestaltung und entsprechenden Technologien. Durch die richtige Balance können Unternehmen damit eine Arbeitsumgebung schaffen, die sich durch mehr Produktivität und Motivation der Mitarbeiter auszeichnet.

Autor: Frank Knäsche ist Country Sales Manager DACH bei Ergotron. 

 

PwC-Analyse: 2030 werden in Deutschland 400.000 Menschen mit AR/VR arbeiten

Green_IT_KeyboardEine PwC-Analyse beziffert das wirtschaftliche Potenzial für Virtual und Augmented Reality im Jahr 2030 auf 1,5 Billionen US-Dollar weltweit und 104 Milliarden US-Dollar für Deutschland / 2030 werden 400.000 Menschen in Deutschland mit AR/VR arbeiten, weltweit 23 Millionen.

Anwendungen aus dem Bereich der virtuellen und erweiterten Realität entwickeln sich vom Nischenphänomen für Gamer und Filmfans zu einer einflussreichen Zukunftstechnologie: Bis 2030 könnten Produkte und Dienstleistungen auf der Basis von Virtual und Augmented Reality 1,5 Billionen US-Dollar zur globalen Wirtschaft beisteuern. Für Deutschland gehen die Experten von einem Potenzial von 103,6 Milliarden US-Dollar aus. Das entspricht einer Steigerung des BIPs um 2,5 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt eine globale PwC-Analyse, die mögliche Auswirkungen von VR/AR auf Wirtschaft und Beschäftigung untersucht.

„Vom Gesundheitssektor über die Produktion bis hin zum Handel und der Konsumgüterindustrie werden alle Branchen von virtueller und erweiterter Realität profitieren. Denn VR- und AR-Technologien sind nicht nur gut geeignet, Prozesse und Abläufe effizienter zu gestalten, sondern auch die Art und Weise, wie Menschen zusammenarbeiten“, kommentiert Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC Deutschland.

 2030 sind 23 Millionen Jobs weltweit von AR/VR beeinflusst

Die Analyse belegt, dass VR- und AR-Technologien auch signifikanten Einfluss auf die Beschäftigung haben werden: Aktuell sind rund 824.000 Jobs weltweit direkt von VR und AR beeinflusst. Bis 2030 könnte sich die Anzahl der Menschen, die AR-/VR-gestützt arbeiten, auf 23,4 Millionen erhöhen. In Deutschland käme dann jeder 100. Beschäftigte, insgesamt rund 400.000 Menschen, am Arbeitsplatz mit dieser innovativen Technologie in Kontakt; heute sind es bereits 15.000.

„Unternehmen, Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich an einem entscheidenden Punkt beim Einsatz von virtueller und erweiterter Realität. Die Technologie und Hardware sind endlich ausgereift. VR und AR können nun ihr Potenzial entfalten und nicht nur der Wirtschaft Auftrieb verleihen, sondern auch die Art und Weise, wie Organisationen arbeiten, revolutionieren: Prozesse laufen effizienter ab, Mitarbeiter können sich effektiver weiterbilden“, so Werner Ballhaus.

Diese Bereiche und Branchen werden besonders stark von Anwendungen aus dem Bereich virtueller und erweiterter Realität profitieren:

  1.     – Dank AR- und VR-Technologien wird die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen erleichtert und trägt dadurch mit einem Plus von 359 Milliarden US-Dollar zum globalen BIP bei.  Unternehmen sind durch AR und VR in der Lage, in virtuellen Umgebungen zusammenzuarbeiten – was viel Zeit und Geld spart.
  2.    – Im weltweiten Gesundheitssektor werden AR- und VR-Technologien der Analyse zufolge für einen Zuwachs beim BIP in Höhe von 351 Milliarden US-Dollar sorgen. Virtuelle Realität wird bereits heute in der Ausbildung von Ärzten eingesetzt, um sie hautnah an Operationen teilhaben zu lassen, ohne dass sie selbst im OP stehen.
  3.    – Der Einsatz von erweiterter und virtueller Realität im Bereich Weiterbildung und Entwicklung wird rund 294 Milliarden US-Dollar zum globalen BIP beisteuern. Mit AR und VR lassen sich    beispielsweise sehr realistische Trainingsszenarien ohne Risiken nachstellen.
  4.    – VR und AR bieten die Möglichkeit, die Effizienz, Produktivität  und Genauigkeit von Mitarbeitern und Prozessen zu verbessern. Das Potenzial in diesem Bereich beziffern die PwC-Experten bis 2030 auf rund 275 Milliarden US-Dollar. Ingenieure können über eine AR-Schnittstelle beispielsweise Informationen in Echtzeit erhalten, um Probleme schnell zu identifizieren und Reparaturen rasch auszuführen.
  5.    – Im Bereich Gaming sind viele Menschen bereits mit virtueller und erweiterter Realität in Berührung gekommen. Auch im Handel bietet die Technologie großes Potenzial, etwa in Form von virtuellen Umkleidekabinen oder Anwendungen, mit denen Nutzer vor dem Kauf sehen können, wie ein Möbelstück in ihrem Zuhause aussehen würde. Für die gesamte Handel- und Konsumgüterbranche bedeuten VR-/AR-Anwendungen ein Potenzial von 204 Milliarden US-Dollar.

 Fokus auf Pilotprojekte und geschäftskritische Probleme

„Unternehmen sollten die Entwicklung von VR- und AR-Technologien mit hoher Priorität verfolgen. Denn wer diese Entwicklung versäumt, riskiert einen Wettbewerbsnachteil“, so die Einschätzung von Werner Ballhaus. Aus seiner Sicht ist es sinnvoll, sich dabei auf die Lösung geschäftskritischer Probleme zu fokussieren, etwa die Verbesserung der Sicherheit, die Reduktion der Kosten oder die Beschleunigung der Produktentwicklung. Dabei sei es besonders wichtig, die Nutzer der Anwendungen ins Zentrum zu rücken und eine positive, nahtlose Nutzererfahrung zu schaffen.

„Nur wer mit eigenen Augen gesehen hat, wie virtuelle und erweiterte Realität in der Praxis funktionieren, lässt sich von den Stärken dieser innovativen Technologie überzeugen. Deshalb sollten Unternehmen möglichst schnell mit einem Pilotprojekt starten und das Potenzial dann Schritt für Schritt weiter erforschen“, resümiert PwC-Experte Werner Ballhaus.

Frank Buytendijk: „Digital Ethics as a topic on the Gartner Hype Cycle“

 Frank Buytendijk is a Distinguished VP and Gartner Fellow in Gartner's Data and Analytics group.

Frank Buytendijk is a Distinguished VP and Gartner Fellow in Gartner’s Data and Analytics group.

Digital ethics is not an exotic topic anymore, but mainstream media are full of stories about the ethical impact of digital technologies. Xethix talked to Frank Buytendijk, Distinguished VP Analyst Gartner, about this development.

 Xethix:  You started in September 2016 on the Gartner Website a blog about Digital Ethics yourself. Why do you think this topic should be relevant?

Frank Buytendijk: The topic of digital ethics is more than “should be relevant” by now. It is in fact at the top of the Gartner hype cycle. It is on the mind of many IT and business leaders, and the mainstream media are full of stories about the ethical impact of digital technologies. On business, but mostly on society.

The attention for digital ethics is logical. If technology advancement is going so fast that as people, organizations and society we can’t fully grasp it anymore, and it starts to affect our lives, at one moment the questions come up: “do we think this is good what is happening?”, and “doesn’t all this innovation need a little bit over parental oversight?”.

 Xethix:  Has the focus towards Digital Ethics changed in the last 3 years?

Frank Buytendijk: Yes it has. Three-Six years ago the focus really was on big data and privacy. Now the discussion has moved on to the ethical impact of artificial intelligence. Very big questions such as the impact of AI and people losing their jobs. But also practical questions, such as how can we create explainable AI.

The biggest fundamental question of AI and ethics is in the changing relationship between people and technology. AI technology starts to display early signs of “agency”, the capacity to act in a certain context, and we need to figure out what that means in terms of e.g. responsibility.

 Xethix:   You said business in not immoral but amoral. Is this a question of age of of the times in general?

Frank Buytendijk: The idea that business is amoral is relatively new. It came as part of the focus on shareholder value. Many still believe that is the right way forward, but others are arguing that this idea is not sustainable, and it is changing again.

We know from surveys that both customers and employees (each around 2/3 of them) start to expect from businesses that they speak out on where they stand on larger social themes, and act accordingly. Essentially, we are moving back to the original paradigm that business is supposed to have a societal purpose. To contribute in a positive way.

Xethix:  What do you expect from blogs focussing on Digital ethics?

Frank Buytendijk: The blog is a nice “starter’ on the topic, but the real impact we have as Gartner is working with clients. The research we have goes a bit deeper than the blog, and we literally discuss ethics with clients every day. Helping clients identify their ethical dilemmas and then provide them with ways how to deal with them responsibly.

 Frank Buytendijk is a Distinguished VP and Gartner Fellow in Gartner’s Data and Analytics group. His work mostly takes a futurist approach, researching the edges of what he covers. Mr. Buytendijk pioneers the topics of „the future,“ „digital ethics“ and „digital society“ helping organizations to do the „right thing“ with technology and avoid „messing up.“ He further covers data and analytics. In addition to that, he is the co-lead of the Gartner Maverick Research program which is Gartner’s research incubator. Next to his responsibilities at Gartner, Mr. Buytendijk is a visiting Fellow at Cranfield University School of Management, and a regular guest lecturer at Warwick Business School.

 

 

Leitlinien für den verantwortungsvollen Umgang mit Algorithmen

StrommastenDie Initiative D21 hat neun Leitlinien zum Monitoring von algorithmischen Systemen veröffentlicht. Diese wurden in Berlin vorgestellt und ihre Praxistauglichkeit mit Vertreterinnen der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“, der High-Level Expert Group on Artificial Intelligence (AI HLEG) sowie der Datenethikkommission diskutiert.

„Viele Anwendungen und Dienste des Alltags und der beruflichen Praxis beruhen heute auf algorithmischen Systemen. Sie helfen, indem sie z. B. aus großen Datenmengen Erkenntnisse ziehen und Informationen in Millisekunden verarbeiten oder Prozesse automatisieren“, erklärt Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21, und meint weiter, um sie verantwortungsvoll einzusetzen und faire Ergebnisse zu erzielen, seien im Vorfeld bestimmte Überlegungen anzustellen. Die Leitlinien dienen als Orientierung, wichtige Fragen nach der Verantwortlichkeit und Kontrolle, der Nichtdiskriminierung, der Transparenz und Nachvollziehbarkeit sowie der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen.

Interdisziplinäre und multiperspektivische Betrachtung relevanter Fragestellungen

Dr. Irina Eckardt, Vorständin Initiative D21 und KPMG, hat die Arbeit zum Algorithmen-Monitoring geleitet. Sie stellt fest: „Beim Planen, Prüfen und Kontrollieren geht es längst nicht mehr nur um die Algorithmen, sondern auch um Daten und um Personen, die entscheiden, erstellen, prüfen und nutzen. All das zusammengenommen bildet ein komplexes System – ein algorithmisches System“. Sie schlussfolgert: „Diese Komplexität stellt uns vor neue Herausforderungen, bei denen wir durch die aus der Unterarbeitsgruppe (UAG) Algorithmen-Monitoring entstandenen Denkimpulse und Leitlinien besseres Verständnis bieten“.

Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft haben knapp zwei Jahre in der UAG Algorithmen-Monitoring zusammengearbeitet und relevante Fragestellungen diskutiert. Beachtet wurden dabei vor allem ethisch-rechtliche, sozioökonomische sowie technologische Perspektiven.

Die Ergebnisse wurden in drei Veröffentlichungen zu den Themen „Bias in algorithmischen Systemen“, „Transparenz und Nachvollziehbarkeit algorithmischer Systeme“ und „Verantwortung für algorithmische Systeme“ festgehalten und über die Projektlaufzeit der UAG kontinuierlich weiterentwickelt. Sie bilden die Basis für die neun Leitlinien:

  1. Verantwortlichkeiten verteilen und verorten: Verantwortlichkeiten müssen zwischen den beteiligten Akteurinnen und Akteuren aufgeteilt werden, so dass Verantwortliche vor allem für Nutzende und Betroffene eindeutig identifiziert werden können.
  2. Bias erkennen und bewerten: Durch die deutlichere Konfrontation mit bisher verborgenen subjektiven Wertungen müssen diese sogenannten Bias überprüft und der Umgang mit ihnen gestaltet werden.
  3. Transparenz ermöglichen: Transparenz ist eine notwendige Grundlage für Prüfbarkeit, ihre Umsetzung in algorithmischen Systemen muss spezifisch an die Nutzungsgruppen angepasst werden.
  4. Nachvollziehbarkeit gewährleisten: Algorithmische Systeme müssen von Anfang an so gestaltet werden, dass Prozesse im Nachhinein durch kontextbezogene Informationen über das System für unterschiedliche Nutzungsgruppen nachvollziehbar sind.
  5. Bestehende Regulierungen anwenden: Das bestehende Recht muss angewendet, für eine digitale Anwendung überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
  6. Grundlegende Regeln definieren: Mit Mindeststandards sind algorithmische Systeme vergleichbarer und deren Einhaltung kann zu mehr Vertrauen und Akzeptanz führen.
  7. Wissen interdisziplinär austauschen: Kontinuierlicher, disziplin- und organisationsübergreifender Austausch verbessert die Qualität algorithmischer Systeme.
  8. Positiven Nutzen für Gesellschaft erzeugen: Nur eine am Gemeinwohl orientierte Entwicklung und ein nachhaltiger Einsatz algorithmischer Systeme können ethischen Anforderungen langfristig gerecht werden.
  9. Leitlinien kontinuierlich überprüfen: Die regelmäßige Beurteilung von Anpassungen rechtlicher Regelungen und deren Auswirkungen auf die Gestaltung algorithmischer Systeme müssen Bestandteil der Überprüfung sein, die Leitlinien kontinuierlich verbessert werden.

 Zum Hintergrund

Algorithmen bergen ein immenses Potenzial, insbesondere kommt ihnen eine wachsende Bedeutung bei technologischen Entwicklungen zu. Gleichzeitig entstehen eine zunehmende Komplexität und Intransparenz von algorithmischen Systemen. Dies bringt steigende Herausforderungen und verschiedene Fragestellungen mit sich. Vor diesem Hintergrund gründete die Initiative D21 Anfang 2018 eine Unterarbeitsgruppe (UAG) der AG Ethik zur Bearbeitung von Fragestellungen rund um das Thema „Algorithmen-Monitoring“.

Die UAG Algorithmen-Monitoring diskutierte relevante Fragestellungen mit interdisziplinären Expertinnen und Experten aus drei Perspektiven: technologisch, sozioökonomisch und ethisch-rechtlich. Ethisch-rechtlich wurde gefragt, welche rechtlichen Grundlagen die Regulierung algorithmischer Systeme sichert. Sozioökonomisch wurden den sozialen und ökonomischen Chancen und Herausforderungen durch die Anwendung von algorithmischen Systemen nachgegangen und Maßnahmen zur Reduktion von Risiken erarbeitet. Die technologische Perspektive bezieht sich auf die praktische Umsetzbarkeit eines Algorithmen-Monitorings und setzt sich mit deren Bedingungen, Problemen und Möglichkeiten auseinander.

Aus den Diskussionen wurden Thesen definiert und für die drei Schwerpunktthemen „Bias in algorithmischen Systemen“, „Transparenz und Nachvollziehbarkeit“ sowie „Verantwortung für algorithmische Systeme“ in Denkimpulsen veröffentlicht. Als Zusammenfassung wurden neun Leitlinien zum Algorithmen-Monitoring entwickelt. Sie beinhalten grundlegende Fragen für weitere Diskussionen und dienen als Handlungsaufforderung.

Interview: „Chancengleichheit gehört neben Vertrauen, Kundenerfolg und Innovation zu unseren Kernwerten“

Joachim Schreiner ist Deutschlandchef von Salesforce.

Joachim Schreiner ist Deutschlandchef von Salesforce.

Salesforce hat seit seiner Gründung vor über 20 Jahren den Grundsatz der Chancengleichheit fest in seinen Unternehmenswerten verankert. Mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt bekennt sich Salesforce als Arbeitgeber zu einer vielfältigen Unternehmenskultur und Einstellungspolitik. In Deutschland haben bereits über 3.300 Unternehmen die Charta unterzeichnet, Schirmherrin der Charta ist Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.

xethix sprach hierüber mit Joachim Schreiner, Deutschlandchef von Salesforce, einem Anbieter von Customer Relationship Software.

 Warum ist Salesforce ein gesellschaftliches Engagement als Softwareunternehmen wichtig?

Joachim Schreiner: Salesforce gilt als eines der innovativsten und erfolgreichsten Unternehmen der Welt. Wir sehen Unternehmen jedoch nicht nur unter dem Aspekt des wirtschaftlichen Erfolgs und Profits. Erfolgreiche Unternehmen haben eine große Chance und auch eine Verantwortung, die Gesellschaft und vielleicht sogar die Welt zu verändern und voranzubringen. Wir verstehen uns als aktiver Teil der Gemeinschaft, in der wir leben, und möchten, dass sie von unserem Erfolg profitiert. Deswegen kommt dem sozialen Engagement bei Salesforce eine große Bedeutung zu.

Wie wird Salesforce die Forderungen der Charta der Vielfalt im Unternehmen umsetzen?

 

Von links: Aletta Gräfin von Hardenberg, Geschäftsführerin Charta der Vielfalt e.V., Joachim Schreiner, Deutschlandchef von Salesforce und Annette Widmann-Mauz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration im Kanzleramt bei der Unterzeichnung in Berlin.

Von links: Aletta Gräfin von Hardenberg, Geschäftsführerin Charta der Vielfalt e.V., Joachim Schreiner, Deutschlandchef von Salesforce und Annette Widmann-Mauz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration im Kanzleramt bei der Unterzeichnung in Berlin.

Joachim Schreiner: Chancengleichheit gehört neben Vertrauen, Kundenerfolg und Innovation zu unseren Kernwerten, die bei uns täglich gelebt werden. In Punkto Chancengleichheit setzen wir uns ein für Respekt, Wertschätzung, gleiche Bildungschancen und gleiche Rechte für alle. Und das nicht nur, weil wir das als richtig und wichtig empfinden. Auch im eigenen Interesse, denn unser Unternehmen profitiert maßgeblich von der Vielfalt unserer Mitarbeiter. Vielfalt stärkt unsere Innovationskraft und trägt so zum Erfolg unserer Kunden bei. Ein entscheidender Faktor dabei ist Transparenz. Unsere Statistiken zu Equality werden regelmäßig aktualisiert und sind öffentlich einsehbar.

Die Charta der Vielfalt betrifft ja vor allem deutsche Unternehmen. Kann Salesforce als US-Unternehmen diese Forderungen auch global umsetzen?

Joachim sChreiner: Unsere Kernwerte und unser damit verknüpftes Engagement werden global gelebt. Von hoher Bedeutung ist für uns in dem Zusammenhang beispielsweise das Thema gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, und zwar nicht nur bezogen auf Geschlecht, sondern auch auf die Herkunft und ethnische Zugehörigkeit. Bereits 2015 haben wir die weltweiten Gehälter evaluiert und seitdem mehr als 10 Millionen US-Dollar investiert, um Gehälter anzugleichen. Inzwischen haben wir einen Standardprozess für die Gehaltsfestsetzung etabliert, damit neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom ersten Tag an gleichberechtigt behandelt werden.

Equality ist einer unserer vier Kernwerte, die unsere Firmenkultur maßgeblich prägen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich weltweit in sogenannten Equality Groups. Diese von Mitarbeitern geführten und organisierten Gruppen konzentrieren sich darauf, gesellschaftliche Themen voranzubringen und auch unterrepräsentierte Gruppen innerhalb unseres Unternehmens zu stärken. Rund die Hälfte unserer Mitarbeiter nehmen aktiv an Equality Groups teil.

 Die Charta der Vielfalt ist ja nicht das einzige Bekenntnis von Salesforce zu gesellschaftlichem Engagement. Was bieten Sie hier noch?

Joachim Schreiner: Integraler Bestandteil unserer Firmenkultur ist das 1-1-1 Modell, das bereits mit der Unternehmensgründung ins Leben gerufen wurde und ein neuartiges Konzept für soziales Engagement darstellt. Dabei nutzen unsere Mitarbeiter jeweils ein Prozent ihrer Arbeitszeit für soziales Engagement, ein Prozent unserer Produkte werden kostenfrei gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung gestellt und ein Prozent unseres Eigenkapitals wird jedes Jahr an soziale Projekte gespendet.

 Glauben Sie, dass das Thema Ethik & IT künftig wichtiger wird und wenn ja, weswegen?

Joachim Schreiner:  Unbedingt, vor allem mit Blick auf Künstliche Intelligenz, die sich rasant entwickelt. Aus den Potenzialen dieser Technologie erwächst eine enorme Verantwortung für uns. Deshalb hat Salesforce die ethische und humane Nutzung von Technologie als strategisches Unternehmensziel definiert und seit Anfang 2019 mit Paula Goldman die erste Chief Ethical and Humane Use Officer an Bord. Grundpfeiler unserer Strategie ist unsere Selbstverpflichtung in drei Bereichen:

  • Gemeinwohlorientierung: KI muss sich an den globalen Werten und Rechten, wie den universellen Menschenrechten und dem Respekt vor Diversität, orientieren sowie Gleichberechtigung und Gerechtigkeit fördern.
  • Verantwortlichkeit: Die Entwicklung und der Einsatz von KI müssen rechts- und gesetzeskonform gestaltet werden sowie den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen.
  • Nachvollziehbarkeit: KI-basierte Systeme müssen transparent und nachvollziehbar sein. Sie brauchen integrierte Mechanismen, um sie überwachen und anpassen sowie schädliche Ergebnisse von vornherein vermeiden zu können.

Politische Initiative: Künstliche Intelligenz braucht Normen und Standards

Künstliche IntelligenzWie können Normen und Standards dabei unterstützen, dass Künstliche Intelligenz in Zukunft sicher und verlässlich für uns arbeitet? Zur Auftaktveranstaltung der Normungsroadmap Künstliche Intelligenz diskutierten das Deutsche Institut für Normung (DIN) und VDE|DKE gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) diese Frage mit rund 300 Experten und Interessierten aus Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Wissenschaft.

Baustein der KI-Strategie der Bundesregierung

„Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie, die enormes Potenzial für die deutsche Wirtschaft birgt. Wir brauchen aber verlässliche Normen und Standards, um „KI made in Germany“ weiter voranzubringen. Die Normungsroadmap wird dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Dies ist auch Anliegen der Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung.“ erklärt der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Dr. Ulrich Nussbaum anlässlich der Veranstaltung.

Christoph Winterhalter, Vorstandsvorsitzender von DIN: „Mit unserer Auftaktveranstaltung geben wir heute den offiziellen Startschuss für die Arbeiten an unserer Normungsroadmap. Unser Ziel ist es, einen sicheren und verlässlichen Handlungsrahmen zu schaffen, der deutschen Innovationen und Unternehmen, insbesondere aus dem Mittelstand, den Zugang zum globalen Markt öffnet und gleichzeitig die Umsetzung von europäischen Wertmaßstäben in der KI fördert.“

Dr. Sebastian Hallensleben, Manager Digitale Technologien im VDE, ergänzt: „Mit den Normungsroadmaps zu KI-Ethik und KI bündeln die beiden deutschen Normungsorganisationen ihre Kräfte, um über alle Branchen- und Disziplingrenzen hinweg die wichtigen Köpfe zusammenzuführen und die digitale Transformation entscheidend mitzugestalten.“

Weichenstellung für die weitere Arbeit

In den Impulsvorträgen und Diskussionsrunden der Auftaktveranstaltung standen die Notwendigkeit und Bedeutung von Normen und Standards für die weitere Entwicklung von KI im Mittelpunkt. In insgesamt sieben Workshops werden anschließend die Weichen für die weitere Arbeit an der Normungsroadmap gestellt. Die dort diskutierten Themen Grundlagen (Daten; Terminologie, Klassifikation, KI-Elemente), Ethik / Responsible AI, IT-Sicherheit bei KI-Systemen, Qualität und Zertifizierung, Mobilität und Logistik, industrielle Automation und KI in der Medizin werden im nächsten Schritt in Arbeitsgruppen weiter vertieft und bearbeitet.

Hochrangige Steuerungsgruppe koordiniert Roadmap

Gesteuert und begleitet wird die Normungsroadmap von einer Gruppe mit hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Vorsitzender der Steuerungsgruppe ist Prof. Wolfgang Wahlster, Mitglied des Lenkungskreises der Plattform Lernende Systeme und führender deutscher Wissenschaftler im Bereich KI: „Die Roadmap wird eine Übersicht über bestehende Normen und Standards zu KI-Aspekten umfassen und insbesondere Normungsbedarfe nach ihrer Dringlichkeit geordnet aufzeigen – insbesondere hinsichtlich Qualität, Nachvollziehbarkeit, Erklärbarkeit und Verlässlichkeit von KI,“ erklärt Prof. Wahlster.

Vorgestellt werden soll die Normungsroadmap anlässlich des Digital-Gipfels der Bundesregierung im Herbst 2020.

 

#eHealth: Sprechstunde per Video – digitale Kommunikation im Gesundheitswesen

Die Zukunft der Sprechstunde. (Bildquelle: Vonage/Nexmo)

Die Zukunft der Sprechstunde. (Bildquelle: Vonage/Nexmo)

Der Prozess, den ein Patient durchläuft, beginnt und endet nicht mehr zwangsläufig im Wartezimmer. Er erstreckt sich über einen längeren Zeitraum und ist mit verschiedenen Szenarien, Touchpoints und Kommunikationskanälen verbunden.

Denn jede Interaktion soll für jeden Beteiligten zu einer optimalen Erfahrung werden, bei der die richtige Information im richtigen Moment an die richtige Person übermittelt wird. Die Summe dieser Interaktionen ergibt das, was die moderne Experience im Gesundheitswesen ausmacht. Ermöglicht wird diese Experience durch programmierbare Kommunikationslösungen.

 

Wie also könnte zukünftig ein Tag im Leben eines Patienten und eines Arztes aussehen, der mit programmierbaren Kommunikationslösungen optimiert wird? Die folgenden Szenarien zeigen auf, wie neue Experiences im Gesundheitssektor entstehen:

 

Virtuelle Sprechstunde

 

Patientin Franka fühlt sich unwohl, kann sich aber leider nicht freinehmen, um zum Arzt gehen. Da fällt ihr ein, dass ihre Hausärztin Dr. Dengler eine App hat, mit der die Patienten sie von jedem beliebigen Gerät aus kontaktieren können, egal ob sie zu Hause oder in der Arbeit sind. Frau Dr. Dengler ist viel beschäftigt und hat sich deshalb eine neue Telemedizin-App zugelegt, mit der die Patienten eine Video-Sprechstunde buchen können. Damit kann sie mehr Patienten behandeln als je zuvor.

 

Noch bevor sie im Büro ankommt, lädt Franka die App herunter und erstellt ein Konto. Der letzte Schritt der Kontoerstellung besteht in einer Identitätsüberprüfung. Hierbei muss Franka einen sicheren Einmalcode eingeben, der ihr zuvor per SMS zugesendet wurde. Nun bittet ein Sprachbot Franka, ihre Symptome zu beschreiben.

Über die Spracherkennung ermittelt der Bot, ob ihr Fall am besten per Live-Video, per Telefon oder mit Textnachrichten besprochen werden sollte. Sie lässt sich für den Abend einen Videotermin bei Frau Dr. Dengler geben. Eine Bestätigungsmeldung mit den Termindaten wird in der App angezeigt. Dr. Dengler erhält nun eine Benachrichtigung, dass Franka einen Termin bei ihr gebucht hat. Sie liest sich in ihre Krankengeschichte ein, um sich auf das Patientengespräch vorzubereiten.

 

Per Video bequem von zu Hause aus mit dem Arzt kommunizieren. (Bildqqelle: Vonage/Nexmo)

Per Video bequem von zu Hause aus mit dem Arzt kommunizieren. (Bildqqelle: Vonage/Nexmo)

Um 18:00 Uhr bekommt Franka eine Erinnerung per SMS und bestätigt mit „Ja“, dass sie den Termin wahrnimmt. Dr. Dengler und die Sprechstundenhilfe erhalten die Bestätigung von Franka. Der Videoanruf wird in den USA aus gesetzlichen Gründen automatisch aufgezeichnet. Auf diese Weise kann sich Dr. Dengler voll und ganz auf Franka konzentrieren, ohne sich Notizen machen zu müssen.

Dr. Dengler stellt eine Diagnose, erklärt ihren Behandlungsplan und verschreibt die nötigen Medikamente. Sie löst eine Nachricht im Chat aus, mit der Franka zur Vereinbarung eines Folgetermins aufgefordert wird. Mit einer Antwort im Chat oder einem Anruf kann Franka nun den Folgetermin bestimmen. Sie ruft die Sprechstundenhilfe an und vereinbart einen Termin in zwei Wochen. Die Praxis schickt ihr außerdem regelmäßig Gesundheitstipps und Erinnerungen an ihre bevorzugte Chat-App. So fällt es ihr leichter, ihren Therapieplan einzuhalten und darauf zu achten, dass sie auch nach der Genesung gesund bleibt.

Ärztliche Zusammenarbeit

 

Ein weiteres futuristisches Beispiel, bei dem mehrere medizinische Fachkräfte involviert sind: Jonas hat eine komplizierte Knieverletzung. Statt den weiten Weg zum nächsten Spezialisten auf sich zu nehmen, entscheidet er sich für ein Videogespräch mit seiner Hausärztin Dr. Dengler und einem Kniechirurgen. Dr. Dengler hat einen Termin angesetzt, um die Röntgenbilder des Patienten und die Operation zu besprechen. Statt ihn an einen Spezialisten zu überweisen, möchte sie sich per Live-Videogespräch direkt mit dem Kniechirurgen beraten.

 

Dr. Dengler erinnert den Chirurgen an ihren gemeinsamen Termin. Sie sendet ihm hierzu eine Nachricht mit den Informationen zur Einwahl in das Videogespräch. Der Chirurg bestätigt, dass er sich von seiner Klinik aus einwählen wird. Er hat sich bereits die Röntgenbilder angesehen. Der Patient wird sich einer OP mit anschließendem Reha-Programm unterziehen müssen. Der Chirurg bittet auch eine Physiotherapeutin hinzu, die das Reha-Programm erläutern soll. Diese kann sich entweder per Telefon oder per Videoanruf einklinken.

 

Um 15:00 Uhr meldet sich der Patient für seinen Termin an. Er erspart sich damit den finanziellen und zeitlichen Aufwand, selbst in die Praxis fahren zu müssen. Nach einem kurzen Chat eröffnet die Ärztin das Videogespräch mit dem Chirurgen. Der Chirurg identifiziert sich mit einem sicheren SMS-Einmalcode. Er erscheint per Fernzugriff auf dem Bildschirm eines Tablets, der auf den Schreibtisch der Hausärztin montiert ist.

Die Videounterhaltung wird automatisch aufgezeichnet. Der Chirurg ruft die Röntgenbilder des Patienten auf dem geteilten Bildschirm auf, sodass auch der Patient sie sehen kann. Er versieht sie mit Kommentaren, kreist Problembereiche ein und erklärt, wie er bei der Operation vorgehen wird. Der Chirurg bezieht jetzt seine Physiotherapeutin in das Gespräch ein, die den postoperativen Reha-Prozess erläutert. Auch sie identifiziert sich mit einem sicheren SMS-Einmalcode. Da sie gerade unterwegs ist und Hausbesuche macht, wählt sie sich von ihrem Smartphone aus ein.

 

Nach einer langen Diskussion sieht der Patient schließlich ein, dass eine Operation die beste Option ist und erklärt sich einverstanden. Am Ende des Gesprächs wird ein verschlüsselter Link zur Aufzeichnung angezeigt. Der Spezialist sendet den Link an sein Chirurgen-Team, das sich die Ergebnisse ansieht und sich auf die Operation vorbereitet. Nach dem Termin erhält Jonas eine SMS vom Chirurgen. Die Nachricht enthält mehrere Terminvorschläge für die Operation, auf die er per SMS oder Telefonanruf antworten kann.

 

Gruppentherapie

 

Ein letztes Beispiel, wie die Zukunft aussieht: Simon geht zu einem Psychotherapeuten, um seine Depressionen zu behandeln. Doch manchmal macht ihm das Leben einen Strich durch die Rechnung, und er ist unterwegs. Glücklicherweise hat sein Psychotherapeut Dr. Burkhard eine App, mit der Simon regelmäßig von jedem beliebigen Gerät aus seine Therapietermine wahrnehmen kann, egal ob er zu Hause oder unterwegs ist.

Dr. Burkhard hat mehrere Patienten mit Depressionen. Er hält jede Woche eine gruppentherapeutische Sitzung über den telemedizinischen Dienst seiner Praxis ab. So können seine Patienten per Video oder Telefonanruf teilnehmen. Dr. Burkhard hilft ihnen damit, am Ball zu bleiben, und reduziert die Zahl der Therapieabbrüche.

 

Eine SMS erinnert Simon daran, dass seine wöchentliche Therapiesitzung an diesem Nachmittag stattfindet. Doch er bekommt täglich Dutzende von Nachrichten, sodass er sie nicht weiter beachtet. Da klingelt sein Smartphone. Das hört Simon, und er nimmt den Anruf entgegen. Eine automatische Stimme erinnert ihn an seinen Termin. Er bestätigt seine Teilnahme, indem er auf die Taste 1 drückt. Dr. Burkhard bekommt via MMS eine Liste der Patienten, die teilnehmen. So kann er sich auf die Sitzung vorbereiten und minimiert die Zahl der Ausfälle. Sämtliche Patienten der Gruppe haben sich angemeldet.

 

Um 13:00 Uhr beginnt die Sitzung. Simon identifiziert sich mit einem SMS-Einmalcode bei der App. Dr. Burkhard startet die Videositzung von seinem PC aus und eröffnet das Gespräch mit seinen fünf Patienten. Simon ist unterwegs; deshalb beschließt er, von einem Park aus an der Sitzung teilzunehmen. Er fühlt sich nicht gut genug für ein Videogespräch. Außerdem ist seine Verbindung schwach – deshalb wählt er sich nur per Telefon ein.

Nach der Sitzung stellt Dr. Burkhard Übungen für die kommende Woche zusammen und sendet sie mit einem einfachen Fingertippen an seine Patienten. Über die App erhält Simon die Nachricht mit den Übungen. Falls einer der Patienten persönlich etwas mit Dr. Burkhard bereden möchte, hat er via Chat die Möglichkeit dazu.

Per Video von überall aus an einer Gruppensitzung teilnehmen. (Bildquelle: Vonage/Nexmo)

Per Video von überall aus an einer Gruppensitzung teilnehmen. (Bildquelle: Vonage/Nexmo)

Simon hat tatsächlich ein paar Fragen und startet in der App einen Chat mit Dr. Burkhard. Er könnte ihn auch direkt anrufen, aber seine Fragen lassen sich per Chat klären. Dr. Burkhard bekommt nun eine Meldung, dass ein Patient mit ihm kommunizieren möchte. Er sieht, dass es Simon ist, und beantwortet seine Fragen im Online-Chat. Zusätzlich sendet die Praxis von Dr. Burkhard regelmäßig Lesematerial und Tipps zur psychischen Gesundheit an die bevorzugte Chat- oder Social-App ihrer Patienten bzw. an WhatsApp.

 

Zusammenfassung

 

In Zukunft sorgen programmierbare Kommunikationsfunktionen für eine bessere Patientenbetreuung, eine vertrauensvolle Beziehung zum Patienten, effizientere Prozesse und bessere gesundheitliche Ergebnisse. Gleichzeitig verursachen sie weniger Kosten – und verringern die Hürden, die sich den Patienten häufig in den Weg stellen.

 

 

Autor: Lori Belton ist Autorin und Content Marketer bei Nexmo, der API-Plattform von Vonage. Ihre Tätigkeiten fließen unter anderem in Blogbeiträge, Fallstudien und in den Bereich Branding ein. 

 

Sicherheitsrisiko Slack & Co: Was digitale Zusammenarbeit für die IT-Sicherheit bedeutet

Collaboration (Bildquelle:  rawpixel @ Pixabay)

Collaboration (Bildquelle: rawpixel @ Pixabay)

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann.

Der Siegeszug von Slack

In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

Heute zählt Slack über 10 Millionen täglich aktive Nutzer und mehr als 85.000 zahlende Kunden weltweit. Jeden Tag senden sich Slack-Benutzer auf der ganzen Welt Milliarden von Nachrichten und Dateien. „I’ll Slack you“ ist im englischen Sprachgebrauch längst zu einer gängigen Formulierung für den Versand von Informationen über die Plattform geworden.

Mit den Produktivitätsvorteilen, die Slack bietet, gehen allerdings auch Risiken für die Datensicherheit einher. Nutzer können eine Vielzahl von sensiblen Dateien in der App miteinander teilen, von Architekturdiagrammen und proprietärem Code bis hin zu persönlichen und unternehmenssensiblen Daten, wie beispielsweise Finanzinformationen. Mit einfachen Best Practices, wie beispielsweise einer guten Passworthygiene und der Schulung von Mitarbeitern für einen sensiblen Umgang mit Daten und Zugriffsarten, lässt sich zumindest ein Mindestmaß an Sicherheit herstellen.

Sämtliche Datenströme, die durch die Anwendung laufen, können allerdings kaum manuell durch das IT-Sicherheitspersonal überwacht werden. Darüber hinaus haben IT-Administratoren aufgrund der privaten Kanäle und der Direct Messaging-Funktionen von Slack oft keinen Überblick, welche Informationen untereinander ausgetauscht und gemeinsam genutzt werden.

IT-Teams haben also keinen Überblick, welche Daten über die App geteilt werden und ebenso wenig, wo diese sich befinden und ob sie eventuell in falsche Hände geraten sind. Für Unternehmen bedeutet dies, Sicherheitsmaßnahmen jenseits des Netzwerkperimeters ergreifen zu müssen, um sowohl die Nutzung von als auch die Daten in Slack zu sichern. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die Slack regelmäßig oder als primäre Business Collaboration Software einsetzen. Sie benötigen eine Sicherheitslösung, die eine umfassende Transparenz und granulare Kontrollmöglichkeiten bietet.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Cloud Access Security Broker (CASB) setzen auf Datenebene an und bieten damit unmittelbare Kontrollfunktionen für die sichere Nutzung von Cloudanwendungen. Mit ihnen lässt sich regeln, wie und wann Benutzer auf Cloudanwendungen wie Slack zugreifen können und wie Daten darin ausgetauscht werden. Unternehmen können damit fortlaufend nachvollziehen, wer welche Art von Daten teilt und wo diese herkommen. Um zu verhindern, dass sensible Daten in die falschen Hände geraten, können Unternehmen innerhalb eines CASBs Richtlinien einrichten, die diese Daten beispielsweise bei Bedarf automatisch in Slack-Nachrichten und Dateien ausblenden.

Darüber hinaus bieten CASBs eine Vielzahl weiterer Funktionen, die für die Sicherung der Nutzung von Slack und den Schutz von Unternehmensdaten unerlässlich sind: Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) verifiziert die Benutzeridentität zusätzlich zum Passwort mit weiteren Merkmalen, Data Loss Prevention (DLP) erweitert die Zugriffsebenen für Benutzer auf der Grundlage ihrer Bedürfnisse und Privilegien, und Advanced Threat Protection (ATP) verhindert, dass sich Malware über die Cloud verbreitet.

Durch die API-Integration mit Slack und die Proxy-Funktion kann ein CASB automatisch alle Benutzeraktivitäten und Datenströme in der gesamten Unternehmensanwendung über alle Teams und Kanäle hinweg scannen. IT-Sicherheitsteams haben die Möglichkeit, in Echtzeit Richtlinien anzuwenden, mit denen sich Daten auch bei Benutzeraktivitäten innerhalb privater Kanäle und Direktnachrichten sichern lassen. Sensible Daten sowie der Austausch derselben werden automatisch identifiziert und das Sicherheitsrisiko somit deutlich reduziert.

Führende CASBs operieren außerdem agentenlos, das bedeutet, es ist keine Installation von Software-Agenten auf den Mobilgeräten der Mitarbeiter nötig. Selbst wenn Mitarbeiter von Privatgeräten auf Slack zugreifen, sind die Daten gesichert und im Fall eines Geräteverlusts auch das Löschen der Unternehmensdaten aus der Ferne möglich.

Datenzentrierte IT-Security im Blick

Der Wechsel zu Cloudanwendungen wie Slack markiert für Unternehmen auch einen Wandel in ihrer IT-Security-Strategie. Daten sind in der digitalen Unternehmenswelt die wichtigste Ressource und verlangen ebenso sorgfältigen Schutz wie die Netzwerkinfrastruktur. Der Einsatz von CASBs kann dazu beitragen, den Wandel hin zu einer datenzentrierten Sicherheitsstrategie zu vollziehen.

Autor: Michael Scheffler ist Area Vice President EMEA bei, Bitglass.Bitglass ist ein weltweit tätiger Anbieter einer NextGen-CASB-Lösung mit Sitz im Silicon Valley. Die Cloud-Sicherheitslösungen des Unternehmens bieten agentenlosen Zero-Day-, Daten- und Bedrohungsschutz überall, für jede Anwendung und jedes Endgerät. Bitglass wird finanziell von hochrangigen Investoren unterstützt und wurde 2013 von einer Gruppe von Branchenveteranen gegründet, die in der Vergangenheit zahlreiche Innovationen eingeführt und umgesetzt haben.

Das Smart Home im Visier von Cyberkriminellen

(Bildquelle: Samsung Android Smart Full HD LED TV)

(Bildquelle: Samsung Android Smart Full HD LED TV)

Ob Smart-TV, Haussteuerung, Router oder Smartphone, Cyberkriminelle haben verstärkt neben den klassischen Angriffszielen wie Windows-PCs das Internet der Dinge im Visier. Der CERT-Bund hat erst kürzlich vor über 3.000 Homematic-Systemen gewarnt, die aus dem Internet erreichbar sind und sich fernsteuern lassen. Mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet, sind zum Beispiel auch moderne Fernseher die perfekte Wanze im Wohnzimmer. Das Mitschneiden von privaten Gesprächen, das Ausnutzen von Sicherheitslücken und letztlich der Kontrollverlust über das eigene Gerät sind keine Fiktion. Sicherheitsanbieter ESET schätzt die Bedrohungslage im Internet der Dinge nun aktuell ein und gibt Anwendern Tipps, wie sie ihr Smart-TV und ihre digitalen vier Wände zuverlässig schützen können.

„Wenn Cyberkriminelle die Kontrolle über das Smart Home gewinnen, können sie nicht nur weitere Geräte innerhalb des gleichen Netzwerks angreifen, sondern auch ihre Opfer ausspionieren, um an sensible und persönliche Daten heranzukommen,“ erklärt Thomas Uhlemann, ESET Security Specialist. „Die gesammelten Informationen sind Gold wert. Smarte Haushaltsgeräte müssen daher ebenso abgesichert werden, wie das Smartphone oder der Windows-PC. Alles andere wäre fatal.“

Sicherheit vieler Geräte bleibt mangelhaft

Der Preisdruck bei smarten Geräten hat auch seine Schattenseiten. Um Fernseher oder Smartphone preiswert am Markt anbieten zu können, produzieren Hersteller so günstig wie möglich. Oft werden durch dieselbe Fabrik, gleiche Modelle unter verschiedenen Namen hergestellt. Die Bauart und auch die Firmware sind hierbei gleich. Bei der Entwicklung kommt das Thema Sicherheit zu kurz, zum Beispiel sind zukünftige Updates gar nicht erst vorgesehen. Hier können Angreifer Schwachstellen ausnutzen und dadurch Zugriff auf das Gerät sowie auf das gesamte Heimnetzwerk erlangen.

Die Absicherung des Heimnetzwerkes ist entscheidend

Auch im privaten Bereich reicht es heute nicht mehr aus, lediglich Einzelgeräte abzusichern. Das Heimnetzwerk und alle angeschlossenen Geräte sind angreifbar. So müssen Anwender den Schutz jedes Gerätes und natürlich des Routers sicherstellen.

Streaming auf Mobilgeräte beliebt

Das Streaming von Medieninhalten auf Smart-TV, Tablet oder Smartphone wird immer wichtiger. Erst kürzlich fragte ESET Internetnutzer, wie sie die Fußball-Bundesliga verfolgen. Das Ergebnis: Über 70 Prozent der Anwender greifen regelmäßig auf internetfähige Geräte zurück.

ESET Sicherheitsexperte Thomas Uhlemann hat nun einen genauen Blick auf die Sicherheit des Internets der Dinge geworfen. Was sind aktuelle Bedrohungen und wie können sich Anwender dagegen schützen?

ESET Sicherheits-Tipps für das Smart Home

  • Installieren Sie regelmäßig Updates: Die Software auf den Smart Home Geräten sollte stets aktuell sein. Wir empfehlen, wenn möglich, die automatische Updatefunktion zu aktivieren. So   erhalten Sie zeitnah alle Aktualisierungen für Ihre Geräte und die installierten Apps.
  • Webcams und Mikrofone abschalten: Einige smarte Geräte haben Webcams eingebaut oder bieten Funktionen wie Sprachsteuerung an. Schalten Sie Kameras und Mikrofone ab oder deaktivieren Sie die Sprachsteuerung, um nicht selbst beobachtet oder abgehört zu werden.
  •  Eine Sicherheitslösung einsetzen: Smart-TVs mit Android als Betriebssystem sind bei Kriminellen besonders beliebt. Setzen Sie bei ihren Geräten, ob Fernsehen, Smartphone oder Tablet  auf eine zuverlässige Sicherheitslösung
  • HbbTV abschalten: HbbTV gilt als Nachfolger des Teletextes. Auf den meisten Fernsehern wird dieses Angebot mit einem Druck auf den roten Knopf aktiviert. Sie können damit Informationen zum laufenden Programm oder zusätzliche Inhalte wie Mediatheken abrufen. HbbTV sammelt aber auch Daten über Ihr Fernsehnutzungsverhalten und gibt dieses an die TV-Sender weiter. Mittlerweile gilt HbbTV auch als potentielles Angriffsziel von Hackern, um Schadsoftware auf Ihren Fernseher zu bringen. HbbTV lässt sich in Einstellungen des Smart-TVs abschalten.
  • Installieren Sie Apps nur aus vertrauenswürdigen Quellen: Benutzen Sie ausschließlich den offiziellen App-Store des Geräteherstellers oder, falls Sie ein Android-TV oder Smartphone haben, den Google Play Store.
  • TV-Browser nur selten benutzen: Häufig werden die Browser von Smart-TVs eher selten aktualisiert. Dadurch könnten wichtige Sicherheitstechnologien fehlen oder bekannte Bedrohungen erst spät verhindert werden. Vermeiden Sie vor allem sensible Aktivitäten wie Online-Banking oder -Shopping.
  • Keine vertraulichen Daten eingeben: Geben Sie beim Surfen über den Smart-TV so selten wie möglich Passwörter oder Adressen ein und achten Sie auf eine verschlüsselte Verbindung (URL beginnt mit https://).
  • Sichern Sie Ihr Heimnetzwerk: Dieser Tipp ist für alle Ihre  Netzwerkgeräte nützlich. Sichern Sie Ihr Heimnetzwerk ausreichend ab. Nutzen Sie aktuelle Verschlüsselungsmethoden (WPA2) und verwenden Sie sichere Passwörter. So machen Sie es Hackern schwer, Ihr Netzwerk anzugreifen.

Mehr Infos zur ESET-Studie gibt es Online. 

Cyber-Sabotage durch Datenmanipulation: Wenn Kriminelle Daten nicht stehlen, sondern verändern

(Bildquelle: myrfa @pixaby)

(Bildquelle: myrfa @pixaby)

Cyberkriminelle stehlen nicht nur Daten. Manchmal ist es stattdessen ihr Ziel, Daten bewusst zu manipulieren. Attacken, bei denen externe Angreifer oder böswillige Insider subtile Veränderungen an unternehmenskritischen Daten wie etwa Quellcodes, Finanzdokumenten oder Bauplänen vornehmen, können für Unternehmen genauso verheerend sein wie Diebstahl.

Es bedarf oft nur eines Fehlers, beispielsweise durch einen Angriff auf industrielle Steuerungssysteme, um die Produktion von Gütern zu unterbrechen oder zu verzögern und eventuell eine gesamte Lieferkette zu gefährden. Hat das Unternehmen keine adäquate Möglichkeit zu überprüfen, ob wichtige Daten legitim sind, kann dies zudem das Vertrauen im Unternehmen von innen heraus zersetzen.

 Die verborgene Bedrohung: Beispiele für Cyber-Sabotage

Der Autohersteller Tesla verklagte 2018 einen ehemaligen Mitarbeiter, der laut CEO Elon Musk vertrauliche Daten und Geschäftsgeheimnisse gestohlen habe, weil ihm eine Beförderung versagt worden sei. Der Mitarbeiter soll nicht nur Gigabyte an vertraulichen Daten exportiert haben, sondern auch in einem Akt der Sabotage unter falschen Benutzernamen Änderungen am Tesla Manufacturing Operating System vorgenommen haben – dem Satz grundlegender Befehle für die Fertigungslinien von Tesla.

Datenmanipulation ist ein beliebtes Mittel für Cyberkriminelle, weil sie schwer zu erkennen ist. Diese Angriffe werden häufig von böswilligen Insidern durchgeführt, die einen privilegierten Zugang zu kritischen Daten haben. Wenn ein Insider beispielsweise Zugriff auf Baupläne für eine neue Produktionsstätte bekommt, kann er unauffällige Änderungen vornehmen, die systematische Fehlfunktionen in der Produktion auslösen.

Ein solcher Angriff kann letztendlich dazu führen, dass ein Unternehmen aus dem Geschäft ausscheidet und einem Konkurrenten die Möglichkeit gibt, Marktanteile zu übernehmen. Wenn der Täter ein scheinbar vertrauenswürdiger Insider ist, ist es umso schwieriger, ihn aufzuspüren.

Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung im Gesundheitsbereich werden auch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen immer verwundbarer. Falls es einem Angreifer gelingt, eine Manipulationsattacke auf Patienteninformationen durchzuführen und kritische Daten wie etwa Arzneimitteldosierungen zu ändern, kann dies dramatische Folgen haben.

 Maßnahmen gegen Datenmanipulationen

Für IT-Teams ist es eine Herausforderung festzustellen, wann ein Angreifer nur kleine Veränderungen an Daten vornimmt und anschließend den Tatort unbemerkt verlässt. Doch Anomalien in Systemprotokollen, Änderungen an Dateien zu verdächtigen Zeiten und Alarme bei Bedrohungssignaturen, um verdächtiges und bösartiges Verhalten zu erkennen, können verräterische Anzeichen einer Datenmanipulation sein.

Um diese Art Angriffe zu bekämpfen, müssen Unternehmen sicherstellen, dass sie über eine Endpunkttransparenz in ihren IT-Systemen verfügen. Dringt ein Angreifer erfolgreich in ein Netzwerk ein, muss er sich horizontal durch die Umgebung bewegen, um die Daten zu finden, nach denen er sucht. Für Sicherheitsteams ist es von entscheidender Bedeutung, die Spuren forensisch verfolgen zu können, um solche Aktivitäten zu erkennen. Im Folgenden vier Tipps, um sich gegen Datenmanipulation zu schützen:

  •  Das Angreiferverhalten besser verstehen: Das MITRE ATT&CK Framework, eine kontinuierlich wachsende Online-Wissenssammlung gegnerischer TTPs (Tactics, Techniques and Procedures) sowie Verhaltensweisen beschreibt sehr detailliert jede Phase eines Cyberangriffs und die besten Methoden zur Erkennung und Abschwächung jeder Technik. Dieses Framework kann Sicherheitsexperten sehr bei ihrer Arbeit unterstützen.
  •  Einblick in Endpunkte: Zwar stehlen Angreifer bei Datenmanipulationsangriffen auf den Endpunkt nicht unbedingt Daten, jedoch profitieren Unternehmen von Technologien zur Endpoint Detection and Response, indem sie einen besseren Einblick in das Verhalten an Endpunkten sowie in die Datenbewegung bekommen.
  •  Überwachung der Dateiintegrität: Unternehmen können zudem Lösungen zur Überwachung der Dateiintegrität verwenden, um Echtzeitänderungen an Dateien, Ordnern und anderen Einstellungen zu identifizieren und zu verfolgen.
  •  Aktivitätenprotokollierung: Auch die Protokollierung von Aktivitäten kann bei der Abwehr von Datenmanipulationsangriffen helfen. Jedoch müssen IT-Teams interne Kontrollen entwickeln, um diese Informationen zu überprüfen und sicherzustellen, dass sie ständig die von ihrer Umgebung erzeugten Protokolle auswerten.

Datenmanipulation kann massive Auswirkungen haben und unter Umständen zu erheblichen Störungen in einem Unternehmen führen. Die Vorbereitung auf diese Angriffe durch einen mehrschichtigen Ansatz aus Technologien und Best Practices ist jedoch der erste Schritt, um die möglichen Folgen eines Angriffs aktiv zu verhindern.

 Autor: Christoph M. Kumpa istector DACH & EE bei Digital Guardian. Digital Guardian bietet eine bedrohungserkennende Datensicherungsplattform, die speziell entwickelt wurde, um Datendiebstahl sowohl durch interne als auch durch externe Angriffe zu verhindern. Die Digital Guardian-Plattform kann für das gesamte Unternehmensnetzwerk, traditionelle und mobile Endgeräte sowie Cloudanwendungen eingesetzt werden.