Bringen Emoticons mehr Ehrlichkeit ins Web?

Smiley-face-emoticon-575Emoticons sind kleine Piktogramme, die in E-Mails oder beim Chat benutzt werden, um Emotionen auszudrücken oder sich Schreibarbeit zu sparen. Mit der Urform des Emoticons, dem Strichmännchengesicht, experimentierten Schriftsetzer dabei bereits in früheren Jahrhunderten, damals unter Verwendung von Satzzeichen oder Buchstaben. 1963 „entdeckte“ dann der Werbegrafiker Harvey Ball diese Mini-Gefühls-Bilder erneut und entwarf „seinen“ Smiley, der heute als die Urform aller gängiger Emoticons gilt.

Emoticons sind für die Teilnehmer an der Internetkommunikation eine wichtige Methode, ihre Gefühlslage deutlich zu machen. Denn Internetkommunikation läuft im Gegensatz zur direkten Kommunikation ohne sichtbares Gegenüber ab, dessen Gesten, Mimik und Stimmausdruck gedeutet werden könnte, um neben dem Wortinhalt Aufschluss über die Einstellung zum Gegenüber, Aussagen über die Wahrhaftigkeit und Bedeutung der Aussage sowie den emotionalen Zustand zu erhalten. Auch die soziale Rolle des Sprechers (Geschlecht, ungefähres Alter, Hautfarbe, Kleidung, Frisur etc.) geben Anhaltspunkte über die Bedeutung des Sprachinhalts. So ist zum Beispiel eine ironische Aussage in der Schriftform oft allein am Wortinhalt nicht zu verstehen. Um den Bedeutungskontext der Aussagen zu verdeutlichen, helfen Emoticons. Anders als bei anderen Formen der textbasierten Kommunikation, wie dem Brief, treffen sich im Internet oft Unbekannte. Dies macht es noch schwieriger, den Bedeutungskontext zu entschlüsseln. Die Emoticons sollen hierbei helfen, die Zahl der Missverständnisse zu reduzieren.

Emoticons werden dabei häufig spontan eingesetzt, oft anders als die schriftliche Sprache. Nun wollen wir für xethix wissen: Reflektiert man mehr über die Inhalte, die man ausdrücken will, wenn man Emoticons einsetzt oder eher bei der gesuchten schriftlichen Ausdrucksweise. Was denken Sie?

 

Wolff_Christiane

Christane Wollf ist Leiterin Unternehmenskommunikation & PR bei Serviceplan

Emoticons sind für mich eine schöne und sinnvolle Ergänzung bei kurzen Nachrichten und Posts. Sie lassen sich zwar ganz schnell einsetzen, aber ich denke dennoch genauso über ihren Einsatz nach wie über ein Wort, das ich wähle. Sie unterstützen gerade die rasche Kommunikation auf WhatsApp oder unterstreichen eine Aussage auf Facebook etc. Und ja, bei ironischen Kommentaren oder Themen hilft dem Empfänger so ein zwinkerndes Emoticon doch sehr, den Inhalt schnell und korrekt zu interpretieren. Manchmal nutze ich sie auch alleine – ganz ohne schriftliche Sprache. Denn so ein alleinstehendes Herz, das schlägt, ist auf WhatsApp einfach wunderschön! Autorin: Christane Wollf ist Leiterin Unternehmenskommunikation & PR bei Serviceplan, einer Full-Service-Agentur, die internationale, integrierte Live-Marketinglösungen kreiert und diese nachhaltig umsetzt.

 

Dr. Alexandra Hildebrandt

Dr. Alexandra Hildebrandt, Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin

Da ich selbst die schriftliche Ausdrucksweise bevorzuge und Emoticons nur sehr sparsam bei SMS einsetze, hängt für mich das Inhaltliche auch mit der Verschriftlichung eng zusammen. Die Abkürzung von Inhalten in der Zeichensprache kann auch zu Missverständnissen führen. Interessant ist deshalb die Erforschung, welche Wirkung Emoticons beim Empfänger haben. Erhält er beispielsweise ein „Herz“, muss es nicht bedeuten, dass ein anderer in ihn verliebt ist, sondern dass ihm einfach nur etwas gefällt. Die Zeichensprache ist einfach – aber bestimmte Inhalte bleiben eben kompliziert und breit interpretierbar wie Liebe. Eine wichtige Frage ist sicher auch, was die Verwendung von Emoticons über die Menschen aussagt, die sie verwenden (Alter, Lebenskontext und Lebensweise). Ist jemand ernst und humorlos, wenn er darauf verzichtet?  Ist er „naiv“ und verspielt, wenn es zu viele sind? Wo ist die Grenze zum Verlust der Glaubwürdigkeit? Warum braucht der Mensch zu allen Zeiten Zeichen? Was ist über Jahrhunderte gleich geblieben, und was ist anders im digitalen Zeitalter? Autorin:  Dr. Alexandra Hildebrandt, Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin und leitet das Portal „Gesichter der Nachhaltigkeit„.

 

 

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