Category Archives: Ethik

Buchtipp: Analyse zu „Shareconomy“

ShareconomyStefan Heng, Professor für Digitale Medien an der Dualen Hochschule Mannheim, hebt in seiner soeben bei Springer Professional veröffentlichten Analyse zur Sharing Economy hervor:

  • Die Apologeten der Sharing Economy sprechen davon, dass ein völlig neues Zeitalter des Wirtschaftens bevorstünde. Sie beschreiben dies mit den Begriffen Nachhaltigkeitswirtschaft, Null-Grenzkosten-Gesellschaft, Ko-Konsum oder konstruktiver Kapitalismus. Obgleich sich etliche dieser Vorhersagen nicht realisieren werden, kann von dieser Entwicklung dennoch ein wesentlicher Impuls hin zu mehr sozialer und ökologischer Verantwortung ausgehen, als bislang in neoliberalen Wirtschaften gelebt.
  • Tatsächlich zeigen die heute bereits realen Sharing-Modelle, wie die Angebote vieler Branchen wesentlich effizienter erbracht werden können als in den althergebrachten Strukturen. Demgegenüber stehen aber auch große Risiken bei Datenschutz, Arbeitsbedingungen und gesellschaftlicher Divergenz.
  • Dabei tummeln sich in der Sharing Economy keinesfalls allein „Gutmenschen“ mit vorbehaltlos sozialer Motivation. Stattdessen gilt auch hier ein Profitstreben als Triebfeder. Obgleich in der Sharing Economy nun doch nicht alles grundsätzlich neu ist, sollte uns diese Erkenntnis keinesfalls dazu verleiten, völlig resigniert alle entstehenden Ideen pauschal zu verdammen. Stattdessen erdet die Profitorientierung die Sharing-Modelle und sorgt dafür, dass die enormen Potenziale überhaupt realisiert werden können.
  • Dies kann allerdings lediglich dann passieren, wenn es neben einer leistungsfähigen Infrastruktur, deren Ausbau in Deutschland mit der Digitalen Agenda bislang nur schleppend vorankam, auch einen passenden Rechtsrahmen gibt. Dieser Rechtsrahmen muss dann über Datenschutzgrundverordnung und ePrivacy-Verordnung hinaus, einen guten Kompromiss zwischen Innovationsförderung, Geschäftsinteressen und Schutz gesellschaftlicher Werte darstellen.

Mehr dazu in der Analyse „Sharing Economy“ in SpringerProfessional.

 

Urban Mining – Wohnen im Rohstoff- und Recyclinglager

(Bildquelle: Karlsruher Institut für Technologie (KIT) )

(Bildquelle: Karlsruher Institut für Technologie (KIT) )

Die Weltbevölkerung wächst – und mit ihr der Bedarf an Wohnraum. Doch herkömmliche Ressourcen für das Bauen werden knapp. Die als Forschungseinheit „Urban Mining & Recycling“ eröffnete Testwohnung nahe Zürich besteht ausschließlich aus kompostierbaren, wiederverwertbaren und weiternutzbaren Materialien für Konstruktion und Ausbau.

Das bewohnte Labor soll den Wandel des Bauens in Richtung Kreislaufwirtschaft beschleunigen. Gemeinsam entwickelt haben es Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des Büros Werner Sobek.

Das Konzept für das Wohnmodul stammt von Werner Sobek mit Dirk E. Hebel und Felix Heisel. Professor Sobek ist Leiter des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren der Universität Stuttgart; Professor Hebel ist Leiter und Heisel Forschungsverantwortlicher des Fachgebiets Nachhaltiges Bauen des KIT.

„Wir wollen beweisen, dass es schon heute möglich ist, so zu bauen, dass sämtliche Ressourcen zu hundert Prozent und sortenrein wieder ausbaubar sind“, sagt Hebel. Für die 125 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung wurden Primärrohstoffe wie zum Beispiel unbehandelte Weißtanne verwendet, aber auch Elemente, die zuvor andernorts verbaut waren, sowie recycelte Abfallstoffe und neu entwickelte Baumaterialien. Die Kupferplatten, die die Fassade einfassen, deckten zuvor das Dach eines Hotels in Österreich, die Türklinken der Wohnung stammen aus einer Bank in Brüssel.

Aus Bauschutt entstanden neue Backsteine, und Getränkekartons wurden zu Wandverkleidungen verarbeitet. Damit ist die Wohnung ein gebautes Beispiel für „Urban Mining“: Die Baustoffe stammen aus Bauwerken und Alltagsgegenständen. Während Rohstoffe aus der Natur wie Sand oder Kupfer knapp werden, bietet die menschgemachte Umwelt großes Potenzial als Materialquelle.

„Dieses urbane Materiallager zu nutzen, dient der Nachhaltigkeit und macht unabhängiger vom Rohstoffmarkt“, sagt Felix Heisel. Statt Verbindungen zu verkleben oder auszuschäumen, wurde geschraubt, geklemmt oder gesteckt, um die verwendeten Einzelstoffe unvermischt zurückzugewinnen und wiederverwenden zu können. Auch vollkommen neue Baustoffe kamen zum Einsatz, darunter kompostierbare Dämmplatten aus Pilz-Myzel, einem aus Pilzgewebe und Sägespänen kultivierten Material.

Das in enger Kooperation mit Industrie und Handwerk entstandene Pilotprojekt für nachhaltiges Bauen wurde im Frühjahr 2018 eröffnet. Es bietet die Möglichkeit, durch den Austausch von Elementen und Materialien mit unterschiedlichen Baustoffen zu experimentieren.

Über die Dauer von zunächst fünf Jahren beobachten die Forscherinnen und Forscher, wie sich Methoden bewähren und Materialien verhalten. Auch die Alltagserfahrung von zwei Studierenden, die die Dreizimmerwohnung im Mai beziehen, wird in die wissenschaftliche Bewertung einfließen.

Die Baueinheit „Urban Mining & Recycling“ wurde komplett im Werk vorfabriziert und innerhalb eines Tages in ein mehrstöckiges Versuchsgebäude eingebaut. Sie ist Teil des Forschungs- und Testgebäudes NEST (Next Evolution in Sustainable Building Technologies) im schweizerischen Dübendorf bei Zürich auf dem Campus der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt.

Im NEST arbeiten internationale Forscherteams aus Universitäten und Fachhochschulen, Architekturbüros und Firmen der Baubranche zusammen. „Durch das Testen von Innovationen unter realen Bedingungen wird eine Brücke von der Forschung zur Anwendung geschlagen, denn die Kreislaufwirtschaft braucht neue Methoden und Produkte“, betont Hebel.

Alexa Health Skills – Die neue Kassenleistung für Generation Y?

(Bildquelle: Amazon)

(Bildquelle: Amazon)

Sprachsteuerung entwickelt sich stark zu einem ernstzunehmenden Markttrend; der weltweite Umsatz von digitalen Sprachassistenten lag 2017 bei 689 Millionen US-Dollar. Besonders jüngere Generationen sind hierbei attraktive Zielgruppen.

Einige deutsche Krankenversicherungen reagieren bereits auf diesen Trend, indem sie Alexa Health Skills offerieren. Health Skills sind Gesundheits-Applikationen auf dem Sprachassistenten Amazon Alexa und durch die Spracheingabe noch intuitiver bedienbar, als andere digitale Services. MS&C hat in einer Studie untersucht, welche Skills die 18- bis 35-Jährigen (Generation Y) als digitale Kassenleistung besonders attraktiv finden.

Generation Y präferiert einfache Organisations- und individuelle Gesundheits-Skills

Die 33 untersuchten Use Cases wurden nach Präferenz geordnet und die Analyse dieses Rankings ergab vier Kategorien: einfache Organisations-Skills (z.B. Erinnerung an einen Arzttermin), individuelle Gesundheits-Skills (z.B. Ernährungstipps) und öffentlich zugängliche Informations-Skills (z.B. Pollenflug-Informationen) sowie komplexe administrative Skills, die hohe Konsequenzen für Versicherte nach sich ziehen können (z.B. Buchung einer Zusatzleistung).

Zwischen 43 Prozent und 70 Prozent der Befragten würden einfache Organisations-Skills auf jeden Fall oder wahrscheinlich nutzen. Diese Skills repräsentieren das Obere Drittel der 33 Use Cases geclustert nach Präferenz. Das mittlere Drittel umfasst individuelle Gesundheits-Skills, die 32 Prozent bis 42 Prozent auf jeden Fall oder wahrscheinlich nutzen würden. Hingegen würden nur 8 Prozent bis 30 Prozent öffentlich zugängliche Informations-Skills oder komplexe administrative Skills auf jeden Fall oder wahrscheinlich nutzen.

Auf Grund dessen empfiehlt es sich für Krankenkassen mit einfachen Skills im Bereich Organisation und Gesundheit einzusteigen um dann weitere Möglichkeiten durch Markttests auszuloten.

 Datenschutz ist eine zentrale Herausforderung im Angebot von Health Skills

Ein Grund der Präferenz von einfachen Skills kann durch eine mögliche Informationseinschränkung begründet sein: 43 Prozent befürchten nur Informationen zu erhalten, die im Interesse ihrer Krankenkasse sind. Außerdem haben 39 Prozent Angst, dass ihre Gesundheitsdaten an Dritte weitergegeben werden.

Diesen Herausforderungen stehen Vorteile wie örtliche und zeitliche Ungebundenheit (45 Prozent), Zentralität der Kassenleistungen (39 Prozent) sowie Transparenz und Zugänglichkeit der Dienste (36 Prozent) gegenüber. Krankenkassen können diese Vorteile für sich ausschöpfen, wenn sie Health Skills als Kassenleistung für Generation Y anbieten, jedoch sollten sie dabei auch klar den Umgang von Personendaten und die Einhaltung von Datenschutzrichtlinien kommunizieren, um den bestehenden Herausforderungen zu begegnen.

Generation Y ist bereit, für Health Skills mindestens 5 € pro Monat zu bezahlen

Über diese Vorteile hinaus können Krankenkassen auch mit einer moderaten Zahlungsbereitschaft rechnen. Die MS&C Studie untersuchte insgesamt vier mögliche Digitaltarife, um das Angebot von Health Skills zu monetarisieren. 48 Prozent wären bereit durchschnittlich 5,79 € pro Monat für einen Basic Tarif + Alexa (Basic Health Skills Paket mit z.B. allgemeinen Fitnessübungen und mentaler Fitness; zusätzlich ein Alexa Gerät) zu bezahlen.

Des Weiteren würden 35 Prozent durchschnittlich 17,33 € pro Monat für einen Premium Tarif + Alexa (Basic Health Skills Paket und Premium Health Skills Paket mit z.B. Online-Video-Arztsprechstunden und individuellen Informationen zur Behandlung; zusätzlich ein Alexa Gerät) ausgeben. Hieraus ließen sich zwei zentrale Schlüsse ziehen: Der Anteil der zahlungswilligen Kunden für Basic ist höher als für Premium und bietet somit das Potenzia, die meisten Kundenkontaktpunkte zu knüpfen.

Außerdem steigt die Zahlungsbereitschaft der Kunden bei jeweils Basic und Premium, wenn ein Alexa Gerät dabei ist. Diese ersten Zahlen zeigen, dass das Angebot von Health Skills als digitale Kassenleistung monetarisierbar ist – daher empfiehlt es sich für Krankenkassen, eine passende Tarifgestaltung zu entwickeln.

Krankenkassen können das Potenzial von Sprachtechnologien noch weiter ausschöpfen

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Krankenkassen mit Sprachassistenten wie Amazon Alexa auf eine relevante Marktnachfrage treffen. Dieser Nachfrage entsprechend können Krankenkassen weitere Vorteile durch das Angebot von Health Skills generieren. Durch das Angebot von Health Skills und der Positionierung entlang der gesamten Versicherten-Journey, kann sich die Krankenkasse von Wettbewerbern differenzieren und durch vermehrte Kundenkontaktpunkte die Kundenbindung stärken.

Weiterhin können interne Administrations-Kosten durch Verschlankung von internen Prozessen und Entlastung von Servicepersonal, wie z.B. Ärzten, gesenkt werden. Zuletzt bieten Angebote auf Sprachassistenten die Möglichkeit neue Kundeneinblicke zu erlangen und diese für Cross- und Upselling Aktivitäten zu nutzen.

Die vollständige Publikation „Alexa Health Skills – Die neue Kassenleistung für Generation Y?“ ist kostenlos online verfügbar unter https://goo.gl/441SDZ

 

 

Forderung der Internet-Verbände: Smart Home braucht smarte Gesetze

Online steuerbare Haushaltsgeräte, Heizkörperthermostate und Beleuchtungssysteme – Smart-Home-Lösungen werden zunehmend beliebter. Dabei entwickelt sich die Technik stetig weiter, die Rechtslage hingegen hinkt dieser Entwicklung hinterher, kritisiert die Fokusgruppe Smart Home im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. In einem nun veröffentlichten Leitfaden erläutern die Experten die wichtigsten rechtlichen Rahmenbedingungen im Bereich Smart Home und fordern Gesetze, die dem Innovationspotenzial gerecht werden.

Die Digitale Wirtschaft hat Smart Home längst als wichtiges Wachstumsfeld identifiziert und investiert massiv in Techniken, die die vielen unterschiedlichen auf dem Markt befindlichen Lösungen miteinander kommunizieren lassen. „Leider steht den Bemühungen der Branche in vielen Fällen eine Rechtslage entgegen, die einer sich digitalisierenden Gesellschaft höchstens in Ansätzen gerecht wird.  Technisch spielen wir in der Champions League, während sich die rechtlichen Rahmenbedingungen eher auf Regionalliga-Niveau bewegen“, sagt Michael Schidlack, Vorsitzender der BVDW-Fokusgruppe Smart Home.

Dabei nennen die Experten im Leitfaden als konkretes Beispiel die Dash-Buttons von Amazon, mit deren Hilfe Konsumenten etwa Waschmittel auf Knopfdruck nachbestellen können. Wegen unzureichender Verbraucherinformation hält das Landgericht München in einem Urteil aus Januar (Az. 12 O 730/17) diese Dash-Buttons für rechtswidrig, da weder der aktuelle Preis noch Informationen zu Menge angezeigt würden.

Hier brauche es stattdessen innovationsfreundliche Lösungen, um Rechtssicherheit bei Wirtschaft und Verbrauchern zu gewährleisten und das vernetzte Zuhause weiter voranzubringen, fordert BVDW-Experte Schidlack. „Jetzt müssen wir uns aber erst mal mit der aktuellen Rechtslage arrangieren – einen Stillstand kann sich diese noch recht junge Branche sicher nicht leisten.“ Eben diese Rechtslage erläutern er und weitere Experten aus der Fokusgruppe Smart Home im neuen BVDW-Leitfaden und betrachten hier die gesamte Prozesskette: Von Vertragsschluss über Datenschutz und IT-Sicherheit bis hin zur Haftung. Die Publikation ist ab sofort kostenfrei als Download verfügbar.

 

Wo kommt mein Frühstücksei her? Dank digitaler Technologien erfahren Verbraucher, wo ihre Lebensmittel erzeugt werden

WP_001268Ei, Steak oder der Käse auf der Tiefkühlpizza: Konsumenten verlangen Informationen über die Herkunft der Lebensmittel auf ihrem Teller. Digitale Technologien ermöglichen es Erzeugern, den Konsumenten transparent Auskunft über die Wertschöpfungskette zu geben. So würden drei von zehn Verbrauchern (30 Prozent) auf jeden Fall einen QR-Code nutzen, mit dem sie erkennen können, welche Düngemittel, Herbizide oder Medikamente bei der Produktion ihrer Lebensmittel eingesetzt wurden.

Weitere 40 Prozent könnten sich vorstellen, solch einen digitalen Service zu nutzen. Sechs von zehn Verbrauchern (62 Prozent) hätten Interesse daran, ihre Lebensmittel auf digitalem Weg bis zum Erzeuger zurückzuverfolgen: 26 Prozent würden sofort von solch einer Möglichkeit Gebrauch machen, ein weiteres Drittel (36 Prozent) könnte sich das vorstellen. Mehr als jeder fünfte Verbraucher (21 Prozent) würde gerne über einen Bildschirm von zu Hause oder im Supermarkt direkt in den Stall schauen können, in dem beispielsweise sein Ei oder seine Milch produziert werden.

Weitere 37 Prozent können sich immerhin vorstellen, diese Möglichkeit zu nutzen. „Die Digitalisierung stößt in der Landwirtschaft einen tiefgreifenden Wandel an. Pflanzenbau und Tierhaltung müssen mithilfe digitaler Technologien so weiterentwickelt werden, dass das Tierwohl gesteigert und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert werden“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Die Landwirtschaft 4.0 eröffnet völlig neue Möglichkeiten, Umwelt- und Tierschutz sowie Wirtschaftlichkeit besser miteinander zu verbinden – und auch den Verbraucher wieder näher an das Produkt zu bringen.“

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Auch der Austausch zwischen Erzeuger und Konsument kann durch digitale Technologien gefördert werden. So möchte mehr als jeder fünfte Verbraucher (21 Prozent) Nahrungsmittel gerne online bewerten können, um so sein Feedback direkt an den Erzeuger zu übermitteln. Weitere 31 Prozent könnten sich das vorstellen. 18 Prozent würden Produktempfehlungen schätzen, die ihnen der landwirtschaftliche Erzeuger auf Basis vorangegangener Einkäufe gibt, beispielsweise über Einblendungen im Online-Hofladen oder per Newsletter. 29 Prozent könnten sich vorstellen, dieses Angebot zu nutzen.

„Mit digitalen Technologien kommt der Verbraucher wieder näher ans Produkt und den Produzenten. Das kommt letztlich der ganzen Landwirtschaft zugute“, sagt Rohleder. „Wenn Wirtschaftlichkeit und Umwelt in einer gesunden Balance zueinander stehen, wird das Vertrauen der Verbraucher gestärkt.“

ifo-Chef Fuest spricht sich gegen Europäische Digitalsteuer aus

Der ifo-Präsident Clemens Fuest hat sich gegen die Einführung einer europäischen Digitalsteuer ausgesprochen. „Die geplante Steuer auf Umsätze großer Digitalunternehmen würde vor allem US-Firmen treffen. Sie wäre eher ein Instrument im Handelskrieg als eine Steuer für den Normalfall. Die  These, es gebe ein unerwünschtes Steuergefälle zwischen Digitalwirtschaft und herkömmlicher Wirtschaft, das durch eine Digitalsteuer auszugleichen wäre, ist irreführend. Die Zahlen der Europäischen Kommission zeigen nur, dass die existierenden nationalen Steuersysteme digitale Unternehmen unter anderem wegen ihrer Forschungsintensität begünstigen. Wenn man das nicht will, sollte man diese Förderung abbauen“, sagte er in München auf der ifo-Jahresversammlung zur Digitalisierung. „Unerwünschte Marktmacht der Digitalkonzerne sollte primär mit Mitteln der Wettbewerbspolitik angegangen werden. Ein interessantes Konzept ist hierbei die Daten-Allmende, also der öffentliche Zugang zu bestimmten gesammelten Daten, um Märkte für neue Unternehmen offen zu halten“, fügte Fuest an.

Gleichzeitig meldete Fuest Zweifel an, ob die Steuerbehörden in Zukunft „digitale Betriebsstätten“ einführen sollten. „Das würde sich durch alle Branchen ziehen und Besteuerungsrechte international stärker an den Ort des Konsumenten verlagern. Die EU und Deutschland könnten dadurch an Steueraufkommen verlieren. Das Problem der internationalen Steuervermeidung geht weit über Digitalwirtschaft hinaus, hier sind Instrumente wie Quellensteuern gefragt.“

 

 

Bundestag setzt Enquete Künstliche Intelligenz ein – „Chance des Dialogs nutzen“ 

Oliver Süme ist Vorstandsvorsitzender von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.

Oliver Süme ist Vorstandsvorsitzender von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.

Der Bundestag hat die Einsetzung der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ beschlossen. Die Expertenkommission soll bis 2020 ethische Fragen zur künstlichen Intelligenz klären, außerdem will die Bundesregierung zeitnah eine KI-Strategie verabschieden.“

„Damit erkennt die Regierungskoalition den Stellenwert des Innovations-Themas KI an und bietet gleichzeitig ein Forum für die Diskussionen zu ethischen Fragestellungen in der Digitalisierung. Die Potenziale von KI für das Leben der Menschen, für die Entwicklung unseres Wohlstandes und die Gesellschaft als Ganzes – müssen in der Kommission angegangen werden. Wir begrüßen den Beschluss und hoffen, dass die neue Enquete-Kommission insbesondere die Chancen und Potenziale des technologischen Fortschritts erkennt, die Deutschland überhaupt erst zukunftsfähig und zur wirtschaftlichen Schlüsselbranche machen“, so sagt Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender von eco, dem Verband der deutschen Internetwirtschaft.

Bereits im Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und SPD die Bedeutung von KI betont und Schritte angekündigt, die Forschung auf diesem Gebiet zu fördern. „Wir wollen Deutschland zu einem weltweit führenden Standort bei der Erforschung von künstlicher Intelligenz machen“, lautet das ambitionierte Ziel.

„Wir sind schon spät dran. Bei dieser wichtigen Schlüsseltechnologie muss das Ziel Deutschlands Kernkompetenz sein, um international auf Augenhöhe im Bereich der Künstlichen Intelligenz mitzuspielen. Die Enquete-Kommission muss jetzt die Chance des offenen Dialogs nutzen: die Weichenstellung muss schnell erfolgen und erste Meilensteine schon in der laufenden Legislaturperiode erreicht werden“  so Süme.

Dem Bundestagsbeschluss gemäß soll die Enquete-Kommission ein Ort sein, an dem Politik gemeinsam mit Expertinnen und Experten eine der zentralen Debatten über die Zukunft der KI als Teil unserer digitalen Gesellschaft aufgreift, konkrete Vorschläge für die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger erarbeitet und damit neue Impulse für die Verwendung von KI in unserem Land setzt. Die Enquete-Kommission soll auf Basis ihrer Untersuchungsergebnisse den staatlichen Handlungsbedarf, national, auf europäischer Ebene und international benennen.

„Der digitale Wandel betrifft alle Wirtschaftsbereiche vom kleinen Unternehmen bis zum internationalen Großkonzern. Zur Sicherstellung der digitalen Leistungsfähigkeit Deutschlands braucht es unter anderem eine starke Rechenzentrums-Infrastruktur in Deutschland. Eine solche Infrastruktur bietet im Zusammenspiel mit Software-Schlüsseltechnologien die Basis für innovative, sichere und vertrauenswürdige Anwendungen Künstlicher Intelligenz. Außerdem brauchen die Unternehmen dringend qualifizierte und gut ausgebildete Fachkräfte, dies gilt nicht ausschließlich für die Internetwirtschaft, sondern für alle Wirtschaftsbereiche“  so Süme.

 

70 Jahre Soziale Marktwirtschaft: Wirtschaftsordnung muss sich Zeitalter der Digitalisierung anpassen

Oliver Süme ist Vorstandsvorsitzender von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.

Oliver Süme ist Vorstandsvorsitzender von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.

Die Soziale Marktwirtschaft bildet in Deutschland seit nunmehr 70 Jahren das Fundament für Wohlstand, Wachstum und fairen Wettbewerb. Angesichts des durch die Digitalisierung angestoßenen tiefgreifenden Wandels in Wirtschaft und Gesellschaft, müsse man die bestehenden ordnungspolitischen Rahmenbedingungen jedoch an die Spielregeln und Bedingungen der neuen digitalen Märkte anpassen. Nur so könne man Deutschland als Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig halten und sicherstellen, dass Gesellschaft und Wirtschaft größtmöglichen Nutzen aus der Digitalisierung gewinnen. Dies betonte eco Vorstandsvorsitzender Oliver Süme, anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-jährigen Jubiläum der Sozialen Marktwirtschaft in Berlin.

Die Digitalisierung verändert Märkte & Branchen

„Märkte werden globaler, der Wettbewerb dynamischer, Marktakteure vielfältiger. Der Staat muss darauf reagieren und rechtlich eine geeignete Bühne für diese neuen Märkte schaffen, damit Deutschland hier weiter vorne mitspielen kann und alle von der Digitalisierung profitieren können“, sagte Süme. Aktuell sehe er die Gefahr, dass Deutschland durch seine starren Ordnungssysteme, strenge rechtliche Rahmenbedingungen und aufwändige Bürokratie im digitalen Wettbewerb den Anschluss verpasse.

Besonders sichtbar werde dies beispielsweise im Bereich der digitalen Infrastrukturen: Leistungsfähige digitale Infrastrukturen, bestehend aus bundesweitem Breitband-Internet, zuverlässigen und performanten Internet-Austauschknoten sowie sicheren und hochverfügbaren Rechenzentren, sind die Grundvoraussetzung für die erfolgreiche digitale Transformation in Deutschland und den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der digitalen Wirtschaft am Standort Deutschland. Dennoch tut die Politik hierzulande viel zu wenig zur Stärkung digitaler Infrastrukturen.

„Die Branche findet in Deutschland international gesehen mit die schlechtesten Bedingungen vor“, so Süme. Er begrüßt daher die jüngste Ankündigung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, künftig auf mehr Selbstregulierung der Märkte setzen, Bürokratie abbauen und elektronische Verwaltungsprozesse fördern zu wollen. „Markt und weniger Staat ist aus Sicht der Internetwirtschaft auf jeden Fall eine gute Nachricht für den Digitalstandort Deutschland“, so Oliver Süme.

 

 

Alexa, Cortana & Co: Deutsche sind offen für Sprachassistenten, haben aber Angst um ihre Daten

Sprachassistenten wie Amazon Echo und Google Home sind inzwischen im deutschen Markt angekommen. 90 Prozent der Deutschen haben bereits von Sprachassistenten gehört,  bei der Nutzung von Amazon Echo & Co. halten sich diese jedoch noch zurück: Lediglich 14 Prozent der Deutschen besitzen bereits einen Sprachassistenten. Das belegt eine repräsentative Studie, die Statista im Auftrag von nextMedia.Hamburg durchgeführt hat.

An dieser Zurückhaltung gegenüber Voice Assistant-Anwendungen scheint sich laut Umfrageergebnissen auch in naher Zukunft erst einmal nichts zu ändern: Nur ein Prozent der Deutschen hält es für realistisch, dass sich Sprachassistenten innerhalb des nächsten Jahres in der Gesellschaft durchsetzen werden. Jeder Siebte glaubt sogar, dass sich Amazon Alexa & Co. niemals flächendeckend etablieren können.

Ein Grund für diese Skepsis gegenüber Sprachassistenten ist den Studienergebnissen zufolge das Thema Datenschutz. Mehr als drei Viertel der Deutschen (77 Prozent) fühlen sich in Bezug auf Datenschutz bei Sprachassistenten unsicher. Umso erstaunlicher in diesem Zusammenhang: Ein Großteil der Deutschen steht der Kommunikation mit Künstlicher Intelligenz und somit Technologien wie Sprachassistenten offen gegenüber.

Hier zeigt die Studie von nextMedia.Hamburg: 58 Prozent der Befragten können sich vorstellen, mit Künstlicher Intelligenz zu kommunizieren. Schon jetzt beurteilen 24 Prozent derjenigen Deutschen, die bereits einen Sprachassistenten besitzen, die Kommunikation als normal, ähnlich wie mit einem Menschen. 70 Prozent der Nutzer empfinden die Kommunikation noch als ungewohnt, glauben aber, dass diese in Zukunft alltäglich wird.

Die meisten Deutschen sind also offen für die Kommunikation mit Künstlicher Intelligenz und Sprachassistenten. Bei jenen, die schon heute einen Sprachassistenten besitzen, sind besonders Service- und Newsangebote wie Wetter- und Verkehrsmeldungen beliebt. 70 Prozent der Befragten nutzen bereits derartige Angebote.

Auch für den Medienkonsum wie dem hören von Musik (58 Prozent) und für organisatorische Dinge (41 Prozent) erfüllen Sprachassistenten laut Umfrageergebnissen ihren Zweck. Weniger relevant sind Sprachassistenten hingegen für die Kommunikation (34 Prozent) und Smart-Home-Anwendungen (30 Prozent). Unschlüssig sind sich die Besitzer von Sprachassistenten jedoch in Bezug auf den konkreten Nutzen der Technologie: Während 47 Prozent keinen Nutzen zum jetzigen Zeitpunkt sehen, halten immerhin 53 Prozent Sprachassistenten für hilfreich.

Während Smart-Home-Dienste über Sprachassistenten heute noch wenig Anwendung finden, scheint hier in Zukunft viel Potenzial zu liegen: 44 Prozent der Befragten können sich vorstellen, in Zukunft Sprachassistenten für Smart-Home-Anwendungen zu nutzen. Vor allem jüngere Nutzer (18 bis 39 Jahre) sehen darin eine sinnvolle Verwendung.

Ein wesentliches Potenzial von Sprachassistenten liegt darüber hinaus in Weiterbildungs-Angeboten: 49 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, Sprachassistenten z.B. zum Lernen von Fremdsprachen zu verwenden. Ein geringes Nutzungspotenzial von Amazon Alexa & Co. sehen Deutsche hingegen in Shopping-Dienstleistungen. Lediglich 15 Prozent möchten Sprachassistenten zukünftig für den Kauf von den Produkten und Waren nutzen, nur 9 Prozent hält die Buchung von Reisen und Hotels über Voice-Assistant-Anwendungen für sinnvoll.

Die Studie von nextMedia.Hamburg zeigt, dass Deutsche durchaus Interesse an Sprachassistenten und der Kommunikation mit Künstlicher Intelligenz haben. Ein Großteil hält die Durchsetzung von Sprachassistenten jedoch erst in ein paar Jahren für realistisch und ist sich deren Nutzen zum jetzigen Zeitpunkt noch unschlüssig. Um zukünftig mehr Nutzer für Sprachassistenten zu gewinnen, erscheint es dabei zum einen sinnvoll, das Angebot an Diensten zu erweitern und die technischen Möglichkeiten zu verbessern. Zum anderen ist es notwendig, beim Thema Datenschutz mehr Transparenz und Vertrauen zu schaffen.

Diese repräsentative Studie wurde zwischen dem 31. Januar und 6. Februar 2018 und im Vorfeld des Voice Assistant Day der Hamburg Media School durchgeführt.

Was riecht denn da? – Elektronische Nase erkennt unterschiedliche Gerüche

Die elektronische Nase nimmt wie die menschliche Nase komplexe Gasgemische – also Gerüche – wahr und kann sie anhand spezifischer Signalmuster erkennen. (Foto: Amadeus Bramsiepe, KIT)

Die elektronische Nase nimmt wie die menschliche Nase komplexe Gasgemische – also Gerüche – wahr und kann sie anhand spezifischer Signalmuster erkennen. (Foto: Amadeus Bramsiepe, KIT)

Frisch gemahlener Kaffee, Popcorn, Bioabfall oder Rauch – im Laufe unseres Lebens lernen wir die verschiedensten Gerüche kennen und können sie dank unserer Nase unterscheiden, auch ohne die Quelle des Geruchs zu sehen. Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben in dem Projekt smelldect einen Sensor entwickelt, dem man die unterschiedlichsten Gerüche beibringen kann. Die „elektronische Nase“ soll alltagstauglich sein und mögliche Gefahren wie schwelende Kabel oder verdorbene Lebensmittel früher als ein Mensch erschnuppern.

Die Nase des Menschen besteht aus etwa zehn Millionen Riechzellen, mit rund 400 unterschiedlichen Geruchsrezeptoren. Diese Rezeptoren nehmen die Gerüche wahr und erzeugen ein spezifisches Signalmuster. Das Gehirn ordnet das Signalmuster einem bestimmten Geruch zu. „Wir haben uns die biologische Nase als Vorbild genommen“, sagt Dr. Martin Sommer, der das Projekt smelldect am Institut für Mikrostrukturtechnik des KIT betreut. „Bei unserer elektronischen Nase reagieren Nanofasern auf komplexe Gasgemische – also Gerüche – und bilden ebenfalls Signalmuster, anhand derer der Sensor diese erkennt.“ Das Ziel von smelldect ist, einen preiswerten massen- und alltagstauglichen Geruchssensor zu entwickeln.

Die elektronische Nase ist nur wenige Zentimeter groß.

Sie enthält die gesamte Betriebselektronik, inklusive der Technologie zur Auswertung der Gase. Die „Nase“ besteht aus einem Sensorchip, auf dem Nanodrähte aus Zinndioxid auf vielen einzelnen Sensoren angebracht sind. Spezifische Signalmuster errechnet der Chip über die Widerstandsänderungen der Einzelsensoren. Diese hängen von den Molekülen aus der Umgebungsluft ab, sind für verschiedene Gerüche jeweils unterschiedlich – und damit charakteristisch und wiedererkennbar. Wurde dieses Muster vorher in den Chip eingelernt, kann es der Geruchssensor innerhalb von Sekunden erkennen.

Um das Verfahren in Gang zu bringen, setzen die Forscher auf eine in das Sensorgehäuse integrierte Leuchtdiode, welche die Nanodrähte mit UV-Licht bestrahlt. Dadurch sinkt der ursprünglich sehr hohe elektrische Widerstand des Zinndioxids soweit, dass Änderungen von diesem – hervorgerufen durch die für den Geruch verantwortlichen und auf der Zinndioxid-Oberfläche angelagerten Moleküle – überhaupt erst ermittelt werden können. „Nimmt der Sensor einen Geruch wahr, sinkt der Widerstand noch weiter. Verschwindet der Geruch, dann stellen sich die ursprünglichen Verhältnisse mit entsprechend hohem elektrischen Widerstand wieder ein, sodass die „Nase“ für weitere Geruchsmessungen bereit ist“, sagt Sommer.

Der Sensorchip kann eine Vielzahl unterschiedlicher Gerüche erlernen und ist damit vielseitig einsetzbar

Ob im Haushalt zur Kontrolle der Raumluft oder als Brandmelder, beim Einkaufen, um zu erkennen, wie frisch Fisch oder Fleisch ist, in der Qualitätsendkontrolle beispielsweise von Honig oder als Nase für einen Roboter. „Die Schwierigkeit ist, dass Geruch nicht gleich Geruch ist. Eine Rose beispielsweise riecht bei Sonnenschein anders als bei Regen“, so der Physiker. „Deshalb trainieren wir die elektronische Nase momentan für spezifische Einsatzzwecke, die aber universell wählbar sind.“

Die Wissenschaftler des KIT wollen einen möglichst preiswerten Sensor entwickeln, um ihn massentauglich zu machen. „So könnte man die elektronische Nase in Zukunft beispielsweise in alle Elektrogeräte einbauen, um Kabelbränden vorzubeugen. Oder wir statten Smartphones damit aus. Jeder hätte dann beim Einkaufen seine eigene, hochsensible elektronische Nase dabei“, sagt Sommer.

Bei der industriellen Herstellung und dem Vertrieb unterstützen die Projektpartner JVI-Elektronik und FireEater das KIT. Beide haben bereits 2015 zusammen mit dem KIT im EU-Projekt „SmokeSense“ einen intelligenten Brandmelder auf Basis einer elektronischen Nase entwickelten. Er spürt Schwel- und Brandgase auf und bietet eine zuverlässige Analyse, um welches brennende Material es sich handelt.

 

 

Bedrohen Roboter und Co. Arbeitsplätze in Deutschland?

(Bildquelle: DIVSI)

(Bildquelle: DIVSI)

Die Menschen in Deutschland haben mehrheitlich ein banges Gefühl bei der Vorstellung, dass in Zukunft viele Arbeitsplätze von Robotern, künstlicher Intelligenz oder Algorithmen übernommen werden könnten. 60 % von ihnen bereitet dieser Gedanke Sorge. Gleichzeitig sieht eine Mehrheit der Bevölkerung von 54 % aktuell mehr Risiken als Chancen durch die Automatisierung von Arbeitswelten. Das sind die Kernaussagen einer aktuellen Umfrage des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), realisiert von dimap.

DIVSI-Direktor Matthias Kammer zu den Umfrageergebnissen: „Niemand kann heute mit Sicherheit voraussagen, wie sich der fortschreitende Einsatz automatisierter Technik letztlich auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. Umso mehr sind wir alle bereits jetzt gefordert, jeden Einzelnen mit geeigneten Mitteln fit für die Zukunft in einer technologiebasierten Welt zu machen. Nur dann lassen sich offenbar vorhandene Ängste abbauen.“

Tatsächlich scheint aktuell der Schulabschluss den Blick auf die Übernahme von Tätigkeiten durch Technik zu prägen. Die Umfrage zeigt, dass Menschen mit höherem Bildungsgrad weniger besorgt auf Folgen der Automatisierung schauen. Ihnen bereitet mehrheitlich der Gedanke keine Sorgen, dass Roboter und Co. Arbeitsplätze übernehmen könnten (51 %). Und 60 % von ihnen erklären, in dieser Entwicklung mehr Chancen als Risiken zu sehen. Im Gegensatz dazu blickt eine Mehrheit der Bevölkerung mit niedrigem (62 %) und mittlerem Bildungsabschluss (66 %) sorgenvoll darauf, dass technische Innovationen menschliche Tätigkeiten übernehmen könnten.

Technische Details der Umfrage: Befragt wurden in der ersten Hälfte des April 2018 insgesamt 1005 in Deutschland lebende Menschen ab 14 Jahren. Die Interviews wurden telefonisch nach einer repräsentativen Zufallsauswahl geführt.

 

Social-Media-Nutzer räumen Freundesliste auf: Fast jeder Zweite entfolgt und entfreundet regelmäßig

Entfernte Bekannte, Freunde, mit denen man sich auseinander gelebt hat, oder Influencer, deren Themen nicht mehr zu den eigenen Interessen passen: Fast jeder zweite Social-Media-Nutzer (46 Prozent) prüft regelmäßig seine Kontakte in sozialen Netzwerken und entfreundet oder entfolgt einigen davon wieder.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Für den Trend, die eigenen Geräte aufzuräumen und online in den sozialen Netzwerken auszumisten, gibt es bereits einen eigenen Namen: Digital Declutter. Das Alter spielt dabei keine Rolle. So geben 47 Prozent der 14- bis 29-Jährigen, 46 Prozent der 30- bis 49-Jährigen und 45 Prozent der 50- bis 65 Jährigen an, regelmäßig online aufzuräumen.

„Wir vernetzen uns online miteinander, aber nicht zwingend für ein Leben lang. Das digitale Aufräumen kann den normalen Frühjahrsputz ergänzen“, sagt Linda van Rennings, Social-Media-Expertin beim Bitkom. „Es gibt Menschen, denen es vor allem darum geht, online viele Kontakte vorweisen zu können und andere, die sich – so wie im echten Leben auch – digital trennen, wenn man sich auseinander entwickelt hat.“

Über die Kontakte in sozialen Netzwerken hinaus gibt Bitkom fünf Tipps für den digitalen Frühjahrsputz

 Desktop

Wer einfach starten möchte und den Bildschirmhintergrund vor lauter Icons nicht mehr sieht, nimmt sich zuerst den eigenen Desktop vor. Keine Ahnung wohin mit den Dateien? Dann ist es vielleicht an der Zeit, sich ein Ablagesystem zu überlegen und Dateien und Verknüpfungen zu löschen, die ausgedient haben. Cloud-Lösungen können ebenfalls eine Möglichkeit sein, für Ordnung zu sorgen. Ausgeklügelte Suchfunktionen helfen nicht nur beim Suchen, sondern auch beim Sortieren.

E-Mails

Mit wenigen Schritten lässt sich Ordnung in den Posteingang bringen. Dazu gehört, den Gelöscht- und Spam-Ordner zu bereinigen, sich mit wenigen Klicks von allen Newslettern abzumelden, die einen nicht mehr interessieren, und Mails direkt nach dem Lesen und Bearbeiten zu löschen, wegzusortieren oder zu archivieren. Wer am Ende des Tages einen leeren Posteingang hat, kann befreit in den nächsten Tag starten.

Kontakte

Zum digitalen Frühjahrsputz gehört auch, einmal alle Kontakte aus der Vergangenheit durchzugehen. Mitunter hat man mit dem Schulfreund zuletzt in der Schule geredet und kein Interesse mehr an einem Kontakt, regt sich über die Beiträge der Bekannten eines Bekannten ohnehin nur auf oder verfolgt den YouTuber gar nicht mehr, von dem man vor Jahren noch jedes Video angeschaut hat. Auch Fake-Follower lassen sich mit Online-Tools identifizieren und ausmisten.

Apps

Smartphone- und Tablet-Nutzer können beim digitalen Frühjahrsputz auch die Apps durchgehen, die sie nicht mehr benutzen und diese deinstallieren. Nicht nur, dass man dann wieder etwas mehr Speicher auf dem Gerät hat, manche Apps verbrauchen je nach Betriebssystem im Hintergrund, auch wenn sie nicht aktiv benutzt werden, Energie oder verbinden sich mit dem Internet.

Fotos

4000 Bilder und mehr sind auf dem Smartphone heute keine Seltenheit mehr. Darunter tummeln sich häufig Messenger-Bilder, die automatisch in der Galerie landen, und Screenshots, die die wenigsten regelmäßig durchgehen, etwa eine alte Bahnverbindung. Wer nach all dem Digital Declutter noch Lust hat, kann die Fotos in der Galerie sichten und löschen. Für besonders schöne Schnappschüsse lohnt es sich eventuell, ein Fotoalbum anzulegen.

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Online-Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.212 Internetnutzer ab 14 Jahren befragt, darunter 1.011 Social-Media-Nutzer (83 Prozent). Die Fragestellung lautete: „Prüfen Sie regelmäßig Ihre Kontakte in sozialen Netzwerken und entfreunden bzw. entfolgen Kontakten wieder?“

Bündnis zwischen Internetwirtschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen gegen europäische Upload-Filter-Regelung

In einem Offenen Brief an die geschäftsführende Bundesregierung sowie an Europaabgeordnete aus Deutschland fordern Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft und der Internetkultur ein klares Bekenntnis zum Einsatz gegen die von der EU-Kommission geforderten automatisierten Filtersysteme für Online-Plattformen, die mit nutzergenerierten Inhalten arbeiten.

 

Ein breites Bündnis vom Digitalverband Bitkom, Verbraucherzentrale Bundesverband, Wikimedia Deutschland, der Bundesverband Deutsche Startups, der Bundesverband Digitale Wirtschaft, der Bundesverband IT-Mittelstand, Bundesverband mittelständische Wirtschaft Unternehmerverband Deutschland, der Chaos Computer Club, D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt, der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur, der Deutsche Gründerverband, die Digitale Gesellschaft, eco – Verband der Internetwirtschaft, Jugendpresse Deutschland und Open Knowledge Foundation Deutschland sieht in der von der Kommission vorgeschlagenen Regelung eine akute Bedrohung der Vielfalt und Freiheit des Internets.

Egal ob Text, Bild oder Videobeitrag, sämtliche Inhalte einzelner Internetnutzenden sollen dem EU-Reformvorschlag nach bereits vor dem Hochladen (Upload) auf vermeintliche Urheberrechtsverletzungen geprüft und solche, die als potenziell rechtsverletzend maschinell erkannt werden, blockiert werden.

Die Upload-Filter bilden das zentrale Element des EU-Reformvorstoßes zur Erneuerung des Urheberrechts im digitalen Binnenmarkt. Von der Maßnahme betroffen wären alle Plattformen, die Inhalte Dritter speichern. Dies bedeutet eine radikale Abkehr von den bestehenden Regelungen zum Umgang mit Urheberrechtsverletzungen im digitalen Raum. Konkret werden den aktuellen Maßnahmen zur differenzierten Rechtsprüfung maschinelle Systeme entgegengesetzt. Dazu der Offene Brief: „Komplizierte Abwägungen, was erlaubt ist und was nicht, sei es Kritik, Satire oder Kunst, können automatisierte Filter nicht vornehmen.“

 Upload-Filter bedroht Meinungsfreiheit und Vielfalt

Aus Sicht der Unterzeichner ist die Folge ein erhöhtes Risiko fälschlicher Upload-Verbote, die langfristig eine unverhältnismäßige Einschränkung von Verbraucherrechten und eine Bedrohung der Vielfalt und Innovation im Internet darstellen. So erinnert der Offene Brief sowohl an das Bekenntnis der EU-Kommission zur Startup-Förderung wie auch an die dementsprechenden Verlautbarungen der Bundesregierung.

„Netzweite automatisierte Vorfilterung von Uploads würde nicht nur die Entstehung und Verbreitung Freien Wissens massiv behindern, sondern könnte gerade für kleinere Projekte auch finanziell existenzgefährdend werden und würde allgemein die Meinungsfreiheit im Netz gefährden”, führt Abraham Taherivand, Geschäftsführender Vorstand von Wikimedia Deutschland aus.

„Bei einer Einführung von Mechanismen wie Upload-Filtern wäre die Vielfalt von Plattformen und Inhalten im Internet bedroht. Damit sinkt die Wahlfreiheit für Verbraucher. Das darf nicht passieren“, ergänzt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. „Was so harmlos als Upload-Filter daherkommt, ist faktisch eine maschinelle Zensur im Internet. Die Kommission hat bei ihrem Vorschlag jegliches Augenmaß verloren und versagt bei dem Versuch, das Recht auf freie Meinungsäußerung einerseits und das Recht der Urheber andererseits gegeneinander abzuwägen”, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Diese Bedenken teilen nicht allein die Unterzeichnenden des Offenen Briefes. Auch die Spitzen von CDU, CSU und SPD haben sich im Entwurf zum Koalitionsvertrag klar gegen Upload-Filter ausgesprochen. So heißt es in dem Dokument: „Eine Verpflichtung von Plattformen zum Einsatz von Upload-Filtern, um von Nutzern hochgeladene Inhalte nach urheberrechtsverletzenden Inhalten zu ‘filtern’, lehnen wir als unverhältnismäßig ab.” In diesem Sinne fordert das Bündnis verbindliche Zusagen für eine zukunftsgerichtete Digital- und Urheberrechtspolitik auf nationaler und europäischer Ebene und somit einen klaren Einsatz gegen Upload-Filter.

Große Mehrheit für Künstliche Intelligenz in der Polizeiarbeit

Mit Künstlicher Intelligenz Verbrechen voraussagen und verhindern – in der Polizeiarbeit ist das keine Science-Fiction mehr. Und die Mehrheit der Deutschen befürwortet solch ein Szenario. Sechs von zehn Bundesbürgern (61 Prozent) finden es sinnvoll, per KI Straftaten zu prognostizieren und so eine bessere Polizeipräsenz an potenziellen Tatorten zu ermöglichen.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Künstliche Intelligenz kann der beste Freund und Helfer für Polizei und Ermittlungsbehörden werden“, sagt die Bitkom-Sicherheitsexpertin Teresa Ritter. „Mit KI lassen sich Straftaten wie Wohnungseinbrüche auf bestimmte Muster hin analysieren, wodurch Wahrscheinlichkeiten für mögliche Tatorte und Tatzeiten berechnet werden können.“

Noch besser fänden es die Bundesbürger, KI bei der Bekämpfung der Finanzkriminalität einzusetzen – also etwa Muster von verdächtigen Geldflüssen zu identifizieren und damit Geldwäsche zu verhindern.

Neun von Zehn (92 Prozent) finden dies sinnvoll. Knapp zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) befürworten eine intelligente Gesichtserkennung, die bei der Fahndung nach Schwerkriminellen Videoaufnahmen zum Beispiel von Bahnhöfen oder öffentlichen Plätzen analysiert. Drei von zehn Bundesbürgern (31 Prozent) fänden es zweckmäßig, wenn intelligente Roboter in der Polizeiarbeit eingesetzt würden.

„Quer durch alle Altersklassen halten Menschen den Einsatz von KI in der Polizeiarbeit für sinnvoll. Wichtig ist, dass in einem so sensiblen Bereich strenge Auflagen gelten und ein Missbrauch der Technologie durch engmaschige Kontrollen ausgeschlossen wird“, so Ritter. „Ein KI-System kann Polizisten nicht ersetzen. Es kann den Behörden aber helfen, Menschen besser zu schützen.“

Wie künstliche Intelligenz bei der Beurteilung von Sicherheitslagen hilft und Finanzbetrug vorbeugen kann, ist auch Thema beim ersten AI Summit des Bitkom am 1. März in Hanau. Dort kommen Entscheider aus Großunternehmen, Mittelständlern und Start-ups mit KI-Experten, Wissenschaftlern und Politikern zusammen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur konkrete Anwendungsfälle aus dem Bereich Sicherheit, sondern Praxisbeispiele aus allen bedeutenden Wirtschaftszweigen. Alle Informationen zum AI Summit online unter https://www.big-data.ai/de/ai-summit

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.008 Bundesbürger ab 14 Jahren telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Frage lautete: „Bitte sagen Sie mir für die folgenden Anwendungsbereiche, ob Sie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz dort für sehr sinnvoll, eher sinnvoll, weniger sinnvoll oder überhaupt nicht sinnvoll halten.“

Cyberkriminalität: Jeder Vierte fürchtet Kamera-Spione

 Versteckte Beobachter in den eigenen vier Wänden zu haben – eine Horrorvorstellung für die meisten Menschen. Für Cyberkriminelle bieten Kameras in Computern und Handy genau das: ein mögliches Einfallstor, um Personen auszuspionieren. Viele Menschen wollen sich gezielt dagegen schützen. So deckt jeder vierte Nutzer (27 Prozent) von Laptops, Tablet-Computern und Smartphones die Kamera seines Geräts bewusst ab. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Der unerwünschte Blick ins Wohnzimmer

„Wenn Hightech-Geräte mit Schadprogrammen infiziert sind, können Cyberkriminelle die integrierten Kameras zur ungewollten Überwachung einsetzen“, sagt Dr. Nabil Alsabah, Referent für IT-Sicherheit beim Bitkom. „Wer ganz sicher gehen will und die Gerätekamera kaum nutzt, kann die Linse der Kamera auch abkleben.“ Der Komfort bei der Gerätenutzung werde dadurch aber eingeschränkt.

Doch die große Mehrheit der Gerätenutzer entscheidet sich dagegen. Zwei von Drei (69 Prozent) lassen ihre Kameralinsen unbedeckt. Vor heimlichen Kameraaufnahmen fürchten sich vor allem jüngere Nutzer. Mit 38 Prozent verdeckt mehr als jeder Dritte der 14- bis 29-Jährigen die Linse seines Laptops, Tablet-Computers oder Smartphones. Mit steigendem Alter nehmen diese Bedenken immer mehr ab. Verdecken bei den 50- bis 64-Jährigen noch 23 Prozent der Gerätenutzer ihre Linsen, so sind es bei den über-65-Jährigen nur noch 13 Prozent.

„Nutzer sollten die Software ihrer Geräte immer auf dem aktuellsten Stand halten, um möglichen Sicherheitslücken vorzubeugen“, so Alsabah. Bei verdächtigen Aktivitäten sollte ein Gerät mit Viren-Scannern auf Schadprogramme überprüft werden. „Die letzte Option ist immer, ein infiziertes Gerät zu formatieren, was alle Daten auf den internen Speichern löscht und Schadprogramme entfernt.“

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.166 Personen ab 14 Jahren befragt, die privat einen Computer oder ein Smartphone nutzen. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellungen lautete: „Decken Sie Ihre Kameras an Laptops, Tablets oder Smartphones gezielt ab, um sich vor Angriffen von Hackern und Internetkriminellen zu schützen?“