Category Archives: Digitale Medienkultur – xethix Diskurs

Social Media: Die Mär vom Dialog

WP_001268Dialog ist alles. Oder? Mit dem explosiven Erfolg von Online-Netzwerken überschlug sich die Kommunikationsbranche mit gewagten Prognosen. Vom neuen Zeitalter des Dialogs war die Rede. Von Partizipation und Kundengesprächen auf Augenhöhe. Aber wird dieser Anspruch heute wirklich gelebt? Ist es überhaupt sinnvoll, alle Schalter auf Dialog zu stellen?

komm.passion hat nachgehakt und in einer explorativen Studie die Sprache professioneller Facebook-Seiten untersucht. Das Ergebnis dieser – zugegeben subjektiven – Auswahl: Wenn überhaupt, spielt Dialog eine Nebenrolle. Aber das muss kein Defizit sein.

Wenig erforscht

Social Media haben die digitale Welt verändert. Sie ist schneller, interaktiver und mobiler als je zuvor. Allein Facebook hat in Deutschland 30 Millionen aktive Nutzer. Drei Viertel loggen sich jeden Tag ein. Sie veröffentlichen, teilen und kommentieren Inhalte, äußern sich zu relevanten wie banalen Themen. Die professionelle Kommunikation muss Schritt halten: Sie beobachtet und macht sich sichtbar, sie agiert und reagiert.

Die wissenschaftliche Forschung zur Unternehmenskommunikation im Social Web steht noch am Anfang. Vor allem die sprachlichen Aspekte sind bislang kaum beleuchtet. Deshalb haben komm.passion-CEO Prof. Dr. Alexander Güttler und Andreas Brüser, Berater bei komm.passion und Doktorand an der Universität Münster, gefragt: Was macht professionelles Sprechen im Social Web aus? Und: Steht der offene Austausch mit Usern wirklich an erster Stelle? Die komplette Studie erscheint im Springer-Handbuch „Sprache in den Public Relations“, herausgegeben von Cathrin Christoph und Annika Schach.

Impuls statt Dialog

„Branchen-Websites und Praxis-Ratgeber sprechen oft vom ‚König Dialog‘“, sagt Andreas Brüser. „Das wollten wir mit unserer Forschung hinterfragen und an der Realität prüfen.“ Dazu hat komm.passion exemplarisch die Facebook-Auftritte von EDEKA, Volkswagen und Amazon analysiert.

Mit einem klaren Ergebnis: „Die Seiten funktionieren nicht als Dialogplattformen, sondern als Impulsstrecken, die immer wieder Anlass zur Beschäftigung mit dem Unternehmen, den Produkten und Angeboten bieten“, sagt Alexander Güttler. „Vom oft geforderten Primat der Pull-Kommunikation kann hier nicht die Rede sein.“

Die Studie analysiert die Sprache von 238 Facebook-Posts aus dem vierten Quartal 2016 (Volkswagen: 103, Amazon: 66, EDEKA: 68). Als Vergleichsfolie dienen 197 Pressemitteilungen der Unternehmen aus demselben Zeitraum (Volkswagen: 62, Amazon: 71, EDEKA: 64). Im Fokus stehen unter anderem die Textthemen- und Nachrichtenwertanalyse sowie die Frage nach der Textstilistik.

Produkte und Marketing-Themen

Bei der Themenwahl gibt es klare Schwerpunkte und Unterschiede zwischen der Facebook- und Pressekommunikation. In einem von zwei Volkswagen-Posts geht es um Produktthemen wie etwa technische Eigenschaften oder andere Kaufaspekte. Amazon bewirbt in drei von vier Posts Handelsangebote und Marketingaktionen. Auch EDEKA legt den Fokus auf Marketing-Themen, wobei Dialog und Kontakt hier eine etwas größere Rolle spielen.

 

(Bild: komm.passion)

(Bild: komm.Passion)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei den Pressetexten rücken News zum Unternehmen bei Volkswagen und vor allem EDEKA stärker in den Blick. Zudem sprechen alle Unternehmen hier eher über CSR (Corporate Social Responsibility) als auf Facebook. Dialog und Kontakt spielen hingegen überhaupt keine Rolle. Sowohl bei Volkswagen als auch Amazon stimmen die Top-Themenkategorien auf Facebook und in der Pressearbeit überein.

„Bereits die Themenanalyse lässt vermuten, dass Facebook für die untersuchten Unternehmen vor allem ein verlängerter Werbe- und Push-Kanal ist“, sagt Andreas Brüser. „In der Pressearbeit geht es bei Volkswagen und EDEKA eher um klassische PR-Themen, während Amazon auch hier häufig pure Marketinginhalte bringt.“

Kaum Nachrichtenwert

Nachrichtenfaktoren, also journalistische Auswahlkriterien für News wie Aktualität, Status und Nähe, spielen bei den Facebook-Texten eine viel geringere Rolle als in der Pressearbeit. Während drei von vier VW-Pressemitteilungen einen Nachrichtenwert haben, ist das nur bei einem von zehn Posts der Fall.

Bei Amazon und EDEKA ist das Verhältnis ähnlich, wobei EDEKA-Pressetexte etwas öfter News Value bieten. Das Unternehmen legt viel Wert auf regionale Informationen, was sicher der genossenschaftlichen Struktur geschuldet ist. „Das Fehlen des Nachrichtenwerts auf Facebook könnte als Signal verstanden werden, dass hier Dialog wichtiger ist als die Übermittlung von Informationen“, sagt Alexander Güttler. „Dass dies aber nicht so ist, zeigt die Analyse der Textstile.“

 

(Bild: komm.passion)

(Bild: komm.passion)

 Ratgeber scheitern an der Realität

Die sprachwissenschaftliche PR-Forschung unterscheidet nach Dr. Annika Schach, Professorin für angewandte Public Relations an der Hochschule Hannover, zwischen vier Textstilen:

  • Informativ (sachlich, beschreibend) – Beispiel Nachricht
  • Imageprägend (argumentativ, werbesprachlich) – Beispiel Imagebroschüre
  • Dialogorientiert (fragend, auffordernd) – Beispiel Diskussionsfrage
  • Obligativ (selbstverpflichtend) – Beispiel Code of Conduct

Die gängige Ratgeberliteratur zum „richtigen“ oder „erfolgreichen“ Schreiben empfiehlt zwei Texttypen: den dialogorientierten Social-Media-Text, der zum offenen Austausch mit Usern anregt, und die sachlich-beschreibende Pressemitteilung, die sich an journalistischen Standards orientiert. Glaubt man den Websites und Büchern, müssten die untersuchten Facebook-Posts also dem dialogorientierten Stil folgen und die Pressetexte dem informativen. Aber in der Praxis sieht das anders aus.

Fast zwei Drittel der Posts von Volkswagen und Amazon sind rein imageprägend, orientieren sich also an der Werbesprache. Bei EDEKA ist der Anteil kleiner. Dabei legt das Unternehmen mehr Wert auf Information als auf Dialog. Nur zwei von fünf Posts von Volkswagen und EDEKA sowie einer von fünf Amazon-Texten sind rein dialogorientiert. In einigen Fällen kombinieren die Posts auch imageprägende und dialogorientierte Aspekte.

Ein Beispiel ist dieser Volkswagen-Text vom 22. November 2016, der als Teaser auf eine neue Produkt-Website verlinkt. Er verbindet eine klassische Push-Sendung mit der Aufforderung zur kommunikativen Reaktion:

„Nicht mehr wegzudenken – der neue Golf mit Facelift. Wie gefällt er euch? #vwgolf #volkswagen. Mehr dazu: golf.volkswagen.com/de/de/index.html= soc-qb.“

 

 Pressetexte im Marketingsprech

Auch die Pressemitteilungen weichen zum Teil stark vom sachlich-informativen Idealtyp der Ratgeberliteratur ab. Während bei Volkswagen noch knapp über die Hälfte der Texte rein informativ sind, trifft das nur auf 45 Prozent der Amazon- und 39 Prozent der EDEKA-Pressemitteilungen zu. Neben der Kombination von informativen und imageprägenden Elementen spielt gerade bei EDEKA der rein imageprägende Stil mit 34 Prozent eine wichtige Rolle. Ein Beispiel dafür ist der folgende Auszug aus einem Pressetext vom 25. Oktober 2016, der mit vielen Hochwertwörtern arbeitet:

„Meisterliche Leistung: Beim bundesweiten Wettbewerb um „Deutschlands beste Wurst-Theke 2016“ geht EDEKA Schwaiberger in der Neuburger Straße 104 in Passau als Sieger hervor. […] Zahlreiche Spezialitäten, konsequente Kundenorientierung und erstklassig geschultes Fachpersonal überzeugten die Kunden und Experten-Jury um Sternekoch Johann Lafer gleichermaßen. Sie wählten den Markt aus Passau in der gestrigen Finalrunde auf der Stromburg zur Nummer eins unter den zehn besten Wursttheken.“

Mehr Dialog gleich mehr Erfolg?

„Wir sind in den Social Media auf viel Produkt- und Marketingkommunikation gestoßen, auf geplante Impulsketten und immer wieder fröhlich inszenierte Dialog- und Pseudodialog-Aktionen“, sagt Alexander Güttler. Ist das nun gut oder schlecht? Das lasse sich so nicht beantworten. Denn es brauche zum einen mehr Daten und zum anderen sei nicht klar, wie die Botschaften bei den Rezipienten wirklich angekommen sind – beides Themen für weitere Untersuchungen.

Die Ergebnisse der Studie fasst der komm.passion-Chef so zusammen: „Wir haben es mit Unternehmen zu tun, die erfolgreich Produkte und Images verkaufen. Da ist es nicht verwunderlich, dass wir dies auch in der Social-Media-Kommunikation finden. In Expertendiskussionen hören wir immer wieder, dass das Internet erwachsen wird und dabei auch schlichtweg ‚normal‘.

Vermutlich haben wir in der Analyse ein weiteres Indiz dafür gefunden, was mit ‚normal‘ gemeint ist. Was nicht heißen soll, dass bei der Inszenierung von Themen und Dialogen sowie bei der Einbindung von Rezipienten in die Weiterentwicklung von Produkten und Unternehmen nicht noch Luft nach oben ist.“

Lern-Apps machen Kinder nicht klüger

Die meisten Bildungs-Apps für Kinder haben einen zu geringen Lerneffekt, wie eine neue Studie der Swinburne University zeigt. Laut Studienleiterin Kate Highfield sind viele Faktoren an den Apps zu verbessern: „Viele Applikationen haben einen zu einfachen Inhalt, deshalb wiederholen Kinder nur das, was sie schon wissen, anstatt Neues zu erlernen.“ Das berichtet „Pressetext“. … mehr

 

Das Ende des Plagiats – die Zukunft des geistigen Eigentums

20170516_Die_Zukunft_des_geistigen_EigentumsDie Marktbewertung von Unternehmen beruht zu fast 87 Prozent auf immateriellen Werten wie geistigen Eigentumsrechten und gewerblichen Schutzrechten (Intellectual Property / IP). Die zuständigen Behörden weltweit wie Patent- und Markenämter können mit der ständig steigenden Menge an Schutzrechten kaum noch Schritt halten.

Auch Unternehmen müssen sich auf immer kürzere Innovationszyklen einstellen und deshalb immer schneller immer mehr anmelden. Künftig werden Unternehmen ihr geistiges Eigentum verstärkt eigenständig generieren, nutzen und letztlich auch schützen.

Technologien wie künstliche Intelligenz oder Blockchain

Technologien wie künstliche Intelligenz oder Blockchain ergänzen zunehmend die etablieren Schutzmechanismen von Behörden und Unternehmen. Innovation entsteht künftig immer stärker in der Interaktion mit dem Kunden. Kommunikation ist die Basis und Daten sind die Substanz für neues geistiges Eigentum.

Die Folge: der Tod des Plagiats.

Die Gemeinschaftsstudie „Die Zukunft des geistigen Eigentums“ des Trendforschungsinstituts 2b AHEAD und der Dennemeyer-Gruppe gibt 28 Strategieempfehlungen für Unternehmen, die das Potenzial ihres geistigen Eigentums voll ausschöpfen wollen.

„Die Digitalisierung wird auch das Management des geistigen Eigentums in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Für Unternehmen bieten Technologien wie Blockchain oder künstliche Intelligenz Chancen“, erläutert Dr. Sevim Süzeroglu-Melchiors, Leiterin der IP-Beratung Dennemeyer Consulting. „Sie können sich bei immer mehr Aufgaben von intelligenten Technologien unterstützen lassen, um so von der ständig wachsenden Zahl an Schutzrechten wie Patenten, Marken, Designs oder Gebrauchsmustern nicht überfordert zu werden.“

Das ist eines der Ergebnisse der neu veröffentlichten Trendstudie „Die Zukunft des geistigen Eigentums“ des Leipziger Trendforschungsinstituts 2b AHEAD ThinkTank und der Dennemeyer-Gruppe, einem Full-Service-Dienstleister für die IP-Branche. Die Studie zeigt, wie Unternehmen durch den Einsatz von Technologie in Zukunft geistiges Eigentum generieren, managen, schützen und nutzen.

Sie zeigt aber auch, wie das bestehende Schutzrechtssystem dadurch unter Druck gerät. Die Studie gibt 28 präzise Strategieempfehlungen, wie IP-Manager, Patentanwälte und Innovationsverantwortliche aller Branchen ihre Zukunft aktiv gestalten können. Die qualitative Delphi-Studie basiert auf den Aussagen ausgewählter Experten. Sie sind Wissenschaftler, Patentanwälte mit unterschiedlichen Branchenspezialisierungen, Innovationsleiter und Technologieanbieter.

Der Wandel des Schutzrechtssystems

Die Studie stellt fest: Die Innovationszyklen der Unternehmen werden kürzer, die Entwicklungsgeschwindigkeit steigt. Unternehmen bringen immer schneller neue Produkte auf den Markt. Konträr dazu dauert ein durchschnittliches Patentverfahren 24 bis 30 Monate. Es entsteht ein Geschwindigkeitsgap, welches Patent- und Markenämter zunehmend unter Druck setzt.

„Sofern Patent- und Markenämter das Bedürfnis der Unternehmen nach Geschwindigkeit nicht bedienen, werden diese eigene Lösungen entwickeln. Sie werden auf der Basis neuer Technologien – wie etwa der Blockchain – Parallelsysteme herausbilden. Der IP-Sektor re-reguliert sich dann de facto selbst“, sagt Michael Carl, Managing Director Research & Analysis des 2b AHEAD ThinkTanks und einer der Autoren der Studie.

Know-how wird zum Erfolgsträger von Unternehmen

Eine zentrale Erkenntnis der Studie ist, dass der entscheidende Teil des geistigen Eigentums eines Unternehmens in den Köpfen der Mitarbeiter steckt. Ihr Know-how wird zum Erfolgsträger von Unternehmen.

Dabei treiben Projektarbeiterschaft und eine hohe Fluktuation in Unternehmen digitale Lösungen voran, um das benötigte Know-how im Unternehmen schneller und besser auszuwählen und letztlich zuverlässig zu speichern. „Die Voraussetzung dafür ist ein Omni-IP-Management. Vom Know-how über Schutzrechte bis hin zu allen weiteren Daten- und Informationspunkten wird hier das Wissen eines Unternehmens gespeichert, vernetzt, nutzbar gemacht und letztlich weiterentwickelt“, sagt Dr. Sevim Süzeroglu-Melchiors.

Geistiges Eigentum entsteht in Zukunft in der Interaktion mit dem Kunden.

Daten sind die Substanz des geistigen Eigentums der Zukunft. Der Kunde rückt in den Fokus der Produktentwicklung. Mit dem Internet der Dinge entstehen neue Orte, an denen Daten über den Kunden erhoben werden. Diese ermöglichen es, die Wünsche des Kunden zu erkennen und letztlich Produkte und Dienstleistungen an diese anzupassen.

Indem etablierte Anbieter diese neuen Möglichkeiten der Individualisierung bereits nutzen, zwingen sie auch ihre Wettbewerber dazu, diesen Schritt zu gehen. Tun sie dies nicht, wird der Kunde sie über kurz oder lang nicht mehr als relevant wahrnehmen. Michael Carl, erläutert: „Kunden erwarten individuelle Produkte, die sich laufend ihren Bedürfnissen anpassen. Eine Voraussetzung dafür ist eine stete Interaktion mit dem Kunden. Mit den Daten der Kunden entsteht das Produkt der Zukunft. Ausgehend vom geistigen Eigentum entsteht eine Produktklasse, die nicht mehr kopierbar ist.“

Der Tod des Plagiats

Ein Produkt wird in Zukunft in dem Moment fälschungssicher, in dem die Daten des Kunden direkt in das Produkt einfließen, dort verarbeitet werden und das Produkt sich automatisch den situativen Bedürfnissen des Kunden anpasst. Dr. Sevim Süzeroglu-Melchiors: „Indem Kunden Produkte nutzen und sich Produkte durch und während der Interaktion mit dem Kunden entwickeln, wird die Nutzung selbst zum Schutzmechanismus.“ Michael Carl ergänzt: „Eine aus Kundensicht wertvolle interaktive Lösung ist immer ein Original. Konkret bedeutet das den Tod des Plagiats.“

Internetkonsum hat sich binnen drei Jahren verdreifacht

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Bildquelle: AVG 2014

Das Smartphone ist immer dabei, Emojis und Video-Schnipsel sind das neue Telefonieren und YouTube-Stars die größten Idole: Kinder und Jugendliche in Deutschland sind immer früher, immer länger und immer mobiler im Netz unterwegs.

Während 2014 noch 39 Prozent der 6- bis 7-Jährigen angaben, zumindest gelegentlich das Internet zu nutzen, ist es heute bereits rund die Hälfte (48 Prozent). Auch die verbrachte Zeit im Internet stieg in diesem Zeitraum sprunghaft an, von 11 Minuten 2014 auf heute 39 Minuten täglich. Ähnlich sieht die Entwicklung bei den 8- bis 9-Jährigen aus.

Die verbrachte Zeit im Internet hat sich dabei binnen drei Jahren fast verdreifacht

Hier steigerten sich die Werte der Internetnutzer auf 81 (2014: 76) Prozent. Die verbrachte Zeit im Internet hat sich dabei binnen drei Jahren fast verdreifacht von damals 16 auf heute 43 Minuten. Deutlich öfter als noch vor drei Jahren nutzen Kinder und Jugendliche Smartphones und Tablets, oft sogar die eigenen.

Während vor drei Jahren erst 20 Prozent der 6- bis 7-Jährigen ein Smartphone beziehungsweise Handy nutzten, sind es jetzt 38 Prozent, die Tablet-Nutzung stieg gar von 28 auf 64 Prozent. Über ein eigenes Smartphone verfügen 67 Prozent der 10- bis 11-Jährigen (2014: 50 Prozent), ab 12 Jahren gehört das Gerät dann für so gut wie alle Jugendliche zur Standardausstattung.

Insgesamt betrachtet haben 87 Prozent der Kinder ab 10 Jahren ein eigenes Smartphone (2014: 79 Prozent), beim Tablet sind es 33 Prozent (2014: 17 Prozent). „Der Medien- und Internetkonsum von Kindern und Jugendlichen wird immer mobiler. Ins Internet ‚zu gehen‘ ist den Kindern von heute völlig fremd, sie sind ‚always on‘ – egal wo und egal wann“, sagte Bitkom-Vizepräsident Achim Berg bei der Vorstellung der Studie, für die 926 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren befragt wurden. „Die Generation Y ist in die entstehende digitale Welt reingewachsen. Die Generation Z ist nun die erste Altersgruppe, die vom Kindesalter an mit digitalen Technologien aufwächst.“

Das Smartphone wird bereits von den Jüngsten als mobiler Alleskönner eingesetzt.

88 Prozent nutzen es zum Telefonieren, es folgen Musik hören (83 Prozent), Messenger (82 Prozent), Kamera und Internet (je 78 Prozent) sowie andere Anwendungen (61 Prozent). Mehr als jeder Zweite (51 Prozent) sagt, dass er sich ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen kann. Allerdings ist das Smartphone in jeder vierten Familie offenbar auch Grund zur Diskussion. So sagen 26 Prozent der Smartphone-Nutzer im Alter von 10 bis 18 Jahren, dass es zu Hause oft Streit gibt, weil das Handy zu viel genutzt wird.

Im Unterschied zum Smartphone werden stationäre und sperrigere Geräte wie Computer und Laptop immer unbeliebter, genauso wie Geräte ohne Internetzugang. Einen eigenen Fernseher haben beispielsweise nur noch 32 Prozent (2014: 41 Prozent). Dafür wird der Smart TV immer beliebter: 2014 besaßen 7 Prozent einen Smart-TV, heute haben bereits 29 Prozent der Kinder und Jugendlichen einen internetfähigen Fernseher.

Im Internet wird aber zunehmend mobil gesurft. Während 2014 noch 46 Prozent mit dem stationären PC ins Internet gingen, sind es heute nur mehr 35 Prozent. Die Beliebtheit des Laptops zum Surfen sank im gleichen Zeitraum von 65 auf 49 Prozent. Tablet und Smartphone steigerten sich hingegen um 19 beziehungsweise 12 Prozentpunkte auf 48 und 77 Prozent.

Bei den sozialen Netzwerken und Messengern dominiert WhatsApp quer durch alle Altersgruppen: 72 Prozent der 10- bis 11-Jährigen nutzen den Chatdienst bereits. Bei den älteren Jugendlichen ab 14 Jahren ist es dann beinahe jeder (96 Prozent). Auch die Beliebtheit anderer Netzwerke steigt mit zunehmendem Alter deutlich. YouTube nutzen etwa jeder zweite 10- bis 11-Jährige (51 Prozent) und drei Viertel aller 16- bis 18-Jährigen (76 Prozent) zumindest ab und zu auch aktiv. Die hohe Beliebtheit der Sozialen Netzwerke zeigt sich auch darin, dass bereits mehr als jeder Dritte (36 Prozent) sagt, dass der eigene Lieblingsstar ein YouTube-Star ist.

Damit sind die sogenannten Social Influencer beliebter als Idole aus den klassischen Bereichen Sport (23 Prozent) und Schauspiel (18 Prozent). „Die ‚Generation Z‘ schafft sich ihre eigenen Idole. Social-Media-Stars wie Sami Slimani oder Dagi Bee faszinieren Teenager und haben ein Millionenpublikum“, so Berg. Das haben inzwischen auch Unternehmen erkannt. Internetstars tauchen zunehmend im klassischen Marketing, etwa in TV-Werbespots und Magazinanzeigen auf. „Immer öfter hören Eltern als Berufswunsch ihrer Kinder: YouTube-Star.“

Nicht nur das Phänomen Social-Media-Star profitiert vom „always on“ der Jugendlichen, auch Streaming-Anbieter wie Spotify oder Deezer haben Zulauf. Musik hörten 2014 noch 59 Prozent der jungen Generation online, mittlerweile sind es 66 Prozent. Damit hat das klassische Musikhören von CDs nur noch einen minimalen Vorsprung von 2 Prozentpunkten gegenüber dem Musikstreaming. Im Videobereich hat Streaming DVD und Blue-Ray bereits überholt.

Ihre Internetaktivitäten betrachten Kinder und Jugendliche recht reflektiert.

62 Prozent geben an, dass sie darauf achten, welche persönlichen Informationen sie über sich selbst ins Netz stellen. 54 Prozent sagen außerdem, dass sie darauf achten, welche Informationen, zum Beispiel Fotos oder Kommentare, über sie im Internet sichtbar sind. „Die meisten Jugendlichen gehen im Internet sorgsam mit persönlichen Informationen um. Dazu trägt auch die aktive Einflussnahme der Eltern bei“, sagte Berg.

Sechs von zehn der befragten Kinder und Jugendliche sagen, dass ihre Eltern sie darum bitten, nicht zu viel Privates preiszugeben. Beinahe ebenso vielen (57 Prozent) erklären die Eltern auch, was im Netz erlaubt ist und was nicht. Nur jeder Zehnte sagt, dass es die Eltern nicht kümmert, was er im Internet tut. „Gerade Kinder dürfen im Internet nicht allein gelassen werden. Wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder von Anfang an begleiten und unterstützen, indem sie gemeinsam mit ihnen in diese Welt eintauchen“, so Berg.

Darüber hinaus sollte die Vermittlung von Internetkompetenz aus Sicht des Bitkom einen festen Platz in den Lehrplänen der Schulen bekommen, um Kindern und Eltern Orientierung zu geben. Weitere Informationen und praktische Tipps vom sicheren Surfen im Web über kostenlose Jugendschutzprogramme bis hin zur Soforthilfe im akuten Mobbing-Fall bieten zahlreiche private und staatliche Initiativen.

Eine Übersicht mit den wichtigsten Hinweisen für Eltern und weiterführenden Links hat der Bitkom hier zusammengestellt.

Launch eines neuen Networking Events für die Medien – MPE-Media-Connect

Monika Frfr. v. Pölnitz-Egloffstein (Fotograf: Tino Zahedi)

Monika Frfr. v. Pölnitz-Egloffstein (Fotograf: Tino Zahedi)

Im Juni 2017 startet die bekannte Networkerin Monika Freifrau von Pölnitz Egloffstein (MPE) ihren neuen Event.

Bereits seit 21 Jahren vernetzt die Münchner Network-Unternehmerin Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, Politik, Kunst und Kultur und den Medien. Schon längere Zeit wurde sie angesprochen, ob sie nicht auch einen Event für die Medien-Szene anbieten könnte. Jetzt ist es so weit.

Gleich zu Beginn der FILMTAGE findet das „MPE-Media-Connect” am 20. Juni 2017 auf dem Bavaria Filmgelände, in München-Geiselgasteig, statt. Bereits viele namhafte Gäste haben sich zum Auftakt angemeldet.

Dieser Event vernetzt Schauspieler, Produzenten, Regisseure, Moderatoren, Redakteure und Fotografen aus Film und Fernsehen, sowie Profis der Presse und des Hörfunks. Auf die Teilnehmer wartet ein aufregendes Programm und die persönliche Vernetzung durch MPE.

Markus Vogelbacher, Julia Tanz und Bernie Stampfer (v.l.n.r.)

Markus Vogelbacher, Julia Tanz und Bernie Stampfer (v.l.n.r.)

Schon seit längerer Zeit nehmen Markus Vogelbacher und Bernie Stampfer, von der auf dem Bavaria Filmgelände ansässigen International Film Partners (IFP) Entertainment, an den MPE-EVENTS teil. Für den Launch des MPE-Media-Connect stellen sie ihr Unternehmen als Gastgeber zur Verfügung.

Zu Beginn des Abends wird es eine VIP-Bavaria-Filmtour geben – darauf folgen spannende Kurzvorträge aus der Branche, zum Thema Film und Entertainment.

 Das Bavaria Filmgelände eignet sich ideal zur Einführung des neuen Medien-Events.

„MPE-Media-Connect“ wird einmal im Jahr stattfinden – und die Medien-Szene zielgerichtet vernetzen.

Mehr dazu: www.mpe-poelnitz-egloffstein.com

info@mpe-poelnitz-egloffstein.com

Digitale AusZeit für Familie, Schule und Kita

„Mit Freude kündige ich den ersten analogen Cartoon-Kalender zur digitalen Mediennutzung für Kinder und Erwachsene in Familie, Schulen und Kitas an. Er ist bereits hier vorzubestellen und kommt im August/September 2017 in die Läden“ – schreibt Prof. Gerald Lembke auf seiner Webseite. „Damit unterstützte ich aktiv die Organisation von digitalen AusZeiten in den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen – so dass unsere Kinder wieder den Kopf frei(er) bekommen und sich geistig, seelisch und körperlich besser entwickeln können.“ … mehr

 

Fake News – die gehören zum Leben

Der ehemalige Datenschutzbeauftragte Peter Schhar schreibt auf „DIVSI“: In den Medien mehren sich Befürchtungen, die in diesem Jahr stattfindenden Wahlen in Europa könnten durch Fake News beeinflusst werden. Solche Befürchtungen erscheinen begründet – insbesondere vor dem Hintergrund des jüngsten US-Wahlkampfs. Vieles spricht dafür, dass der Erfolg der Wahlkampagne von Donald Trump auch durch den systematischen Einsatz des Instruments Fake News zu erklären ist. … mehr

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Buchtipp: Fragen zur Digitalisierung von A bis Z – Wie wir die neue Welt besser verstehen können

CoverIm Zeitalter der Digitalisierung ist nichts mehr, wie es war. Umso wichtiger ist es, den eigenen Orientierungssinn zu nutzen, um Antworten zu finden, die dabei helfen, Komplexität, Unsicherheiten und Ängste auszuhalten – und zu lernen, die Wirklichkeit besser zu verstehen.

Dazu müssen wir heute vieles gleichzeitig können: den analytischen Blick für die großen Zusammenhänge schulen, aber auch Details und Nebensächlichkeiten ernst nehmen sowie aktuelle gesellschaftliche technologische Entwicklungen berücksichtigen.

Dazu brauchen wir ein neues Denken, das in der Lage ist, viele Facetten und Perspektiven zu sehen, das große Ganze zu erfassen, aber auch ins Detail zu gehen und sich von alten Gewohnheiten und geistigem Ballast zu verabschieden. Je stärker sich Wirtschaft und Gesellschaft durch die Digitalisierung verändern, desto wichtiger ist es, die richtigen Fragen zu stellen. Denn mit Fragen beginnt die Zukunft, die wir nur begreifen, wenn wir uns ihr stellen.

Das Buch enthält neben einem alphabetisch angelegten Fragenkatalog zur Digitalisierung auch zahlreiche Literatur- und Linklisten, die bei der Suche nach Antworten ein wichtiger Wegweiser sind. Vieles bleibt allerdings auch unbeantwortet und soll zum weiteren Nachdenken anregen.

 Die Autoren

  •  Dr. Alexandra Hildebrandt ist Publizistin, Bloggerin und Nachhaltigkeitsexpertin.
  • Werner Landhäußer ist geschäftsführender Gesellschafter der Mader GmbH & Co. KG mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen.

Das Buch

Fragen zur Digitalisierung von A bis Z: Wie wir die neue Welt besser verstehen können, zu bestellen unter Amazon Media

Auflage 2017, eBook erhältlich bei Kindle Edition, 2,99 € (D)

xethix-Diskurs: Schutz der Integrität von journalistisch-redaktionellen Telemedienangeboten

Markus Schaffrin, Geschäftsbereichsleiter Mitglieder Services, eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V.

Markus Schaffrin, Geschäftsbereichsleiter Mitglieder Services, eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V.

Zum Gesetzesvorschlag „Schutz der Integrität von journalistisch-redaktionellen Telemedienangeboten“ des Zeitungsverlegerverbandes NRW sagt Markus Schaffrin, Sicherheitsexperte und Leiter Mitglieder Services im eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. :

„Adblocker erhitzen die Gemüter. Das Abwägen zwischen der Unabhängigkeit der Medienunternehmen, die auf werbefinanzierte Modelle angewiesen sind und der individuellen Selbstbestimmung der Leser ist herausfordernd. In dieser Diskussion darf die Politik aber nicht die Sicherheit der Internetnutzer vergessen, denn Kriminelle spielen über Werbeanzeigen Schadsoftware aus, das sogenannte Malvertising, und infizieren die Computer nichtsahnender Nutzer mit Schadcode. Malvertising ist nach der E-Mail der zweithäufigste Weg zur Verbreitung von Schadsoftware und verursacht jährlich hohe Schäden. Ein Verbot sollte daher sehr gründlich abgewogen werden.“

Weitere Informationen zu Adblockern und Hilfestellungen zum Thema IT-Sicherheit finden Sie unter: https://blog.botfrei.de/

Eltern haften für Kinder – auch im Internet sinnvoll?

Surfen im Internet   „Ist es Vater und Mutter zumutbar, ihre Kinder ans Messer zu liefern?“ – fragte der Anwalt der Familie rhetorisch im Prozess. „Schlimmer kann man den Familienfrieden nicht stören.“ Ein Bericht inder „Süddeutschen“. … mehr

 

Das Internet der Dinge ist kein Kindergeburtstag – Vier Tipps zu Anschaffung und Haltung eines Cloudpets

Der Smart-Toy Bär von Fisher Price.

Der Smart-Toy Bär von Fisher Price.

Der Siegeszug des Internet of Things scheint unaufhaltbar – ebenso wie die nachschwappende Sicherheitslückenwelle. Der Grund dafür ist die immer noch stiefmütterliche Behandlung bei der Absicherung der kleinen Minicomputer.

Der Trend macht vor keiner Branche halt und sorgte in der letzten Zeit vor allem bei Kinderspielzeug für Aufregung. Nachdem die Bundesnetzagentur vor kurzem die mit dem Internet verbundene Puppe Cayla vom deutschen Markt genommen hatte, stehen nun die „Cloudpets“ im Fokus.

Nach verschiedenen Berichten standen mehrere Hunderttausend Accounts ungeschützt im Netz und ließen Hacker so zum Beispiel ohne Probleme auf die von der Puppe aufgenommen Sprachnachrichten von Eltern und Nachwuchs zugreifen.

Was beim Internet der Dinge schief laufen kann

Hier haben wir nun ein weiteres, perfektes Bespiel, was beim Internet der Dinge alles schief gehen kann – in diesem Fall, weil die Backend-Systeme, mit denen die Spielzeuge verknüpft sind, nicht ausreichend oder vielleicht sogar gar nicht geschützt waren. Im Fall Cloudpets ist das besonders enttäuschend, da es quasi zum Nulltarif möglich gewesen wäre, die Datenbanken mit einem vernünftigen Passwort zu schützen. Solange die Hersteller von IoT-Geräten Sicherheit und damit die Privatsphäre der Anwender nicht ernst nehmen, muss man davon ausgehen, dass solch feindliche Übernahmen kein Einzelfall bleiben.

Doch auch als Anwender muss man die IoT-Welle nicht völlig unbedarft „mitsurfen“ und sollte sich über einige Fakten bewusst sein. Für die Preise, die beispielsweise IoT-fähige Spielzeuge kosten, ist es unmöglich, ausreichend Computing-Power zu integrieren, um das Gerät unabhängig interagieren zu lassen. Die Folge ist die ständige Verbindung mit dem Internet und das Hin- und Herschicken von Daten jeglicher Art, um Herauszufinden, was die Stimme aus dem Off denn nun eventuell gesagt hat.

Das Bewusstsein für konstante Überwachung ist schwach ausgeprägt

Das Bewusstsein für konstante Überwachung dieser Art ist schon bei Erwachsenen oftmals schwach ausgeprägt und bei Kindern nochmals weniger vorhanden.

Hier gilt es, verantwortungsvoll zu handeln und jegliches Onlinestellen neuer Geräte gründlich zu überdenken. Das Motto sollte lauten: „Wenn es Zweifel gibt, lieber lassen!“

Und wenn es dann doch das neueste Gadget sein soll, bitte folgendes beachten

 Halten Sie Ihr Online-Netzwerk exklusiv

  •      Verbinden Sie keine Geräte mit Ihrem Online-Netzwerk, wenn es nicht nötig ist.
  •      So muss der TV zum Beispiel nicht übers WLAN laufen, wenn dort sowieso nur
  •      Fernsehen via Kabel oder Antenne geguckt wird.

 Gastnetzwerk für IoT-Geräte einrichten

Falls Ihr WiFi-Router es ermöglicht, verschiedene Netzwerke einzurichten, sollten Sie ein „Gastnetzwerk“ für Ihre IoT-Geräte einrichten und damit den Zugang zum regulären Netzwerk verwehren.

Aktualisieren Sie auch die IoT-Software

Nicht nur ihr PC oder Laptop, auch IoT-Geräte müssen aktuelle Versionen laufen haben, um möglichst sicher zu sein. Das kann teilweise zeitaufwändig sein, lohnt sich aber dennoch in Hinblick auf die Sicherheit Ihrer Privatsphäre.

Vor dem Kauf: Google-Suche zu Hackerinfos

  •      Last but not least lohnt sich auch eine schnelle Google-Suche, wenn Sie sich ein
  •      neues IoT-Gerät anschaffen wollen. Hier erhält man einen guten Überblick, ob das Produkt der Wahl eventuell schon im Fokus der Hacker steht oder sogar bereits
  •      gehackt wurde.

Autor: Sophos ist ein Anbieter von Endpoint- und Network-Security-Lösungen der nächsten Generation. Als Pionier der Synchronized Security entwickelt Sophos sein innovatives Portfolio an Endpoint-, Netzwerk-, Verschlüsselungs-, Web-, E-Mail- und mobilen Security-Lösungen, die miteinander kommunizieren. 

Fake-News: Digitale Medienkompetenz statt Wahrheitsministerium

Gezielte Desinformation ist nicht erst seit dem Internet-Zeitalter eine Herausforderung. Trotzdem wird als Gegenmaßnahme zurzeit über die Einführung eines „Abwehrzentrums gegen Desinformation“ diskutiert. „Fake-News sind ein Problem, was sich nicht mit einem Wahrheitsministerium im Orwellschen Sinne lösen lässt. Wie bei vielen Phänomenen, die durch das Internet deutlicher an die Oberfläche treten, begegnet man ihnen am besten mit gesundem Menschenverstand – unterstützt durch digitale Medienkompetenz“, sagt Harald A. Summa, Geschäftsführer von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.

„Meine Großmutter hat immer gesagt, was in der Zeitung steht, stimmt! Nach diesem Motto betrachten viele Nutzer auch die Posts in sozialen Netzwerken“, erläutert Thomas Müller, Leiter Unternehmenskommunikation bei eco, den vermeintlichen Erfolg von Fake-News. „Dabei sollten wir lernen, wie im täglichen Leben zwischen einem Gerücht und einer echten Meldung zu unterscheiden. Oft genügt schon ein genauer Blick und das eigene Bauchgefühl, um eine Fake-News als solche zu entlarven“, ist Müller überzeugt.

Fünf praktische Tipps zum Umgang mit Fake-News

  1. Kritisch prüfen:

Jeder Leser kennt das Gefühl: Kann das wirklich wahr sein? Entweder klingt die Schlagzeile zu schön, um wahr zu sein oder hört sich so absurd an, dass unsere Skepsis Alarm schlägt. Beides ist ein gutes, erstes Indiz für eine Fake-News.

  1. Absender kontrollieren:

Einen wichtigen Rückschluss auf den Wahrheitsgehalt einer Meldung gibt der Absender. Wer hat die Nachricht als Erster gemeldet? Und wie seriös ist diese Quelle?

  1. Originalquelle ansehen:

Oft werden Meldungen in sozialen Netzwerken mit falschen Überschriften geteilt. Ein Blick in die Originalquelle gibt Aufschluss darüber, ob der Text hält, was der Titel verspricht. Außerdem lohnt eine Betrachtung der weiteren Nachrichten auf der Seite, um das Medium einzuordnen.

  1. Impressum checken:

Kommt Ihnen die Quelle nicht bekannt vor, sehen Sie sich das Impressum genauer an: Wer steckt hinter den Texten? Gibt es darüber keine befriedigende Antwort, sollte die Meldung auf keinen Fall weiter geteilt werden.

  1. Gegenprobe Suchmaschine:

Fake-News lassen sich auch daran erkennen, dass niemand sich sonst dieser Meldung annimmt. Die Nachrichten-Bereiche der Suchmaschinen geben Auskunft darüber, ob seriöse Medien ebenfalls die Nachricht aufgreifen oder sie nur wild auf zweifelhaften Seiten verbreitet wird. Zusätzlich gibt es mit hoaxsearch.com eine eigene Suchmaschine für Fakes.

Fake-News melden

Entlarvt man eine Nachricht als Desinformation, sollte man sie bei Initiativen wie Mimikama melden. Handelt es sich gar um rechtswidrige oder jugendgefährdende Inhalte, bietet die eco Beschwerdestelle eine Anlaufstelle, die nach juristischer Prüfung dafür sorgt, dass diese aus dem Internet entfernt werden.Maske_weiss

Warum Verlage zu Dienstleistern der Autoren werden sollten

Dr. Alexandra Hildebrandt

Dr. Alexandra Hildebrandt, Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin

Autorin Dr. Alexandra Hildebrandt schreibt in der HuffingtonPost“: Die deutsche Buchbranche erlebt derzeit die größte Veränderung ihrer Geschichte. Sie kämpft mit der Digitalisierung. Da sich dieser Megatrend, der die Welt disruptiv verändert, nicht im Tempo normaler industrieller Entwicklungen vollzieht, sondern viel schneller, sind viele an solche radikalen Veränderungen nicht gewöhnt und verwenden Geschäftsmodellprinzipien, die auf alten Fundamenten basieren.

„Diese harmonieren nicht mit den neuen Denkmodellen, die hinter der digitalen Technologie und den darauf entwickelten Produkten und Leistungen stehen“, betonen Christian Hoffmeister und Yorck von Borcke in ihrem Buch „Think new! 22 Erfolgsstrategien im digitalen Business“.

Die meisten Verlage halten leider noch immer an ihren herkömmlichen Textmodellen fest, doch niemand kann es sich heute mehr leisten, alte Pfründe zu verteidigen und auf herkömmliche Erfahrungen zu setzen.

Die digitale Disruption in der Buchbranche steht erst am Anfang.

Immer wieder ist in der letzten Zeit zu lesen, dass sich der E-Book-Markt „auf niedrigem Niveau stabilisiert“ habe oder sogar „rückläufig“ sei. Dabei schwingt immer der Gedanke mit, dass damit die digitale Disruption der Buchbranche im Wesentlichen vollzogen sei.

Für Dr. Karl-Ludwig von Wendt, der über künstliche Intelligenz promovierte und sich als Unternehmer und Berater mit den Folgen der Digitalisierung in verschiedenen Branchen beschäftigt, ist das ein gefährlicher Irrtum – vor allem deshalb, weil das E-Book, wie wir es heute kennen, für Verlage gar keine wirklich disruptive Technologie ist.

Die disruptive Innovation verändert die Spielregeln des gesamten Marktes: Es werden neue Kunden- bzw. Nutzergruppen angesprochen und ein neuer Kernnutzen geboten. In seinem lesenswerten Beitrag „Selfpublishing. Die wahre Disruption der Buchbranche beginnt erst“, schreibt von Wendt, dass das Selfpublishing Christensens Kriterien nahezu perfekt erfüllt.

Denn die „Kunden“ der Selfpublishing-Autoren sind die Leser – „eine von vielen Verlagen immer noch weitgehend unbekannte Zielgruppe. Die klassischen Verlagskunden, die Buchhändler, haben dagegen kein Interesse an Selfpublishing-Titeln“.

Disruptive Technologien werden von etablierten Anbietern zunächst meist nicht ernst genommen, weil sie keine „richtigen“ Bücher machen würden. So findet im klassischen Buchhandel Selfpublishing so gut wie gar nicht statt. Das Segment ist für die meisten Verlage noch unattraktiv oder wird lediglich als Scouting-Plattform betrachtet.

Auch für gängige Plattformen, die sich mit Wirtschaft, Ideen und Innovationen beschäftigen, ist dies nicht von Interesse: „Bei uns steht ja immer noch das Buch als Diskursbeitrag im Zentrum.“ Allerdings legen Untersuchungen aus den USA nahe, dass dort Selfpublisher den Verlagen bereits einen großen Teil des Buchmarkts abgenommen haben und weiter auf dem Vormarsch sind:

„Dennoch spricht die offizielle Statistik von einem rückläufigen E-Book-Markt, weil die disruptive Technologie schlicht nicht eingerechnet wird.“

Es ist nicht die Frage, ob sich konventionelle Verlage verändern müssen – die Frage ist, ob sie schnell genug sind. Ich arbeite gern mit Verlagen zusammen und mag auch in Zukunft auf das haptische Erlebnis guter Bücher nicht verzichten.

Klassiker und gute Literatur sowie Kunstbücher möchte ich weiterhin anfassen und mit der Hand be-greifen können. Sachbücher, die ständig aktualisiert werden, sind eine digitale Bereicherung. In den vergangenen Jahren habe ich auch die Grenzen konventioneller Verlage kennengelernt:

Vor allem bei Fachverlagen dauerte der Prozess bis zur Veröffentlichung zu lange – viele Informationen waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon veraltet und konnten im Nachgang nicht korrigiert werden. Bei Herausgeberwerken führte dies sogar dazu, dass Autoren während der Korrekturphase ihre Beiträge zurückgezogen haben. Auch der Satz „Es ist eine Ehre, gedruckt zu werden“ (ohne Honorar im Wissenschaftsbereich) funktioniert heute nicht mehr.

Selfpublishing: Die neue Selbstbestimmung

In einer Könnensgesellschaft werden wir selbst zu digitalen Handwerkern und sind auch in der Lage, Bücher selbst zu machen und dies ständig zu professionalisieren. Niemand muss sich heute mehr als Zuschauer in den Zirkus der sich zur Schau stellenden Autoren auf den Buchmessen begeben, niemand muss sich derartigen Gruppenerlebnissen aussetzen – es geht auch unabhängig vom Literaturbetrieb. Dazu ist es wichtig, gründlich vorauszusehen, um später nicht das Nachsehen zu haben. Wer heute als Publizist nicht im Mittelmaß versinken will, muss viele Dinge anders machen.

Vor einigen Jahren bin ich für meine Überzeugung, dass Bloggen zukunftsweisend in der Medienlandschaft ist, noch belächelt worden – auch für mein tägliches Pensum in meinem Blog in der Huffington Post. Viele Leitmedien betrachteten Blogs damals als Zweite-Klasse-Journalismus. Einige kritisierten, dass meine Beiträge über Nachhaltigkeitsthemen zwischen Tagesthemen und Schmuddelnachrichten im Blogteil auf der ersten Seite der Huffington Post Deutschland erschienen.

Ich sollte mich stattdessen nur auf „seriöse“ und Fachmedien konzentrieren. Aber genau die haben nicht die Reichweite und haben keine wirkliche Leserbindung. Heute ist es selbstverständlich, dass Artikel aus der Huffington Post, aus Spiegel Online oder aus ZEITonline parallel zu den Meinungen guter Blogger gelesen werden.

Von diese Demokratisierung und Grenzüberschreitung ist nun auch die Buchbranche betroffen: Es ist dank der Digitalisierung möglich, dass heute jeder einer globalen Leserschaft seine Gedanken und Geschichten zugänglich machen kann. Amazon Publishing sollte als Weckruf an alle Verlage betrachtet werden, ihr Serviceportfolio für Autoren anzupassen, um neue Wege zu gehen und dringliche gesellschaftliche Inhalte schneller in den Markt zu bringen.

Dieser Realität müssen sich Verlage heute stellen. Sie werden nicht verschwinden, nur ihre Aufgaben werden sich – wie auch in anderen Wirtschaftsbereichen – verschieben in Richtung Mehrwert und Dienstleistung für Autoren, die zum Beispiel darin unterstützt werden, ihr Manuskript besser zu machen und sich aus der Masse der anderen Autoren abzuheben.

Gute Lektoren werden immer gebraucht.

Eine Liebeserklärung für diesen Berufsstand hat uns der Publizist Roger Willemsen hinterlassen. In seinem Aufsatz „Die Raupe“, der im Herausgeberband von Insa Wilke, „Der leidenschaftliche Zeitgenosse“ (2015) enthalten ist, schreibt er: „Es ist dem Autor von seinem einzigen Konkurrenten, dem Schöpfer, ein Lektor mitgegeben… Ein guter Lektor tut viel. Er liest all das Schadhafte und Fadenscheinige weg. Hat die Jacke drei Arme, fällt es ihm auf, ist die Seide bloß Viskose, schüttelt er, ganz gute Hausfrau, darüber den Kopf und zeigt aufs Etikett.“ Sein Lektor und idealer Leser hieß Jürgen Hosemann. Sie hatten „Lebenslänglich“.

Viele Autoren oder die, die es werden wollen, versuchen heute zu machen, was die meisten machen: Sie senden ihren Buchvorschlag an Literaturagenten oder an Verlage. Aus der Fülle der eingereichten Manuskripte werden hier diejenigen ausgewählt, die gedruckt werden sollen und sich später im in den begrenzten Regalen der Buchhandlungen finden. Schließlich sind sie enttäuscht, wenn sie eine Absage erhalten, weil ihr Buchprojekt nicht in den Markt passt. Aber das Problem ist doch: Wenn einem immer nur das Gewohnte vor die Nase gestellt wird, dann wird das Neue nicht einmal bemerkt.

VerlageBuchtipp: Selfpublishing 21.0: Warum Verlage zu Dienstleistern der Autoren werden sollten. Amazon Media EU S.à r.l.

Weitere Informationen und Preis: € 0,99 bei Kindle

 

 

Wenn die Liebe zu Apps gefährlich wird

Bildquelle: Fotolia/beugdesign

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Die Deutschen lieben ihre Apps. In anderen Ländern mögen die Download-Zahlen rückläufig sein, nur in Deutschland installieren wir wie die Weltmeister. Das ergab eine Studie von Adobe Digital Insights, die während des auf dem Mobile World Congress veröffentlicht wurde. Aber bei all der Begeisterung für die Apps, vergessen viele, dass sie mit „toten Apps“ Hackern Tür und Tor zum eigenen Smartphone öffnen.

„Tote Apps“ sind Apps, die nicht geupdatet oder gelöscht wurden. So sind sie nicht auf dem neuesten Sicherheitsstand und öffnen Tür und Tor für Malware und Datenklau – der Vorstellung sind hier keine Grenzen gesetzt. Der Mobile Threats Report, den Intel Security ebenfalls in Barcelona auf dem MWC veorgestellt hat, zeigt, dass nach wie vor auf mehr als 500.000 Geräten solche „toten Apps“ installiert sind.

„Um den Verlust ihrer persönlichen Daten an tote Apps zu vermeiden, müssen Verbraucher genau darauf achten, welche Apps sie herunterladen und bei jeder App Informationen zum Entwickler und Bewertungen nachlesen, bevor sie die App installieren”, meint Raj Samani, CTO Intel Security EMEA. „Sie sollten auch nach einem Sicherheitstool Ausschau halten, das Apps identifiziert, die nicht mehr im Store sind und eventuell sogar Informationen darüber liefern können, wieso die App entfernt wurde.”

Microsoft hat sich dem Problem von einer anderen Seite angenähert und seinen App Store anlässlich neuer Altersfreigabe-Regeln radikal aufgeräumt – Anwendungen, die durch ihren Entwickler nicht aktualisiert wurden, flogen raus (über 60 Prozent der Apps). Bis die anderen App-Stores nachziehen liegt es auch an den Verbrauchern, ein wachsames Auge zu haben, ob sie sich nicht eine gefährliche App eingefangen haben. Liebe zur App macht blind – und das kann gefährlich werden. Überprüfen Sie doch mal, welche Leichen Sie im Smartphone haben.

Umfrage: Sieben von zehn Deutschen beklagen Intransparenz von Google, WhatsApp oder Apple

Google, WhatsApp oder Apple – digitale Marken und Dienste sind aus dem Leben vieler Menschen kaum wegzudenken – allerdings machen sich immer mehr Nutzer Sorgen um den Schutz ihrer Privatsphäre und die Intransparenz der Anbieter. So haben sieben von zehn Deutschen die Befürchtung, dass die genannten Internetkonzerne nicht sorgsam genug mit ihren Daten umgingen.

googleUnd 69 Prozent der Bundesbürger wollen zwar die Dienste weiter nutzen, beklagen aber, dass ihnen die Anbieter intransparent und unberechenbar erschienen. Das sind zentrale Ergebnisse einer Online-Umfrage der weltweit tätigen Markenberatung Prophet zum Thema „Mehr Nutzen oder mehr Angst: Wie wichtig sind Ihnen die digitalen Angebote von Google, WhatsApp oder Apple?“, zu der im Januar dieses Jahres 1.000 Erwachsene in Deutschland repräsentativ befragt wurden.

Apple LogoAuch die weltweite Marktdominanz der drei US-Konzerne bereitet etlichen Bundesbürgern Sorge. So äußern 62 Prozent der Befragten ihre Furcht vor einem globalen Netzmonopol der amerikanischen Marktführer, das Konkurrenten und damit den Wettbewerb ersticken könnte. Immerhin 37 Prozent der befragten Bundesbürger versuchen wegen ihrer Bedenken häufiger ohne die Dienste von Google, WhatsApp oder Apple auszukommen.

„Will eine Marke oder ein Internetdienst wie WhatsApp, Google oder Apple dauerhaft erfolgreich und nachhaltig bleiben, muss sie den Wunsch ihrer Nutzer nach Transparenz und Berechenbarkeit ernst nehmen“, bewertet der Berliner Prophet-Partner Jan Döring die Ergebnisse der Umfrage. Die Markenstrategen der Konzerne dürften sich nicht darauf verlassen, dass ihre Marke ständig so relevant bliebe, dass die Menschen ohne sie nicht leben wollten. Sowie die Relevanz der Marke für die Nutzer geringer werde, träten die Ängste vor der Intransparenz der Anbieter wieder mehr in den Vordergrund und die Nutzer empfänden, dass diese Marke für sie noch unberechenbarer und weniger vertrauensvoll werde, meint Döring. Dann suchten sie nach Alternativen und wechselten womöglich den Dienst.

WhatsappDie weltweit tätige Unternehmensberatung Prophet hat kürzlich die Ergebnisse des „Prophet Brand Relevance Index“  veröffentlicht, dem ersten Markenranking, das die Markenrelevanz aus Konsumentensicht beurteilt. Dazu wurden in Deutschland, den USA, Großbritannien und China etwa 45.000 Verbraucher zu über 250 Marken befragt.